Wie spielst du spekulative Hände?
Einleitung
In diesem Artikel
- Wann du spekulative Hände spielst
- Wie du sie spielst
Als spekulative Hände bezeichnet man Hände wie suited Connectors (z.B. 87s) oder kleine Paare. Ihre Stärke liegt ausschließlich darin, dass man mit ihnen einen großen Pot gewinnen kann, wenn man den Flop gut trifft.
Deshalb spielst du diese spekulativen Hände nur in der frühen Phase eines SNGs, in der die Chipstände und somit dein möglicher Gewinn gemessen am Einsatz noch sehr groß sind. Unter bestimmten Umständen lohnt sich das Spiel mit ihnen auch noch in der mittleren Phase.
Welche Hände sind spekulativ?
Zu den spekulativen Händen zählen konkret:
- Suited Connectors
Das sind gleichfarbige direkt nebeneinander liegende Karten.
- Offsuited Connectors
Das sind direkt nebeneinander liegende Karten von verschiedenen Farben.
- One Gap Connectors
Das sind Karten, die um zwei Kartenwerte auseinanderliegen, zwischen denen also eine Lücke, ein Gap, klafft.
- Suited Aces
Das sind Starthände mit einem Ass und einer gleichfarbigen zweiten Karte.
- Niedrige Pocketpairs
Das sind kleine Paare, die du schon fertig in den Startkarten hältst.
Wann spielst du spekulative Hände?
Für das Spielen von spekulativen Händen sollten verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein:
- Niedriger Preis
Wenn du vor dem Flop mitgehst und ins Spiel einsteigst, darf der Preis dafür keinen nennenswerten Teil deiner Chips ausmachen.
- Table-Image
Der Tisch sollte bisher nicht durch besonders aggressives Preflopspiel aufgefallen sein, so dass du nicht davon ausgehen musst, dass hinter dir doch noch erhöht wird.
- Anzahl der Gegner
Je mehr Gegner in einer Hand sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, von jemandem ausbezahlt zu werden, sofern du den Flop triffst.
- Zeitpunkt
Du solltest spekulative Hände hauptsächlich in der frühen Phase eines SNGs spielen. Zum einen ist der Preis niedrig, um ins Spiel einzusteigen, zum anderen sind die Gegner noch eher bereit, vor dem Flop nur mitzugehen, statt zu erhöhen.
- Bisherige Aktion
Es sollte grundsätzlich keine Erhöhung gegeben haben.
- Postflopskills
Du solltest ein sicheres Wissen um das Spiel nach dem Flop besitzen, um auch in der Lage zu sein, möglichst viele Chips zu gewinnen, wenn du den Flop triffst. Auch solltest du wissen, wie man Draws spielt, denn häufiger wirst du mit spekulativen Händen einen solchen treffen.
Wie spielst du suited Connectors?
Mit suited Connectors hat man im Prinzip zwei Optionen den Flop zu treffen: Straße und Flush. Was die Straßen-Optionen angeht, muss man allerdings zwischen den suited Connectors unterscheiden: JT, T9, 98, 87, 76, 65, 54 bieten die volle Bandbreite an möglichen Straßen-Outs, während AK, KQ, QJ, A2, 32, 34 weniger Outs für eine Straße bieten.
In der frühen Phase eines SNG und bei Zutreffen der zuvor genannten Voraussetzungen kannst du suited Connectors in einer späten Position (CO, Button, SB, BB) sehr gut spielen. Sollte das Tableimage sehr tight sein, kann man suited Connectors gelegentlich auch aus früherer Position spielen.
Je nach Flop und Postflop-Skills sollte man postflop wie folgt verfahren: Trifft man am Flop den fertigen Flush oder die fertige Straße, gilt es den maximalen Gewinn aus der Hand herauszuholen, ohne aber die Gegner zu vertreiben. Sind mehr als 2 Gegner in der Hand, muss man seine Hand unter Umständen gegen einen Draw auf einen besseren Flush schützen.
Hat man nach dem Flop einen Draw auf einen Flush oder eine Straße, sollte man so verfahren, wie es im Artikel Odds und Outs - Wie spielst du Draws? geraten wird. Trifft man ein Paar, auch im Falle des Top-Paars, sollte man es sich zur Regel machen, nicht darauf all seine Chips einsetzen zu wollen.
In den meisten Fällen ist zudem der Kicker (die Beikarte) nicht besonders gut. Eine Ausnahme bilden AKs und mit Einschränkungen KQs. Diese Hände werden zusätzlich zu Flush- und Straßenoptionen auch aufgrund ihrer Qualitäten im Falle eines Top-Paars gespielt.
Die Wahrscheinlichkeit suited Connectors mit der maximalen Bandbreite an Outs zu erhalten, liegt bei 2,1 %.
Wahrscheinlichkeiten mit suited Connectors am Flop:
- Fertiger Flush: 0,84%
- Flushdraw: 10,9%
- Fertige Straße: 1,3% (bei suited Connectors mit der größten Bandbreite)
- OESD: 9,6% (bei suited Connectors mit der größten Bandbreite)
- Zwei Paare: 2%
Wie spielst du offsuited Connectors?
Mit offsuited Connectors hat man im Gegensatz zu den suited Connectors im Wesentlichen nur eine Option den Flop zu treffen: die Straße. Aus diesem Grund sollte man offsuited Connectors noch seltener spielen als suited Connectors. Grundvoraussetzung ist, dass du in später Position bist und vor dir nicht erhöht wurde.
Auch bei den offsuited Connectors unterscheidet man zwischen denen, die die maximale Anzahl an Straßen-Outs bieten (JT, T9, 98, 87, 76, 65, 54) und den anderen (AK, KQ, QJ, A2, 43, 32). Wie bei den suited Connectors gilt auch hier, dass man es vermeiden sollte, mit Top-Paar und schwachem Kicker früh im SNG all seine Chips einzusetzen.
Die Wahrscheinlichkeit offsuited Connectors mit der maximalen Bandbreite an Outs zu erhalten liegt bei 6,3%. Die Wahrscheinlichkeiten am Flop für Straße und OESD sind gleich denen der suited Connectors.
Wie spielst du One Gap Connectors?
Unter One Gap Connectors versteht man Startkarten, zwischen denen eine Karte fehlt, also beispielsweise J9. Wenn überhaupt solltest du diese Hände nur gelegentlich in der frühen Phase eines SNG vom Small Blind aus spielen.
Auch hier sind gleichfarbige One Gap Connectors auf Grund der Flushoptionen den ungleichfarbigen vorzuziehen. Die Spielweise nach dem Flop entspricht der Spielweise von suited und offsuited Connectors.
Wie spielst du suited Aces?
Suited Aces spielst du vorwiegend wegen ihrer Möglichkeit, den bestmöglichen Flush zu machen. Grundsätzlich solltest du suited Aces nur spielen, wenn es zuvor keine Erhöhung gab. Je nach Tableimage kannst du suited Aces gelegentlich aus früher Position, aber vorwiegend ab mittlerer Position spielen.
Solltest du den Flop komplett verpassen, gibst du die Hand, ohne zu zögern, auf. Triffst du zwei Paare, liegt der Fall anders. Hier hältst du in den meisten Fällen die beste Hand und solltest sie auch entsprechend aggressiv spielen, allerdings ohne die Gegner durch einen zu hohen Einsatz (größer als der Pot) zu vertreiben.
Sehr vorsichtig solltest du zu Werke gehen, falls du das Top-Paar getroffen hast. Hier gilt: Je schwächer der Kicker, desto schneller solltest du dich von der Hand trennen. Grundsätzlich sollte man Kicker, die kleiner als ein Bube sind, als schwache Beikarten behandeln.
Die Wahrscheinlichkeit ein suited Ace zu erhalten, liegt bei ~3,5%. Die Wahrscheinlichkeit am Flop für einen Flush, Flushdraw und zwei Paare entsprechen denen der suited Connectors. Die Wahrscheinlichkeit für ein Top-Paar am Flop beträgt ~17%.
Wie spielst du niedrige Pocketpairs?
Der Wert niedriger Pocketpairs besteht fast ausschließlich in ihrem Set-Value, also in ihrer Chance einen Drilling zu machen. Zu den niedrigen Pocketpairs zählen 22, 33, 44, 55, 66.
In der frühen Phase solltest du versuchen, so billig wie möglich den Flop zu sehen. Es sollte keine Erhöhung gegeben haben. Je häufiger am Tisch vor dem Flop bisher erhöht wurde, desto seltener solltest du sie in früher Position spielen. Eine Erhöhung kann man mitgehen, wenn du selbst und der Gegner mindestens das 20fache der Erhöhung noch an Chips zur Verfügung haben.
In der mittleren Phase solltest du die niedrigen Pocket Pairs etwas vorsichtiger spielen, da es hier schon des Öfteren zu All-Ins kleiner Stacks kommen kann oder mittlere und größere Stacks grundsätzlich aggressiver werden. Von daher sollten niedrige Pocketpairs in dieser Phase erst ab mittlerer Position gespielt werden und auch nur dann, wenn es keine Erhöhung gab und du nicht mehr als 5% deines eigenen Stacks einbringen musst, um den Flop zu sehen.
Postflop ist die Spielweise niedriger Pocketpairs relativ eindeutig: Verfehlst du den Drilling, investierst du keine weiteren Chips, sondern gibst die Hand auf.
Die Wahrscheinlichkeit, ein niedriges Pocketpair als Starthand zu erhalten, liegt bei 2,2%. Am Flop trifft man einen Drilling oder besser in 12,7% aller Fälle.
Praxisbeispiele
Chipstände:
UTG (t1240)
Hero (t1500)
MP1 (t1480)
MP2 (t1490)
MP3 (t1380)
CO (t1450)
Button (t1460)
SB (t2020)
BB (t1480)
Preflop: Hero is in UTG+1 with T
UTG folds, Hero calls t20, MP1 folds, MP2 folds, MP3 folds, CO folds, Button calls t20, SB calls t10, BB checks
Flop: (t80) 5


SB checks, BB checks, Hero checks, Button checks
Turn: (t80) J
SB checks, BB checks, Hero bets t60, Button folds, SB folds, BB folds
Kommentar:
Der Tisch war bisher sehr zurückhaltend und es wurde wenig erhöht. Daher kannst du hier auch schon in früher Position in die Hand einsteigen.
Am Flop triffst du den Flushdraw. Nachdem schon zwei Spieler vor dir geschoben haben, gibt es keinen Grund, selbst zu setzen. Am Turn triffst du ein Toppaar Buben. Zusammen mit dem Flushdraw ist das Grund genug zu setzen.
Chipstände:
UTG: t1345
UTG+1: t1790
MP1: t1915
MP2: t1670
CO: t2740
Button: t1150
Hero: t1380
BB: t1510
Preflop: (8 players) Hero is SB with 9
2 folds, MP1 calls t50, 2 folds, Button calls t50, Hero calls t25, BB checks.
Flop: T


Hero checks, BB checks, MP1 bets t150, Button calls t150, Hero folds, BB folds.
Kommentar:
Am Flop triffst du mit dem Paar Zehnen das mittlere Paar. Nachdem aber MP1 setzt und der Button-Spieler den Einsatz mitgeht, kannst du dich getrost aus der Hand verabschieden. Deine Hand ist selten noch gut.
Chipstände:
UTG: t3490
UTG+1: t820
CO: t4628
Button: t4346
Hero: t5066
BB: t1650
Preflop: (6 players) Hero is SB with 9
2 folds, CO calls t100, Button folds, Hero calls t50, BB checks.
Flop: 8


Hero bets t200, BB calls t200, CO folds.
Turn: 7
Hero bets t400, BB calls t400.
River: 6
Hero bets t950, BB calls t950.
Results:
Final pot: t3400
Hero shows 9
BB doesn't show 5
Kommentar:
Bei einem komfortablen Chipstand gehst du gelegentlich im Small Blind mit. Am Flop triffst du Toppaar Achten und spielst es auch sofort an, da du ungern eine Turnkarte sehen magst.
Chipstände:
UTG: t1580
UTG+1: t2750
MP1: t1990
CO: t2100
Hero: t1470
SB: t1480
BB: t2130
Preflop: (7 players) Hero is Button with J
3 folds, CO calls t20, Hero calls t20, SB calls t10, BB checks.
Flop: 5


SB bets t20, BB folds, CO calls t20, Hero calls t20.
Turn: J
SB bets t20, CO calls t20, Hero calls t20.
River: K
SB bets t20, CO folds, Hero calls t20.
Results:
Final pot: t240
SB showed Q
Kommentar:
Am Flop hast du gerade einmal 4 Outs auf die Straße, wobei auch noch T
Dass du den Einsatz von 20 Chips mitgehst, ist gerade noch vertretbar. Man kann auch aussteigen.
Am Turn triffst du das mittlere Paar mit dem Buben. Allerdings steigt auch die Gefahr, dass jemand eine Straße hat, und dein Draw verliert ebenfalls noch einmal an Potenzial. Da der Pot schon 180 Chips enthält, kannst du aber die 20 Chips beruhigt mitgehen.
Am River triffst du das zweite Paar. Andererseits ist der Flush angekommen und jede Zehn komplettiert eine Straße. Es ergibt keinen Sinn, hier zu erhöhen. Es bezahlt dich ja keine schlechtere Hand mehr aus und es gibt viele Hände, gegen die du hinten liegst. Daher gehst du den Einsatz des Gegners nur mit.
Chipstände:
UTG: t1530
UTG+1: t1500
MP1: t1590
MP2: t1500
MP3: t1490
CO: t1560
Button: t1350
Hero: t1480
BB: t1500
Preflop: (9 players) Hero is SB with T
UTG calls t20, UTG+1 folds, MP1 calls t20, 3 folds, Button calls t20, Hero calls t10, BB checks.
Flop: K


Hero checks, BB bets t40, UTG calls t40, MP1 folds, Button calls t40, Hero raises to t240, BB folds, UTG calls t200, Button calls t200.
Turn: J
Hero bets t320, UTG calls t320, Button folds.
River: 9
Hero checks, UTG checks.
Results:
Final pot: t1500
Hero showed T
UTG showed K
Kommentar:
T8o spielst du besser nur gelegentlich, selbst aus dem Small Blind heraus. Am Flop hast du mit zwei Paaren gegen 4 Gegner durchaus eine sehr gute Chance auf die beste Hand.
Du entscheidest dich hier für ein Checkraise, d.h. du schiebst und erhöhst, nachdem ein Gegner gesetzt hat.
Am Turn taucht mit dem J
2/3 des Pots, also ungefähr 600 Chips, wären richtig gewesen, mit der Absicht am River bei einer ungefährlichen Karte All-In zu gehen. Am River ermöglicht die 9
Chipstände:
UTG: t1610
UTG+1: t4500
MP1: t1570
CO: t1450
Button: t1410
SB: t1460
Hero: t1500
Preflop: (7 players) Hero is BB with 9
UTG calls t20, 3 folds, Button raises to t40, SB folds, Hero calls t20, UTG calls t20.
Flop: J


Hero checks, UTG checks, Button bets t20, Hero calls t20, UTG calls t20.
Turn: 3
Hero bets t100, 2 folds.
Kommentar:
Die 20 Chips am Flop kannst du von den Pot Odds her bequem mitgehen. Am Turn vollendest du den Flush. Dennoch ist der mit jeder weiteren Dame oder jedem weiteren Buben am River nichts mehr wert. Von daher versuchst du, mit einem Einsatz von etwas mehr als der Hälfte des Pots die Gegner nicht abzuschrecken, deinen Flush zu schützen und möglichst viel Gewinn herauszuholen.
Fazit
Für das Spiel von spekulativen Händen gilt:
- Du spielst sie nur in der frühen Phase eines Turniers.
- Du versuchst so billig wie möglich zum Flop zu kommen.
- Es sollte vor dir keine Erhöhung gegeben haben.
- Du spielst sie nicht, um ein Paar zu treffen.
- Du spielst sie, um Flush, Straße, einen Draw bzw. einen Drilling zu treffen.
- Bis auf niedrige Pocketpairs spielst du sie meist nur in später Position.
Triffst du am Flop eine starke gemachte Hand, was selten genug passiert, dann spielst du die Hand entsprechend aggressiv. Häufiger aber wirst du einen Draw treffen. Wie du diese spielst, erfährst du im Artikel Odds und Outs - Wie spielst du Draws?
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