Aktualisiert am 12 März 26 von

Die Einstellung eines Pokerspielers

Einleitung

In diesem Artikel

  • Die Downswing-Ausrede
  • Das Popstars-Prinzip
  • 4 Wege zum besseren Spieler

Ein Pokerspieler benötigt eine professionelle Einstellung, um erfolgreich zu sein. Leider stellt dies eine der am häufigsten unterschätzten Qualitäten eines guten Spielers dar. Talent allein ist nichts wert, solange keine vernünftige Einstellung gegenüber Lesen, Lernen und der Optimierung der eigenen Fähigkeiten besteht.

Das Wichtigste vorab: Um auch auf den mittleren Limits als Pokerspieler Erfolg zu haben, sollte man sich einer Tatsache bewusst sein, nämlich der, dass man zu diesem Zeitpunkt noch kein besonders guter Spieler ist. Unglücklicherweise scheitern die meisten Pokerkarrieren bereits an diesem Punkt. Die Pokerlaufbahn endet, bevor sie überhaupt begonnen hat.

Die Downswing-Ausrede

Um wenigstens ansatzweise gewinnbringend zu pokern, sollte man eine Regel besonders beherzigen. Hierbei handelt es sich um die so genannte „Downswing-Ausrede“, von der es sich zu lösen gilt.

Folgenden Satz sollte sich jeder Anfänger besonders gut einprägen:

Es gibt beim Pokern keinen Downswing - es gibt nur schlecht gespielte Hände.

Spätestens jetzt werden wohl alle selbst ernannten Pokerprofis aufspringen und laut lachen. Sollten die ganzen Sklanskys und Greensteins dieser Welt denn wirklich Unrecht haben?

Der Mensch besitzt eine, so scheint es, angeborene Fähigkeit: Er ist der Großmeister im Ausreden finden und erfinden. Nichts anderes als Vorwände und Ausflüchte, die die Verhaltensweisen, das Unglück oder begangene Fehler rechtfertigen sollen. Man findet solche Ausreden tagtäglich, egal ob auf der Arbeit, im Privatleben oder beim Sport.

„Die große Liebe meines Lebens hat mich armen Kerl einfach so verlassen und hat jetzt einen anderen!“ Es ist doch viel schöner, sich selbst als den bemitleidenswerten Menschen darzustellen, anstatt sich einzugestehen, dass man an dem ganzen Dilemma vielleicht selbst die Schuld trägt, weil man es vorzog, lieber unzählige Abende mit den Freunden beim Billard zu verbringen, als sich um die Freundin zu kümmern, die alleine zu Hause saß.

Oder der gute Kollege wurde befördert, und man selbst findet, dass diese Ehre vielmehr einem selbst hätte zuteil werden müssen. Aber auch hier verdrängt man dann gerne die Realität: Der Mitarbeiter setzte sich für den Betrieb ein und arbeitete auch mal 10 Stunden mehr die Woche, während man selbst seine Präferenz darin sah, die äußerst akute Krankheit namens Schnupfen mal besser eine Woche zu Hause im Bett auszukurieren.

Oder sei es auch einfach nur das Fußballspiel mit dem unfähigen Schiedsrichter, der die andere Mannschaft favorisiert. Seit dem Fall Robert Hoyzer ist so eine Ausrede natürlich naheliegend, erst recht in der Kreisliga C, wo es ja schließlich noch um die Ehre geht.

Wie man sieht, kennt der Mensch keine Grenzen beim Suchen und erst recht nicht beim Finden von Ausreden und Entschuldigungen, die das eigene fehlerhafte Verhalten, kurzum Versagen, erklären.

Dieses Verhalten des Menschen stellt jedoch nichts anderes als einen reinen Abwehrmechanismus dar. Ähnlich wie wir unsere Augen reflexartig schließen, wenn sich ihnen ein Gegenstand nähert (hoffen wir mal, dass es sich in den meisten Fällen um eine Fliege handelt und keine Faust), so schützen wir ebenfalls unser Ego. Die oben angesprochenen Beispiele sind in der Regel Abwehrmechanismen, oder anders ausgedrückt aufgebaute geistige Mauern, die unser eigenes Selbstwertgefühl davor bewahren sollen, Schaden zu nehmen.

Und jeder, der ehrlich zu sich selbst ist, wird feststellen, dass er von diesem Mechanismus sicherlich schon das ein oder andere Mal Gebrauch gemacht hat.

Wie schnell schalten wir bei der Kritik unserer Person oder unseres Verhaltens in einen Zustand der völligen Abwehr, basierend auf dem Anspruch: „Mein Gegenüber hat Unrecht!“ Fällt es uns nicht allen unheimlich schwer, auch mal darüber nachzudenken, ob die Kritik vielleicht gerechtfertigt ist? Das Standardverhalten in solchen Situationen ist sogar meistens, dass man mit Argumenten kontert, die nicht weiter von der augenblicklichen Situation entfernt sein könnten:

„Findest du nicht, dass du manchmal ziemlich arrogant bist?“

Antwort: „Dafür bin ich nicht so kleinlich wie du!“

Die perfekte Grundlage für eine hervorragende Diskussion. Anstatt erst einmal darüber nachzudenken, was einem vorgeworfen wird und ob es vielleicht der Realität entsprechen könnte, gehen wir lieber in die Offensive, weil wir uns in die Enge gedrängt fühlen.

Was hat das alles aber mit Pokern zu tun?

Die Antwort ist recht simpel. Die genannten Situationen, denen wir im täglichen Leben andauernd begegnen, können bzw. werden auf Dauer tödlich für unser Pokerspiel sein, bzw. tödlich für unsere Bankroll.

Das Problem jedoch ist, dass in vielen Artikeln und Büchern dem Pokerspieler die perfekte Ausrede auf einem Silbertablett präsentiert wird. Es gibt zahlreiche Artikel über Bad Beats und ebenso über Downswings. Und sobald ein Anfänger diese Artikel/Bücher gelesen hat, bekommt er für den Rest seiner Pokerkarriere (welche mit der Befolgung dieser Ratschläge nicht lange dauern wird) die wohl beste Ausrede für sein Versagen serviert.

Ist es nicht viel leichter zu behaupten, dass man ein paar Bad Beats kassiert hat oder sich gerade in einem schrecklichen Downswing befindet, anstatt darüber nachzudenken, was man denn in der zuletzt verlorenen Hand so alles falsch gemacht hat?

Ist es nicht auch viel leichter zu behaupten, man habe ein Bad Beat erhalten, anstelle sich die Hand des Spiels noch einmal in Ruhe anzusehen, sie zu kopieren und im Beispielhände-Forum zu posten, so dass ein bereits erfolgreicher Spieler diese analysieren kann?

Natürlich ist das Ganze mit einem gewissen Arbeitsaufwand verbunden, aber nur so können wir erfolgreicher werden - und das Geld des Gegners kassieren.

Lustig wird es natürlich, wenn Mister Downswing dann tatsächlich eine Hand unglücklich verliert, bei der sein Nutflush am River noch von einem Full House mit 72o gebustet wird. Da hat man dann doch direkt mal eine äußerst gute Hand (von etwa 100 gespielten Händen), die es sich lohnt zu posten, um das ganze Mitleid zu ernten, das man als Profispieler doch so sehr verdient!

Die vorherigen 99 Hände jedoch, bei denen man durch dumme Calls und völlig realitätsfremde Raises hier und da einen SB oder BB verschenkt (in der Regel sind es gerade bei Anfängern oft noch mehr), werden hierbei natürlich geflissentlich übersehen.

Wäre es denn nicht viel motivierender, wenn man nach einer verlustreichen Session seine Hände analysiert und feststellen muss, dass man mit schlechtem Spiel aus einer eigentlichen Break-even-Session erst eine verlustreiche Pokerrunde eingeläutet hat?

Ein häufig zu lesender Satz bei Anfängern ist der Folgende: „...mir ist schon klar, dass ich hier und da ein paar Leaks habe...“

Wenn man solche Sätze liest, nimmt man an, dass die betreffende Person insgeheim von sich behauptet, dass ihr Spiel einen Perfektionsgrad von 70 bis 80 % besitzt. Denn „hier und da“ bedeutet sicherlich nicht, dass mehr als 30 Prozent an Leaks vorhanden sind.

Barry Greenstein schreibt in seinem Buch „Ace on the River“, dass er an jedem Pokerabend etwa 10% schlechte Calls/Raises/Folds macht. In diesem Fall können wir unserem Anfänger von oben nur gratulieren, denn er ist gerade einmal 10 bis 20% vom Niveau Barry Greensteins entfernt. Ärgerlich nur, dass er noch nicht auf seinem Limit spielt.

Jedoch gibt es eine bestimmte Gruppe von Pokerspielern, auf die die oben erwähnte Situation sehr häufig zutrifft. Hierbei handelt es sich um die Spieler, die direkt mit einem Upswing einsteigen und zunächst keinen Downswing durchlaufen. Sie erstürmen die Limits in einem unglaublich großen Tempo mit 4 - 5 BB/100 Hände, kommen in ihrem Upswing auch recht schnell auf die Limits von $1/$2 oder höher.

Scheinbar gibt es nicht den geringsten Grund, an ihren Fähigkeiten zu zweifeln. Daran zu denken, dass sie schlechte Spieler sind, wäre absurd (Anm. d. Autors: So ist es übrigens auch mir zu Beginn meiner Pokerzeit ergangen).

Aber auf einmal schlägt die Pokerwelt zurück und das ziemlich hart. Man erfährt seinen ersten richtig großen Downswing, bei dem es sich ja eigentlich um keinen richtigen Downswing handelt, sondern viel eher um schlechtes Spiel, das aufgrund des höheren Limits nur noch härter zum Tragen kommt. Man verliert innerhalb von knapp 1000 Händen 150 BB oder mehr und büßt die Hälfte seiner Bankroll ein. Psychologisch gesehen ist dies natürlich eine äußerst ungünstige Situation.

Nun startet aber ein interessanter Denkprozess in den Köpfen der meisten Spieler:

  • These 1: Ich habe auf knapp 20.000 Händen eine Winrate von +1,5 BB/100.
  • These 2: „Winning Player“ haben eine Winrate von +1 BB/100.
  • Konklusion: Ich bin ein „Winning Player“.

Daraufhin folgt:

  • These 1: Ich weiß, selbst „Winning Player“ können Dowswings in der Größenordnung von 200 BB oder sogar mehr haben.
  • These 2: Ich bin ein „Winning Player“.
  • Konklusion: Mein Verlust von -150 BB muss ein Downswing sein. Ich kann also weiter spielen wie bisher und mein Glück wird bald wiederkehren.

Leider handelt es sich um eine Ausnahme, dass Spieler diese Alarmglocke hören, die solch ein Downswing doch zwangsläufig mit sich bringt. Diese Spieler gehen den Weg des geringsten Widerstandes und greifen mit Vorliebe zurück auf die Downswing-Ausrede.

An dieser Stelle ein passendes Zitat von Thomas Jefferson: „I'm a great believer in luck and I find the harder I work, the more I have of it.“

Doch kommen wir zurück zur anfänglichen Aussage: Es gibt keinen Downswing im Poker! Ein kleines Beispiel hierzu: Ein Bekannter meiner Familie arbeitet als klassischer Glasbläser. In seinem Betrieb wird eine bestimmte Sorte Glas hergestellt. Beim Glasblasen kann es dennoch immer wieder vorkommen, dass das Glas trotz eines unveränderten Herstellungsprozesses zerspringt oder einen Riss bekommt und dadurch unbrauchbar wird. Fakt jedoch ist: Je erfahrener der Glasbläser, desto unwahrscheinlicher ist das Eintreffen dieses Ereignisses.

Nehmen wir also an, in diesem Betrieb gäbe es einen Lehrling, der früher oder später auch an diesen Gläsern arbeiten darf. Jedoch gelingt ihm das Glasblasen beim ersten Mal nicht, das Glas wird unbrauchbar und landet im Müll. Wie groß ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fehler auf die derzeitige Unfähigkeit des Lehrlings zurückzuführen ist oder auf die Tatsache, dass so etwas halt ab und zu mal passieren kann, ungeachtet der Professionalität des Glasbläsers?

Worauf ich hinaus will ist, dass gerade im Anfängerstadium die Wahrscheinlichkeit eines großen Verlustes durch schlechtes Spiel höher ist als durch einen generellen Downswing.

Im Pokern gibt es zwei Möglichkeiten, mit denen man Erfolg messen kann.

  • Die Qualität der geposteten Hände: Angenommen Spieler A fängt an zu pokern und postet am Ende einer Session jeweils 20 Hände. So wird man mit der Zeit feststellen, dass die geposteten Hände immer besser werden und weniger fehlerhaft sind. Der Grad des Erfolgs wird dadurch bestimmt, wie schnell und gut sich die Qualität der geposteten Hände verbessert.

  • Das Geld, sprich die Winrate: Je mehr Hände wir auf einem Limit spielen, umso näher kommen wir unserer tatsächlichen Spielstärke, in gängiger Weise ausgedrückt durch x BB/100.

Zu Beginn der Pokerkarriere ist Methode Nummer 2 völlig wertlos. Egal welche Winrate man auf 3000, 4000 oder 8000 Hände hat, sie wird einem in den seltensten Fällen einen adäquaten Maßstab bieten. Methode Nummer 1 hingegen ist die verlässlichere Methode in der Anfangszeit.

Was man jedoch tun kann um sein Spiel zu verbessern wird in Teil 2 und 3 dieses Artikels besprochen. Zum Abschluss möchte ich nur noch einmal alle Anfänger darauf hinweisen, dass Downswings zu Beginn der Pokerzeit viel öfter das Resultat spielerischer Schwäche als tatsächliches Pech sind.

Daher sollte man bei verlustreichen Abenden zunächst davon ausgehen, dass man nicht gut gespielt hat, und vielleicht mehr Zeit ins Training investieren sollte.

Das Popstars-Prinzip

Fangen wir dieses Kapitel mit einer kleinen Geschichte an. Es ist Donnerstagabend und vor wenigen Minuten habe ich eine zweistündige Pokersession beendet, um mich nun ein wenig auszuruhen. Und ich mache das, was ich meistens tue, um mich auszuruhen, nämlich etwas, bei dem ich nicht viel nachdenken muss. Also schalte ich den Fernseher ein und lande dann bei Pro7, wo gerade eine junge Dame mit verzerrtem Gesicht ins Mikro trällert. „Popstars“ der Name der Sendung.

Der Sinn dieser Show ist (abgesehen davon gelangweilte Zuschauer wie mich zu unterhalten), Nachwuchskünstlern die Möglichkeit zu geben, ihr Talent unter Beweis zu stellen und sich durch ihre Fähigkeiten von den anderen Teilnehmern abzuheben.

Doch je länger ich meine Aufmerksamkeit diesem Spektakel widme, desto mehr frage ich mich: Welche der Teilnehmerinnen kommt weiter, welche fliegt wohl raus?

Aber vor allem: Warum? Anders gesagt: Was sind die Kriterien, auf die die Juroren achten, wenn sie einen zukünftigen „Popstar“ aufbauen wollen?

Davon abgesehen, dass man im Fernsehen natürlich nicht alles für bare Münze nehmen sollte, war ein Trend bei der Jury klar zu erkennen. Ein Trend, der sich in den letzten Jahren in der Maschinerie der Popmusik immer mehr herauskristallisiert hat und der sich fast unverändert auf die Pokerwelt übertragen lässt. Nämlich dass nicht (wie man es erwarten könnte) in erster Linie auf Talent oder Stimme geachtet wird, wenn es darum geht, einen neuen Gesangsstar aufzubauen, sondern um etwas ganz anderes.

Nimm an, dir würde die verheißungsvolle Aufgabe übertragen, als Musikproduzent einem neuen Popstar den Weg nach ganz oben zu ebnen. Worauf würdest du achten?

Auf die Stimme? Das würde natürlich naheliegen, aber gerade in Zeiten von technisch immer weiter entwickelten Tonstudios und der Möglichkeit, selbst bei Live-Auftritten die Stimme technisch zu optimieren und zu unterstützen, rückt dieser Punkt wohl immer mehr in den Hintergrund.

Auf das Aussehen? Natürlich wäre es nett, wenn dein Popstar eine Schönheit ist, doch auch hier eröffnen Make-up, Styling und bei Bedarf chirurgische Eingriffe ein breites Spektrum an Möglichkeiten, so dass wohl auch dieser Punkt eher als sekundär angesehen werden kann.

Auf die tänzerischen Fähigkeiten? Zwei linke Beine sind sicherlich kein Vorteil auf dem Weg einer Popstar-Karriere, aber gerade für solche Fälle gibt es etliche Trainer, die sich des Popstars annehmen würden, um in etlichen Stunden Arbeit selbst aus ihm einen passablen Tänzer zu machen.

Und genau damit wären wir beim eigentlichen Hauptkriterium angelangt: Denn gerade um den letzten Punkt in die Tat umzusetzen, benötigt dein Schützling vor allem eins: Bereitschaft! Die Bereitschaft zu tun, was nötig ist, um erfolgreich zu werden!

Wie bereits erwähnt, kannst du als Musikproduzent auf eine Maschinerie zurückgreifen, die bereits seit Jahren erprobt ist und funktioniert: Werbeauftritte, Autogrammstunden, stundenlanges Training oder ähnlich viel Schweiß und Fleiß im Tonstudio.

Das einzige, dessen du dir nicht sicher sein kannst, ist: Macht mein zukünftiger Popstar das alles mit? Hält er durch und ist er bereit, diesen harten Weg zu gehen?

Selbstverständlich wärst du als Musikproduzent auf der Suche nach dem perfekten Künstler mit hervorragender Stimme und einem großem Maß an Bereitschaft. Da du jedoch kein Träumer, sondern Realist bist, verabschiedest du dich recht schnell von diesem Gedanken und stellst eine persönliche Prioritätenliste auf.

Und auf dieser Liste steht: Es ist möglich, fehlendes Talent zu kompensieren durch die Bereitschaft hart zu arbeiten. Aber es ist unmöglich, die fehlende Bereitschaft, hart zu arbeiten, durch Talent wettzumachen.

Kurzum: Die Stimme des Jahrhunderts ist keinen Cent wert, wenn nicht die nötige Bereitschaft vorhanden ist, für den Erfolg zu kämpfen. Und ob man will oder nicht, genau so verhält es sich auch mit dem Pokern.

Man muss das Rad (bzw. in unserem Fall das Pokern) nicht neu erfinden. Das ganze Material, die ganzen Abhandlungen zu spezifischen Situationen sind bereits bei PokerStrategy vorhanden. Und sie sind nicht einfach nur vorhanden, sondern auch schon von hunderten Leuten erfolgreich genutzt worden. Nur was nützt einem das alles, wenn man nicht die nötige Bereitschaft aufbringt, sich auch damit zu beschäftigen?

Es ist natürlich von Vorteil, wenn man ein gewisses mathematisches Wissen mit sich bringt. Andererseits gibt es für fast jede Situation die entsprechende Tabelle und so benötigt man nur ein wenig Bereitschaft, das System dahinter zu verstehen. Ein Albert Einstein muss man dafür aber noch lange nicht sein.

Es ist gut, wenn man emotional in der Lage ist, Bad Beats und Downswings beim Pokern einfach hinzunehmen, ohne sich den Kopf großartig zu zerbrechen. Nur das allein wird einen nicht zum winning Player machen.

Wenn du ein Talent dafür hast, Board-Strukturen angemessen zu analysieren, kann sich dies vorteilhaft auf dein Spiel auswirken. Aber auch mit der nötigen Bereitschaft und Erfahrung lässt sich dies problemlos erlernen.

Was ich versuche, hier deutlich zu machen, ist die Tatsache, dass du mit Pokern nur erfolgreich wirst, wenn du bereit bist, dein Können und Wissen immer wieder neu zu hinterfragen, und wenn du gewillt bist, kontinuierlich an deinem Leistungsniveau zu arbeiten. Das einzige, das du mitbringen musst, ist die nötige Bereitschaft zu tun, was getan werden muss. Und was getan werden muss, wird im nächsten Teil besprochen.

Praktische Anwendung

Nachdem wir nun geklärt haben, welcher Voraussetzungen es bedarf, um erfolgreich zu pokern, sollten wir ab jetzt davon ausgehen, dass du diese besitzt und/oder bereit bist, hart zu arbeiten, um eben diese zu erlangen. Aber was muss denn nun getan werden?

Hände posten/Session Review

Poste so viele Hände wie möglich! Poste so viele Hände wie möglich! Poste so vie ...! OK, ich denke es sollte klar sein, wie wichtig dieser Punkt ist. Es gibt definitiv keinen besseren und kostengünstigeren Weg, sein Spiel zu verbessern, als kontinuierlich (es hat schon seinen Grund, warum manche Wörter fett gedruckt sind) seine Hände zu posten.

Worauf sollte man achten?

  • Die Nutzung von Trackingtools wie PokerTracker 4, Holdem Manager 2 oder unserem kostenlosen SideKick ermöglicht die Nachbetrachtung von gespielten Händen und die einfache Umwandlung dieser in das entsprechende Format unseres Forums.

  • Notier dir jede Hand, bei der du dir unsicher bist, und analysiere sie im Nachhinein oder lass sie im Forum analysieren. Selbst winning Player auf den Mid- und Highstakes hören nie auf, ihre gespielten Hände immer wieder zu hinterfragen.

  • Es gibt für jedes Forum professionelle Handbewerter. Achte vor allem auf deren Meinung.

  • Lies selbst viel in den Beispielhände-Foren. Verschwende nicht zu viel Zeit und vor allem Energie in das Lesen von Texten, die dich spielerisch nicht weiterbringen können.

Mit Artikeln arbeiten

Arbeiten bedeutet NICHT, einen Artikel nur einmal zu lesen. Arbeiten bedeutet: Einen Artikel so oft zu lesen, bis man den Inhalt ohne Zögern einem Dritten wiedergeben kann.

Arbeiten bedeutet: Den Artikel zusammenzufassen und die Zusammenfassung noch einmal zusammenzufassen.

Arbeiten bedeutet: Einen Artikel mit einem bestimmten Thema zu suchen und im Forum passende Beispielhände dazu zu suchen.

Arbeiten bedeutet: Lieber nur einen Artikel mehrmals zu lesen, als mehrere Artikel einmal zu lesen. Denn gerade bei letzterem führt das angelesene Halbwissen meist nur zu einer erhöhten Anzahl schlecht gespielter Hände.

Fokussiert bleiben/Arbeitsumgebung

Wenn du pokerst, dann solltest du pokern! Und nicht pokern und fernsehen oder dabei im Internet surfen oder mit der Freundin telefonieren. All dies sind Faktoren, die deine Konzentration beeinflussen. Lies dazu unbedingt den folgenden Artikel durch: Wie bleibst du konzentriert?

Natürlich sieht man Pokern erst mal „nur“ als Hobby an. Aber es spielen wahrscheinlich auch viele Leute als Hobby Fußball im Verein. Und wenn man am Wochenende ein Ligaspiel hat, geht man auch mit den passenden Fußballschuhen auf den Platz und telefoniert nicht in der Halbzeit mit der Freundin.

Die richtige Ausrüstung beim Pokern sind nun mal das Starting Hands Chart und die Odds- und Outs-Tabelle. Und der Anpfiff erfolgt mit dem Posten des ersten Big Blinds und das Spiel endet erst wieder, wenn du alle Tische verlassen hast.

Natürlich sollte am Anfang der Spaß im Vordergrund stehen. Wenn wir jedoch ehrlich sind, so wissen wir, dass das am meisten Spaß bereitet, was wir erfolgreich betreiben. Ich kann ein noch so großer Fußballfan sein, wenn ich beim Spiel aber immer nur auf der Bank sitze und mir die Mitspieler beim Training den Ball nicht zuspielen wollen, weil ich so schlecht bin, so werden früher oder später auch der Spaß und die Motivation darunter leiden. Wenn Leute dann immer noch regelmäßig zum Training kommen, haben sie vielleicht andere Motive, zum Beispiel die Gemeinschaft im Verein, aber garantiert nicht den Spaß am Fußball. Im Übrigen trifft dies auf fast jede Tätigkeit zu, die man betreibt.

Coachings

PokerStrategy bietet seinen Mitgliedern ein umfangreiches Public Coaching Programm an. Zu jedem Thema, sei es NL, FL, SNGs oder MTTs, findest du hier Topspieler, die bereit sind ihr Wissen mit anderen zu teilen. Und es kostet nichts außer der Bereitschaft, Zeit zu investieren. Es gibt keinen triftigen Grund für einen ambitionierten Pokerspieler, dieses Angebot nicht REGELMäSSIG zu nutzen.

Hinzu kommt ein Angebot von sehr guten Private Coaches mit fairen Preisen. Man sollte übrigens das Private Coaching Angebot nicht als Ausgabe, sondern als Investition in das Unternehmen „Poker“ sehen.

Nehmen wir an, du buchst alle zwei Wochen eine Stunde Private Coaching, was Ausgaben in Höhe von $50 pro Monat entspricht. Du selbst spielst auf dem Limit $1/$2. Du spielst am Tag etwa 500 Hände, was 15.000 Händen im Monat entspricht. Jetzt musst du aufgrund des Coachings nur einen kleinen Fehler in deinem Spiel entdecken, der dich auf 100 Hände nur 0.2 BB kostet, und du machst sogar einen Gewinn von 5 BB.

In diesem Beispiel habe ich absichtlich versucht, möglichst „klein“ zu rechnen. In der Regel spielt man vielleicht noch mehr Hände und gerade als Anfänger ist der Gewinn oft größer als nur 0.2 BB auf 100 Hände.

Warnen möchte ich hier noch vor folgendem Phänomen: Ein Spieler hat aufgrund eines Upswings eine Bankroll, die nicht seinem Wissensstand entspricht, sprich: er hatte einfach Glück - siehe erstes Kapitel. Zu diesem Zeitpunkt hätte er ohne Probleme das nötige Kapital, um sein Wissen durch Private Coaching anzugleichen, jedoch warum sollte er dieses tun? Der Erfolg gibt ihm Recht. Wenn dann jedoch die Realität zurückkehrt, befindet sich seine Bankroll wieder auf dem Stand seines Wissens und er kann sich kein Private Coaching mehr leisten. Er hat hier den Vorteil durch den Upswing nicht richtig ausgenutzt und muss sich weiter nach vorne arbeiten - allein.

Warum ich hier explizit über Private Coaching spreche? Nun ja, es gibt als Anfänger zwei Möglichkeiten, was man mit Gewinnen aus Pokern machen kann, außer es einfach in seinem Pokerkapital zu belassen.

  • Auscashen und sich eine Kleinigkeit kaufen. Warum das nicht immer der beste Weg ist, aber manchmal eben doch, wird im Artikel Bankrollmanagment für Fortgeschrittene angesprochen.

  • Das Geld investieren in Bücher oder eben Private Coaching.

Nur erachte ich hier den Weg des Private Coachings für sinnvoller. Jeder Private Coach besitzt bereits das Wissen aus diesen Büchern und ist so in der Lage, dieses direkt auf ihr Spiel anzuwenden.

Fazit

Das waren die 4 wichtigsten Punkte, die einen erfolgreichen Pokerspieler von einem erfolglosen Pokerspieler unterscheiden. Der Grund warum die wenigsten Leute beim Poker erfolgreich werden, ist folgender: Man muss bereit sein, über mehrere Monate sehr viel Zeit und sehr viel Arbeit in sein Training zu stecken, ohne dafür einen nennenswerten Gegenwert zu erhalten. Wer bereit ist diesen Weg zu gehen, wird sich am Ende über ein Hobby erfreuen können, aus dem vielleicht sogar mal mehr wird als „nur“ ein Hobby. Und vielleicht ermutigt dieser Artikel, den ein oder anderen Leser, diesen Weg zu gehen.

Wer zudem noch bereit ist, an den tiefergehenden Qualitäten eines Pokerspielers, die im ersten Kapitel besprochen wurden, zu arbeiten, wird nicht nur beim Pokern davon profitieren.