Aktualisiert am 12 März 26 von

Wie spielst du am River?

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Einleitung

In diesem Artikel

  • Wann du eine Valuebet hast
  • 7 Regeln fürs Riverplay
  • Wann ein Bluff sinnvoll ist

Der River ist die letzte Straße im Spiel. Es kommen keine weiteren Karten. Letzte Value-Raises werden gemacht und Bluffs mit busted Draws gestartet.

Um auf dieser Straße die richtigen Entscheidungen zu treffen, muss man oft noch einmal das bisherige Spiel aufrollen und herausfinden, mit welchen Händen die Gegner überhaupt Flop und Turn überlebt haben.

Du hast aber dafür auch im Gegensatz zu den vorigen Straßen die meisten Informationen vom Gegner, was enorm wichtig ist. Jetzt sind Handreading-Skills gefragt, um entscheiden zu können, ob eine Valuebet noch Sinn macht oder man den Gegner lieber zu Bluffs animiert. Aber Moment, worin liegt denn jetzt eigentlich genau der Sinn einer Bet am River?

Was ist der Sinn einer Riverbet?

Eine Riverbet hat natürlich nicht nur den Sinn, Value herauszuholen. Nimm zum Beispiel die folgende Hand.

Du bist im Small Blind gegen einen Spieler. Ihr seid am River. Das Board: A J T 9 4

Nimm nun an, du kennst die Karten deines Gegners, er jedoch nicht deine. Bettest oder checkst du in den folgenden Situationen?

Situation Deine Karten Die Karten des Gegners
A K , Q 3 , 2
B 3 , 2 5 , 2
C 5 , 2 3 , 2
D K , Q 9 , 8
  • Situation A: Du checkst. Du hältst zwar die Nuts, aber dein Gegner wird fast nie mit dieser Hand callen. Eine Bet bringt dir also kein Value. Checkst du hingegen, ist es möglich, dass er einen letzten Bluffversuch startet und dir so noch eine Bet gibt.

  • Situation B: Du bettest. Dein Gegner hat eine sehr schlechte Hand, aber sie ist immer noch besser als deine. Bringst du hier eine Bet, muss dein Gegner eigentlich immer folden, da er keinen Value mehr in seiner Hand sieht (womit er in den meisten Fällen ja auch Recht hat).

  • Situation C: Du checkst aus den gleichen Gründen wie in Situation A. Zwar hältst du nicht die Nuts, aber eine bessere Hand als dein Gegner.

  • Situation D: Du bettest. Offensichtlich wird dein Gegner seine Hand hier nicht folden. Du bekommst also Geld mit einer Bet. Eventuell raist er sogar nochmal, so dass du 3-betten kannst. In dieser Situation könntest du an Slowplay denken, da dein Gegner doch sicherlich oft betten wird. Doch warum das hier nicht angebracht ist, erfährst du im Laufe dieses Artikels.

Aus dem Beispiel wird ersichtlich, dass es nur genau zwei Gründe gibt, am River zu betten:

  • Eine schlechtere Hand soll callen (Situation D).
  • Eine bessere Hand soll folden (Situation B).

Nur wenn eines dieser Kriterien hinreichend oft erfüllt ist, solltest du am River betten!

Folglich musst du dir am River vor einer Bet folgende Fragen stellen:

  • Welche schlechtere Hand callt?
  • Welche bessere Hand foldet?

Die 7 Regeln des Spiels am River

Nachdem du nun eine grobe Vorstellung davon hast, wann eine Bet sinnvoll ist, kannst du dich dem eigentlichem Riverplay zuwenden. Im Folgenden findest du sieben Regeln, die dir eine Richtlinie und ein Gefühl für den River geben sollen.

  • Folde nicht die beste Hand in großen Pötten
    Du siehst dich in den meisten Fällen hinten und denkst ans Folden. Doch in großen Pötten bekommst du oft so gute Odds, dass selbst diese seltenen Fälle einen Call rechtfertigen.

  • Folde, wenn du eindeutig geschlagen bist
    Bist du nur noch sehr selten vorne und die Situation zeigt klar, dass deine Hand geschlagen ist, solltest du folden.

  • Bette mit guten Händen for Value
    Callt in den meisten Fällen eine schlechtere Hand, solltest du betten, um auch auf der letzten Straße noch Value für deine starke Hand zu erhalten.

  • Bette made Hands nur, wenn du gecallt werden willst
    Kannst du dir nicht sicher sein, ob oft genug schlechtere Hände eine Bet callen, solltest du nur checken.

  • Nutze die Möglichkeit des Bluffinduce
    Callen in den meisten Fällen nur bessere Hände, aber es ist gut möglich, dass schlechtere Hände bluffen, wenn du checkst, solltest du nicht betten. So induzierst du Bluffs.

  • Bluffe manchmal mit hoffnungslosen Händen
    In den meisten Fällen siehst du dich geschlagen und entscheidest dich fürs Folden. Doch die Situation ergibt es, dass bessere Hände auf eine Bet folden. Hier solltest du einen Bluffversuch starten, um ein letztes Mal zu versuchen, den Pot zu gewinnen.

  • Vermeide Checkraises am River
    Du hältst eine starke Hand, befürchtest aber, dass dein Gegner nicht callt oder eine Bet nur callt, anstatt zu raisen. Hier solltest du trotzdem direkt betten, anstatt ein trickreiches Checkraise zu versuchen.

Folde nicht die beste Hand in großen Pötten

Fixed Limit Hold'Em ist kein Spiel, in dem man in großen Pötten für eine Bet foldet. In der Anfänger-Sektion hast du gelernt, nicht zu loose zu spielen. Du sollst möglichst früh erkennen, wann du geschlagen bist und nach Odds & Outs weiterspielen. Doch gerade auf der letzten Straße im Spiel spielt die Potgröße eine entscheidende Rolle. Hast du eine starke Hand und schon einiges auf Flop und Turn investiert, kannst du nicht einfach für eine Big Bet folden, auch wenn du dich oft geschlagen siehst. Der Pot ist riesig.

Deshalb ist es wichtig, genau zu bewerten, wie oft du vorne liegst. Aufgrund der Potgröße musst du nun auch Fälle einbeziehen, die dir sonst eventuell als zu unwahrscheinlich vorkommen. Bekommst du beispielsweise Pot Odds von 19:1 und dein Gegner blufft in nur 5% der Fälle, rechtfertigt das schon einen Call. Du musst in diesem Fall nur mehr als jedes 20. Mal die Hand gewinnen. Psychologisch gesehen fühlt man sich oft schlecht, weil der Misserfolg bei solchen Calls so überragend häufiger eintritt als der Erfolg, dennoch musst du dir immer vor Augen halten, dass ein Call am River oft gut ist, auch wenn du die Hand sehr viel öfter verlierst als gewinnst.

Ebenso musst du die Gegner und deren Anzahl einbeziehen. Hast du am Showdown definitiv mehr als einen Gegner, so ist ein Gewinn des Pots natürlich unwahrscheinlicher als gegen nur einen Gegner.

BEISPIEL

Preflop: Hero is CO with Q Q
5 folds , MP3 raises , Hero 3-bets ,1 fold , SB calls, BB calls, MP3 caps , Hero calls, SB calls, BB calls

Du hältst Pocket Queens im CO und 3-bettest das Raise vom MP3. Die Blinds coldcallen und MP3 signalisiert durch den Cap eine Premiumhand. Ihr geht zu viert an den Flop.

Flop: (16 SB) J , Q , 2 (4 players)
SB checks, BB checks, MP3 bets , Hero raises , SB calls, BB calls, MP3 3-bets , Hero caps , SB calls, BB calls

Du floppst die Nuts auf einem drawlastigem Board. Dein Ziel ist hier in erster Linie, deine Hand zu protecten, weshalb du bettest und raist.

Turn: (16 BB) 8 (4 players)
SB checks, BB checks, MP3 bets , Hero raises , SB calls, BB calls, MP3 calls.

Du konntest das Feld nicht verkleinern, aber immerhin haben die passiven Spieler maximal bezahlt. Der MP3 bettet erneut. Eine Straße mit T9 ist möglich geworden, aber aufgrund der bisherigen Action beim ihm eher unwahrscheinlich. Daher raist du erneut mit dem gleichen Ziel wie am Flop. Du willst das Feld ausdünnen. Es mag zwar keiner folden, da aber keine 3-Bet kommt, kannst du fast sicher sein, die beste Hand zu halten.

River: (24 BB) 9 (4 players)
SB checks, BB bets , MP3 calls, Hero ?

Leider tritt der worst Case ein. Der Flush ist da. Außerdem macht jetzt jede Zehn die Straße. Zu allem Überdruss donkt der passive Big Blind auf einmal und der MP3 callt. Ein Raise kannst du von Vornherein ausschließen. Du müsstest bei involvierten drei Spielern in mehr als jedem dritten Fall vorne liegen. Bei der Karte und der Action ist das sicherlich nicht gegeben. Doch die eigentliche Frage liegt auf der Hand: Liegst du oft genug vorne, um zu callen?

Du bekommst 26:1 Pot Odds, musst also in gerade mal in knapp 4% der Fälle (100/(26+1)) vorne liegen, um profitabel zu callen. Gegen den Small Blind kannst du dich oft vorne sehen. Er war die ganze Zeit passiv, wird also oft eine marginale made Hand oder einen busted Draw haben. Der MP3 hat bis zum Turn massiv Action gemacht und ist dann passiv geworden. In den meisten Fällen hat er eine starke made Hand, sieht sich aber gegen deine Hand zu Recht hinten.

Der interessante Punkt ist die Bet des Big Blinds. Offensichtlich bist du geschlagen, wenn er in das Feld bettet. Du kennst ihn aber nicht und die Gegner neigen manchmal zu den verrücktesten Aktionen. Im Mittel gewinnst du die Hand in mehr als 4% der Fälle und solltest hier nicht für eine Bet folden. Hinzu kommt der psychologische Schaden, den du erleiden könntest, wenn du in diesem Monsterpot die beste Hand folden solltest. Deshalb musst du callen.

Folde, wenn du geschlagen bist

Die erste Regel hat dir gezeigt, dass es oft profitabel ist, noch zu callen, obwohl man sich geschlagen sieht. Doch das impliziert nicht, dass du jetzt keine Hände mehr foldest, die bis zum River sehr stark waren. In einigen Situationen reicht selbst die Potgröße nicht mehr aus, um einen Call zu rechtfertigen.

BEISPIEL 1

Preflop: Hero is CO with Q Q
5 folds , MP3 raises , Hero 3-bets ,1 fold , SB calls, BB calls, MP3 caps , Hero calls, SB calls, BB calls

Flop: (16 SB) J , Q , 2 (4 players)
SB checks, BB checks, MP3 bets , Hero raises , SB calls, BB calls, MP3 3-bets , Hero caps , SB calls, BB calls.

Turn: (16 BB) 8 (4 players)
SB checks, BB checks, MP3 bets , Hero raises , SB calls, BB calls MP3 calls

River: (24 BB) 9 (4 players)
SB bets , BB raises , MP3 folds, Hero ?

Du floppst das Topset. Bis zum River verläuft die Hand wie schon im Beispiel aus dem vorherigen Abschnitt. Doch nun ändert sich die Situation stark. Der passive Small Blind ist aufgewacht und bettet. Danach raist auch noch der passive Big Blind. Deine Pot Odds sind von 26:1 zu 13.5:1 fast halbiert worden.

Während du dich im ersten Beispiel nur gegen den Big Blind hinten sehen musstest, ist jetzt noch der Small Blind hinzu gekommen. Du befindest dich hier in der Klemme, da du sogar noch 3-Bet und Cap fürchten musst. 3-bettet der Small Blind, könnte sich auch der Big Blind noch oft vorne sehen und cappen. Im schlimmsten Fall (SB erhöht, BB cappt) bekommst du für die gesamte Straße 32:4 oder 8:1 Pot Odds.

In diesem Fall ist das Board noch wesentlich schlimmer als im vorigen Beispiel, da du hier auch gegen jedes verlierst. Außerdem bekommst du ganz andere Pot Odds für einen Call und musst mindestens doppelt so oft gewinnen, um profitabel callen zu können. Diesmal gibt es keine Rettung und du musst deine Hand trotz des Riesenpots folden.

BEISPIEL 2

Preflop: Hero is CO with A T
5 folds , MP3 calls, Hero raises ,1 fold , SB calls, BB calls, MP3 calls

Flop: (10 SB) T , 3 , 2 (4 players)
SB checks, BB checks, MP3 checks , Hero bets , SB calls, BB calls, MP3 calls.

Du triffst Toppair/Topkicker und machst natürlich eine Bet. Alle Gegner callen.

Turn: (7 BB) J (4 players)
SB checks, BB checks, MP3 checks, Hero bets , SB calls, BB calls, MP3 calls.

Am Turn erscheint eine Overcard und alle Spieler checken. Ein Bube ist möglich, jedoch ist das Board stark drawlastig, weshalb du dich für eine weitere Bet entscheidest.

River: (11 BB) Q (4 players)
SB bets , BB calls, MP3 calls, Hero ?

Unglücklicherweise callen alle Spieler die Turnbet. Am River erscheint eine weitere Overcard, die Straight- und Flushdraws komplettiert. Der Small Blind donkt und die beiden anderen Spieler callen.

Du kannst dich hier nicht mehr allzu oft vorne sehen. Nicht nur, dass der Small Blind bettet und damit aufgrund des Handverlaufs eine sehr starke Hand repräsentiert. Zwei Spieler nach ihm callen diese Bet auch noch. Beim Small Blind ist der Flush wahrscheinlich, ebenso ein Backdoorstraightdraw, der am River ankommt. Außerdem könnte er auch mit der Queen setzen. Gegen ihn bist du also fast immer hinten.

Der Big Blind war die ganze Zeit über passiv. Von ihm kannst du nicht viel sagen. Wenn er nicht gerade ein ziemlich schlechter Spieler ist, kannst du ihn hier auf eine schlechtere Ten, einen Jack oder Queen setzen. Bessere oder schlechtere Hände sind unwahrscheinlich. Gleiches gilt für den MP3.

Du musst dich also gegen alle Spieler fast immer hinten sehen. Daran ändern auch Pot Odds von großzügigen 14:1 nichts. Deshalb foldest du.

Bette gute Hände for Value

Bereits eingangs hast du erfahren, was der Sinn eines Einsatzes am River ist. In diesem und dem nächsten Abschnitt wirst du noch einmal genauer erfahren, was es mit den beiden Gründen für einen Einsatz auf sich hat. Zuerst schauen wir uns den ersten Grund näher an: Eine schlechtere Hand bezahlt dich aus. Du überlegst also, ob du eine Valuebet machst.

Die entscheidenen Fragen für eine Valuebet sind:

  • Habe ich die beste Hand?
  • Werde ich in mehr als 50% der Fälle von einer schlechteren Hand ausbezahlt?
Habe ich die beste Hand?

Die Stärke deiner Hand wird beeinflusst durch …

  • … die Anzahl der Gegner: Je mehr Gegner, desto stärker muss deine Hand sein.
  • … die Boardtextur: Welche Draws könnten am River angekommen sein?
  • … die Entwicklung des Boards: Könnten die Gegner am Flop mit Draws gecallt haben oder waren nur Backdoors möglich?

Je mehr Gegner dir am River gegenüberstehen, desto wahrscheinlicher wird es, dass bessere Hände unterwegs sind. Als Faustregel kannst du dir merken: Mit Toppair und gutem Kicker hast du selbst gegen drei Gegner häufig noch eine Valuebet. Mit Toppair und schlechtem Kicker und Middlepair mit gutem Kicker hast du meistens selbst gegen zwei Gegner noch eine Valuebet.

Um hierbei eine gute Entscheidung zu treffen, musst du die Boardtextur einbeziehen. Sind viele Draws angekommen, werden Raises von besseren Händen wahrscheinlicher. Außerdem wird es wahrscheinlicher, dass Spieler mit besseren Händen behindchecken, da sie selbst Angst vor einem Raise einer besseren Hand haben. Dabei musst du darauf achten, auf welcher Straße die angekommenen Draws möglich waren.

BEISPIEL 1

Du hältst A Q im MP3. Das Board ist: (7,5 BB) 8 , 5 , 7 , 9 , Q (3 players).

MP2 checks, Hero? Ein Spieler kommt noch hinter dir. Schau dir nun drei verschiedene Konstellationen des Boards an.

Situation Flop Turn River
A 8 , 5 , 7 Q 9
B Q , 9 , 7 8 5
C Q , 9 , 5 7 8
  • Situation A: Du checkst. Der River bringt die Todeskarte. Straight- und Flushdraws, welche am Flop möglich waren, kommen an. Du willst keine Erhöhung sehen.

  • Situation B: Du bettest. Der River ist eine Blank. Da am Turn niemand geraist hat, sind meist weder Straight noch Flush unterwegs. Du siehst dich oft vorne, wenn du gecallt wirst.

  • Situation C: Hero bets. Am Flop waren kaum Draws möglich. Die Gegner gehen in wenigen Fällen mit Straightdraws mit, meistens aber mit made Hands, gegen die du vorne liegst. Es ist also unwahrscheinlich, dass die 8 einen Draw komplettiert hat. Dazu ist der angekommene Flush nur ein Backdoorflush, was es unwahrscheinlich macht, dass jemand darauf aus war.

Eine Riverkarte, die einen Flopdraw komplettiert, hat dem Gegner viel eher weitergeholfen, als eine Karte, die einen Backdoordraw komplettiert hat.
BEISPIEL 2

Du hältst T T im MP3. Du hast einen Gegner im Big Blind, der sich auf jeder Straße passiv verhalten hat. Schau dir nun drei verschiedene Konstellationen des Boards an.

Situation Flop Turn River
A 8 , 3 , 7 J K
B 8 , J , 7 3 K
C K , J , 7 3 8

Der Big Blind checkt zu dir. Bet oder Check?

  • Situation A: Du bettest.
  • Situation B: Du bettest.
  • Situation C: Du checkst.

Dein Gegner braucht am Flop einen Grund, um die Hand weiterzuspielen, sofern er kein Vollfisch ist.

In Situation A sind die Gründe in den meisten Fällen ein Straightdraw oder ein getroffenes schlechteres Pair. Dementsprechend wird der König unwahrscheinlich. Der Jack könnte Straightdraws weiterhelfen, jedoch hätte sich der Gegner oft schon vorher gemeldet, als bis zu einem Checkraise am River zu warten.

In Situation B sind die Gründe ähnlich, doch es ist knapper. Am Flop könnte bereits ein besseres Pair gecallt haben, das way ahead/way behind spielt. In den meisten Fällen ist es dennoch eine schlechtere Hand, die 8 oder 7.

In Situation C sieht die Sache anders aus. Der Gegner hat in den meisten Fällen nach dem Flopcall ein besseres Pair oder einen Straightdraw. Du kannst dich am River nicht mehr oft vorne sehen, wenn er mitgeht.

Overcards an den big Streets sind in der Regel weniger schlimm als am Flop, da es nicht wahrscheinlich ist, dass der Gegner genau diese Overcard hält!
Zahlt mich in mehr als 50% der Fälle eine schlechtere Hand aus?

Bei dieser Frage wird der Sinn eventuell falsch verstanden. Hiermit ist gemeint: Callt dein Gegner eine Bet und macht diese Aktion in mehr als der Hälfte der Fälle mit einer schlechteren Hand, dann kannst du diese Frage mit Ja beantworten.

Beispiel: Du bettest den River 10-mal. Der Gegner callt 6-mal, davon 4-mal mit einer schlechteren Hand. Insgesamt wird deine Bet 4-mal von einer schlechteren Hand gecallt. Betrachtest du aber nur die Fälle, in denen er gecallt hat, so hat der Gegner in 2 von 3 Fällen mit einer schlechteren Hand (4 von 6) gecallt, was über 50% ist.

Würde dich der Gegner 8-mal callen, davon nur 3-mal mit einer schlechteren Hand, callt er dich in weniger als 50% der Fälle mit einer schlechtern Hand (3 von 8). Entscheidend sind hierbei natürlich nicht der Einzelfall oder vielleicht auch 10 Fälle, sondern entscheidend ist der Mittelwert, der sich einstellen würde, wenn sich diese Situation sehr häufig wiederholen würde.

Anmerkung: Es gibt out of Position auch Ausnahmen, in denen eine Bet Sinn macht, die in weniger als 50% der Fälle von schlechteren Händen gecallt wird. Die Theorie dahinter ist aber etwas komplizierter und wird in der Goldsektion näher behandelt.

BEISPIEL 1

Preflop: Hero is BB with A K
6 folds , CO calls, SB completes, Hero raises , CO calls, SB calls

Flop: (6 SB) A , 9 , 5 (3 players)
SB checks, Hero bets , CO raises , SB folds , Hero 3-bets , CO calls

Du triffst am Flop Toppair/Topkicker und hast die Initiative. Der Small Blind hat bereits gecheckt. Du entscheidest dich für eine Bet. Der Spieler nach dir raist und der Small Blind foldet. Der Flop ist trocken. Lediglich ein paar Gutshots sind möglich und es liegt nur eine Facecard da. Dementsprechend wird der CO hier selten mit einem Draw bluffen. In den meisten Fällen hat er eine made Hand oder absolut gar nix. Hat er eine made Hand, ist diese meist schlechter als deine. Nur unwahrscheinliche Sets und Two-Pairs schlagen dich, wobei ein Set Aces sehr, sehr unwahrscheinlich ist. Du kannst dich also gegen ihn sehr oft vorne sehen und entscheidest dich für die aggressive Variante und raist.

Turn: (6 BB) Q (2 players)
Hero bets , CO calls

River: (8 BB) 3 (2 players)
Hero ?

Dein Gegner hat das Raise am Flop und deine Bet am Turn gecallt. Da er Stärke gezeigt hat und das Board kaum Draws bietet, ist ein Bluff seinerseits sehr unwahrscheinlich. Da er weder den Flop gecappt noch den Turn geraist hat, ist eine bessere Hand (in diesem Fall mindestens Twopair) ebenfalls sehr unwahrscheinlich. Folglich hält er meistens eine schlechtere made Hand, mit der er günstig zum Showdown will.

Checkst du also, ist es wahrscheinlich, dass er das ebenfalls macht. Bettest du hingegen, callt er oft. Wenn er callt, hat er dann auch in den allermeisten Fällen eine Hand, die du schlägst. Dies wird in dieser Situation in weit mehr als 50% der Fälle der Fall sein. Daher bettest du.

Raist dein Gegner die Bet, bekommst du 11:1 Pot Odds. Dein Gegner muss hier also in einem von 12 Fällen mit einer schlechteren Hand raisen. Da du oft nicht genau einschätzen kannst, ob der Gegner zu Bluffs in der Lage ist, solltest du ein Raise in jedem Fall callen.

Valuebets am River zu verpassen, ist einer der schwerwiegendsten Fehler, den Spieler machen. Gerade auf den kleinen Limits gehen die Gegner im Mittel mit sehr schwachen Händen zum Showdown. Aus diesen musst du den maximalen Value extrahieren.
BEISPIEL 2

Preflop: Hero is SB with K J
7 folds , BU calls, Hero raises , 1 fold , BU calls

Flop: (5 SB) J , 8 , 6 (2 players)
Hero bets , BU calls

Du isolierst den Button und triffst Toppair mit zweitbestem Kicker am Flop. Das Board ist stark drawlastig und du bettest, um Value zu erhalten und deine Hand zu protecten.

Turn: (3,5 BB) 5 (2 players)
Hero bets, BU calls

Der Button callt die Bet am Flop. Bis jetzt kannst du noch keine gute Aussage über seine Hand machen. Er könnte am Flop mit vielen möglichen Draws wie auch made Hands, mitgehen, um erst am Turn eine Entscheidung zu treffen. Mit der 5 kommen ein paar Straightdraws an, dennoch bettest du, um Value zu bekommen. Gegen ein Raise würdest du in jedem Fall zum Showdown gehen.

River: (5,5 BB) 2 (2 players)
Hero ?

Button callt auch die Bet am Turn. Er hält hier meistens einen Draw, den er passiv spielen will, oder eine mittelstarke bis marginale made Hand, mit der er sich eher hinten sieht. Am River kommt eine Blank. Der Gegner könnte zwar busted Draws halten, es gibt aber eine Vielzahl von schlechteren made Hands, die eine Bet von dir callen würden. Daher hast du hier eine Valuebet.

Raist der Button, solltest du callen. Kein Draw ist angekommen. In den meisten Fällen hat er dann wahrscheinlich eine komisch gespielte starke Hand, aber manchmal wird er auch auf diese Draws bluffen. Du weißt nichts vom Gegner, also callst du vorerst.

Was passiert, wenn statt der 2 am River die T erscheint?

River: (5,5 BB) T (2 players)
Hero ?

Dieser River ist um einiges schlechter. Einige Straightdraws sind angekommen, ebenso der Flush. Der Gegner wird aber immer noch in mehr als 50% der Fälle mit einer schlechteren Hand callen. Somit hast du immer noch eine Valuebet.

Checken ist hier aus mehreren Gründen nicht gut. Bluffs zu induzieren bringt nicht viel, da fast alle Draws angekommen sind. Der Gegner wird hier viele schlechtere Hände callen, aber auf einen Check selbst nicht betten. Oft sagt ein Check an einem solchen River eher, dass man zum Showdown will, aber kein Raise von einer besseren Hand sehen will. Das bedeutet für dich aber gleichzeitig, dass dein Gegner selten mit Händen blufft, die er sonst gefoldet hätte.

Raist der Button solltest du callen. Der River ist zwar sehr gefährlich und er wird hier oft mit besseren made hands als deiner raisen, aber genau das könnte auch dein Gegner wissen und versuchen, dich rauszubluffen. Du hältst immer noch Toppair. Es gibt also viele schlechtere Hände, mit denen er dich bluffen könnte.

Werfen wir noch einen Blick auf eine andere Variante, in der am River die Pik-Dame erscheint.

River: (5,5 BB) Q (2 players)
Hero ?

Dieser River bringt eine Overcard zu deinem Toppaar. Der open-ended Straightdraw mit T9 ist angekommen, andere Draws haben verfehlt. Ebenso könnte der Gegner gut mit einer Queen als Overcard und einem zusätzlichem Straightdraw gecallt haben und hat jetzt getroffen.

Doch auch hier gilt wieder: Mit den meisten Händen, die sich verbessert haben, wird er raisen. Die verfehlten Draws wird er meistens folden und in einigen Fällen raisen. Callt er, hat er fast immer eine Hand, die wir schlagen, abgesehen von einer Queen eventuell. Dementsprechend hast du auch hier eine Valuebet.

Auf ein Raise wird es nun wirklich giftig. Du bekommst aber Pot Odds von 8,5 zu 1. Wenn du keine genaueren Informationen hast, solltest du callen. Ein Fold kommt dann in Frage, wenn du glaubst, dass dein Gegner ein TAG ist, der geradlinig spielt. TAGs bluffen am River nur sehr selten. Auf ein Raise liegst du natürlich sehr viel öfter hinten als vorn. Dennoch musst du nach einem Raise nur in knapp 11% der Fälle gewinnen. Nur wenn du glaubst, dass dein Gegner zu Bluffs in so einer Situation quasi außerstande ist, kannst du folden.

Merke: Auch wenn ein Raise sehr unangenehm ist, solltest du dich daher nicht von Valuebets abschrecken lassen. Ein Raise zu kassieren, wäre hier zwar dumm, es wird aber nicht wirklich oft passieren, so dass diese Fälle nicht so stark ins Gewicht fallen wie verpasste Valuebets, wenn du solche Situationen aus Angst vor einem Raise nicht mehr bettest. Wenn du nur mit einem Gegner am Flop bist, solltest du dir nicht zu große Sorgen vor Flush- und Straightdraws machen, da diese bei einem Gegner nicht so wahrscheinlich sind wie bei drei oder mehr Spielern am Flop.

Du siehst an diesem Beispiel: Gegen einen Gegner kannst du meist auch noch mit einem mittlerem Paar und gutem Kicker betten, selbst wenn am River Draws angekommen sein könnten!

BEISPIEL 3

Preflop: Hero is SB with K J
6 folds , CO calls, BU calls, Hero raises , BB calls, CO calls, Button calls.

Flop: (8 SB) J , T , 5 (4 players)
Hero bets , BB calls, CO folds , BU calls

Du raist KJs aus dem SB gegen 2 Limper und ihr geht zu viert an den Flop. Du triffst Toppair mit gutem Kicker. Du bettest for Value.

Turn: (5,5 BB) 2 (3 players)
Hero bets , BB calls, BU calls.

Eine Blank erscheint am Turn. Du hast eine klare Valuebet.

River: (8,5 BB) 6 (3 players)

Beide Gegner callen deine Bet. Am River ist ein Flush möglich. Auch wenn diese Gefahr nicht von der Hand zu weisen ist, hast du auch hier noch eine Valuebet, da dich immer noch zahlreiche schlechtere Hände callen werden.

Im Falle eines Raises gilt das gleiche wie in der Hand zuvor. Ohne Informationen über deine Gegner callst du ein Raise und foldest nur, wenn du dem Gegner keinen Bluff zutraust.

In dieser Hand lautet deine Line also: Bet und Call auf ein Raise.

Bette mit made Hands nur, wenn du gecallt werden willst

Bei der Regel “Bette gute Hände for Value” hast du erfahren, dass sich eine Valuebet lohnt, wenn die Spieler bei einem Call in mehr als 50% der Fälle eine schlechtere Hand halten. In diesem Abschnitt erfährst du mehr über Grenzfälle, in denen du dir nicht sicher sein kannst, die 50% zu erreichen.

Diese Situationen treten oft auf, wenn das Board sehr gefährlich wird. Einige Draws kommen an, du bist dir nicht sicher, was auf ein Raise zu tun ist, und es könnten einige bessere Hände nur callen. Da es sich eher um Grenzfälle handelt, starten wir gleich mit den Beispielen.

BEISPIEL 1

Preflop: Hero is MP3 with J , J
Hero raises, CO folds, BU 3-bets, SB folds, BB caps, Hero calls, BU calls.

Flop: (12.50 SB) 9 , 2 , 5 (3 players)
BB bets, Hero raises, BU folds, BB 3-bets, Hero calls

Du erhöhst aus mittlerer Position mit Pocket Jacks. Es geht bis zum Cap und ihr geht zu dritt zum Flop. Der Big Blind bettet, du entscheidest dich für einen Raise for Value und Protection. Der Big Blind 3-bettet. Gehst du von möglichen Händen 99+ aus, kannst du dich nicht unbedingt vorne sehen, da du gegen seine Capping-Range, die er am Flop Bet/3-Bet spielt, im Mittel nicht mehr vorne bist. Du willst wegen des großen Pots einen Showdown sehen, bleibst aber für den Rest der Hand passiv.

Turn: (9.75 BB) 4 (2 players)
BB bets, Hero calls

Der Turn ändert nichts an der Situation, weshalb du wieder callst.

River: (11.75 BB) A (2 players)
BB checks, Hero ?

Am River erscheint das Ass und der Big Blind checkt. Dadurch kannst du in den meisten Fällen Pocket Asse und Neuner ausschließen. Du musst davon ausgehen, dass er auf eine Bet niemals eine bessere Hand foldet. Gehst du davon aus, dass er TT, QQ oder KK hält, so schlägst du davon nur TT. Bettest du, wirst du in weniger als 50% von einer schlechteren Hand gecallt, so dass diese Bet nicht profitabel ist.

Auf ein Checkraise bist du zu selten vorne und müsstest obendrein folden und mit dem schlechten Gefühl schlafen gehen, nicht zu wissen, was der Button in dieser Hand hatte. Darum entscheidest du dich hier für einen free Showdown und checkst.

BEISPIEL 2

Preflop: Hero is SB with K A
6 folds , CO calls, BU calls, Hero raises , BB calls, CO calls, BU calls

Flop: (8 SB) K , 8 , 5 (4 players)
Hero bets , BB calls, CO calls, BU calls

Du raist aus dem Small Blind mit AK, nachdem zwei Spieler gelimpt haben. Ihr geht zu viert zum Flop. Du triffst Toppair/Topkicker und machst deine Bet, die von allen Gegner gecallt wird.

Turn: (6 BB) J (4 players)
Hero bets , BB calls, CO calls, BU calls

Am Turn hast du nach wie vor meist die beste Hand und bettest for Value. Erneut callen alle Gegner.

River: (10 BB) Q (4 players)
Hero ?

Alle Gegner haben Flop und Turn gecallt. Am River kommen jetzt Straight- und Flushdraws an. Du kannst dir nicht sicher sein, wie oft deine Gegner hier schlechtere made Hands callen. Stärkere Hände könnten nur callen aus Angst vor einer besseren Hand oder um Overcalls einzusammeln. Bessere Hände bekommst du mit einer Bet ebenfalls selten zum Folden. Du gibst ihnen 11:1 Pot Odds.

Eine Bet ist also hier nicht mehr angebracht. Dementsprechend checkst du und callst eine Bet. Du siehst also: Gegen drei oder mehr Spieler ist es kein Fehler, auch mit Toppair/Topkicker check/call zu spielen, wenn die Riverkarte viele Draws completet.

Wann solltest du einen Bluff induzieren?

Nun war schon in einigen Beispielen die Rede vom Bluffs Induzieren. In diesem Abschnitt bekommst du einen tieferen Einblick, um was es bei dieser Line geht.

Definition “Bluffinduction”: Du checkst, um eine Bluffbet des Gegner zu induzieren.

Dementsprechend kann man Bluffs nur out of Position induzieren. Auf Bluffinduce zu spielen ist sinnvoll, wenn folgende Faktoren zusammentreffen:

  • Du findest kaum schlechtere Hände, die eine Bet von dir callen.
  • Du glaubst, dass keine bessere Hand foldet.
  • Du glaubst, oft genug am Showdown zu gewinnen, um eine Bet zu investieren.

Der erste Punkt bedeutet, dass du keine Valuebet machen kannst. Hier ist mit “kaum” “weniger als 50% der Fälle” gemeint. Mit dem zweiten Punkt schließt du einen möglichen Bluff deinerseits aus und der letzte Punkt stellt sicher, dass deine Hand stark genug ist, um überhaupt noch im Spiel zu bleiben.

BEISPIEL 1

Preflop: Hero is SB with A 5
8 folds , Hero raises , BB calls

Flop: (4 SB) J , 8 , 5 (2 players)
Hero bets , BB calls

Du greifst mit einem niedrigen Ass den Big Blind an. Er callt. Du triffst Bottompair/best Kicker auf einem drawlastigem Board. Du bettest, um deine Hand zu protecten und herauszufinden wo du stehst.

Turn: (3 BB) K (2 players)
Hero bets , BB calls

Eine weitere Overcard erscheint zu deinem Pair. Da der Big Blind noch keine Stärke gezeigt hat und du im Blind Battle bist, entscheidest du dich für eine weitere Bet.

River: (5 BB) 3 (2 players)
Hero ?

Der Big Blind callt auch diese Bet und ihr steht am River. Die 3 ist eine Blank. Keine Draws sind angekommen und die 3 stellt keine gefährliche Overcard für dich dar. Jedoch werden dich hier kaum schlechtere Hände callen. Die einzigen Hände, die in Frage kommen könnten, wären 44 und 22. Busted Draws werden auf deine Bet folden. Ein Paar wird erfahrungsgemäß unter keinen Umständen folden. Somit ist eine Bet nicht profitabel, da es auch unwahrscheinlich ist, dass dich A high callt.

Bleibt die Frage, ob du check/call oder check/fold spielen solltest. Da das Board aber ziemlich viele Draws ermöglicht hat, ist es durchaus wahrscheinlich, dass der Gegner am River auf einem busted Draw sitzt. Hier kommt Bluffinduction ins Spiel. Viele Gegner interpretieren einen Check als Aufgabe und versuchen, sich den Pot unter den Nagel zu reißen. Dies nutzt du aus, in dem du bereit bist, eine Bet zu callen.

Hierbei musst du auf die Potgröße achten. Du bekommst 6:1 Pot Odds, wenn dein Gegner bettet. Du musst also nur in rund 15% der Fälle mit einem Call den Pot mitnehmen. Dies ist bei dieser Boardtextur durchaus gegeben. Wenn du so einen Bluff induzierst, hast du aus einem Draw das Maximum herausgeholt und kannst mit dir zufrieden sein.

Tipp: Lass dir nicht einreden, dass generell passive Spieler nicht in der Lage seien, am River Bluffbets zu machen. In der Regel sind es oft passive Callingstations, die in die Falle der Bluffinduction tappen. Du solltest eher gegen gute Spieler mit Bluffinduction vorsichtig sein, da diese oft ahnen, dass du ihnen mit deinem Check am River eine Falle stellen willst.

BEISPIEL 2

Preflop: Hero is SB with A K
7 folds , BU raises , Hero 3-bets , BB calls, BU calls

Flop: (9 SB) 7 , 8 , 5 (3 players)
Hero bets , BB folds, BU calls

Du 3-bettest ein Raise vom Button mit der Premiumhand AK. Am Flop hast du nur A high, machst aber deine Continuationbet, da du durchaus noch die beste Hand halten könntest.

Turn: (5,5 BB) 5 (2 players)
Hero bets , BU calls

Am Turn bleibt ein Gegner übrig, weshalb du noch eine Bet nachschiebst.

River: (7,5 BB) Q (2 players)
Hero ?

Und schon wieder stehst du am River mit unimproved Overcards und einem Gegner, der Flop und Turn passiv gecallt hat. Gegen eine Bet wird keine bessere Hand folden. Außerdem könnte die Q dem Gegner geholfen haben. Es ist auch fragwürdig, ob der Gegner hier eine schlechtere Hand (A high) noch callen wird.

Auch jetzt solltest du auf Bluffinduction spielen und die Line check/call wählen. Außerdem könnte der Button mit besseren Händen nur checken, da viele Gegner die Schwäche haben, Valuebets auszulassen.

Wann kannst du mit wertlosen Händen bluffen?

Nun soll es näher um die Frage gehen: Folden bessere Hände? Wenn sie das oft genug tun, lohnt sich ein Bluff. Zur Betrachtung sollen hoffnungslose Hände herangezogen werden. Mit diesen Händen lässt es sich am besten bluffen. Deine Gegner halten sehr oft bessere Hände. Wenn sie also aussteigen, dann selten mit schlechteren Händen. Außerdem halten dich deine Gegner oft für durchgeknallt, wenn dein Bluff fehlschlägt, was du mit dünneren Valuebets ausnutzen kannst.

Mit einem Einsatz kannst du made Hands und busted Draws zum Folden bewegen. Folglich achtest du hauptsächlich auf zwei Faktoren:

  • Wie wahrscheinlich sind Draws und welche sind angekommen?
  • Ist eine Scarecard erschienen?

Sind Draws wahrscheinlich, aber nicht angekommen, favorisiert das einen Bluff, sofern du busted Draws nicht schlagen kannst. Deine Mitspieler folden korrekt ihren busted Draw, du aber hast eine bessere Hand zum Folden gebracht.

Erscheint eine Scarecard, könnten sich Gegner von marginalen made Hands wie einem Bottompair trennen. Aber hier musst du darauf achten, was auf den vorherigen Straßen passiert ist. Dazu kannst du dir das erste Beispiel anschauen.

BEISPIEL 1

Preflop: Hero is SB with 7 6
4 folds, Hero raises, BB calls

Flop: (2,5 SB) 5, 5 , 8 (2 players)
Hero bets, BB calls

Du raist aus dem SB und der BB defendet. Du triffst einen OESD und bettest in der Hoffnung, dass viele bessere Hände folden könnten.

Turn: (3 BB) A (2 players)
Hero bets , BB calls

Das Ass ist die perfekte Scarecard für eine erneute Bet.

River: (5 BB) K (2 players)
Hero ?

Der BB callt deine Bet am Turn. Dieser Call ist leider gar nicht gut für dich. Das Board bietet kaum Draws. Da du selbst 76s hältst, sind auch Straightdraws beim Gegner seltener. Er hält also meist eine made Hand, mit der er zum Showdown will. Sonst hätte er am Turn gefoldet, denn es gibt kaum eine schlimmere Karte in dieser Situation.

Am River hast du also nahezu keine Chancen, bessere Hände zum Folden zu bringen. Da du auch keinen Showdownvalue hast, fällt Bluffinduction ebenfalls flach. Du sparst dir also die letzte Kugel und gibst die Hand auf. Du checkst und foldest auf eine Bet.

BEISPIEL 2

Preflop: Hero is BB with 6 3
UTG calls, 6 folds , BU calls, 1 fold , Hero checks

Flop: (3,5 SB) 8 , 4 , 5 (3 players)
Hero bets , UTG folds , BU calls

Du bedankst dich für das Freeplay und triffst einen Monsterdraw am Flop und bettest daher. Zum einen könnten bessere Hände folden und du sackst den Pot direkt ein und weiterhin wäre es eine Valuebet, wenn beide Gegner callen, da dein Draw deutlich mehr als jedes dritte Mal zum River hin ankommen wird. Das theoretische Prinzip dahinter findest du im Artikel zu Valueraises mit Draws: Wann kannst du am Flop mit Draws for Value raisen?

Turn: (2,75 BB) J (2 players)
Hero bets , BU calls

Ein Spieler callt und du entscheidest dich für eine erneute Bet in der Hoffnung, er könnte eine bessere Hand folden.

River: (4,75 BB) K (2 players)
Hero ?

Auf dem drawlastigen Board ist dein Draw nicht angekommen und du hast 6 high. Es sind aber viel mehr busted Draws möglich, die mehr Showdownvalue als deine eigene Hand haben. Der Gegner könnte am Flop mit Overcards und/oder Gutshots mitgegangen sein (z.B. T 7) und am Turn dann eventuell einen zusätzlichen Draw aufgeschnappt haben. Eine Riverbet wird er aber mit Sicherheit nicht callen, so dass du hier bluffen solltest, um busted Draws mit mehr SD-Value endgültig aus dem Weg zu räumen.

Dieser Bluff muss in rund 18% der Fälle klappen (1 / (4,75 + 1) ), was in dieser Situation gegeben ist. Daher bettest du.

Vermeide Checkraises am River

Am River ist ein Checkraise nur sehr selten angebracht. Während dir auf vorigen Straßen ein Checkbehind vom Gegner recht egal sein kann, da ja noch eine Straße kommt, sieht das am River bekanntlich anders aus.

Andererseits kannst du auch selten cappen. Dein Checkraise wird in den meisten Fällen richtig gedeutet: Du hast eine starke Hand. Die Gegner werden also oft nur callen oder sogar folden. Bettest du, zeugt das nicht von so viel Stärke. Die Spieler raisen eher deine Bet, woraufhin du 3-betten kannst. Das ist auch der Grund, warum man ein Checkraise als Actionkiller bezeichnet.

Außerdem musst du bewerten, was das Checkraise im Vergleich zu einer Bet bringt.

BEISPIEL

Du sitzt im Small Blind mit A 2. Das Board kommt K J 9 , 3 , 4 und du stehst drei Mitspielern gegenüber.

Mögliche Betsequenzen sind zum Beispiel:

  • Hero bets , call, call, call.
    Du gewinnst 3 BB von den anderen Spielern.
  • Hero checks, check, check, bet , Hero raises , fold, fold, call
    Du gewinnst nur 2 BB von den anderen Spielern.

Hier erhältst du also im zweiten Fall eine Big Bet weniger, was sicherlich nicht die Intention beim Checkraise war.

Du brauchst einen guten Grund, um davon auszugehen, dass ein Spieler unmittelbar nach dir nach einem Check selbst betten wird und du die evtl. Caller dahinter in das Sandwich packen kannst. Dies ist aber selten gegeben, so dass sich ein Checkraise im Mittel oft nicht rentiert. Viele Spieler versuchen, am River zu trickreich zu spielen, und lassen dadurch im Mittel Value liegen.

Fazit

Das Spiel am River ist komplizierter, als es auf den ersten Blick aussieht. In diesem Artikel wurden dir sieben Regeln gezeigt, die dich bei der Entscheidungsfindung in der jeweiligen River-Situation unterstützen sollen. Durch die ersten beiden Regeln “Folde nicht die beste Hand in großen Pötten” und “Folde, wenn du eindeutig geschlagen bist” ist es dir nun möglich, fundierte Entscheidung über einen Call zu treffen. Dabei wurde dir gezeigt, dass die Potgröße eine wesentliche Rolle dabei spielt.

Mit den Regeln “Bette mit guten Händen for Value” und “Bette made Hands nur, wenn du gecallt werden willst” wurde das Valuebetting näher erläutert. Die richtige Grenze für Valuebets zu kennen, ist eine der wichtigsten Grundlagen für korrektes Riverplay.

Wenn du keine Valuebet mehr hast, aber Showdownvalue, ist dein Repertoire jedoch noch nicht ausgeschöpft. Mit der Regel “Nutze die Möglichkeit des Bluffinduce” hast du gelernt, dass du die Gegner durch einen Check zum Bluffen mit Händen animieren kannst, die sie sonst gefoldet hätten.

Doch hast du nicht einmal mehr Showdownvalue, kannst du jetzt mit Hilfe der Regel “Bluffe manchmal mit hoffnungslosen Händen” bewerten, wann es sich lohnt, mit wertlosen Händen wie busted Draws einen Bluff zu starten.

Die letzte Regel “Vermeide Checkraises am River” hat dir am Ende noch einmal verdeutlicht, dass sich ein Checkraise am River in den meisten Fällen nicht lohnt. Die Gegner könnten behindchecken und du kannst nicht 3-betten.

Wenn du diese Regeln gewissenhaft umsetzt und deine Riverbets und Calls gut überlegt platzierst, steht deinem erfolgreichen Spiel nichts mehr im Wege, sofern du auch die anderen Streets korrekt spielst.