Aktualisiert am 12 März 26 von

Wie verwendest du PokerTracker-Stats?

Einleitung

In diesem Artikel

  • Welche Stats gibt es?
  • Welche Stats brauchst du?
  • Was verraten dir die Stats über deine Gegner?

Dieser Artikel befasst sich mit dem Thema Pokertracker-Stats und deren Einbindung in das eigene Spiel. Nach einer einleitenden Bedeutungserklärung der verschiedenen Stats werden die charakteristischen Werte aller grundlegenden Spielertypen analysiert und im weiteren Verlauf Richtwerte für eine souveräne TAG-Strategie aufgezeigt. 

 

Anmerkungen zu den gezeigten Werten

Die Angaben sollten als roter Faden dienen, jedoch immer unter dem Aspekt betrachtet werden, dass sie bei No-Limit Hold'em häufig variieren und daher längst nicht alle Entscheidungen so eindeutig sind, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Pokertracker-Stats sind immer mit Vorsicht zu genießen und geben jeweils nur einen ersten Eindruck von der Spielweise eines Gegners wieder. Du benötigst immer eine ausreichende Anzahl an gegnerischen Händen in deiner PT-Datenbank, um annähernd korrekte Reads gewährleisten zu können. Allerdings kann man bei einigen Gegnern schon nach wenigen Händen bestimmte Tendenzen erkennen. Doch dazu später mehr.

Weiterhin solltest du bedenken, dass Pokertracker und PokerAce Hud allein keine Garanten für stetigen Gewinn darstellen. Aus diesem Grunde ist es immer wichtig, für den einzelnen Gegner spezielle Notes über Handranges, Moves und das Spielen von Draws zu machen.

Die wichtigsten Werte im Überblick

ALLGEMEIN
  • Name: Der Nickname.

  • Net $ Won: Hierbei handelt es sich um den Ertrag, den der Spieler erwirtschaftet hat. Du kannst somit auch immer selbst erfahren, wie viel Gewinn du an einem Tisch gemacht hast. Wenn du dazu neigst, zu oft auf deine Bankroll zu schauen, solltest du dir diesen Wert nicht anzeigen lassen.

  • Total Hands: Eine weitere Standardanzeige von PokerAce Hud. Je mehr Hände eines Spielers sich in deiner PT-Datenbank befinden, desto aussagekräftiger sind deine Statistiken über ihn.

  • BB/100 Hands: Ein eher zweitrangiger Wert, der den durchschnittlichen Gewinn in Big Bets pro 100 Hände angibt. Um die reale Gewinnrate in BB/100 für No-Limit Hold'em zu erhalten, muss der in Pokertracker angezeigte Wert mit 2 multipliziert werden. Im Forum ist deshalb auch oftmals die Rede von PTBB/100.

  • Icon & Icon Description: Den einzelnen Spielertypen kannst du in Pokertracker Bilder bzw. Icons zuweisen. Diese werden dann ebenfalls von PokerAce Hud angezeigt. Wenn du den Icons zusätzlich eine Beschreibung beifügst, kann auch diese angezeigt werden. Wohl eine der sinnlosesten Einstellungen überhaupt.

PREFLOP
  • VP$IP: Der VP$IP gibt an, wie viel Prozent seiner Starthände ein Spieler spielt. Mit seiner Hilfe kannst du einordnen, zu welcher Kategorie ein Gegner gehört. Dazu später mehr. An einem Full-Ring-Tisch (FR) solltest du einen VP$IP von 13-20% besitzen und im Shorthanded-Spiel (SH) einen Wert von 17-23% erreichen.

  • PFR: Der Preflop Raise gibt an, wie viel Prozent seiner Starthände ein Spieler vor dem Flop erhöht, ob er viel oder wenig erhöht. Der Zusammenhang zwischen PFR und VP$IP ist für dein eigenes Spiel in dem Sinne bedeutsam, dass sich beide immer im gleichen Verhältnis zueinander befinden sollten. Dein PFR sollte stets etwa 2/3 des VP$IP betragen. Bei einem FR-VP$IP von 13-20% sollte dein PFR 8-14% betragen, im SH-Game demzufolge 11-16%.

  • Attempted to Steal: Dieser Wert gewinnt erst an wirklicher Bedeutung, wenn du die Bereiche der Small Stakes verlässt und in die Midstakes aufsteigst (NL 400+). Er ist ein Maß dafür, wie oft jemand versucht, die Blinds zu stehlen. Er sollte in deinem Spiel nicht mehr als 40% betragen, da ein Gegner sonst sehr schnell weiß, was du machst.

  • Cold Call Preflop: Cold Call Preflop zeigt, wie oft ein Spieler ein Raise vor dem Flop callt, ohne vorher selbst erhöht zu haben.

  • Call Preflop Raise: Fast selbsterklärend und nicht ganz so wichtig, handelt es sich hierbei um den Anteil der Hände, mit denen ein Spieler limpt und ein nachfolgendes Raise callt.

  • Folded Small Blind to Steal: Dieser Wert zeigt, wie oft ein Spieler seinen Small Blind gegen einen Steal aufgibt. Dein eigener Wert sollte dabei bei um die 85% liegen und kann zwischen 80% und 90% schwanken.

  • Folded Big Blind to Steal: Analog zum letztgenannten gibt dieser Wert an, wie häufig ein Spieler seinen Big Blind gegen einen Steal-Versuch aufgibt. Manche PokerStrategy-Spieler werden hier einen Wert von um die 80% erreichen, manche mehr und einige weniger. Entscheidend ist, dass du deinen BB nicht mit marginalen Händen verteidigst, sondern immer darauf achtest, ob es sich bei der jeweiligen Situation tatsächlich um einen Steal handelt oder ob dein Gegner eine gute Hand halten könnte.

POSTFLOP
  • Continuation Bet: Mittels dieses Wertes weißt du, wie oft dein Gegner am Flop eine „Folge-Bet" setzt, wenn er vor dem Flop erhöht hat.

  • Calls Continuation Bet / Raises Continuation Bet / Folds Continuation Bet: Für dein eigenes Spiel sind dies denkbar wichtige Faktoren, denn manchmal ist es besser, gegen Leute mit einem hohen "Calls Continuation Bet"-Wert auf eine Contibet zu verzichten. Erhöht jemand häufig auf deine Contibet, dann solltest du dich auch darauf einstellen können. Hat jemand einen hohen "Folds Continuation Bet"-Wert, kann man im Heads-up mit ihm auch öfter eine „Folge-Bet" setzen.

  • Flop Aggression / Turn Aggression / River Aggression / Total Aggression Postflop (AF): Diese vier Werte sind wichtige Indikatoren für die Aggressivität eines Spielers insgesamt und auf den einzelnen Straßen. Sie sind Entscheidungshilfen, ob zum Beispiel ein Calldown gegen einen aggressiven Gegner sinnvoll ist oder ob du einen toughen Laydown gegen einen passiven Gegner machen solltest.

    Es gilt zu beachten: Hat jemand eine sehr hohe River-Aggression und die beiden anderen Werte sind eher zu vernachlässigen, solltest du am River wachsam sein, da er dazu neigt, Monster slow zu spielen. Pauschal kann man hier keine eindeutigen Werte festlegen, allerdings sollte die Total Aggression Postflop nicht mehr als 3.5 betragen.

    Die Flop-Aggression sollte zwischen 2,5 und 4,5 liegen. Wenn sie diese obere Grenze überschreitet, dann musst du auch öfter mit marginalen Händen eine Flop-Bet auslassen, da du sonst zu oft von dieser Hand vertrieben wirst. Die River-Aggression liegt dagegen meist nur zwischen 1.0 und 2.5. Sollte sie darunter liegen, dann verschenkst du häufig Value und wirst auf lange Sicht weniger Gewinn erzielen.

    Um es deutlich auszudrücken: Diese Werte können im Extremfall bei 4,5/2,7/2,5 liegen, aber andersherum auch bei 3/1,5/1. Im Ganzen ist es wichtig, dass du dich mit deiner eigenen Aggressivität wohl fühlst und einen guten Gewinn erzielst.

  • Bet Flop / Bet Turn / Bet River / Bet Total: Vier weitere Faktoren, die zusammenspielen und dein Spiel um einiges erleichtern können. Bettet jemand sehr oft, dann wird er auch marginale Händen und nicht nur seine guten Hände stark spielen. Bettet jemand eher selten, dann ist es vielleicht ein vorsichtiger Spieler, der sich nicht traut, mit guten Händen eine Bet anzusetzen. Am besten findest du selbst einen guten Mix in deinen Betting-Sequenzen, um vor allem auch immer maximalen Gewinn herauszuholen.

  • Check Raise Flop / Check Raise Turn / Check Raise River / Check Raise Total: Der wichtigste Wert hiervon ist sicherlich Check Raise Flop, da du bei einem hohen Betrag auch einmal auf eine Contibet verzichten musst. Ein Checkraise am Turn wirst du selbst oftmals nur mit sehr starken Händen spielen, da du dann keine Angst vor einer Freecard haben musst. Am River ist ein Checkraise meist riskant, da der Gegner die Möglichkeit erhält, umsonst zum Showdown zu gelangen. Dein "Check Raise Total"-Wert sollte nicht mehr als 1% betragen, da du sonst zu oft Value verschenkst.

  • Raise Flop / Raise Turn / Raise River / Raise Total: Die Bezeichnungen sind wohl selbsterklärend.

  • Fold to Flop / Turn / River Raise: Eher für Limit Hold'em interessant.

  • Folded to Flop Bet: Haben einige von deinen Gegnern hier einen überdurchschnittlich hohen Wert, dann kann es sich lohnen, auch einmal in einem unraised Pot eine Art Semibluff mit einem guten Draw oder einem marginalen Paar zu starten.

  • Folded to Turn Bet: Manchmal triffst du auf Spieler, deren "Folded to Flop Bet"-Wert auffällig klein ist, die dafür aber viel am Turn folden. Hier kann es sinnvoll sein, mit einem Flushdraw oder mit einem Toppair/Good Kicker (TPGK) auf einem drawlastigen Board eine zweite Bet am Turn zu setzen, um die Hand ohne Showdown für dich zu entscheiden. Foldet jemand selten am Turn, dann wird er allerdings auch selten am River folden und du solltest gegen diesen weniger bluffen.

  • Folded to River Bet: Auch hier hast du einen Faktor, der entscheidend auf deinen Gewinn Auswirkungen hat. Foldet jemand selten am River, dann kannst du auch dort noch mal eine mit einer guten Hand eine starke Bet machen. Foldet hingegen jemand häufig am River, dann kann sich auch der ein oder andere Bluff bezahlt machen, aber das hängt im Einzelfall stark von der gesamten Board-Textur ab.

    Manche Spieler callen geradezu krampfhaft mit ihrer Hand herunter, um sie am River auf eine Bet hin aufzugeben. Hier kann gut eine Art 3rd-Barrel-Bluff Sinn machen. Da s ist aber ein sehr riskanter Spielzug, der einiges an Erfahrung voraussetzt und nur dann eingesetzt werden sollte, wenn du wirklich verstehst, warum du so spielst.

  • Went to Showdown: Einher mit den drei Werten "Folded to..." geht der Went to Showdown (WTS oder WTSD). Bei einem Gegner mit einem hohen WTS solltest du gänzlich auf Bluffs verzichten und meist nur deine starken Hände spielen, da diese sehr gut ausbezahlt werden. Wenn du Spielern mit hohem WTS begegnest, dann lohnt es sich selten, deine Draws übermäßig aggressiv zu spielen, da deine Gegner nicht oft genug folden werden.

    Im Vergleich zu Limit Hold'em sollte dein WTS kleiner sein, da du dich zu oft von marginalen Händen wie TPGK trennen musst. Im Idealfall hast du einen "Went to Showdown"-Wert von 20-28%. Diese Schwankungen hängen stark davon ab, wie aggressiv du deine Hände spielst und wie häufig du zum Showdown kommst oder schon vorher die Hand gewinnst/aufgeben musst.

  • Won when saw Flop: Dieser Wert gibt an, wie oft du eine Hand für dich entscheiden konntest, wenn du den Flop gesehen habt. Er hat keinen großen Einfluss auf das eigene Spiel und wird oftmals nur bei der Analyse der eigenen Statistik angegeben.

Welche Werte solltest du dir anzeigen lassen?

Wer sich noch nie mit Pokerace Hud beschäftigt hat, der wird feststellen, dass man bei der Standardeinstellung sehr wenig am Tisch angezeigt bekommt. Allerdings kann man die Einstellungen selbst verändern.

Hierfür startest du PokerAce Hud und klickst auf Options. Anschließend wählst du Layout Manager. Nun hast du eine Vielzahl von Einstellungen, die du tätigen kannst. Wichtig dabei ist, dass du dich nicht überforderst mit zu vielen Stats, sondern dass du ein gesundes Maß zwischen Anzeige und Nutzen findet.

Im Vergleich: Links die Standardeinstellung, rechts die Pokerstrategy.com-Variante

WAS SOLLTEST DU DIR ANZEIGEN LASSEN?

Auf jeden Fall die Werte der Standardeinstellung:

  • VP$IP
  • PFR
  • AF
  • WTS
  • Attempted to Steal
  • Total Hands

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, sowohl die Farbe als auch die Schriftgröße der einzelnen Stats zu verändern. Dein Gehirn kann dabei spezielle Werte in einer anderen Farbe oder anderen Schriftgröße deutlich schneller verarbeiten und behalten.

ERLÄUTERUNGEN ZUR GEZEIGTEN KONFIGURATION

Du siehst, dass hier eine Menge an Informationen auf einen sehr kleinen Raum gezwängt werden. Durch die logische Anordnung (preflop oben, postflop unten) und die unterschiedliche Farbgebung/Schriftgröße erkennt das Gehirn allerdings sofort, welche Zahl zu welchem Wert gehört.

DAS POPUP-FENSTER

Klickst du auf einen Namen am Tisch, dann wird dort ein kleines schwarzes Fenster angezeigt, in denen viele Werte angezeigt werden. Sinnvoll ist es, sich diese Werte einmal genauer anzusehen und sie den eigenen Anforderungen entsprechend anzuordnen.

Hier zu sehen die Standardeinstellung vom Pokerstrategy-Layout:

Es empfiehlt sich, die Preflop- und Postflop-Werte optisch zu trennen, um sie leichter auffinden zu können. Zudem solltest du die Stats für Flop, Turn und River abgrenzen.

Im Popup-Fenster sollten unbedingt enthalten sein:

  • Continuation Bet
  • Flop Aggression / Fold to Flop Bet
  • Turn Aggression / Fold to Turn Bet
  • River Aggression
  • Fold to River Bet

Bei allen anderen Werten musst du selbst entscheiden, was wichtig ist. Bedenke dabei, dass du einen Großteil der wichtigen Werte schon auf dem Tisch anzeigen lässt.

Wichtig: Hier erhältst du nur Empfehlungen. Welche Werte dir in deinem Spiel weiterhelfen, hängt von dir persönlich ab. Manche Spieler lassen sich anzeigen, was nur möglich ist, während sich andere dadurch in ihrem Spiel abgelenkt fühlen und sich nur eine kleine Auswahl der wichtigsten Werte anzeigen lassen.

Gerade wenn du anfängst, mit Stats zu arbeiten, solltest du deine Auswahl erst einmal stark beschränken. Der Grund hierfür ist einfach, dass die Zahlen an sich nicht das Entscheidende sind, sondern wie du sie interpretierst und in dein Spiel integrierst. Dieses Interpretieren muss erst gelernt werden. Bei zu vielen Stats läufst du Gefahr, in die Falle zu geraten, dass du dein Spiel an zig Werten ausrichten willst, von denen du aber nur rudimentär weißt, was sie überhaupt in der Spielpraxis bedeuten.

Welche Werte haben die verschiedenen Spielertypen?

Das folgende Kapitel widmet sich den verschiedenen Spieltypen und zeigt dir, anhand welcher Werte du sie identifizieren kannst. Für eine ausreichende Aussagekraft sind natürlich auch hier genügend Hände der Gegner notwendig. Mit 100 Händen eines Gegners kannst du schon erste Aussagen zu den Tendenzen deines Gegners treffen.

Tight Passive

Tight-Passive Spieler wählen ihre Starthände sehr sorgfältig aus und sind dabei nur sehr selten aggressiv. Solche Spieler sind oftmals preflop in ihren Entscheidungen gehemmt und trauen sich nicht, starke Hände auch stark zu spielen. Aufpassen solltest du dann, wenn sie vor dem Flop raisen oder sogar 3-betten. Häufig ist das ein Anzeichen für eine sehr starke Starthand und du musst deine Hand eventuell ohne Verbesserung am Flop aufgeben.

Welche Werte haben solche Spieler:

  • VP$IP: 13-20%
  • PFR: 0-5%

Man unterscheidet bei diesem Spielertyp zwischen Tight Passive Passive und Tight Passive Aggressive.

TIGHT PASSIVE PASSIVE

Begegnest du solch einem Spieler, dann ist Vorsicht geboten, sollte er postflop aggressiv spielen. Dann solltest du deine marginalen Hände folden und nur noch mit sehr starken Händen zum Showdown gehen. In der Regel trennen sich solche Spieler auch selten von TPGK oder einem Overpair. Hier solltest du umso mehr starke Valuebets machen.

Welche Werte haben solche Spieler:

  • WTS: 23-32%
  • AF: 0.5-1.5
TIGHT PASSIVE AGGRESSIVE

Dieser Spielertyp overplayt oft starke Starthände nach dem Flop, da er glaubt, dass du ihn nicht auf solch eine Hand setzen kannst. Allerdings ist dennoch bei ihm Vorsicht geboten, da er auch von Zeit zu Zeit einen Draw aggressiv spielen kann. du solltest also auch gegen diesen Spieler nur selten semibluffen und lieber starke Valuebets machen. Dieser Spieler weiß, wie man foldet, wird allerdings Overpairs und starke TPGK auch bis zum bitteren Ende verteidigen.

Welche Werte haben solche Spieler:

  • WTS: 18-28%
  • AF: 1.5-4.0

Wichtig: Tight-Passive Spieler wissen, welche Hände sie spielen, sind aber oftmals nicht aggressiv genug, auch mit starken Händen. Sie sind also sehr unsicher und folden etwas seltener nach dem Flop. Mach gegen diese Spieler vermehrt Valuebets und unterlass komplette Bluffs, da sie dich oftmals einfach runtercallen werden.

Tight-Aggressive

Bei einem so genannten tight aggressiven Spieler (TAG) musst du davon ausgehen, dass er das Spiel verstanden hat. Er ist derzeit auch der profitabelste Spielstil, weshalb er unter anderem die Grundlage der Strategien von PokerStrategy bildet.

Da du selbst diesen Stil spielst, solltest du in der Lage sein, zu verstehen, was für Hände ein solcher Gegner spielt. Wenn jemand TAG-Stats hat, dann solltest du im Regelfall erst einmal annehmen, dass er ein guter Spieler ist. Erst wenn du längere Zeit mit ihm am Tisch gesessen hast, kannst du weitere Eingrenzungen machen.

Welche Werte haben solche Spieler:

  • VP$IP: 13-20% (FR) - 16-23% (SH)
  • PFR: 7-13% (FR) - 9-15% (SH)

Den TAG kann man ebenfalls nach dem Flop in mehrere Kategorien einteilen.

TIGHT AGGRESSIVE AGGRESSIVE

Wohl der Standardspieler und winning Player schlechthin. Wichtig ist, dass er sich von marginalen Händen trennen kann und weiß, Semibluffs zu spielen. Er zeigt mit starken Händen auch einmal Schwäche, um ein Checkraise anzusetzen. Wenn er dann noch zwischen Protection und Pot Control abwiegen kann, dann wird es schwer, ihn auf eine Hand zu setzen. Dieser Spieler sollte auf seinem Limit winning Player sein und du kannst davon ausgehen, dass es schwer wird, gegen ihn zu bestehen.

Welche Werte haben solche Spieler:

  • WTS: 19-25%
  • AF: 1.5-4.0
TIGHT AGGRESSIVE PASSIVE

Ein sehr selten zu sehender Spieler, da er meist nur ein schwacher winning Player ist. Bezeichnend für diesen Spieler ist, dass er nach dem Flop auch mit starken Händen eher passiv spielt. Er wird häufig seine guten Hände nur schwach gegen Draws verteidigen und du bekommst mit einem Semibluff am Flop auch sehr oft zwei Karten zu sehen. Wichtig ist trotzdem, dass du nur selten gegen ihn bluffst, weil er oft check/call spielen wird.

Welche Werte haben solche Spieler:

  • WTS: 20-28%
  • AF: 0.5-1.5
WEAK TIGHT

Weak tighte Spieler haben eine große Schwäche: Sie folden relativ schnell auch stärkere Hände gegen starke Gegenwehr. Das gibt dir zwar keinen Freibrief, um gegen diese fortwährend zu bluffen, allerdings kannst du gegen sie häufiger einen Move machen. Diese Spieler sind nach dem Flop eher passiv und verzichten fast gänzlich darauf, ihre Hände stark zu verteidigen.

Welche Werte haben solche Spieler:

  • WTS: 16-22%
  • AF: 0.5-1.5

Wichtig: Spricht man von Tight Aggressive, ist damit fast immer Tight Aggressive Aggressive gemeint. Gegen tight aggressive Spieler solltest du möglichst selten spielen. Wenn du dann doch mal eine Hand gegen sie findest, dann überlege lieber zweimal, wie du weiterspielst.

Loose-Passive

Der loose-passive Spieler sollte einer deiner Hauptgegner sein, da er selten marginale Hände wegwerfen wird. Er wählt seine Starthände weniger sorgfältig aus und achtet auch nur selten auf andere Spieler. Ein typisches Merkmal ist, dass er zu viel out of Position callt und anschließend von seiner Hand nicht mehr lassen kann. Wichtig dabei ist, dass du in Position, also links von ihm sitzt, damit du ihn preflop mit einem Raise isolieren kannst.

Welche Werte haben solche Spieler:

  • VP$IP: 23-40%
  • PFR: 0-10%

Sehr selten wirst du postflop Unterschiede in ihrer Spielweise feststellen. Dennoch gibt es beim loose passive Spieler verschiedene Kategorien.

LOOSE PASSIVE PASSIVE

Einer deiner besten „Kunden", über den du dich immer freuen wirst, vor allem wenn sie dazu noch einen hohen "Fold to Continuation Bet"-Wert haben. Dann kannst du sie vor dem Flop auch mit marginaleren Händen isolieren. Es zeichnet sie aus, dass sie, sollten sie etwas am Flop getroffen haben, ihre Hand nicht mehr loslassen können. Du solltest daher komplett auf Bluffs verzichten und vermehrt sehr große Valuebets machen oder auch die eine oder andere Overbet mit den Nuts einstreuen. Allerdings musst du wieder aufpassen, wenn sie aggressive Spielzüge zeigen.

Welche Werte haben solche Spieler:

  • WTS: 25-35%
  • AF: 0.5-1.5
LOOSE PASSIVE AGGRESSIVE

Wiederum ein Spieler, mit dem du gerne am Tisch sitzt. Dieser Spieler ist oftmals vom Typ: „Ich bin total tricky." Er spielt vor dem Flop seine guten Starthände auffällig passiv und spielt sie nach dem Flop viel zu aggressiv. Dieser Spieler kann aber auch mit ganz harten Bluffs aufwachen und du solltest mehr Pot Control betreiben, um nicht Gefahr zu laufen, deinen ganzen Stack zu verlieren. Hier ist ebenfalls wichtig, viele Valuebets zu machen und darauf zu achten, wie er seine starken Hände und wie er seine Bluffs spielt.

Welche Werte haben solche Spieler:

  • WTS: 22-28%
  • AF: 1.5-4.0

Wichtig: Dies sind deine liebsten Gegner und du willst sie zu Fehlern zwingen. Somit kann es sich lohnen, sie öfter vor dem Flop zu isolieren. Mach gegen sie große Valuebets und versuche immer, das Maximum zu gewinnen. Slowplay von starken Händen lohnt sich dabei nur ganz selten, da deine Gegner viel zu passiv sind.

Loose-Aggressive

Neben den TAGs die zweite Art von Spielern, gegen die du ungern spielen willst. Loose-aggressive Spieler (LAG) können ebenfalls gute winning Player sein, allerdings sind längst nicht alle gut genug. Das Hauptproblem bei dieser Art von Gegner ist, dass sie sehr aggressiv vor dem Flop sind und meist auch sehr aggressiv nach dem Flop.

Sie können euch dabei sehr leicht vor dem Flop 3-betten und du musst oft oop gegen sie spielen. Deswegen sichere dir lieber Position auf sie, um selbst 3-betten zu können. Wichtig dabei ist, nicht zu aggressiv gegen sie zu spielen, sondern auch vermehrt einen Calldown zu machen, da sie häufig semibluffen und viele auch an schlechten Stellen einen pure Bluff anbringen.

Welche Werte haben solche Spieler:

  • VP$IP: 23-40%
  • PFR: 15-28%

Wie erwähnt, werden LAGs auch nach dem Flop weiterhin sehr aggressiv sein, und du musst dich darauf einstellen können, auch einmal einen starken Fold oder einen guten Call zu machen.

LOOSE AGGRESSIVE AGGRESSIVE

Der wohl am schwersten zu spielende Gegner. Du solltest sehr tight gegen ihn spielen und eine Hand lieber vor dem Flop folden, als dich in eine schlechte Situation zu bringen. Gegen diese Sorte von Gegner kann Slowplay ein probates Mittel sein, um viel Value zu bekommen, da er Schwäche bestrafen will.

Du musst dennoch darauf achten, deine Hände vor möglichen Draws zu schützen, um nicht am River noch überholt zu werden. Auch der vermehrte Verzicht auf eine Contibet kann Wunder bewirken, da du somit relativ preiswert auch noch eine weitere Karte sehen kannst, ohne dass der Pot schon zu groß ist.

Welche Werte haben solche Spieler:

  • WTS: 22-28%
  • AF: 1.5-4.0
LOOSE AGGRESSIVE PASSIVE

Ganz selten siehst du diesen Spieler und wenn, dann kann er auch ein guter „Kunde" werden. Er weiß, seine Hände vor dem Flop stark zu spielen, ist sich nach dem Flop allerdings nicht mehr so sicher. Hier kannst du ruhig vor dem Flop dein Standardspiel beibehalten, da du gegen solche Spieler gute implied Odds bekommst.

Sie werden sich von schwachen TPGK und Overpairs nur ganz selten trennen. Zusätzlich geben sie dir für Draws gute Odds und du kannst mit einem Semibluff am Flop eine gratis Riverkarte sehen. Wichtig dabei ist wieder, viele große Valuebets und die ein oder andere Overbet zu machen.

Welche Werte haben solche Spieler:

  • WTS: 25-35%
  • AF: 0.5-1.5

Wichtig: Spricht man von einem loose aggressive Spieler, meint man nahezu immer den Typ „Loose Aggressive Aggressive". Die andere Variante ist extrem selten.

Der loose agressive Spieler ist neben dem TAG jemand, den du vermeiden solltest, solange du noch keine Erfahrung mit ihnen gemacht hast. Du wirst postflop oft vor sehr große Probleme gestellt und musst somit deutlich schwerere Entscheidungen treffen. Deswegen ist angeraten, preflop etwas tighter gegen sie zu spielen.

Der Rock

Dieser Spieler wählt seine Starthände noch eingehender aus und spielt fast nur Premiumblätter. Du wirst ganz selten gegen ihn antreten müssen, da er so gut wie keine Hand spielt. Wenn du dann doch einmal mit ihm einen Flop siehst, dann agiert eher etwas vorsichtiger und achtet darauf, wie aggressiv er ist. Wenn du eine gute Hand gegen ihn floppst, dann spiel sie straightforward und nicht tricky. Hier gilt: Besser den Pot gleich mitnehmen, als noch am River zu verlieren.

Man kann bei einem Rock schon preflop eine Unterscheidung feststellen: Es gibt den passiven Rock, der so gut wie keine Hand selbst erhöht, und im Gegenzug natürlich den aggressiven Rock.

Der aggressive Rock erhöht vor dem Flop fast 90% der Hände, die er auch spielt. Beim passiven Rock musst du aufpassen, dass du nicht in ein hohes Pocket Pair läufst. Deshalb spielst du gegen passive Rocks nach dem Flop auch etwas passiver. Läufst du in ein Limpraise, dann folde lieber gleich, da es oftmals eine sehr starke Starthand ist (AA, KK, AK).

Welche Werte haben solche Spieler:

  • VP$IP: 5-12%
  • PFR: 0-7%

Weiterhin fallen wieder zwei Typen von Postflop-Rocks auf, die erneut in aggressiv und passiv eingeteilt werden.

ROCK AGGRESSIVE

Wie schon festgestellt, spielt ein Rock nur sehr gute Starthände. Nach dem Flop ist er dann meist genauso aggressiv wie ein normaler TAG. Aus diesem Grunde unterlass große Bluffs gegen ihn. Ein postflop aggressiver Rock wird dir nur selten die nötigen Odds für einen Draw geben. Somit wirst du bei einem offensichtlich ankommenden Draw nur in wenigen Fällen auch ausbezahlt.

Welche Werte haben solche Spieler:

  • WTS: 18-25%
  • AF: 1.5-3.5
ROCK PASSIVE

Der wohl passivste Gegner, der dir begegnen kann. Er spielt vor dem Flop sehr wenige Hände und diese nach dem Flop dazu noch besonders passiv. Vermeide komplette Bluffs gegen ihn und spiel nur deine sehr starken Hände bis zum Showdown. Wird dieser Gegner aggressiv, dann kannst du deine mittelstarken Hände folden. Gegen ihn bekommst du vielfach die nötigen Odds zum Callen und wirst sehr gut ausbezahlt, da er recht viel heruntercallen wird.

Welche Werte haben solche Spieler:

  • WTS: 20-28%
  • AF: 0.5-1.5

Wichtig: Spricht man von einem Rock, ist fast immer der Rock Passive gemeint. Die andere Variante ist extrem selten.

Ein Rock kann dir viel Geld geben und kann dich viel Geld kosten. Überleg besser zweimal, ob du nach dem Flop noch die beste Hand hältst und verabschiede dich bei großer Gegenwehr auch von mittelstarken Händen.

Der Maniac

Ein Spieler, der vielen Probleme bereitet. Der Maniac zeichnet sich durch pure Aggressivität aus, auch mit den denkbar schlechtesten Händen. Er blufft viel und gibt dir selten die Odds für einen Draw. Deshalb spielst du gegen Maniacs relativ passiv und lässt ihn dir seine Chips zuschieben.

Preflop solltest du ihn etwas stärker isolieren, um ihn vermehrt unter Druck zu setzen. Daher solltest du natürlich immer Position auf ihn haben. Hat dagegen der Maniac Position auf dich, dann wird es schwer, gegen ihn anzukommen und du musst noch tighter spielen. Wenn du damit nicht klar kommst, dann verlass lieber den Tisch und setz dich an einen neuen.

Der Maniac an sich ist ein guter Geldgeber, aber kann dich ebenso gut in den Wahnsinn treiben. Hast du eine starke Hand gegen ihn, dann bekommst du oft einen sehr guten Payout, da er in vielen Spots bluffen wird. Deswegen solltest du gegen ihn häufiger als gegen TAGs check/call oder check/raise mit den Nuts spielen. In seinem Standard-Repertoire befinden sich Multibarrel-Bluffing, lighte Preflop-3-Bets und zusätzlich immer sehr große Bets in Relation zum Pot.

Welche Werte haben solche Spieler:

  • VP$IP: 30-75%
  • PFR: 25-65%
  • WTS: 21-35%
  • AF: 4.0-7.0

Wenn du diese Werte siehst, stellt du fest, dass man seine Range nicht genau festlegen kann. Es gibt den Maniac, der auf seine Starthände achtet, und es gibt den, der einfach gerne gamblet. Gegen den „Gambler" solltest du öfter 3-bets mit Händen machen, die du auch selbst raisen würdest, um ihn auf die Weise mehr unter Druck setzen.

Bei einem Maniac mit 30% VP$IP und 28% PFR kann es manchmal sinnvoller sein, die ein oder andere Starthand zu folden und auf einen besseren Spot zu warten. Hast du einen Maniac vorher relativ stark unter Druck gesetzt und kassierst nun ein Limpraise von ihm, dann solltest du nicht unbedingt AA/KK oder AK erwarten, sondern durchaus auch eine schlechtere Hand. Im Zweifelsfall gilt aber immer noch: „Winning by folding."

Wichtig: Hast du einen Maniac am Tisch, mit dem du nicht klar kommst, dann verlass diesen Tisch und begib dich nicht in Situationen, die du nicht meisterst. Hast du dagegen Position auf einen solchen Spieler, dann kann es sich lohnen, auch einmal länger am Tisch zu sitzen und ihn zu Fehlern zu zwingen.

Die Calling Station

Last but not least: die Calling Station. Wiederum ein Gegner, der dir manche Probleme bereiten wird, da du gegen ihn so gut wie keine Foldequity besitzt und somit Contibets und Semibluffs nur wenig Sinn ergeben. Das Geheimnis gegen ihn ist die Valuemaximierung mit starken Bets und ein gutes Standardspiel.

Du kannst die Calling Station preflop ruhig etwas mehr unter Druck setzen, indem du sie verstärkt isolierst, aber nach dem Flop bieten sich oftmals Checks an, wenn du nichts getroffen hast. Versuch gegen sie immer große Bets zu machen und „tricky Play" zu vermeiden. Die normale Calling Station ist preflop äußerst loose und wenig aggressiv. Allerdings findest du auch manchmal Spieler, die preflop gute Stats haben, jedoch postflop zu viel runtercallen.

Welche Werte haben solche Spieler:

  • VP$IP: 20-100%
  • PFR: 0-10%
  • WTS: 35%+
  • AF: 0-1.5

Wichtig: Calling Stations werden dich immer sehr gut ausbezahlen, verteilen andererseits aber auch den ein oder anderen „Suckout". Ärger dich nicht, wenn du mal wieder ausgedrawt wirst, sondern sieh es lieber als Investition in die Zukunft an.

Einige Beispielhände

Der folgende Abschnitt zeigt anhand mehrerer Beispielhände die Spielweise gegen die einzelnen Gegnertypen. Achte darauf, dass manchmal auch ganz andere Ergebnisse zustande kommen können, als du erwartest. Lass dich dadurch nicht beunruhigen, sondern denke immer daran, dass die PT-Stats nur ein erster Anhaltspunkt für die Spielweise sind.

Beispiel 1: JJ - Big Pocket

AUSGANGSSITUATION

Du spielst an einem Full-Ring-Tisch und bist im CO mit: JJ. Villain raist aus UTG auf 3 BB, alle hinter ihm folden zu dir. Ihr habt beide einen Stack von 100BB.

  • Gegner 1: Tight-Passive 13 VP$IP / 2 PFR / 25 WTS / 1 AF
  • Gegner 2: Tight-Aggressive 19 VP$IP / 13 PFR / 20 WTS / 2.8 AF
  • Gegner 3: Loose-Passive 32 VP$IP / 4 PFR / 30 WTS / 1 AF
  • Gegner 4: Loose-Aggressive 28 VP$IP / 22 PFR / 23 WTS / 3.5 AF
  • Gegner 5: Der Rock 9 VP$IP / 3 PFR / 18 WTS / 2 AF
  • Gegner 6: Der Maniac 53 VP$IP / 35 PFR / 30 WTS / 7 AF
  • Gegner 7: Die Calling Station 33 VP$IP / 11 PFR / 43 WTS / 0.75 AF
PREFLOP

Du hast eine relativ starke Starthand, aber Villain erhöht aus einer frühen Position, was seine Handrange doch sehr stark einschränkt.

  • Gegner 1: Dieser Spieler wird nur wenige Hände aus dieser Position spielen und erhöhen. Du solltest deine Jacks deshalb nur auf Setvalue callen.

  • Gegner 2: Auch er wird nur wenige Hände aus einer so frühen Position spielen, allerdings weiß er, wann er zu folden hat. Deshalb entscheidest du dich für eine 3-bet auf das Dreifache seiner Erhöhung.

  • Gegner 3: Hier solltest du genauso vorsichtig agieren wie bei Gegner 1, da dieser Spieler nur sehr wenig vor dem Flop erhöht. Du kannst hier guten Gewissens auf Setvalue callen.

  • Gegner 4: Ein LAG kann aus dieser Position viel spielen und es muss nicht unbedingt etwas zu bedeuten haben. Deswegen wirst du ihn hier unter Druck setzen und ihn 3-betten.

  • Gegner 5: Ein ganz klarer Call auf Setvalue. Eine andere Spielweise macht bei diesem Gegner keinen Sinn.

  • Gegner 6: Natürlich willst du deine Jacks gegen ihn spielen, da du davon ausgehen kannst, häufig die beste Hand zu halten. Eine Preflop-3-bet sollte ausreichen, um am Flop Heads-up zu sein.

  • Gegner 7: Du willst möglichst Heads-up sein gegen diese Art von Spieler, deswegen gilt auch hier: 3-betten!

DER FLOP

Szenario 1: 379

Normalerweise ein sehr guter Flop für dich, da nicht viel Draws möglich sind und nur 86 und T8 die OESD machen.

  • Gegner 1, 3 & 5: Da du nur auf Setvalue gecallt hast, kannst du hier ruhig dein Overpair auf eine Bet von ihm weglegen. Alternativ ist auch ein Call möglich, dennoch musst du deine Hand am Turn aufgeben, wenn er erneut bettet.

  • Gegner 2 & 4: Du hast die Initiative in der Hand und musst eine Contibet anbringen. Callt er deine Bet, dann solltest du am Turn vorsichtig sein und check behind spielen. Wird deine Bet mit einem Reraise beantwortet, kannst du die Hand aufgeben.

  • Gegner 6: Der Maniac ist in der Lage, auf diesem Flop einen sehr starken Bluff zu spielen. Deswegen gilt: Lieber auf diesem Board check behind spielen, um noch Value von einem Bluff zu bekommen.

  • Gegner 7: Die Calling Station wird sich hier nur schwer von einer 9, Pocket Tens oder AK trennen, deswegen machst du eine Conti-/Valuebet von 2/3 Potsize.

Szenario 2: AK2

Ass und König - zwei Karten, die dir gar nicht gefallen.

  • Gegner 1, 3 & 5: Auf eine Contibet hast du gegen alle drei einen ganz leichten Fold.

  • Gegner 2 & 4: Auf diesem Flop musst du herausfinden, ob deine Hand gegen beide Spieler gut ist. Sie werden dir schon anzeigen, dass sie die Jacks schlagen können. Du setzt eine Contibet von 1/2 - 2/3 Pot und siehst dann weiter. Wird in dich „reingedonkt", dann gib die Hand gleich auf.

  • Gegner 6: Dieser aggressive Gegner wird einen Check hier sehr oft als Schwäche interpretieren und du musst am Turn folden. Deshalb machst du gegen ihn eine Contibet.

  • Gegner 7: Es lohnt sich nicht, gegen ihn eine Contibet zu machen, da er nur selten eine Hand folden wird.

Szenario 3: 3J2

Ein sehr guter Flop für dich, da du das Topset gemacht hast.

  • Gegner 1, 3 & 5: Machen diese Spieler eine Contibet auf diesem Flop, dann ist das ideal für dich. Du callst die Bet nur, da sie maximal zwei Outs gegen dich haben. Machen sie keine Contibet, dann bette lieber selbst, um einen Pot aufzubauen.

  • Gegner 2 & 4: Gegen diese Gegner sollte man als Standard eine Continuation Bet machen. Ein Check als Preflop-Aggressor sieht zu oft nach einer starken Hand aus. Allerdings ist das Board relativ ungefährlich und da diese Gegner häufig eine schwächere Hand folden, kann hier Slowplay durchaus eine Alternative darstellen.

  • Gegner 6: Immer noch mit Initiative in der Hand wirst du auch diesen Flop betten und darauf hoffen, geraist zu werden. Ist Villain allerdings durch sinnlose Aggressivität aufgefallen, dann kann es sich auch lohnen, den Flop nur zu checken.

  • Gegner 7: Das ist der einzige Spieler, gegen den du am Flop eine 100%ige Bet hast, weil er einfach sehr viel callen wird.

Szenario 4: TJ9

Erneut ein guter Flop, da du wieder Topset hältst. Diesmal ist die Situation allerdings eine andere, weil hier viele Draws möglich sind. Es gilt gegen alle sieben Gegner: Den Flop stark raisen/betten, damit du deine Hand maximal beschützt.

Beispiel 2: 76s - Drawing Hand

AUSGANGSSITUATION

Diesmal sitzt du an einem Shorthanded-Tisch im CO mit 76. Alle folden zu dir und du eröffnest die Hand mit einem Raise von 3,5BB. BU und SB folden, der Big Blind callt. Der effektive Stack aller beteiligten Spieler liegt bei 100BB.

  • Gegner 1: Tight-Passive 13 VP$IP / 2 PFR / 25 WTS / 1 AF / 40% Fold to Conti Bet
  • Gegner 2: Tight-Aggressive 19 VP$IP / 13 PFR / 20 WTS / 2.8 AF / 75% Fold to Conti Bet
  • Gegner 3: Loose-Passive 32 VP$IP / 4 PFR / 30 WTS / 1 AF / 45% Fold to Conti Bet
  • Gegner 4: Loose-Aggressive 28 VP$IP / 22 PFR / 23 WTS / 3.5 AF / 72% Fold to Conti Bet
  • Gegner 5: Der Rock 9 VP$IP / 3 PFR / 18 WTS / 2 AF / 81% Fold to Conti Bet
  • Gegner 6: Der Maniac 53 VP$IP / 35 PFR / 30 WTS / 7 AF / 55% Fold to Conti Bet
  • Gegner 7: Die Calling Station 33 VP$IP / 11 PFR / 43 WTS / 0.75 AF / 12% Fold to Conti Bet
DER FLOP

Szenario 1: A49

Du verfehlst den Flop komplett und Villain checkt zu dir. Diesmal betrachtest du zuerst den "Fold to Continuation Bet"-Wert.

  • Gegner 2, 4 & 5: Hier lohnt es sich immer, gegen diese Gegner eine Continuation Bet zu machen, da du oftmals den Pot gleich mitnehmen wirst.

  • Gegner 1, 3 & 6: Du musst gegen diese Gegner selbst entscheiden, ob du die Contibet machst. Deine Bet wird in 50% der Fälle zum Erfolg führen und sollte deshalb 1/2 Pot groß sein.

  • Gegner 7: Die Contibet lohnt sich in dieser Situation überhaupt nicht, da er so gut wie nie folden wird.

Szenario 2: 622

Du machst ein sehr schwaches Toppair und hast zusätzlich keinen Kicker. Beschütze deine Hand, so gut es geht, mit einer Contibet, aber sei gewarnt vor einem Raise, angesichts dessen du die Hand nur schwer weiterspielen kannst, denn der Turn wird kaum eine Verbesserung bringen.

  • Gegner 7: Dieser Spieler wird dich mit vielem callen. Deshalb solltest du am Turn erneut entscheiden, was du tust. Oft kann hier erneut gebettet werden, da selbst A high gerne callt.

Szenario 3: 45Q

Diesmal triffst du den Flop etwas besser und du contibettest gegen jeden Gegner. Wirst du geraist, kannst du dir mit deinen acht Outs den Turn anschauen. Ein direkter Flop-Push kommt in dieser Situation nur gegen Gegner in Frage, die eine made Hand weglegen können, da ein Push nur profitabel sein kann, wenn genug Foldequity vorhanden ist. Vor allem Gegner 2 ist in der Lage, auch eine gute Hand zu folden.

Szenario 4: 45A

Einer der besten Flops, die du sehen kannst. Du hast neun Flush- und sechs Straight-Outs. Wird die Contibet geraist, solltest du pushen, um maximale Foldequity zu erzeugen.

  • Gegner 3,6 & 7: Verbesserst du deine Hand am Turn nicht, dann ist es Zeit, dir den River for free anzusehen, da diese Gegner auf eine zweite Bet nur selten folden.

Beispiel 3: KQo - Out of Position

AUSGANGSSITUATION

Du hast KQ und sitzt im Big Blind an einem Full-Ring-Tisch. Villain sitzt in MP3 und erhöht first in auf 3BB. Alle hinter ihm folden zu dir.

  • Gegner 1: Tight-Passive 13 VP$IP / 2 PFR / 25 WTS / 1 AF
  • Gegner 2: Tight-Aggressive 19 VP$IP / 13 PFR / 20 WTS / 2.8 AF
  • Gegner 3: Loose-Passive 32 VP$IP / 4 PFR / 30 WTS / 1 AF
  • Gegner 4: Loose-Aggressive 28 VP$IP / 22 PFR / 23 WTS / 3.5 AF
  • Gegner 5: Der Rock 9 VP$IP / 3 PFR / 18 WTS / 2 AF
  • Gegner 6: Der Maniac 53 VP$IP / 35 PFR / 30 WTS / 7 AF
  • Gegner 7: Die Calling Station 33 VP$IP / 11 PFR / 43 WTS / 0.75 AF
PREFLOP

Deine Hand ist sehr leicht dominiert und kann dich viel Geld kosten. Deshalb musst du dir Villains Statistiken zweimal ansehen. Es gibt nur drei Gegner, gegen die deine Hand die bessere sein kann: Gegner 4, 6 und 7. Alle anderen wählen ihre Starthände eingehender aus und du verlierst auf lange Sicht zu viel Geld.

  • Gegner 1: Fold preflop.
  • Gegner 2: Fold preflop.
  • Gegner 3: Fold preflop.
  • Gegner 4: Du siehst dir den Flop an und entscheidest dann weiter.
  • Gegner 5: Fold preflop.
  • Gegner 6: Du siehst dir den Flop an.
  • Gegner 7: Auch hier siehst du einen Flop.
DER FLOP

Szenario 1: A59 oder 2J8

Der Flop hilft dir nicht weiter und du foldest auf eine Bet.

Szenario 2: K38

Einer der besten Flops, die du erhalten kannst.

  • Gegner 4 & 6: Beide sind aggressiv genug, in dieser Situation eine Contibet zu machen. Du entscheidest dich deshalb für check/call, um den Pot nicht zu groß werden zu lassen. Die passive Spielweise wird dir genug Value gegen beide bringen.

  • Gegner 7: Dieser Spieler wird nur selten selbst den Flop betten, deswegen entscheidest du dich für eine eigene Bet. Wirst du dann stark geraist, musst du deine Hand weglegen. Ansonsten gilt gegen ihn, maximalen Value herauszuholen.

Szenario 3: AK3

Nicht der beste Flop, aber Heads-up solltest du antesten, wo deine Hand steht.

  • Gegner 4 & 6: Diese Spieler sind aggressiv genug, eine kleinere Donkbet von dir auch mit nichts zu raisen. Deswegen sollte deine Donk in Höhe der Potgröße ausfallen, denn dann wird es sehr teuer für beide Spieler, dich noch zu raisen, und sie werden das nur mit einer starken Hand machen. Wirst du gecallt, dann bist du in den meisten Fällen geschlagen und kannst am Turn aufgeben.

  • Gegner 7: Gegen ihn checkst du erst den Flop, um zu sehen, ob er Angst vor dem Ass hat. Bettet er den Flop, dann bist du in der Regel hinten und kannst leicht folden. Bettet er nicht, dann teste am Turn mit einer Bet in Höhe 1/2 Potsize an, da du dort fast immer vorn liegst.

Szenario 4: JT3

Wiederum ein guter Flop für dich mit dem OESD und zwei Overcards.

  • Gegner 4 & 6: Du weißt, dass beide eine Contibet machen werden, und deshalb setzt du zu einem Checkraise an. Wirst du gecallt, hast du am Turn noch die Chance, deine Hand zu verbessern. Wirst du All-In gesetzt, musst du die Hand aufgeben.

  • Gegner 7: Hier ist es von Vorteil, erst zu ihm zu checken, da er mit seinem geringen AF den Flop häufig check behind spielt und du so eine weitere Karte kostenlos siehst.

Szenario 5: JTA

Ein sehr schöner Flop, da du die Nutstraight machst. Aufpassen solltest du auf eventuelle Sets, Twopairs und Flushdraws, die deine Gegner halten könnten.

  • Gegner 4 & 6: Du bettest 1/2 Pot und hoffst darauf, geraist zu werden. Eine Freecard schadet dir zu sehr, als das du sie zulassen kannst. Beide sind aggressiv genug, dass sie ein Ass raisen werden.

  • Gegner 7: Wieder gilt, maximalen Value aus ihm herauszuholen. Somit bettest du stark (knapp Potsize) am Flop, damit du ausreichend vor dem Draw schützt.

Fazit

Du hast nun einen einführenden Überblick in die Arbeit mit PokerTracker-Stats erhalten, welche Werte wichtig sind, was sie aussagen und wie man seine Gegner anhand ihrer Werte in verschiedene Spielerkategorien einordnen kann.

Was du dir aber immer wieder vor Augen halten musst, ist, dass ein blindes Spiel nach Instrumentenanzeige selten möglich ist. Stats sind unterstützend für dein Spiel. Sie werden dir erst dann wirklich Nutzen bringen, wenn du gelernt hast, wie du sie zu interpretieren hast und wie sie miteinander zusammenspielen.

Vermeide den Fehler, deine Tische mit unzähligen Werten zu tapezieren und darüber deine Gegner gar nicht mehr zu sehen. No-Limit Hold'em ist ein dynamisches Spiel und die Werte eines Gegners werden dir in einer konkreten Spielsituation nicht verraten, welche Hand er hält. Sie helfen dir aber dabei, die richtige Spielentscheidung zu treffen, sofern du verstanden hast, dass die Werte nur einen Teil zur Lösung des Puzzles beitragen und von Zeit zu Zeit auch mit Vorsicht zu genießen sind.