Standardlines: Das Raise for free Showdown
Einleitung
In diesem Artikel
- Bessere Hände müssen folden können
- Ein Calldown kann besser sein
- Die 3-Bet ist der natürliche Feind des Free-Showdown-Raises
Ein Raise for free Showdown, oder Free-Showdown-Raise (Free-SD-Raise), bezeichnet ein Raise am Turn mit der Intention, am River behindzuchecken, wenn sich die eigene Hand nicht verbessert hat. Dieses Konzept ist nur sinnvoll anwendbar, wenn die eigene Hand Showdownvalue hat, so dass man am River mit dem Checkbehind die Hand auch gewinnen kann.
Definition des Free-Showdown-Raises
Das Konzept unterscheidet sich von dem des Semibluffs, bei dem man eine Hand mit vielen Outs am Turn raist, um bessere Hände zum Folden zu bringen. Für diesen Move benötigt man keinen Showdownvalue und sollte mit solchen Händen oft auch unimproved am River noch einmal bluffbetten. Eine Hand für einen Free-SD-Raise hat maximal 6 Outs (2 Overcards), entspricht also keinem starken Draw (OESD oder besser). Wenn man einen starken Draw + Showdownvalue hat, ist es allerdings möglich, eine Mischung aus einem Free-SD-Raise und einem Semibluff zu spielen.
Das Konzept des Free-SD-Raises bezieht sich ausschließlich auf den Turn. Ein Raise am Flop mit anschließendem Checkbehind am Turn bezeichnet man entweder als Freecardraise oder CHEAP-SD-Raise, je nachdem mit welcher Intention es geschieht.
Für ein Free-SD-Raise musst du im Heads-up in Position sein. Wenn du den Move gegen mehr als einen Gegner spielst, darfst du zumindest nicht oop sein. Für den Fall, dass noch Gegner hinter dir sind, hoffst du sie zum Folden zu bringen und dir somit die Position zu erkaufen, was dir das Nehmen des free Showdowns ermöglicht.
Ein purer Bluff, der am River aufgegeben wird (z.B. weil eine schlechtere Karte kommt), ist auch nicht mit einem Free-SD-Raise zu verwechseln.
Warum solltest du for free Showdown raisen?
Die Alternative zum Free-SD-Raise ist der Calldown, der oftmals die optimale Line mit einer mittleren Hand darstellt. Wann ist das Free-SD-Raise besser als der Calldown?
Das Free-SD-Raise ist überhaupt nur deshalb möglich, weil die meisten Gegner am River zu dem Aggressor hinchecken, nachdem sie am Turn geraist wurden. Ein Turnraise bedeutet sehr oft Stärke und der Gegner hat selten eine sehr starke Hand, so dass er oft mit einem großen Teil seiner Range bet/call Turn, check River (schwache bis gute made Hands, Draws) spielen wird oder bet/fold Turn (Air bis mittlere made Hands). Man bekommt also oft mit einem Turnraise entweder den Gegner direkt zum Folden oder den free Showdown.
Wann bringt es aber etwas, diesen Move zu spielen, und wann ist er besser als ein Calldown oder ein Fold? Generell ist ein Free-SD-Raise aus Balancing-Gründen wichtig. Da man es auch auf trockenen Boards spielt, kann man so seine Valueraises balancen, was sonst mit puren Bluffs nur unzureichend geschieht.
Wie schon gesagt, spielt man diesen Move nur wenn man Showdownvalue hat. Genauer gesagt: Wenn man gegen einen Teil der Range des Gegners noch vorne liegt. Er kommt also mit Händen in Frage, die zu schwach sind für raise Turn mit Valuebet am River, aber zu stark sind zum Folden.
Falls du also hinten liegst, hast du die Chance, bessere Hände zum Folden zu bekommen, was ein großer Erfolg wäre. Wenn du noch vorne liegst, protectest du deine Hand gegen z.B. 6-Outer und bekommst eine Extra-Bet von Draws, die dein Gegner am River unimproved check/folden könnte.
Außerdem kannst du deinen Gegner häufig auch zu einem inkorrekten Fold von 6 Outs bringen. Das wird immer dann passieren, wenn er nicht wissen kann, dass er so viele Outs hat.
Villain: preflop sehr aggro, postflop reasonable
Preflop: Hero is BU with A
2 folds, Hero raises, SB 3-bets, 1 folds, Hero calls
Flop:(7 SB) 3

SB bets, Hero calls.
Turn:(4,5 BB) 3
SB bets, Hero raises
Der Gegner ist sehr aggressiv und du hast am Flop die Equity für einen Call. Du liegst gegen einige Hände seiner Range vorne, hast aber meistens die schlechtere Hand. Bei der Blank am Turn könntest du callen mit der Intention, eine Blank am River ebenfalls zu callen. Du hast aber auch eine Alternative.
Raist du den Turn for free Showdown, können mehrere positive Dinge geschehen:
-
Dein Gegner kann eine bessere Hand folden. Das Board ist ziemlich trocken und der Gegner kann ohne Weiteres ein besseres Ass folden, womit er sich hinten sieht und sich nur drei Outs gibt.
-
Dein Gegner wird mit einer schlechteren Hand, die viele Outs gegen dich hat (Draw), das Raise callen, auf einen Call von dir am Turn aber seine Hand am River ggf. check/folden (z.B. K-high-Flushdraws, QTs). Das gibt dir eine Extra-Bet
-
Dein Gegner könnte inkorrekt 6 Outs folden. Wenn er eine Hand wie KT oder QT hält, hat er 6 Outs und bekommt 1:7,5. Schon für 1:7 könnte er auch ohne implied Odds korrekt callen. Das kann er aber nicht wissen, weil du gut bereits den J halten kannst.
Der entscheidende Faktor ist, dass bessere Hände folden können.
Wenn deine Hand also zu stark ist, z.B. Middlepair, werden nur schlechtere Hände auf dein Raise folden, was du meistens nicht willst. Besonders gut ist die Line also gegen Gegner, die nicht sehr showdownbound sind, da sie am ehesten in der Lage sein werden, bessere Hände zu folden.
Wann ist das Free-SD-Raise auch spielbar, obwohl bessere Hände selten folden?
Dieser Fall tritt auf, wenn du gute Chancen hast, vorne zu liegen, der Gegner aber sehr viele Outs gegen dich hat und diese auf ein Turnraise oft inkorrekt folden wird.
Preflop: Hero is BU with 2
Hero raises, SB folds, BB calls.
Flop: 3

BB checks, Hero bets, BB calls.
Turn: 6
BB bets, Hero raises for free SD
Die Donk des Gegners kann alles oder nichts bedeuten. Manchmal hat er die 6, dann wird er es mit einer 3-Bet anzeigen und du kannst folden. Manchmal donkt er aber auch die 3 oder T. Oft genug hat er aber auch einen puren Bluff.
Wenn du zwar eine zu schwache Hand für ein Valueraise mit Valuebet am River hast, aber immer sehr viele Outs gegen dich stehen, solltest du den Gegner nicht ‚weiterbluffen lassen‘ und einfach downcallen. Dann ist es besser, deine Hand mit einem Free-SD-Raise zu protecten, obwohl es nicht wahrscheinlich ist, dass bessere Hände folden.
In diesem Fall hat fast jeder Bluff mindestens 12 Outs gegen dich, da neben seinen Holecards auch jede 3 und jede T das Aus deiner Hand bedeuten. Der entscheidende Vorteil ist hier, dass der Gegner das nicht wissen kann und somit eine Hand folden wird, die sehr profitabel hätte callen können.
Welche Hände kommen für ein Free-SD-Raise in Frage?
Ein typischer Fehler vieler Spieler ist es, das Free-SD-Raise mit zu starken Händen zu spielen. Middlepairs oder besser kommen für den Move fast nie in Frage, da man im Fixed Limit kaum Gegner findet, die bessere Hände folden werden. Selbst A high ist je nach Situation eine zu starke Hand für diesen Move.
Es gibt keine absoluten Handkategorien, die sich dem Free-SD-Raise zuordnen lassen. Du musst dir immer zwei Fragen stellen, bevor du die Hand und Situationen für diesen Move auswählst:
- Ist deine Hand stark genug, um noch gegen Hände des Gegners vorne zu liegen?
- Sind in der Range des Gegners bessere Hände die auf ein Raise folden können?
Wie viel SD-Value die eigene Hand hat und wie oft man deshalb vorne liegt, lässt sich nur in Relation zur Range des Gegners beurteilen. Gegen eine loose SB-Opening-Range haben auch Q high oder sogar J high auf gewissen Boards einigen SD-Value und können auch unimproved am River noch gewinnen. Gegen eine 3-Bet gegen dein UTG-Raise wiederum bist du auch mit einem schlechten A high immer hinten und darauf angewiesen, etwas zu treffen.
Ob man Foldequity gegen bessere Hände hat, ob also die eigene Hand ‚schwach genug’ ist für ein erfolgversprechendes Raise for free Showdown, muss wieder vom Board, der Handrange des Gegners und seiner Spielweise abhängig gemacht werden.
Es gibt Situationen und Gegner, bei denen man selbst mit 3rd oder 2nd Pair bessere Hände zum Folden bringen kann. In anderen Situationen foldet der Gegner selbst K high gegen ein Raise grundsätzlich nicht.
Es folgen zwei Extrembeispiele. Im ersten eignet sich sogar T high für ein Free-SD-Raise und im zweiten kann man sogar mit einem Full House eine bessere Hand zum Folden bringen.
BB: Guter LAG
Preflop: (2 players) Hero is SB with T

Hero raises, BB calls.
Flop: 7


BB checks, Hero bets, BB raises, Hero calls.
Turn: K
BB bets, Hero raises, BB calls.
River: K
BB checks, Hero checks.
Hier spielst du eine reine Heads-up-Hand und bist postflop in Position. Darum kannst du T2s preflop raisen. Der Gegner ist LAG und sehr showdownbound und du hast ein ebensolches Image. In solchen Fällen muss deine Hand für ein Raise for free Showdown ziemlich schwach sein, wenn du damit bessere Hände zum Folden bekommen willst. Gerade im Spiel SB vs. BB kann man selten Pairs zum Folden bringen. Oft kann man lediglich einen Bluff mit mehr Showdownvalue als den der eigenen Hand herauszubekommen.
In dieser Hand enthält Villains Range eine Reihe Gutshots und den OESD (35, 36, 56, 58, 68,). Gegen alle diese Hände liegst du mit T high vorne. Außerdem hat er alle besseren T-high-Hände und alle J-high-Hände als pure Bluffs in seiner Range. Diese Hände bekommst du zum Folden. Außerdem folden könnte er 22, 33 und manchmal A-high-Hände, die er aus Balancing-Gründen am Flop gecheckraist hat.
Preflop: (9 players) Hero is MP3 with 3

4 folds, Hero raises, 3 folds, BB calls.
Flop: T


BB bets, Hero calls.
Turn: K
BB bets, Hero raises, BB folds.
Diese Hand stammt zwar aus einem FL-Turnier, könnte aber ähnlich in einem Cashgame gegen einen weaken Gegner gut sein. Das Turnier ist gerade in einer fortgeschrittenen Phase und der Gegner ist bisher nicht sonderlich aufgefallen, aber eher weak. Er hat außerdem nur noch etwa 7 BB left am Turn, ein Calldown würde in also einen erheblichen Teil seines Stacks kosten. Hero hat ein bisher tightes Image und etwas mehr Chips.
Der Gegner donkt am Flop rein. Es gibt hauptsächlich drei Holdings, die hier möglich sind: ein Bluff, A high oder ein Pocketpair.
Selbst ein purer Bluff hat hier volle 6 Outs. Mit dem Raise am Turn protectet man also optimal. Genauso sieht es aus gegen A-high-Hände, die sich auf dem Board vorne sehen.
Zu einem echten Spot für ein Free-SD-Raise wird es allerdings erst aufgrund der Scarecard am Turn und der Möglichkeit, dass der Gegner ein Pocketpair hält, also 44-99. Dieses kann er auf ein Raise folden, was ein großer Erfolg wäre.
Das ist allerdings nur erfolgversprechend in entsprechenden Situationen gegen weake Gegner. In diesem Fall wurde die Erfolgswahrscheinlichkeit dadurch begünstigt, dass es ein Turnier war und der Gegner auf scared Chips saß. Die meisten Gegner, besonders in einem Cashgame, würden jede bessere Hand downcallen oder dich teilweise sogar mit einer schlechteren Hand mit einer 3-Bet rausbluffen. Dann wäre eine andere Spielweise (Calldown oder Raise Flop) ggf. vorzuziehen.
Man kann sagen: Je mehr showdowngebunden der Gegner spielt bzw. je looser er das Turnraise callen wird, desto schlechter muss deine Hand im Schnitt sein, damit Aussicht besteht, bessere Hände zum Folden zu bringen.
Aus der Tatsache, dass außerdem noch das Kriterium erfüllt sein muss, dass du gegen einige Hände des Gegners vorne liegen musst, ergibt sich:
Wie reagierst du auf eine 3-Bet?
Die 3-Bet ist der natürliche Feind des Free-SD-Raises und die Gefahr, ge-3-bettet zu werden, ist der größte Nachteil des Moves. Das ergibt sich aus der Tatsache, dass du immer eine Hand mit zumindest etwas Showdownvalue hältst. Solche Hände können je nach Gegner selbst gegen eine 3-Bet (Semibluff/Bluff-3-Bet) noch vorne liegen oder aber zumindest eine schwer zu bestimmende Anzahl an Outs haben. Da der Pot nach einem Turnraise und einer 3-Bet immer schon recht groß ist, bringt man sich so in die Gefahr, viele Outs zu folden oder sogar die beste Hand.
Die Probleme treten allerdings nur gegen Gegner auf, die auch in der Lage sind, als Bluff den Turn zu 3-betten oder dünne Value-3-Bets zu machen. Wenn man einen Read auf den Gegner hat, dass er nur starke Hände am Turn 3-betten kann, favorisiert das einen Free-SD-Raise eindeutig, da man so nie Gefahr läuft, die beste Hand zu folden.
Deshalb solltest du auch bevorzugt Hände auswählen, mit denen du auf eine 3-Bet folden kannst, ohne zu viele Outs aufzugeben. Wenn du z.B. einen Gutshot hast, committest du dich, auf die 3-Bet noch zu callen, was nicht in deinem Sinne ist.
Gegen sehr aggressive Gegner, die in der Lage sind, den Turn mit schlechteren Händen zu 3-betten, ist das Free-SD-Raise selten optimal. Dann ist die Gefahr zu groß, auf die 3-Bet einen falschen Fold zu machen oder einen teuren Calldown mit einer marginalen Hand.
Gegen gute und sehr aggressive Gegner spielst du nach einer 3-Bet am Turn gegen eine polarisierte Range, die in der Regel keine Hände wie Midpair oder A high enthält. Entweder der Gegner hat eine sehr starke Hand, z.B. Toppair+ und 3-bettet, weil er sich meist vorne sieht oder er hat eine Hand ganz ohne SD-Value, die er als Bluff 3-bettet (z.B. Flushdraw). Das macht es so schwierig, gegen solche Gegner diese Line zu spielen, man kann nicht ohne weiteres auf die 3-Bet folden.
CO: guter LAG
Preflop: Hero is BU with 4
CO raises, Hero 3-bets, CO calls.
Flop: 9


CO checks, Hero bets, CO raises, Hero calls.
Turn: A
CO bets, Hero raises for free SD, CO 3-bets, Hero ?
In dieser Hand bekommst du vom aggressiven CO ein Checkraise am Flop und kannst ihn 3-betten. Nach dem Checkraise wäre es zu weak, bereits aufzugeben, da der Gegner hier neben jedem Pocketpair, 9 und J auch jede Menge Flush- und Straightdraws in seiner Range hat.
Am Turn entscheidest du dich für ein Free-SD-Raise. So bekommst du Geld von den Draws und hast außerdem die Chance, bessere Pocketpairs zum Folden zu bringen. Außerdem hat selbst ein purer Bluff noch 12 Outs gegen dich, die der Gegner auf einen Raise inkorrekt folden könnte.
Leider 3-bettet der Gegner. Gegen passivere Gegner kann man hier einen einfachen Fold finden. Gute LAGs haben hier aber eine sehr polarisierte Range. Da du das Ass repräsentierst, macht es für den Gegner keinen Sinn, den J oder ein mittleres A zu 3-betten. Er hat also hier entweder AJ oder die 9, was nicht viele Kombos sind, oder eben eine Hand mit wenig SD-Value: 8T, TQ oder Flushdraws, was recht viele Kombos sind. Daher ist es hier schwierig einen Fold zu finden.
In Ausnahmefällen kann man also auch nach einem Free-SD-Raise auf die 3-Bet downcallen, sofern am River keine Karte kommt, die einen Draw komplettiert. Wenn du mit dem Raise ausreichend Foldequity gegen bessere Hände erzeugen kannst, kommt es in Frage, zumal auf diesem Board ein smarter Gegner einen Semibluff am River auch aufgeben kann und check/fold spielen könnte.
Die 3-Bet ist zwar äußerst unangenehm, ist aber allein kein prinzipieller Grund, um den free SD-Raise nicht anzuwenden. Wenn nach der 3-Bet seine Range sehr stark polarisiert ist, kannst du in diesem speziellen Fall auch je nach Riverkarte einen Weg zum Showdown finden. Dein Raise könnte sogar dazu dienen, eine Bluff-3-Bet zu induzieren. Damit diese Voraussetzungen gegeben sind, brauchst du einen Gegner, der zwar toughe Folds macht, aber seine Bluffs hart durchziehen kann.
Raise for free Showdown 3-handed+
Auch 3-handed oder sogar 4-handed finden sich Spots, in denen das Free-SD-Raise einsetzbar ist. Er bietet sich besonders an, wenn du 3-handed in mittlerer Position sitzt und vor dir gebettet wird. Wenn du Grund zur Annahme hast, gegen diesen Gegner vorne zu liegen, z.B. weil er einen Draw haben kann, raist du diese Bet, um den Gegner hinter dir mit 2 BB zu konfrontieren.
In dieser Situation wird er viele verhältnismäßig starke Hände folden. So kannst du dich oop gegen eine schwächere Hand beim Gegner isolieren, dir den Button inklusive der besten Hand kaufen und dann den free Showdown nehmen.
Read auf SB: Donkey, blufft oft.
CO: TAG
Preflop: (6 players) Hero is BB with A

4 folds, CO raises, SB calls, Hero calls.
Flop: 2

SB checks, Hero checks, CO bets, SB calls, Hero calls.
Turn: K
SB bets, Hero raises, CO folds, SB calls.
River: 2
SB checks, Hero checks.
In diesem Fall hast du mit A6s den Flop auf deine Outs gecallt und mit der Chance, die beste Hand zu haben. Am Turn donkt ein Gegner auf die Scarecard. Du hast den Read von ihm, dass eine Donk nicht viel bedeutet. Er kann hier also gut einen puren Bluff halten oder einen Flush- oder Straightdraw als Semibluff donken. Gegen diese Hände liegst du in der Regel vorn. Der Tag hinter dir muss auf dein Raise jedes Pocket < KK und jedes bessere A high folden.
Selbst wenn der SB nie eine bessere Hand foldet, hast du dich gegen die schlechtere Hand isoliert und so den ganzen Pot gewonnen.
Wann ist ein Calldown die bessere Variante?
Der Calldown ab dem Turn wird oft mit ähnlichen Händen gespielt wie das Free-SD-Raise. Sehr häufig ist ein Calldown die bessere Line. Du spielst ihn immer dann, wenn deine Hand zu stark zum Folden ist, aber zu schwach zum Valueraisen, und wenn keine besseren Hände auf ein Raise folden würden. Vgl. auch den Artikel zum Calldown
Der Calldown ab Turn hat gegenüber dem Free-SD-Raise entscheidende Vorteile:
- Du riskierst keine 3-Bet am Turn. Wie gesagt, ist das letzte, was du willst, mit einer marginalen Hand am Turn gereraist zu werden.
- Du riskierst nicht, schlechtere made Hands zum Folden zu bringen, die am River noch mal betten oder check/callen würden.
- Du riskierst nicht, pure Bluffs zum Folden zu bringen, die am River noch mal bluffen könnten.
Insgesamt machst du dein Spiel also weniger angreifbar für (Re-)Bluffs und extrahierst das Maximum von Gegnern, die oft bluffen.
Der Calldown ist besonders dann dem Free-SD-Raise vorzuziehen, wenn diese Kriterien erfüllt sind, bzw. eine Kombination davon:
- Der Gegner hat oft einen puren Bluff.
- Der Gegner hat oft wenige Outs gegen dich.
Wie weiter oben gesehen, lohnt es auch gegen einen Bluff for free Showdown zu raisen, wenn dieser viele Outs gegen dich hat. Wenn es aber wahrscheinlich ist, dass der Gegner blufft und nicht viele Outs hat, solltest du nicht raisen, weil du nicht möchtest, dass er foldet. Du willst ihm die Chance geben, seinen Bluff noch auf den River auszuweiten und kannst so noch eine zusätzliche Big Bet gewinnen.
BB: Donkey
Preflop: Hero is BU with Q
Hero raises, SB folds, BB calls.
Flop: 3


BB checks, Hero bets, BB calls.
Turn: K
BB bets, Hero calls down
Du liegst nach seiner Turndonk oft noch vorne. Der Gegner kann gut einen puren Bluff haben. Diesen soll er aber nicht folden, da er damit 0-3 Outs hat. Du solltest ihn also lieber in der Hand halten und nur callen in der Hoffnung, dass er den River noch mal barrelt. So verlierst du außerdem weniger gegen den K, falls der Gegner noch mal am River donkt.
Wie spielst du, wenn der Gegner oft einen Draw hat?
In vielen Situationen machen Draws einen großen Teil der Range des Gegners aus, z.B. wenn du von einem LAG auf einem drawheavy Board gecheckraist wirst.
Wie solltest du das Free-SD-Raise im Verhältnis zum Calldown einsetzen, wenn du glaubst oft gegen einen Flushdraw oder Straightdraw zu spielen?
Viele Spieler glauben, es wäre sehr wichtig den Turn zu raisen, wenn der Gegner einen Flushdraw haben kann. Das ist aber nur teilweise richtig. Was erreicht ein Raise am Turn gegen einen starken Draw eigentlich?
Protection? Es ist nicht möglich dem Gegner für einen starken Draw mit dem Turnraise inkorrekte Odds zu geben. Er wird erstens immer callen, wird also nicht fälschlicherweise Outs folden, und zweitens wird es immer zu richtigen Odds geschehen. Das ist also zunächst kein Argument.
Value? Du bekommst durch ein Raise am Turn im Vergleich zu einem Call eine Bet mehr vom Gegner. Unimproved würde der Gegner den River dann folden. Du gewinnst also 1 BB. Das ist 1 BB mehr, als wenn du gecallt hättest und der Gegner unimproved den River check/foldet.
Wenn der Gegner aber unimproved seinen Semibluff auch auf den River ausweiten würde, also eine 3rd Barrel feuert, gewinnst du genauso 1 BB extra, denselben Betrag wie bei einem Turnraise.
Fazit: Gegen Gegner, die ihre Draws auch unimproved am River noch einmal bluffbetten, hat ein Free-SD-Raise keinen Vorteil gegenüber einem Calldown. Er hat aber nach wie vor den Nachteil, dass du dich der Gefahr einer 3-Bet aussetzt.
Gegen weake oder smarte Gegner, die je nach Spot in der Lage sind ihre busted Draws am River aufzugeben, ist ein Free SD Raise viel öfter die optimale Line, weil er dir 1BB Extra-Value gibt.
Der Exploit des Free-SD-Raises
Wie schon erläutert, hat der Free-SD-Raise seine Schwächen. Die kannst du ausnutzen, wenn du deinen Gegner auf einen Free-SD-Raise setzt. Dass die meisten Spieler das Raise mit mittleren Holdings spielen und auf eine 3-Bet folden, kannst du ausnutzen, indem du selbst diese 3-Bet mit einer schlechteren Hand machst, also bet/3-bet Turn als Bluff oder Semibluff spielst.
Dafür musst du herausfinden, ob dein Gegner die Free-SD-Raise-Line überhaupt in seinem Repertoire hat und in welchen Spots er sie besonders einsetzt. Generell sind natürlich Situationen für eine Counter-Line von dir gut, die sich aus seiner Sicht auch gut für ein Free- SD-Raise eignen.
Preflop: Hero is BB with 8
BU raises, SB folds, Hero calls.
Flop: 9


Hero checks, BU bets, Hero raises, BU calls.
Turn: A
Hero bets, BU raises, Hero 3-bets, BU folds.
In diesem Spot werden viele TAGs am Turn K high oder Q high for free Showdown raisen (es wäre zumindest ein guter Spot), nicht zuletzt, um ihre Valueraises zu balancen. Sie rechnen sich Foldequity gegen Pockets und ggf. Pairs vom Flop aus und sind noch vorne gegen Straightdraws und pure Bluffs.
Mit dem Wissen kannst du deine Draws oder puren Bluffs 3-betten, um eben diese K- und Q-high-Hände beim Gegner zum Folden zu bringen. Das ist auch balanced, weil du auch 33, 79, A3, A7 und A9 in deiner Range hast. Dieser Spot ist besonders gut, weil du einen starken Draw hast, womit du noch weniger Foldequity benötigst. Außerdem wird es dem Gegner unwahrscheinlich vorkommen, dass du einen Draw hast, weil wenige davon möglich sind.
Genauso wie du selbst Free-SD-Raises exploiten kannst, musst du aufpassen, dass dir nicht das passiert. Gegen aggressive TAGs und LAGs solltest du also vorsichtig mit raise/fold Turn for free Showdown sein.
Fazit
Schon aus Balancing-Gründen ist es vorteilhaft, das Free-SD-Raise im Repertoire zu haben. Sonst können die Gegner deinem Turnraise besonders auf trockenen Boards zu viel Stärke einräumen.
Wenn du die Kriterien für diesen Move verinnerlichst und die richtigen Spots auswählst, kann er in einigen Situationen die eindeutig beste Spielweise sein. Er kann zusätzlichen Value oder dir Pötte einbringen, die du mit einem Calldown verloren hättest. Trotzdem ist es wichtig, auch die Stärken des Calldowns im Auge zu haben und abzuwägen, um jeweils die bessere der beiden Lines auszuwählen.
Ob du den Inhalt dieses Artikels wirklich anzuwenden weißt, kannst du in einem interaktiven Quiz überprüfen:
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