Aktualisiert am 12 März 26 von

Bubblestrategie (1): Einführung

Vor dieser Lektion solltest du bereits gelesen haben:

Dir sollte bereits das Konzept des Risikoaufschlags bekannt sein, sodass du nun weißt, dass du zusätzliche Equity zu deinen Potodds benötigst, um einen Einsatz profitabel zu callen. Diese zusätzliche Equity ist grundsätzlich an der Bubble und direkt davor am höchsten, also wenn die letzten Spieler ausscheiden, die nichts ins Geld kommen. Diese Phase eines Turniers nennt man die Bubblephase.

Es können zwar auch in anderen Turnierphasen ähnliche Dynamiken wie an der Bubble auftreten, mit Abstand am ausgeprägtesten sind sie allerdings während der Bubblephase. Es ist daher sehr wichtig, den Umgang mit solchen Situationen zu lernen.

In diesem Modul erfährst du, wie dein Gameplan rund um die Bubble aussehen sollte, abhängig von der Größe deines Stacks im Vergleich zu den Stacks deiner Gegner. Du lernst auch, inwiefern sich die Bubbleszenarien der verschiedenen SNG-Typen unterscheiden.

Spezifische Informationen über die Bubblestrategie in den bekanntesten SNG-Formaten findest du in den kommenden Lektionen.

Die Bubblephase

Man kann natürlich keinen exakten Punkt bestimmen, an dem die Bubblephase beginnt. Die Bubbledynamiken entstehen graduell und bauen sich im Laufe des Turniers auf, je näher man der tatsächlichen Bubble rückt. Je mehr Erfahrung man sammelt, desto mehr entwickelt man auch ein Gespür für diesen Verlauf und lernt, sich nach und nach an die Dynamiken anzupassen.

Für den Moment und für diese Lektion müssen wir die Bubblephase jedoch genau definieren.

Es wird angenommen, dass die Bubblephase beginnt, sobald im Turnier noch 20% mehr Spieler übrig sind als während der exakten Bubble.

Als Beispiel nehmen wir ein 9-Spieler-SNG mit der üblichen Auszahlungsstruktur, in dem die Bubble bei vier Spielern erreicht ist. Die Bubblephase beginnt laut unserer Definition also bei 4*(100%+20%) = ~5 verbleibenden Spielern. In einem 180er-SNG, bei dem 27 Spieler ins Geld kommen, ist die Bubble bei 28 Spielern erreicht, sodass die Bubblephase bei 28*(100%+20%) = ~34 verbleibenden Spielern beginnt.

Du kannst diese Berechnungen auch für andere Turniertypen durchführen. Spielt man eines der verfügbaren SNG-Formate, merkt man, dass die Dynamik ab einem gewissen Punkt deutlich "bubbliger" wird.

Druck an der Bubble aufbauen

Das Erste, was man sich beim Erreichen der Bubblephase fragen sollte ist, ob man in einer Position ist, um Druck auf die anderen Spieler auszuüben. Dies hängt deutlich mehr von der Größe des eigenen Stacks im Vergleich zu den Stacks der Spieler ab, die nach dir noch am Zug sind, als von deiner tatsächlichen Stacksize in Big Blinds.

Eine Bubblesituation solltest du als einen Spot erachten, in dem du Druck ausüben kannst, wenn alle Spieler, die nach dir noch am Zug sind, entweder:

  • einen kleineren Stack haben als du
  • einen größeren Stack haben, aber das Verlieren eines All-ins gegen dich sie einen großen Teil ihres Stacks kosten und ihre Chancen auf die Geldränge gefährden würde
  • oder einen größeren Stack haben als du und unabhängig vom Ausgang eines All-ins wohl das Geld erreichen würden, aber tight-passive spielen und ihren Stack nur dann zu ihrem Vorteil einsetzen, wenn sie eine wirklich gute Hand haben

Unten findest du eine einfache Situation, in der du gut Druck aufbauen kannst:


Dein Standardgameplan in einer solchen Situation sollte folgendermaßen aussehen:

Du solltest die meisten Hände openraisen und davon nur abweichen, wenn du eine schwache Hand hältst UND die Stacksizes oder Spielertendenzen (also etwa eine hohe Wahrscheinlichkeit, gecallt/geraist zu werden, obwohl du eigentlich der Spieler bist, der Druck ausüben kann) dagegen sprechen. Spieler, die dich loose callen könnten, solltest du nicht angreifen. Ihre loosen Calls schaden ihnen zwar selbst, dir aber auch, während alle anderen Spieler aufgrund des ICM davon profitieren. Die dünnen Calls von anderen Spielern führen dazu, dass einer von euch ausscheidet oder sehr viele Chips verliert. Das Resultat ist, dass die übrigen Spieler (die nicht am All-in beteiligt sind) dem Geld näherkommen und ihr EV steigt.

Der Standardspielzug, wenn zu dir gefoldet wurde, sollte ein Minraise sein. Es sei denn ein Push ist die bessere Option, beispielsweise wenn die Spieler hinter dir zwar tight gegen ein All-in folden, aber viel gegen Minraises reshoven. Dies hängt größtenteils vom jeweiligen Stacksetup und den Tendenzen deiner Gegner ab.

Wenn es vor dir ein Raise gibt, solltest du deine Fold-Equity, deine Showdown-Equity im Falle eines Calls und den notwendigen Risikoaufschlag berücksichtigen und darauf basierend entweder reshoven oder folden. Nur callen solltest du sehr selten.

Gab es vor dir bereits ein All-in, dann folgst du einfach den Richtlinien aus der Lektion Das Preflopspiel: All-ins callen und isolieren. Das Gute ist, dass man sich um einen Overcall fast keine Sorgen machen mussdas kommt an der Bubble sehr selten vor.

Deine Optionen wenn du keinen Druck ausüben kannst

Es gibt Phasen, da ist es unwahrscheinlich, dass eine Situation auftritt, in der du Druck aufbauen kannst. Das kommt meistens vor, wenn du einen shorten Stack während der Bubble-Phase hast. In diesen Spots bleiben dir nur zwei Möglichkeiten: abwarten oder reinstellen.

Ein Beispiel für eine Situation, in der man schlecht Druck ausüben kann:

Die Berechnungen, ob man seine Chips reinstellt oder nicht, ähneln deutlich den Überlegungen, die man anstellt, wenn man einen größeren Stack hat und mit einem Raise konfrontiert wird. Der Unterschied ist aber, dass dein Risikoaufschlag sehr viel höher ist, wenn dich dein Gegner covert hat. Du brauchst also eine viel tightere Range

Wird zu dir gefoldet und du bist der Shortstack, solltest du kein Minraise in Erwägung ziehen. Du bist auf das Pushen und Folden beschränkt – und auch hier hängt deine Entscheidung von deiner Fold-Equity, deiner Showdown-Equity im Falle eines Calls und dem notwendigen Risikoaufschlag ab.

Kannst du keinen Druck ausüben und deine Chips auch nicht profitabel reinstellen, dann musst du abwarten. In einem Einzeltisch-SNG kannst du nicht viel mehr tun als folden und versuchen, die Erhöhung der Blinds zu manipulieren, sodass sie erst direkt nach dir ansteigen.

In einem 180er- oder 90er-SNG hingegen wird die Bubble an mehr als einem Tisch ausgespielt und du hast – zusätzlich zur Manipulation der Blinds – die Möglichkeit, deine gesamte Timebank zu nutzen, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass an einem anderen Tisch jemand ausscheidet, bevor du deine Chips in die Mitte stellen musst.

Wenn du All-in gehen musst und das Spiel noch nicht im Hand-for-Hand-Modus läuft, dann solltest du die Hand so lange andauern lassen, wie du kannst, vor allem wenn Spieler mit kleineren Stacks an den anderen Tischen sitzen. Das kannst du auch dadurch erreichen, dass du dir einen einzigen Chip übrig lässt, wenn du All-in gehst, sodass du ein zweites Mal Gelegenheit hast, deine Entscheidungszeit auszunutzen.

Unterschiede zwischen den SNG-Formaten

different sngs

Du bekommst in den nächsten Lektionen ausführliche Anleitungen dazu, wie du die Bubble-Phase in den verschiedenen Formaten meistern kannst.

Nach Beendigung dieser Lektion solltest du aber bereits in der Lage sein, die grundsätzlichen Unterschiede der Bubble-Play-Ansätze zu verstehen.

Betrachten wir sie etwas genauer:

  • Der Risikoaufschlag hängt größtenteils von der Auszahlungsstruktur ab. Die Höhe des Risikoaufschlags bestimmt deine Range. Je höher er ist, desto tighter musst du callen und desto weiter kannst du pushen (zumindest gegen gute oder ängstliche Gegner). Den höchsten Risikoaufschlag wirst du in DoNs und Satellites finden.
  • Die Bubble eines Einzeltisch-, 18er-, 27er und 45er-SNGs wird an einem einzigen Tisch ausgespielt, während es in 90er- und 180er-SNGs zur Bubble kommt, wenn noch mehr als ein Tisch übrig ist. Das erlaubt zusätzliche Verzögerungen, macht aber auch die Berechnungen schwieriger, weil bei mehr als einem Tisch der Risikoaufschlag nicht so leicht festzustellen ist (wegen der Probleme, das zugrundeliegende ICM zu berechnen).
  • Die Bubble in einem Einzeltisch- oder 18er-SNG wird shorthanded gespielt, während man bei den 45ern oder 180ern mehr oder weniger an Fullring-Tischen sitzt. Das führt in der Regel dazu, dass die Ranges in einem MTT-SNG tighter sind als in einem STT und die Shortstacks schneller gezwungen sind, sich der Situation in einem STT zu stellen.

Zusammenfassung

In dieser Lektion hast du gelernt, dass:

  • die Bubble-Phase durch spezielle Dynamiken gekennzeichnet ist, durch die die Calling-Ranges extrem tight und die Opening-Ranges sehr loose werden können.
  • die Bubble-Phase normalerweise beginnt, wenn noch 20% mehr Spieler dabei sind als an der exakten Bubble.
  • du Situationen, in denen du Druck ausüben kannst, gnadenlos ausnutzen musst. Kannst du keinen Druck ausüben, musst du dich der Situation stellen, wenn es profitabel ist, hauptsächlich aber versuchen, die Bubble zu überstehen.