Gegnertypen: Wie spielst du gegen Rocks?
Einleitung
In diesem Artikel
- Spiele aggressiv
- Blindsteale und bluffe ihn häufig
- Folde schwache und mittelstarke Hände, wenn der Rock aktiv wird.
Rocks sind das Gegenteil von Maniacs. Im Gegenteil zum Maniac bemerkt man den Rock (engl. Felsen, weil sie sich am Tisch in etwa so agil verhalten) am Tisch meist nicht so schnell. Sie zeichnen sich durch einen tight-passiven Stil aus. Rocks spielen nur wenige Hände und raisen noch weniger. Postflop betten und raisen sie nur mit guten Händen. Auch wird man sie nicht mit schwachen Händen am Showdown sehen und selten einen Bluff abfangen können. Das macht sie zu sehr angenehmen Gegnern, da man jeweils eine genaue Vorstellung von ihrer Handstärke hat und einfach gute Entscheidungen treffen kann.
Die Spielweise eines Rocks
Typische Stats eines Rockes könnten so aussehen: 15/ 10/ 1,5 / 35 (VPIP / PFR / AF / WTS). Es gibt auch einige weake TAGs, die in diese Richtung tendieren. Für sie gilt ähnliches wie für das Spiel gegen Rocks.
Durch das sehr konservative Spiel eines Rocks kann man keine sehr großen Gewinne gegen ihn machen, zumal sie oft eine solide Hand haben. Sie verlieren ihr Geld aber dadurch, dass sie zu viel folden. Vom Aufgeben vieler seiner relativ starken Hände schon vor dem Flop profitiert im Schnitt jeder am Tisch. Die Tatsache, dass er nach dem Flop zu selten den Showdown sieht, kannst du für deine Zwecke nutzen.
Außerdem nutzen kannst du seine ‚Ehrlichkeit’: Wenn der Rock raist, hat er eine starke Hand. Somit kannst du dich guten Gewissens von deiner Hand trennen und dem Rock den Payoff verwehren.
Wie spielst du gegen Rocks?
Rocks machen mehrere generelle Fehler, die du ausnutzen kannst.
Die folgenden vier Grundregeln gelten für das Spiel gegen einen Rock:
- Attackiere seinen Blind.
- Isoliere ihn preflop.
- Bluffe ihn, wenn er keine gute Hand anzeigt.
- Folde schwache und mittlere Hände, wenn er aktiv wird.
Rocks spielen zu wenige Starthände. Das macht sie zu einem guten Angriffsziel für Blindsteals. Wenn ein Rock im Big Blind sitzt, wird er überdurchschnittlich oft auf ein Preflopraise folden. Je nachdem wie stark der Rock seinen Blind underdefendet, kannst du mehr oder weniger Starthände raisen.
Selbst wenn der Gegner callt, wird er oft auf eine Continuationbet auf dem Flop folden. Wenn er z.B. mehr als 60% aus dem BB gegen ein Stealraise foldet (‚Folded BB to steal’), ist das ORC sicherlich zu tight.
Bevor du aber entscheidest, wie du deine Openraising-Standards anpasst, solltest du einen Blick auf die Gegner werfen, die noch zwischen dir und dem Rock sitzen. Wenn es sich um LAGs handelt, die dich häufig 3-betten werden, solltest du nicht deutlich looser werden. Ist das nicht der Fall, wenn also TAGs oder Fische diese Positionen einnehmen, kannst du einige Hände mehr raisen, als es das ORC vorgibt.
Du kannst also gegen so einen Gegner in der Regel 1-2 Positionen looser raisen als das ORC, also z.B. 67s vom CO oder Q8 vom Button. Wenn du einen ausgeprägten Rock mit mehr als 70% Folded BB to Steal im BB vorfindest und der SB ebenfalls tight ist, kann es profitabel sein, bis zu 100% vom Button zu stealen. Diese Situation ist natürlich ein Ausnahmefall und selbst Rocks verteidigen ihren Blind in der Regel wenigstens halbwegs.
Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus der Eigenschaft der Rocks, postflop zu schnell aufzugeben. Sie sind gute Opfer für loose Isolationraises auch mit Händen, die wenig SD-Value haben.
CO: 20 / 10 / 1 / 31
Blinds: Tight
Preflop: Hero is BU with 8
2 folds, CO calls, Hero raises, 2 folds, CO calls.
Dieser Gegner wird seine guten Hände preflop raisen. Seine Range ist also nicht sehr stark. Selbst wenn du gegen diese Range keine Equityedge haben solltest, kann es gut sein, ihn zu isolieren. Dabei ist es wieder von Vorteil, wenn die Blinds oft folden. So kannst du den Pot immer mit der Contibet gewinnen, wenn der Rock das Board verfehlt hat.
Selbst wenn die Blinds callen, spielst du 3- oder 4-handed mit einer starken drawing Hand In Position, was dich ebenfalls in eine gute Situation bringt. Egal mit welcher Hand du ihn isolierst, es kommt dir immer entgegen, dass du postflop weißt, wo du stehst, weil der Rock dich nicht bluffen wird.
Genauso wie das zu loose Downcallen von schwachen Händen ein großer Fehler ist, verliert man eine Menge Geld, wenn man zu oft die beste Hand foldet. Das ist die große Schwäche der Rocks. Sie geben sich postflop sehr schnell geschlagen und sind somit optimale Opfer für pure Bluffs und Semibluffs.
Es ist sehr wichtig zu beachten, ob der Rock bereits Stärke gezeigt hat. Selbst wenn er einen niedrigen WTS hat - hat er mit einem Raise bereits angezeigt, eine gute Hand zu halten, solltest du keinen Bluff versuchen.
Auch Rocks sind aber oft in der Lage, Continuationbets zu machen. Diese kann man nicht als Stärke interpretieren und sie als Bluff raisen. Das ist allerdings nur auf Boards vielversprechend, die sich schlecht mit ihrer tighten Range verbunden haben.
BU: 17 / 10 / 1,5 / 31
Preflop: Hero is BB with T
2 folds, BU (Rock) raises, 1 folds, Hero calls.
Flop:(4,5 SB) 2

Hero checks, BU bets, Hero raises, BU calls.
Turn:(4,25 BB) 3
Hero bets, BU folds
Der Rock raist immerhin vom Button und hat neben Pocketpairs auch viele Overcards in seiner Range (15% Range: 77+, A7s+, K9s+, QTs+, JTs, ATo+, KTo+, QJo). Diese wird er auf Widerstand alle am Turn folden, was einen puren Bluff für dich hier mit any two Cards unmittelbar profitabel macht. Vgl. den Pure-Bluff-Artikel
Preflop: Hero is CO with A
2 folds, Hero raises, BU (Rock) 3-bets, 1 folds, BB (Maniac) caps, Hero calls, BU calls.
Flop:(12,5 SB) 2

BB bets, Hero calls, BU calls.
Turn:(7,75 BB) 3
BB bets, Hero raises
Diese Hand sieht merkwürdig gespielt aus, stellt aber einen guten Spot für einen Bluff gegen einen Rock dar. Preflop 3-bettet dich der Rock, was auf eine tighte Range von etwa AQ+, AJs+ und 99+ schließen lässt. Der Maniac kommt over the Top, was er wiederum mit einer viel weiteren Range machen kann. Gegen viele dieser Hände liegst du noch vorne.
Du gehst davon aus, dass der Rock AA oder KK am Flop raisen würde, schwächere Hände aber nur callen. Du callst den Flop, weil der Pot schon groß ist, du einen Backdoorflushdraw und noch andere Outs hast. Außerdem callst du ‚for Information’. Je nachdem, was der Rock macht, weißt du, wie stark er ist.
Der Rock callt den Flop nur. Er hat zu diesem Zeitpunkt fast immer AK, AQ oder AJs. Raist du am Turn auf die Blank, wird der Rock seine Overcards folden. Damit hast du eine bessere Hand zum Folden gebracht und gute Chancen, gegen den Maniac nun vorne zu liegen.
Rocks spielen passiv und straightforward. Wenn sie betten und raisen, kannst du sicher sein, gegen eine gute Hand zu spielen. Das ermöglicht es dir, toughe Folds mit relativ starken Händen zu machen, ohne zu riskieren, die beste Hand zu folden. So gelingt es dir, deine Verluste zu minimieren. Auch wenn du eine starke Hand hast, z.B. Toppair mit mittlerem Kicker, solltest du vorsichtig sein, wenn der Rock raist und in der Regel nur noch downcallen.
Preflop: Hero is BU with 9
2 folds, Hero raises, 1 folds, BB (Rock) calls.
Flop:(4,5 SB) 3

BB checks, Hero bets, BB calls.
Turn:(3,25 BB) 9
BB checks, Hero bets, BB raises, Hero folds.
Wenn der Rock am Flop callt, sagt dir das schon, dass er ihn nicht verfehlt hat. Da er aber auch die 8 oder den Flushdraw halten kann, bettest du noch mal den Turn. Wenn ein anderer Gegner hier den Turn raisen würde, hättest du einen einfachen Calldown, weil der Gegner die 9, einen Draw oder einen Bluff raisen kann. Gegen den Rock solltest du deine Hand wegwerfen, weil er fast immer schon ein Set oder Twopair hat, wogegen du wenige Outs hast.
Preflop: Hero is BU with K
2 folds, Hero raises, 1 folds, BB (Rock) calls.
Flop:(4,5 SB) 3

BB checks, Hero bets, BB raises, Hero calls down.
Gegen einen normalen Gegner kannst du hier die Standardline call Flop, raise Turn spielen. Gegen einen Rock ist deine Hand zu schwach dafür, weil du schon zu oft hinten liegst. Da die Hand aber in diesem Fall auch zu stark zum Folden ist (er könnte z.B. einen schlechteren König haben), callst du ihn einfach runter.
Fazit
Wie die Kürze dieses Artikels schon zeigt, ist das Spiel gegen einen Rock ein sehr einfaches und angenehmes Spiel. Der grundlegende Fehler des Rocks ist, dass er zu oft foldet. Das ist die Angriffsfläche für dich. Aggressive Spielzüge wie lighte Blindsteals und auch Bluffs sind gegen ihn profitabel. Vorsicht ist nur angezeigt, wenn der Rock selbst Aggression zeigt. In diesem Fall hat er oft die Hand, die er repräsentiert.
In großen Pötten wird man ohne ebenbürtige Hand deshalb selten mit dem Rock sein. Der Profit beim Spiel gegen ihn, kommt von den vielen kleinen Pötten, die man ihm durch aggressives Spiel abluchsen kann. Er foldet halt gern.
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