Preflop-Strategie (3): Charts zum Callen und Isolieren von All-ins
Vor dieser Lektion solltest du bereits gelesen haben:
• Das Preflopspiel (3): All-ins callen und isolieren
Daraus folgend solltest du ein Verständnis davon entwickelt haben, wie der Entscheidungsprozess abläuft, wenn du dich einem Openpush eines Gegners aus früherer Position gegenübersiehst.
Es ist immer von Vorteil, wenn du deine Berechnungen davon abhängig machst, was du für Reads auf deine Gegner hast und wie hoch der Risikoaufschlag in der jeweiligen Situation ist. Aus praktischer Sicht ist es jedoch nicht immer möglich, in jedem dieser Spots eine detaillierte Berechnung durchzuführen. Deswegen solltest du mit der Zeit ein intuitives Verständnis dafür entwickeln. Bis dahin ist es aber gut, wenn du eine Übersicht für Standardsituationen ohne Reads hast. Genau das ist das Thema dieser Lektion.
Wie man den Risikoaufschlag abschätzt
Aus Mangel an besseren Möglichkeiten kannst du den Risikoaufschlag abschätzen, indem du den durchschnittlichen Risikoaufschlag bei der verbleibenden Anzahl der Spieler und der Auszahlungsstruktur verwendest. Bei dieser Methode wird mit gleichen Stacks und vernachlässigbaren Blinds und Antes gerechnet. Beachte einfach, dass dein Risikoaufschlag geringer als der Durchschnitt ist, wenn dein Stack größer ist als der des Gegners, und umgekehrt.
Die erste Tabelle zeigt den durchschnittlichen Risikoaufschlag für ein 9-Spieler-SNG mit der normalen Auszahlungsstruktur von 50/30/20 je nach Anzahl der im Turnier verbleibenden Spieler.
| Spieler | 9 | 8 | 7 | 6 | 5 | 4 | 3 |
| Risikoaufschlag | 4,8% | 5,6% | 6,6% | 8,1% | 10,6% | 15,2% | 7,1% |
Die zweite Tabelle zeigt den durchschnittlichen Risikoaufschlag für ein 6-Spieler-SNG mit der Auszahlungsstruktur von 65/35 je nach Anzahl der im Turnier verbleibenden Spieler.
| Spieler | 6 | 5 | 4 | 3 |
| Risikoaufschlag | 3,8% | 4,8% | 6,6% | 10,6% |
Die nächste Tabelle zeigt den Risikoaufschlag eines 180-Spieler-SNGs mit normaler Auszahlungsstruktur am Final-Table und zu früheren Zeitpunkten.
| Spieler | 180 | 60 | 28 | 19 | 10 bis 7 | 6 bis 4 | 3 |
| Risikoaufschlag | 1,1% | 5,8% | 8,8% | 6,7% | 10,6%-10,8% | 9,9%-10,6% | 9,4% |
Du kannst Software wie den ICMizer nutzen, um den Risikoaufschlag bei 60 oder weniger verbleibenden Spielern für jede Auszahlungsstruktur zu berechnen (falls nötig auch mit den Stack-Situationen).
Wie man eine Range bestimmt
Ohne genauere Annahmen (Gesamt-Statistiken, Positions-Statistiken, Notes, History) sind die Openpushing-Charts eine gute Möglichkeit, dem All-in-Spieler die Range zuzuweisen, die er in einer Situation pusht.
Die folgende Tabelle macht es dir leichter, die Pushing-Range für verschiedene Positionen und effektive Stack-Größen (mit Ante im Spiel) zu bestimmen. Die Ranges werden als Prozentsatz aller möglichen Kombinationen angegeben, die der Gegner halten kann, sodass du die Möglichkeit hast, deine Equity gegen die angegebene Range zu bestimmen.
| Position / Stack | 14 BB | 12 BB | 10 BB | 8 BB | 6 BB | 5 BB |
| EP | 9,4% | 10,6% | 13,4% | 16% | 22% | 28,8% |
| MP | 12,4% | 14% | 21,2% | 23,7% | 28,9% | 40,0% |
| CO | 22% | 24,9% | 31,8% | 33,6% | 41% | 49,9% |
| BU | 31,8% | 33,6% | 40,3% | 42,4% | 50,2% | 55,4% |
| SB | 52% | 56,3% | 66,2% | 71,3% | 77% | 82,2% |
Wie man die Calling-Range ermittelt
Du bist nun in der Lage, die Equity abzuschätzen, die du zum Callen des All-ins benötigst, wobei es sich allerdings um den cEV handelt, plus Risikoaufschlag, plus 0,5% pro Spieler hinter dir für mögliche Overcaller, falls du nicht die Action abschließt. Außerdem kannst du jedem Spieler, der All-in geht, eine Pushing-Range zuweisen. Zu diesem Zeitpunkt musst du also entscheiden, ob deine Hand gut genug ist, das All-in zu callen. Mit anderen Worten: Deine Equity muss gegen die Pushing-Range größer als der berechnete Breakeven-Point sein.
Wenn du eine schnelle Antwort auf die Frage suchst, ob du callen sollst oder nicht, kannst du dich auf die Tabelle unten beziehen, die dir den Umfang der Calling-Range (nochmal, der Prozentsatz aller möglichen Hände) als Funktion der benötigten Equity und des Umfangs der Pushing-Range liefert.
| Pushing-Range des Gegners | |||||||||||
| 5% | 10% | 15% | 20% | 30% | 40% | 50% | 60% | 80% | 100% | ||
| Gesamte benötigte Equity |
60% | 0,9% | 1,4% | 3,0% | 3,3% | 5,0% | 6,6% | 7,1% | 8,0% | 10,6% | 14,2% |
| 57% | 1,4% | 3,0% | 3,3% | 5,0% | 6,6% | 8,3% | 9,4% | 12,1% | 17,3% | 25,2% | |
| 55% | 1,4% | 3,0% | 4,7% | 5,0% | 7,5% | 9,4% | 12,1% | 14,9% | 22,9% | 31,8% | |
| 53% | 1,4% | 3,3% | 5,0% | 6,6% | 8,6% | 12,2% | 14,9% | 18,4% | 28,5% | 38,9% | |
| 50% | 1,8% | 4,7% | 6,3% | 8,3% | 11,9% | 16,6% | 23,4% | 28,4% | 38,0% | 49,3% | |
| 48% | 2,1% | 4,7% | 7,4% | 10,3% | 15,7% | 21,3% | 28,4% | 31,5% | 43,3% | 55,4% | |
| 46% | 3,0% | 5,4% | 9,2% | 12,2% | 19,6% | 27,0% | 31,8% | 37,0% | 49,3% | 63,5% | |
| 44% | 3,5% | 5,9% | 11,5% | 17,5% | 25,8% | 30,0% | 36,0% | 41,8% | 55,7% | 69,5% | |
| 42% | 3,5% | 7,8% | 15,5% | 21,6% | 29,1% | 34,5% | 42,1% | 48,4% | 62,0% | 75,9% | |
| 40% | 3,8% | 9,7% | 19,5% | 26,1% | 32,7% | 37,9% | 48,4% | 55,4% | 69,5% | 82,2% | |
| 35% | 5,7% | 20,4% | 30,6% | 42,1% | 53,5% | 64,1% | 74,4% | 80,1% | 90,0% | 95,5% | |
| 30% | 17,6% | 53,5% | 70,1% | 79,2% | 91,9% | 99,1% | 99,1% | 100,0% | 100,0% | 100,0% | |
Zusammenfassung
Falls du keine Reads oder Ähnliches hast, brauchst du zum Bestimmen der Range zu Callen eines All-ins:
- Die manuell berechnete benötigte Chip-Equity.
- Die Charts zum Anpassen des Risikoaufschlags abhängig von Turnierform und -phase.
- Zusätzlich 0,5% pro Spieler hinter dir, falls du die Action nicht abschließt.
- Die Tabelle zum Abschätzen der gegnerischen Pushing-Range.
- Die Tabelle für die Calling-Range, basierend auf Gesamt-Equity und festgelegter Pushing-Range.