NL Heads-up: Einführung
Einleitung
In diesem Artikel
- welches Bankrollmanagment du fährst
- wie groß die Varianz ist
- welche Bedeutung die psychologische Komponente hat
- wo du Heads-up profitabel spielen kannst
- wie du schwache Gegner findest
Als guter No-Limit-Hold'em-Spieler kannst du viel Geld gewinnen, wenn du deinen Gegnern überlegen bist. Am stärksten kommt diese Überlegenheit im Heads-up zur Geltung. Hier kannst du alleine gegen einen unterlegenen Spieler spielen und musst ihn dir nicht mit anderen guten Spielern teilen.
In diesem Artikel findest du einen Einstieg in das Heads-up Spiel im No-Limit Hold'em. Du lernst, was du brauchst, um in diese Spielvariante einzusteigen und was du beachten musst, bevor du dich an die Tische setzt.
Was benötigst du zum Einstieg?
Wenn du bisher Fullring oder Shorthanded gespielt hast, bist du es gewohnt 20 bis 30 Stacks (=Buy-ins) für dein aktuelles Limit zu benötigen, um ein solides Polster zu haben und nicht bei jeder kleinen Pechsträhne absteigen zu müssen.
In Heads-up Spielen, die im allgemeinen deutlich looser und aggressiver sind, reicht dieses Polster nicht aus. Aus diesem Grund steigt die Varianz an und du benötigst eine größere Bankroll. 50 Stacks sollten auch auf den unteren Limits das absolute Minimum sein.
50 Stacks ist bereits ein aggressives Bankrollmanagement. Wenn du noch nicht sehr sicher bist oder leicht tiltest, solltest du ein entsprechend größeres Polster einkalkulieren. 100 Stacks sind dabei nicht zu hoch gegriffen, und auch 150 Stacks als konservatives Bankrollmanagement ist denkbar. Damit bist du auf alle Fälle auf der sicheren Seite und kannst in Ruhe dein Spiel entwickeln.
Wenn du dich deinen Gegnern (auch auf dem nächsthöheren Limit) sehr weit überlegen fühlst und es psychologisch gut verkraften kannst, schnell wieder abzusteigen, sind Shots auf das nächste Limit denkbar. Schätze dich aber realistisch ein. Sehr schnell kannst du dabei einen guten Teil deiner Bankroll verlieren.
Für einen Einsteiger dieser Variante sind Shots auf höhere Limits nicht zu empfehlen. Hier sollten die Verbesserung des eigenen Spiels und ein langsamer, aber nachhaltiger Aufstieg im Vordergrund stehen. Deshalb solltest du dich richtig einschätzen und ein für deinen Skill passendes Bankrollmanagement wählen.
Die Varianz ist entsprechend im Heads-up größer als in anderen No-Limit Hold'em Varianten. Swings von 10 Stacks und mehr sind quasi an der Tagesordnung und man kann sehr schnell trotz guten Spiels viel Geld verlieren.
Im No-Limit Hold'em Heads-up ist es nicht ungewöhnlich, immer mal wieder 20 Stacks über oder unter All-In EV zu sein.
Psychologie ist im Heads-up sehr wichtig. Es gibt kurzfristig viele glücksbedingte Schwankungen, viele Bad Beats und Cooler und große Downswings. Außerdem haben viele Spieler zu unrecht oft das Gefühl, in direktem Konkurrenzkampf zu ihrem Gegenüber zu stehen. Das Ego wird in diesem Moment wichtiger als das Ziel, sein A-Game zu spielen.
Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass viele Heads-up-Spieler von Zeit zu Zeit tilten. Auch wenn man spielerisch eine große Edge gegen seine Gegner hat, kann man auf diese Weise viel Geld verlieren und es sollte zu deinen obersten Prioritäten als Heads-up Spieler gehören, tiltresistent zu werden.
Im Umkehrschluss kann es ein großer Vorteil sein, wenn dein Gegenspieler tiltet. Anders als in Shorthanded- oder Fullringgames hast du auch hier wieder den Gegenspieler für dich allein und sein verlorenes Geld geht langfristig nur an dich, indem er vom A-Game abweicht.
Unter gewissen Umständen kann es deshalb sogar profitabel sein, einen Spielzug zu wählen, der isoliert betrachtet nicht den höchstmöglichen EV hat, aber den Gegner mit großer Wahrscheinlichkeit zum Tilten bringen wird. Hände mit hohen Implied Odds gewinnen in diesen Situationen an Wert.
Mit solchen Spielzügen solltest du aber sehr vorsichtig sein. Wenn du den Gegner nicht gut genug kennst, verlierst du auf diese Art langfristig eher viel Geld.
Wo kannst du spielen?
Mittlerweile bieten fast alle Pokerplattformen No-Limit Hold'em Heads-up als Spielvariante an. Auf manchen Seiten findet man mehr Gegenspieler, auf anderen Seiten ist eher wenig los.
Im Heads-up bist du in jede einzelne Hand verwickelt. Dadurch zahlst du, verglichen mit Shorthanded oder Fullring, sehr viel Rake. Diesen erhöhten Rake kannst du selbst gegen schwache Spieler nur schwer wieder wettmachen.
Deshalb gibt es im Allgemeinen im Heads-up einen niedrigeren Rakecap. Das bedeutet, dass pro Hand nicht mehr als ein gewisser Betrag Rake bezahlt werden muss.
Spiele nur, wenn der Rakecap nicht mehr als 2 BB pro Hand beträgt, selbst wenn du deinen Gegnern weit überlegen bist. Ist der maximal bezahlte Rake pro Hand sehr niedrig, kannst du also schon auf niedrigeren Limits Heads-up spielen:
| Rakecap | Minimales Limit |
| $0.20 | NL10 |
| $0.50 | NL25 |
| $1 | NL50 |
| $2 | NL100 |
| $3 | NL200 |
Tableselection
Nachdem du nun weißt, was du brauchst, um No-Limit Hold'em Heads-up zu spielen, geht es an die Tische.
Im Heads-up kann man ganz strikt unterscheiden zwischen Fisch und Regular. Ein Regular ist ein Spieler, der ein Limit regulär spielt. Er hat eine Edge gegen die meisten Fische und spielt ein für dieses Limit solides Spiel.
Ein Fisch ist ein schwacher Spieler, der langfristig auf jeden Fall Verlust macht. Er spielt nicht mit einem professionellen Anspruch und beschäftigt sich nicht intensiv damit, was notwendig wäre, um ein erfolgreicher Pokerspieler werden zu können.
Auf den unteren Limits gibt es im Vergleich zu den Regulars sehr viele Fische. Deshalb ist es anfangs nicht nötig, überhaupt gegen Regulars zu spielen, auch wenn man vielleicht gegen einige dieser regulären Spieler eine Edge hat.
Auf den niedrigen Limits ist also der Trick, zu erkennen, welcher Spieler kein Regular ist und gegen diesen zu spielen.
Merkmale eines Regulars sind:
- Multitabling
Die meisten Regulars spielen mehr als nur einen Tisch. Auch du wirst wahrscheinlich nach der ersten Eingewöhnungsphase zwei oder mehr Tische spielen. Spiele lieber nicht gegen einen Gegner, der an mehreren Tischen spielt. - Auf andere Spieler warten
Viele Regulars betreiben ihre Tableselection so, dass sie sich einfach an freie Tische setzen und auf andere Spieler warten. Spieler, die du in der Lobby immer wieder siehst, wie sie an leeren Tischen warten, anstatt sich zu anderen zu setzen, sind also häufig Regulars. Vor allem, wenn sie an mehreren Tischen warten. - Solides Spiel
Dieser Punkt ist eigentlich selbsterklärend. Spielst du gegen einen Gegner und erkennst nach einiger Zeit keine großen Fehler in seinem Spiel, ist er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit kein Fisch und damit kein geeigneter Gegenspieler für dich.
Merkmale eines Fisches sind:
- Singletabling
Im Gegensatz zu Regulars multitablen die meisten Fische nicht. Da sie nicht mit einer professionellen Einstellung pokern, geht es ihnen nicht darum, eine große Anzahl Hände zu spielen. Sitzt ein Spieler nur an einem einzigen Tisch, besteht eine gute Wahrscheinlichkeit, dass er ein Fisch ist. - Kein voller Stack
Viele Fische neigen dazu, sich nicht standardmäßig mit 100 Big Blinds einzukaufen. Während ein Regular meist mit dem maximalen Buy-in am Tisch sitzt, um seine Edge voll ausnutzen zu können, achtet ein Fisch nicht auf solche Dinge. Deshalb ist ein Spieler mit einem Stack unter 100 Big Blinds meistens ein Fisch.
Wie oben schon kurz erwähnt, hat es sich mittlerweile bei vielen Regulars durchgesetzt, sich einfach an einen freien Tisch zu setzen und auf andere Spieler zu warten.
Wenn sich dann jemand zu dir setzt, solltest du einfach versuchen, solide einige Hände gegen diesen Spieler zu spielen und dann entscheiden, ob deine Edge groß genug ist, oder du dir doch lieber einen anderen Gegenspieler suchen solltest.
Hierbei ist es wichtig, nicht zu lange an kleinen Fehlern oder Unsicherheiten des Gegners festzuhalten, wenn du diese nicht optimal ausnutzen kannst. Es gibt auf den niedrigen Limits einfach genug Fische mit großen Leaks.
Gegen diese Fische lässt es sich angenehmer spielen und du gewinnst langfristig mehr Geld als gegen schlechte Regulars.
Zusammenfassung
Im Heads-up ist die Varianz sehr groß. Deshalb ist es für jeden No-Limit Hold'em Heads-up Spieler wichtig, einerseits eine große Bankroll zu haben, die auch größere Swings problemlos kompensieren kann.
Andererseits ist es von großer Bedeutung, sich mit der psychologischen Seite des Pokerns intensiv auseinanderzusetzen. Ein guter Heads-up Spieler ist selbst tiltresistent und kann die Psyche seines Gegenübers gut einschätzen.
Wenn du in diese Variante des Pokerns einsteigen willst, solltest du vor allem darauf achten, nicht zu viel Rake zu zahlen und anfangs nicht unnötig gegen gute Spieler zu spielen. Auf den unteren Limits gibt es für jeden genug Fische.
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