Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Blindbattle - Das Spiel aus dem Big Blind

Einleitung

In diesem Artikel

  • Wie du auf Opencompletes reagierst und wie auf Openraises
  • Wie du im unraised Pot spielst
  • Wie du gegen aggressive Spieler spielst

Neben dem normalen Blinddefend, bei dem du deinen Blind gegen einen Spieler außerhalb der Blinds verteidigst, gibt es im Blindspiel eine weitere sehr besondere Situation, welche sich von allen anderen Spielsituationen an einem Shorthanded- oder Fullring-Tisch stark unterscheidet und einer sehr individuellen Dynamik unterliegt: das Blindbattle

Unter einem Blindbattle versteht man hierbei die Situation, wenn alle anderen Spieler, welche keinen Blind bezahlt haben, preflop folden und der Small Blind die Möglichkeit hat, first in die Setzrunde zu eröffnen.

Dieser Artikel wird dir nun das Spiel aus dem Big Blind in solch einem Blindbattle näherbringen und dir aufzeigen, auf was du achten musst und wie du dich am besten deinem Gegner anpasst.

Was sind die Besonderheiten beim Spiel BB vs. SB?

Natürlich stellt sich nun die Frage, was denn dieses Blindbattle so besonders gestaltet und warum man sich darauf speziell anpassen sollte. Als Hauptaugenmerk muss man hierbei die besondere Spieldynamik einer Heads-up-Partie beachten. Diese Situation stellt im Grunde nichts anderes als eine kleine Heads-up-Partie an einem Shorthanded- oder Fullring-Tisch dar.

Das bedeutet für dich, dass dein eigenes Spiel sehr stark vom gegnerischen Spiel abhängig ist und du ein besonderes Augenmerk darauf legen musst, die gegnerischen Spielkonzepte zu durchschauen und deren Lücken auszunutzen. Es gilt also, dass du in einem Blindbattle nie ein wirkliches Standardspiel durchziehen kannst, von dem du überzeugt sein kannst, dass es immer +EV sein wird.

Der psychologische Aspekt steht hier im Vordergrund, wobei du ihn aber wiederum nicht so hoch bewerten kannst wie in einer normalen Heads-up-Partie, da der zeitliche Abstand solcher Blindbattles gerade an aggressiven Tischen sehr hoch sein kann und der Gegner die vorangegangenen Blindbattles nicht mehr so stark im Gedächtnis haben wird. Du kannst daher nicht immer darauf zählen, dass der Gegner noch immer deinen letzten Calldown oder deinen letzten Turnfloat im Gedächtnis hat und dich nun unbedingt ausspielen will.

Falls er mehrere Tische spielt oder neben dem Online-Poker noch andere Dinge am PC macht, wird er oftmals diese Situation schon längst vergessen haben. Dies wird jedoch bei einer normalen Heads-up-Partie niemals vorkommen, da ein Spieler dort immer versuchen wird, sich seinem Gegner anzupassen.

Neben der psychologischen Besonderheit gibt es aber eine weitere direkte Auswirkung auf deine eigene Hand. Aufgrund der Tatsache, dass du nun in einer Heads-up-Situation bist, verändert sich die Handstärke dramatisch. Es ist nun unwahrscheinlicher, dass beide Spieler den Flop gleichermaßen gut getroffen haben.

Da du in dieser Situation aus dem Big Blind spielen kannst und somit postflop immer Position auf den Gegner hast, wirst du durchaus öfter gewillt sein, mittelstarke Hände wie Midpair / Top Kicker oder Toppair / no Kicker bis zum Showdown zu bringen, um dort mit der besseren Hand den Pot zu gewinnen. Wie du diese Hände jedoch genau spielst, hängt sehr stark vom jeweiligen Gegner ab, da man bei manchen Gegnern sein Toppair / no Kicker auf Action ohne große Bedenken folden kann und gegen andere Gegner wiederum auch mal sein Bottompair auf 3 Barrels hin downcallt.

Daher ist in solch einem Blindbattle oftmals Mut gefragt, um deinem Read folgen zu können und dementsprechend zu handeln. Wie du dich auf deine speziellen Reads anpassen solltest, wird später näher beschreiben. Zunächst aber soll auf einige grundlegende Fragestellungen eingegangen werden.

Was ist der Unterschied zwischen einem Blindbattle aus dem Big Blind im Vergleich zum Small Blind?

Die Frage ist, worin der Unterschied zwischen dem Spiel im Blindbattle aus dem Big Blind und dem Small Blind heraus besteht. Warum gibt es zwei Artikel statt nur einem? Kann man nicht ein Blindbattle nahezu identisch spielen, unabhängig ob man nun den Small Blind oder den Big Blind bezahlt hat? Es handelt sich doch um die gleiche Spielsituation.

Hier muss gesagt werden, dass es sich zwar um die gleiche Spielsituation handelt und so gesehen auch die gleiche Situation beschrieben wird, jedoch wird sie aus zwei völlig unterschiedlichen Blickwinkeln beschrieben. Und diese beiden Blickwinkel unterscheiden sich hauptsächlich durch die Position, welche du in der Spielsituation hast.

Spielst du aus dem Big Blind, hast du stets einen Informationsvorteil, sowohl preflop wie auch postflop. Durch diesen Positionsvorteil bist du in der Lage, eine größere Anzahl von Händen postflop profitabel zu spielen. Und dies ist auch das Ziel im Big Blind. Du willst postflop deinen Positionsvorteil ausnutzen und den Gegner langfristig in –EV-Spots verwickeln.

Du kannst also selbst marginale Hände in Position spielen, welche für dich selbst +EV sind, da du durch deinen Positionsvorteil neben dem Informationsvorsprung auch die Macht über die Potsize hast. Diese Vorteile hat der Spieler im Small Blind nicht, wodurch sein Spiel mehr darauf bedacht ist, nicht zu viel gegen dich zu verlieren und sich aus marginalen Situationen eher rauszuhalten.

Wie reagierst du auf Completes des Small Blinds?

Viele Spieler spielen ihren Small Blind in einem Blindbattle recht passiv und completen nur zum Big Blind, um sich günstig einen Flop ansehen zu können. Die direkten Odds des Small Blinds würden diesen Complete immer als korrekt ansehen, da unser Gegner 3:1 auf einen Call bekommt und somit preflop eine Equity von mehr als 25% benötigt, um hier einen +EV-Call zu haben. Und wie wir alle wissen, hat man in Texas Hold’em mit jeder Hand nahezu immer 30% Equity.

Dein Gegner würde mit seinem Complete daher keinen Fehler machen, wenn die Situation nur preflop betrachtet wird. Da es dein Ziel ist, den Gegner zu Fehlern zu zwingen, und du das am besten durch Aggression erreichst, solltest du auch sofort damit beginnen. Ein Raise ist hier also ein gutes Mittel, um den Gegner für seinen Complete zu bestrafen, da du ihm so den guten Preis nimmst, um sich einen Flop anzuschauen.

Da du postflop weiterhin den Positionsvorteil auf deiner Seite haben wirst, hast du auch kein Problem, um einen etwas größeren Pot zu spielen. Durch dein Preflopraise erreichst du somit, dass du den Gegner postflop zu größeren Fehlern zwingst, da er dort dann auch mit größeren Bets konfrontiert wird.

Mit Aggression auf einen Complete zu reagieren, hat langfristig nur Vorteile für dich. Solltest du nun also jede Starthand in dieser Situation raisen?

Diese Frage kann weder vehement bejaht noch verneint werden. Es liegt hier an deinen eigenen Postflopskills wie auch an den gegnerischen Tendenzen. Es gibt natürlich Hände, die sich in dieser oder jener Situation eher für ein Raise eignen, und Hände, mit denen man den Gegner auch mal einen Flop anschauen lassen kann.

VALUEHANDS (22+, A7+, KT+, QT+, JT+)

In dieser Range befinden sich alle Pocketpairs, alle mittleren und große Asse sowie alle Broadway-Hände.

Mit diesen Händen solltest du eher dazu tendieren, preflop zu raisen, da du so direkt Value aus deiner Hand holst. Oftmals triffst du am Flop auch die beste Hand und dominierst teilweise die Hand deines Gegners. Hier willst du versuchen, sowohl preflop wie auch postflop den maximalen Value aus der Hand zu holen.

Hinzu kommt, dass sich kleine Pocketpairs recht schlecht ohne Initiative in einem kleinen Pot ohne Hit spielen lassen. Raist du diese preflop, hast du zum einen den Vorteil der Initiative und der Möglichkeit, den Pot oft auch ohne Hit zu gewinnen, und zum anderen hast du schon etwas für die Potsize getan, sofern du das Set treffen solltest, denn mit einem gefloppten Set in einem 2 BB großen Pot lässt es sich recht schwer um Stacks spielen.

SEMIBLUFFING HANDS (54-T9, 53s-J9s, 74s-Q9s)

In dieser Range befinden sich alle connected Hände sowie mittlere suited One- und Two-Gapper.

Diese Hände befinden sich nun in etwa auf der Grenze zwischen einem Raise und einem Check. Auf der einen Seite triffst du mit ihnen nicht so oft einen für dich perfekten Flop, auf der anderen Seite sind diese Hände recht gut dazu geeignet, postflop zu semibluffen, was sich in einem raised Pot natürlich um einiges besser realisieren lässt, da sich dort der Gegner einfacherer von seinen schlechten made Hands verabschieden kann.

Für einen Check spricht, dass du so selbst nicht zu viel Geld mit einer drawing Hand in die Mitte schiebst, mit der du dann darauf angewiesen bist, den Pot ohne Showdown gewinnen zu können, sofern du keinen guten Draw triffst.

Durch einen Check kannst du außerdem deine implied Odds recht groß halten, um bei einem Hit das meiste Geld als großer Favorit hineinstellen zu können. Dieses Argument ist aber nur teilweise korrekt, denn viele Spieler kennen den schlauen Satz „Don’t go broke in an unraised pot!“ und handeln dementsprechend.

Ein Check hilft dir also nicht in jedem Fall, deine implied Odds wirklich groß zu halten, da sich eben viele Spieler nur sehr schwer in einem unraised Pot in einen übermäßig großen Pot verwickeln lassen und ihre Hand eher zurückhaltend spielen.

DOMINATED HANDS (A2-A6, K2-K9, Q2-Q9)

In dieser Range befinden sich, wie es schon der Name vermuten lässt, alle kleinen Asse, Könige und Damen, mit welchen du bei einem Toppair meist ohne Kicker dastehst und dementsprechend oftmals dominiert bist.

Diese Hände haben preflop oft eine Equityedge gegen die gegnerische Completingrange, jedoch stellen genau diese Hände auch ein Problem für dich selbst dar. Spielst du sie nun aggressiv und erhöhst preflop, so wird es dir teilweise etwas schwer fallen, ein Toppair ohne guten Kicker auf ein direktes Flop-Checkraise des Gegners zu folden. Sobald du mit diesen Händen um einen mittelgroßen Pot spielst und selbst kein Twopair+ getroffen hast, besteht immer eine große Gefahr, dass du dominiert bist und am Showdown den Kürzeren ziehen wirst.

Auf diese Hände trifft die Redensart „Small Hands, small Pots“ perfekt zu. Du solltest daher versuchen, den Pot klein zu halten und dir auch die Möglichkeit offen lassen, eventuell den Gegner zu dominieren bzw. ihn dazu zu verleiten, eine schlechtere Hand gegen dich zu valuebetten/bluffen, um so deine Hand teilweise auch als Bluffcatcher verwenden zu können.

Mit diesen Händen ist ein Preflop-Check angeraten, auf dass du nicht Gefahr läufst, plötzlich mit einer mittelmäßigen Hand um einen großen Pot zu spielen.

BLUFFINGHANDS (Bsp: T3o, 94o, 75o)

In dieser Range befinden sich so ziemlich alle Craphände, mit denen du preflop ohne große Bedenken aus jeder Position den Foldbutton anklicken kannst.

Mit diesen Händen hast du kaum Chancen, einen Showdown zu gewinnen. Du triffst zu selten Twopair- oder Toppair-Hände (welche dann auch noch halten müssen). Einen umkämpften Pot wirst du hier also kaum mit Showdown gewinnen können. In einer normalen Situation sind diese Hände ein Instafold. Ab und zu kannst du mit ihnen im Blindbattle aber auch raisen und versuchen, den Pot postflop ohne Showdown mitzunehmen. Ein Fold des Gegners ist schließlich nur möglich, wenn du aggressiv spielst.

Des Weiteren schaffst du durch diese Hände eine perfekte Balance in deiner Raisingrange zu den Valuehands. Hat dein Gegner dich schon einmal mit solch einer schlechten Hand raisen sehen, so wird es ihm etwas schwerer fallen, sein K6o zu complete/folden, da er sich durch dein Raise nicht sicher sein kann, die schlechtere Hand zu folden. Schlechte Spieler werden also dazu verleitet sein, nun mit einer weiten Range deine Preflopraises zu callen.

Und selbst wenn du am Flop mit deinen schlechten Händen nichts triffst, kannst du den Gegner mit einer Continuationbet weiter unter Druck setzen. Andererseits werden einige Gegner nun dazu verleitet sein, ihre dominierten Hände lighter herunterzucallen, was deinen Valuehands nur entgegen kommt.

Jedoch solltest du natürlich im Hinterkopf behalten, dass du diese Hände aus Balancinggründe raist, um sie dann aggressiv zu spielen. Daher solltest du nicht jede dieser Hände immer raisen, da du sonst deine gesamte Raisingrange zu sehr verschlechterst und zu oft mit solch einer Craphand dastehst.

Du hast nun gesehen, dass man alle Hände nahezu perfekt in eine dieser 4 Kategorien einstufen kann und dementsprechend auch auf einen Complete standardisiert reagieren kann. Es sei an dieser Stelle aber noch einmal darauf hingewiesen, dass man niemals immer die gleiche Aktion mit der gleichen Hand ausführen sollte. Eine gewisse Unvorhersehbarkeit sollten deine Aktionen schon beinhalten und so kannst du selbstverständlich Hände wie KQ oder AQ sehr gut preflop checken, um den postflop Gegner in eine Situation zu bringen, in der er nahezu drawing dead dasteht, selbst aber glaubt, dass er nahezu immer noch die beste Hand hält.

1/2 No-Limit Hold'em (5 handed )

BB: 200$
Hero: 200$

Preflop: Hero is BB with A , Q

3 folds
, SB Calls $1.00, Hero checks.

Flop: ($4.00) A , 7 , Q (2 players)

SB Bets $4.00
, Hero calls $4.00.

Turn: ($12) 4 (2 players)

SB Bets $10
, Hero raises to $30, SB reraises to $85, Hero reraises to 194$ (All-In), SB calls $109 (All-In)

River: ($400) T (2 players)

SB shows 74
Hero wins.

Dies ist nun ein Extrembeispiel und stellt eine Coolersituation für den Gegner dar, jedoch veranschaulicht es sehr gut die Stärke eines solchen Preflopchecks. Hättest du preflop geraist, hättest du kaum Value aus der gegnerischen Hand bekommen, da der Gegner diese sehr wahrscheinlich preflop gefoldet oder (sofern er nicht richtig schlecht spielt) sich am Flop nach einer Continuationbet davon sehr oft verabschiedet hätte.

Die Vorteile eines Preflopchecks mit starken Assen liegen natürlich auf der Hand. Hätte er hier ein schlechteres Ass gehalten, so hätten wir wohl durch unseren Preflopcheck postflop mehr Value herausholen können als im Falle eines Preflopraises. Denn ein Raise hätte dem Gegner klar gemacht, dass du hier sehr oft ein starkes Ass hältst und ihn eventuell dominierst.

Wie spielst du gegen einen Small Blind, der oft complete/ 3-bet spielt?

Der erste Schritt, um gegen einen solchen Gegner gut spielen zu können, ist es, diesen Spielzug zu erkennen. Mache dir sofort eine Note, wenn du siehst, dass der Gegner im Small Blind complete/raise spielt.

Neben der eigentlichen Information, dass er fähig ist, nach einem Complete zu reraisen, solltest du auch die Betsize und, wenn möglich, die jeweilige Hand des Gegners notieren.

Viele Spieler benutzen einen Complete/Minraise-Move als Falle, um so aus ihren starken Händen etwas Value zu bekommen und den Pot etwas zu builden. Weißt du, dass ein solcher Move also eine starke Hand anzeigt, solltest du dementsprechend ein solches Minreraise recht tight callen und darauf achten, dass du dich nicht mit potenziell dominierten Händen in einen großen Pot verwickelst.

Je größer die effektiven Stacks werden, desto lighter sollten du natürlich mit deinen drawing Hands callen, da du mit diesen nun enorme implied Odds erhältst. Der Gegner hat angezeigt, dass er eine recht starke Hand hält, und oftmals wird es ihm dann schwer fallen, diese zu folden, auch auf einem drawheavy Flop.

Aggressivere Gegner wenden solch ein Complete/Raise hingegen nur als Bluff an und raisen daher auch etwas höher, um dich so von deinen permanenten Preflopraises abzuhalten.
Hier kannst du dann natürlich dementsprechend looser deine guten Hände callen, um so einen mittelgroßen Pot bis zum Showodown zu bringen bzw. den Gegner die Möglichkeit zu lassen, postflop in dich hinein zu bluffen, da du hier nicht so stark der Gefahr der Domination ausgesetzt bist.

Sollte ein Gegner jedoch wirklich ein Complete/Raise als „Standardline“ mit einer enorm weiten Range spielen, gegen welche du postflop nur schwer spielen kannst, falls du nur eine mittelstarke Hand hältst, ist es besser, gegen diese Gegner etwas tighter zu raisen und dich so vor derartigen unangenehmen Situationen zu schützen.

Dein Ziel gegen solch tricky Spieler ist es, deine Postflopedge auszuspielen, welche du hoffentlich durch deinen Positionsvorteil hast. Es bringt dir überhaupt nicht, wenn du nun damit beginnst, gegen Complete/Raises loose zu reraisen oder dieses Raises loose zu callen, um postflop herumzumoven. Du solltest weiterhin ein solides Spiel verfolgen.

Wie spielst du postflop in einem unraised Pot?

Hast du dich preflop dazu entschieden, deine Hand, egal aus welchen Gründen, nur zu checken und dir den Flop anzusehen, gibt es einige Dinge, welche du in solch einer Situation beachten musst.

BETTE NACH EINEM GEGNERISCHEN CHECK

Checkt der Gegner nach seinem Complete zu dir, solltest du nahezu mit 100% deiner Range den Flop betten. Auf keinen Fall eine Minbet, sondern mindestens 3/4 Potsize.

Der Grund für diese Spielweise liegt auf der Hand. Bettest du ¾ Potsize, muss der Gegner nur in 43% der Fälle auf diese Bet folden, um den Einsatz in sich +EV zu machen. Oftmals wird der Gegner jedoch einen weitaus höheren Prozentsatz folden, denn sein Preflopcomplete zeigt meist eine non-paired Starthand an, welche einen Flop in nur knapp 1/3 der Fälle treffen wird.

Somit wird der Gegner in 2/3 der Fälle unimproved am Flop dastehen und oft zu einem Fold gezwungen sein. Und selbst wenn der Gegner nicht alle seine unimproved Hände check/fold spielt, hast du durch deine 100%-Flop-Bet-Strategie den Vorteil, dass du, wenn du den Flop triffst, dank deines Positionsvorteils maximal Value aus deiner Hand extrahieren kannst. Dein Gegner wird hingegen out of Position bei einem Hit am Flop und einem check/call nur schwer Value erhalten.

Gegen aggressive Spieler solltest du eher dazu geneigt sein, ihre Bets am Flop in einem unraised Pot zu callen, da diese Spieler nun oftmals versuchen werden, den Pot einzusammeln. Da du weiterhin den Positionsvorteil hast, kannst du in solchen Spots sehr gut Hände mit nur etwas Showdownvalue sehr gut in Position callen.

DON’T GO BROKE IN AN UNRAISED POT

Spielst du in einem unraised Pot, solltest du immer im Hinterkopf behalten, dass du keine große Information über die gegnerische Range hast, da du den Gegner bisher noch vor keine große Entscheidung gestellt haben. Achte aufgrund dieses Informationsmangels darauf, dass du in solchen Situationen nicht zu große Pötte spielst, denn der Gegner könnte nahezu jede Hand halten und dich dementsprechend plötzlich auf einem AJ2-Flop sowohl mit AA als auch mit J2 überraschen.

Gehe daher auch wirklich nur in den seltensten Fällen in dieser Situation für 100 BB broke, wenn du nicht die Nuts hast, da sie dann zu oft beim Gegner liegt.

Wie reagierst du auf ein Openraise des Small Blinds?

In dieser Situation stehen dir meist alle Entscheidungsmöglichkeiten offen. Eine Hand wie beispielsweise T8s kannst du in dieser Situation folden, callen oder auch raisen.
Bei 100-BB-Stacks kannst du dich auch an folgender Grundstrategie orientieren.

POCKETPAIRS

Die großen und mittelgroßen Paare (JJ+) raist du eigentlich nahezu immer for Value. Du balancet damit deine schlechteren Raisinghände und hast natürlich kein Problem, mit QQ in dieser Situation für 100 BB preflop broke zu gehen.

Mit den mittleren Paaren (66-99) solltest du eher zu einem Call tendieren. Du hältst zwar häufig noch die beste Hand, aber werden dein Reraise und dein Continuationbet am Flop gecallt, bist du meist geschlagen. Reraist du die mittleren Paare, wirst du eher kleine Pötte gewinnen und mittelgroße verlieren. Die einzige Möglichkeit, mit diesen Händen einen großen Pot zu gewinnen, liegt darin, ein Set zu treffen, was nur in einem von acht Fällen geschieht.

Da die mittleren Pocketpaare jedoch einen akzeptablen Showdownvalue besitzen, versuche lieber mit ihnen in Position günstig zum Showdown zu gelangen. Durch ein Preflopreraise minimierst du hingegen deine Gewinnchance und die Möglichkeit, günstig den Showdown zu sehen.

Bei den kleinen Paaren (22-55) verändert sich das nun wieder etwas. Mit diesen Paaren hast du kaum wirklichen Showdownvalue, sobald es postflop etwas Action gibt. Daher macht es mit ihnen nicht wirklich viel Sinn, auf diesen Showdownvalue zu spielen, um dann zu versuchen, glücklich einen kleinen Pot zu gewinnen. Hinzu kommt, dass man mit diesen Paaren postflop kaum eine Bet callen kann, da man meist mit mindestens zwei Overcards konfrontiert sein wird und weitere Bets fürchten muss. Und als drawing Hand mit nur zwei Outs kannst du leider nie callen.

Aufgrund des Gesagten ist es besser, mit den kleinen Pocketpaaren preflop zu reraisen. Das vereinfacht das Spiel und bewahrt dich vor allzu heiklen Postflopspots. Du wirst oft mittelkleine Pötte gewinnen und hältst dir durch deine 3-Bet offen, dir am Flop auch einfach eine Freecard zu nehmen.

Hinzu kommt, dass du gerade bei den kleinen Pocketpairs größere implied Odds auf ein Set hast. Triffst du ein gut verstecktes Bottomset, hat der Gegner Gelegenheit, eine gute Toppair-Hand zu treffen. Mit einem höheren Pocket Topset zu treffen, verkleinert hingegen die Chancen, dass dein Gegner eine gute Hand trifft.

Zusammenfassend kann also gesagt werden: Du solltest dazu tendieren, kleine und große Pocketpairs zu raisen, mit mittleren aber nur zu callen, um so eine gute Mischung zu erhalten und die jeweiligen Stärken der Hände bestmöglichst auszuspielen bzw. die Schwächen in Grenzen zu halten.

Selbstverständlich gilt auch hier wieder, dass du eine Hand nicht immer auf die gleiche Weise spielen solltest, schließlich willst du auch einmal mit 44 nach einem Preflopcall auf einem KJ4-Flop Bottomset treffen. Die Tendenzen sind aber klar.

NON-PAIRED HANDS

Bei den non-paired Händen gestaltet sich die Angelegenheit nicht ganz so einfach. Für nahezu jede Hand ist jede Entscheidungsmöglichkeit berechtigt. Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, jede Hand im Detail zu besprechen, da es auch immer auf den Gegnertyp ankommt.

Im Folgenden werden deshalb die Vor- und Nachteile der jeweiligen Aktion aufgeführt. Anhand der dargestellten Überlegungen kannst du dir eigene Gedanken darüber machen, welche Hände für welche Aktion besser geeignet sind. Hier können die Handkategorien, welche zuvor für ein normales Raise nach einem Complete des Small Blinds aufgestellt wurden, sehr hilfreich sein.

Fold

Durch einen Fold verfolgst du klar das Ziel, nicht zu viel Geld in Spots zu verlieren, in denen deine Hand meist nur ein mittleres Paar treffen kann und somit keiner großen Gegenwehr standhalten kann. Spielst du hierzu noch gegen einen recht soliden Spieler, so ist ein Fold oftmals die beste Alternative, um sich aus genau diesen Situationen herauszuhalten.

Preflopfolds auf Small-Blind-Openraises sind auch sehr wichtig, da du dem Gegner durch deine Folds zeigst, dass er deinen Blind durchaus stehlen kann. So animierst du ihn zu lighteren Openraises. Spielst du any two aus dem Big Blind nach einem Raise, wirst du auf lange Sicht sehr oft mit einer hohen gegnerischen Aggression konfrontiert werden, da der Gegner (durchaus korrekt) annehmen wird, dass in deiner Range viele schlechte Hände enthalten sind.

Raise (3-Bet)

Ein Raise hat wie immer den Vorteil, dass du den Gegner so unter Druck setzen kannst und somit immer etwas Foldequity auf deiner Seite hast. Durch ein Raise kriegst du auch oft Hände mit guter Equity aber schlechter Playability (reverse implied Odds) wie kleine Asse oder Könige zum Folden. Diese Hände sind für den Gegner postflop out of Position kaum profitabel zu spielen, weshalb er sie häufig folden muss.

Er befindet sich durch dein Raise in einer sehr verzwickten Lage. Entweder foldet er zu viele Hände, welche gegen deine Raisingrange genügend Equity aufweisen, oder er callt zu oft deine 3-Bets und begibt sich dadurch mit tendenziell schlecht spielbaren Händen out of Position in einen mittelgroßen Pot.

Neben normalen Valuehands sind gute drawing Hände daher sehr gute Kandidaten, um preflop auf ein Raise zu 3-betten und den Gegner in diese verzwickte Lage zu bringen.
Durch ein Raise erlangst du jedoch nicht nur preflop eine hohe Foldequity. Du hast auch weiterhin den Vorteil, deinen Positionsvorteil postflop in einem etwas größeren Pot perfekt auszuspielen und so die Potsize immer zu deinen Gunsten manipulieren zu können.

Ein erheblicher Nachteil, den ein Raise natürlich mit sich bringt, ist, dass du dem Gegner die Option für eine 4-Bet gibst. Dadurch gibst du deinen Positionsvorteil nahezu auf, da du dich nun nach einer gegnerischen 4-Bet zur Hand committen musst, wenn du diese weiterspielen willst. In diesem Fall ist die relative Position nicht mehr so wichtig.

Außerdem solltest du die erhöhte Potsize nicht nur als Vorteil betrachten, denn teilweise bewegst du dich nun mit mittelstarken Händen auf sehr dünnem Eis. Mit diesen Händen solltest du eigentlich darauf achten, eher kleinere Pötte zu spielen. Da du nun jedoch den Pot schon etwas größer gemacht hast, stehen dem Gegner selbst nach einem Checkbehind am Flop deinerseits immer noch zwei Straßen zur Verfügung, um einen erheblichen Anteil seines Stacks in die Mitte zu schieben und dich so zu schwierigen Entscheidungen zu zwingen.

Call

Der größte Vorteil eines Calls liegt natürlich sofort auf der Hand. Du bist in der Lage deine Hände postflop in Position zu spielen und kannst diese Hände nun vollständig auf ihre Implied Odds spielen. Im Vergleich zu einem unraised Pot hast du hier nicht das Problem der mickrigen Potsize und bist daher in der Lage, sehr gut nach einem Preflopcall um mittelgroße und große Pötte zu spielen. Durch einen Call hast du außerdem die große Möglichkeit, gerade aggressive Gegner zu trappen. Diese könnten deinen Call als direkte Schwäche auslegen und nun versuchen, dich aus der Hand herauszubluffen oder sehr, sehr dünne Valuebets mit Toppair / no Kicker am River anzusetzen.

Außerdem steht dir natürlich nach einem Preflopcall jede Option zur Verfügung. Du kannst dich postflop noch recht leicht von der Hand trennen oder den Gegner sehr oft am Flop bluffraisen bzw. am Turn mit einigen Outs floaten, um ihm eventuell auch am River noch einen kleinen Beat zu verpassen.

Der Nachteil eines Calls liegt jedoch auch auf der Hand. Hände, welche preflop sehr wahrscheinlich eine Equityedge gegen die gegnerische Range hatten, werden nicht vollständig ausgenutzt und man begibt sich in die Gefahr, ausgefloppt zu werden. Durch das vermehrte Postflopspiel in mittleren Pötten bist du außerdem häufiger zu schwierigen Entscheidungen gezwungen, was gerade bei nicht ganz so sicheren Postflopspielern nach hinten losgehen kann.

Je nach der eigenen Skilleinschätzung sollte man hier seine Aktionen wählen. Ist man postflop noch nicht so sicher, sollte man eher auf einige Preflopcalls verzichten. Spielt man in 3-Bet-Pots noch nicht sicher und ist durch die erhöhte Potsize in seinen Entscheidungen unsicher, sollte man sich dementsprechend etwas mehr mit dem 3-Betten zurückhalten.

Dies war jedoch noch nicht alles zu den non-paired Händen. Als Abschluss dieses Abschnittes erhältst du noch einige Anregungen zu den schwierigsten Händen, zu denen viele Asse wie auch Könige gehören. Vielleicht wirst du jetzt denken: „AK, AQ, A7 oder KQ, K6 sind doch keine Problemhand!“, aber dem ist nicht so.

Viele spielen diese Hände recht straightforward, indem sie gerade die schwachen Asse und Könige teilweise callen bzw. folden und mit den starken meist 3-betten. Dies ist sicher nicht schlecht, aber man sollte sich auch die etwas andere Spielweise anschauen, welche für viele bisher noch nicht wirklich vorstellbar war.

Mit diesen Händen muss man nicht immer einfach nur preflop 3-betten, um dort direkt den Pot mitzunehmen oder dann nach einem gegnerischen Call zu hoffen, den Pot durch eine Continuationbet zu gewinnen oder mit einem Hit einen mittleren Pot am Showdown zu gewinnen.

Gerade die großen Asse und Könige sind dazu prädestiniert, ein Openraise des Small Blind nur zu callen und die Hand dann postflop in Position zu spielen. Callt man solche Hände, so schafft man sich eine sehr gute Situation, in der man dem Gegner eine Menge Chips abnehmen kann und in der man recht weit vorne ist. Triffst du hier den Flop und gibt dir der Gegner Action, wirst du ihn oftmals dominieren, was er jedoch nicht von dir erwarten wird. Gerade schlechte Spieler schenken dieser Möglichkeit der Domination zu wenig Aufmerksamkeit, da sie davon ausgehen, dass du als solider TAG AK, AQ oder KQ einfach preflop raisen musst.

Hier kannst du sehr gut Extravalue durch die call Flop / raise Turn oder call Flop / call Turn / call River bzw. call Flop / call Turn / minraise River einsammeln, da der Gegner oft versuchen wird, dich entweder rauszubluffen, oder weil sein eigenes Paar recht dünn valuebettet.

Hier sollte natürlich klar sein, dass AK, AQ, AJ, KQ dazu besser geeignet sind als A5, K8 oder QT. Mit letzteren Händen hast du bei einem Call oft das Problem, selbst dominiert zu sein. Und selbst wenn du es nicht bist, hat der Gegner einen derart kleinen Kicker, dass er entweder passiver spielt oder die Hand am Showdown auf einen Splitpot hinausläuft.

Besonders die kleinen und mittleren Asse haben es hier in sich, da sie teilweise zu stark sind, um zu folden, etwas zu schwach sind, um zu 3-betten und bei einem Call dazu tendieren, nur kleine Pötte zu gewinnen und die wichtigen großen zu verlieren. Diese Hände muss man daher dem Gegner entsprechend spielen und somit ist hier eine Aussage wie, „Man sollte sie immer folden, da man einfach nur Probleme bekommt“ suboptimal und nicht angebracht.

Später wird der Artikel noch näher auf gegnerspezifische Spielweisen eingehen und zeigen, woran die Stärken dieser Hand liegen und wie du ihre Spielweise an verschiedene Spielweisen anpasst.

Welche Rolle spielt die gegnerische Raisegröße?

Was bisher vernachlässigt wurde und noch untersucht werden muss, ist die Größe des Preflopraises und inwiefern diese einen Einfluss auf deine Entscheidung hat. Im Grunde musst du hier zwei Aspekte beachten, welche im Zusammenspiel stehen. Die Raisegröße des Gegners und die effektiven Stacks. Du musst immer das Verhältnis dieser beiden Komponenten im Blick haben. Du kannst also nicht sagen, dass du immer ein Minraise callst, ohne über die genauen Stacksizes Bescheid zu wissen.

Im Folgenden erhältst du einige Anpassungsvorschläge für verschiedene Vorschläge bei einem effektiven Stack von 100 BB. Anschließend wird darauf eingegangen, welche Modifikationen du vornehmen musst, wenn die Stackgrößen davon abweichen.

DER GEGNER RAIST ZWISCHEN 2,5 BB UND 5 BB

Hier kann man im Grunde zwei schlaue Sätze formulieren.

Je besser du deine Hand postflop durch deinen Positionsvorteil spielen kannst, desto eher solltest du das Raise nur callen.

Dieser Satz ist recht selbsterklärend. Auf eine kleine Bet kannst du natürlich vermehrt Hände postflop profitabel spielen und bist daher auch eher dazu geneigt, eine etwas schwache Hand dennoch zu callen, anstatt zu folden, da du immer noch genügend große Reststacks hast, um bei einem sehr guten Hit Value aus der Hand herausholen zu können. Je größer die Betsize ist, desto kleiner sind deine implied Odds und desto besser sollte daher auch die Playabilty der Hand sein, um einen Call zu rechtfertigen.

Je größer das gegnerische Raise ist, desto eher solltest du dazu geneigt sein, zu 3-betten.

Dieser Satz benötigt nun wohl eine etwas genauere Erläuterung, da er wohl nicht direkt schlüssig klingt. Dieser Satz beruht auf zwei grundlegende Ideen. Auf der einen Seite benötigst du bei einer größeren Raisesize des Gegners bei einem Bluffraise weniger Foldequity, da du nun mehr dead Money im Pot hast.

Hinzu kommt, dass du natürlich bei einer 3-Bet gezwungen bist, eine etwas höhere Betsize zu wählen, da du nicht 2.5 BB und 5 BB Openraises gleich hoch 3-betten kannst. Durch deinen Willen, mehr Geld preflop in deine Hand zu investieren, wirkst du auf den Gegner natürlich extrem stark und du veranlasst ihn, sich dafür zu entscheiden, ob er wirklich um seinen gesamten Stack spielen möchte oder nicht.

Die zweite Idee, welche eine 3-Bet bei erhöhter Betsize des Gegners favorisiert, ist, dass du deinem Gegner nicht erlauben solltest, sich durch eine Mehrinvestition von nur einem Big Blind die Möglichkeit zu erkaufen, nahezu jeden Flop sehen und dich dadurch in die passive Rolle zu drängen.

DER GEGNER MINRAIST AUF 2 BB

Die allseits beliebten Minraises sind hier etwas isoliert zu betrachten, da sie doch wieder etwas sehr Spezielles sind und man sich hier wieder gegnerspezifisch anpassen sollte.
Viele Spieler (ob dies nun gute oder schlechte Spieler sind, ist hier nebensächlich) verfolgen verschiedene Ziele mit einem Minraise.

Ein Ziel kann sein, sich durch ein solches Minraise billig den Flop anzusehen und gegen eine recht schwache Range zu spielen, da du prinzipiell any two auf ein Minraise callen kannst.
Ein weiteres Ziel kann sein, ähnlich das eines Complete/Raises, dich zu einer 3-Bet zu verführen, über welche der Gegner wiederum selbst noch einmal reraisen kann, um dich so richtig unter Druck zu setzen.

Dies sind die Ziele, welche preflop verfolgt werden können und deren Gelingen du verhindern willst. Daher solltest du gegen einen besonders tricky Gegner nicht unbedingt sehr loose 3-betten, wenn du dann zu oft gezwungen wirst, auf eine 4-Bet zu folden.
Foldet der Gegner jedoch selbst häufig auf eine 3-Bet bzw. callt er diese nur, kannst du deine guten Hände natürlich for Value 3-betten.

Neben den Prefloptendenzen solltest du auch etwas auf das Postflopspiel des Gegners achten. Es gibt einige tendenziell schlechtere Spieler, welche dazu neigen, aus dem Small Blind nur zu minraisen und eine 3-Bet immer zu callen, um dann am Flop sehr light zu callen.

Spielst du gegen solch einen Gegner, solltest du auf keinen Fall in eine besondere Form von Tilt verfallen und versuchen, diesen Gegner permanent aus dem Pot zu drängen. Es wäre hier einfach ein Fehler, mit mittelstarken und schwachen Händen den Pot schon preflop groß zu machen, wenn du es postflop nicht schaffen wirst, den Gegner von seinem Bottompair herunterzubekommen. Hier gilt es, solides Value-ABC-Poker zu spielen und sich lieber einen billigen Flop anzuschauen, um dann bei einem eigenen Hit recht dünn zu valuebetten.

Denke also immer daran, dass du zu einem grundsoliden Spiel finden solltest, sobald der Gegner tricky spielt oder sich nicht von seinen schlechten Paaren trennen kann, und dass du preflop noch callen solltest, um dann postflop deinen Positionsvorteil auszunutzen und die Potsize zu deinem Gunsten zu manipulieren.

Wie passt du dich an unterschiedliche Stacksizes an?

Viele Spieler vergessen, ihr Spiel eventuell an unterschiedliche Stacksizekonstellationen anzupassen. Mit diesen Anpassungen beschäftigt sich der folgende Abschnitt.

Im Grunde gibt es zwei unterschiedliche Situationen, an die du dich anpassen musst, wenn du von einer Standardstacksize von 100 BB ausgehst. Einerseits sind das Stacks, die viel größer als 100 Big Blinds sind, und andererseits Stack von weit weniger als 100 Big Blinds.

Die Stacks sind erheblich größer als 120 Big Blinds

Je größer die Reststacks postflop sind, desto größeren Profit kannst du durch deinen Positionsvorteil dort einfahren. Du kannst deinen Gegner zu immer teureren Fehlern verleiten. Diesen Vorteil kannst du bestmöglich durch vermehrtes Postflopspiel ausnutzen. Wichtig ist, dass man jedoch immer schauen sollte, dass man einen akzeptabel großen Pot spielen kann.

Es hilft dir also nichts, in einem unraised Pot 170 BB deep zu sein, wenn du niemals die Optionen zur Verfügung hast, diese 170 BB in einer für dich vorteilhaften Situation in die Mitte zu schieben. Du solltest darauf bedacht sein, bei solch deepen Stacks dem Gegner immer die Gefahr vor Augen zu halten, dass er sich mit jeder Aktion eventuell um seinen gesamten Stack bringen wird.

Genaue Spielweisen können hier nicht aufgezeigt werden. Sie dir im Klaren, dass im Deepstack-Spiel deine Postflopskills vermehrt zum Tagen kommen. Du solltest wissen, wie man die verschiedenen Boardtexturen richtig einschätzt, wann man wie for Potcontrol spielen sollte und wann man wie protectet. Du solltest gute Bluffingspots erkennen, dir über eure eigene Betsize im Klaren sein und immer überprüfen, ob du profitabel valuebetten kannst.

Die Stacks sind erheblich kleiner als 100 Big Blinds

Spielst du gegen einen Spieler mit einem Stack von 95 BB oder 80 BB, so wird sich dein Spiel kaum verändern, da diese Abweichung minimal ist. Spielst du jedoch nun gegen jemanden mit 50 BB oder gar mit 25BB und weniger, so wird es schon interessanter und wichtiger, wie du dich diesen Umständen anpasst.

Bewegt sich der gegnerische Stack um 50 BB herum, solltest du darauf bedacht sein, besonders preflop nicht übermäßig light zu 3-betten, da der gegnerische Stack nun perfekt für ein Restealpush geeignet ist, den du nur noch mit deinen richtig starken Händen callen kannst. Und da du gerade gegen diese Spieler deinen postflop Positionsvorteil ausspielen kannst, solltest du daher auch darauf achten, dich nicht preflop so einfach aus der Hand herausdrängen zu lassen.

Aber warum kannst du bei diesen Stacksizes den Positionsvorteil so gut ausnutzen? Das liegt besonders daran, dass du mit den meisten Händen nur One-Pair-Hände treffen wirst und daher nicht darauf aus bist, einen großen Pot zu spielen. Ein Stack um die 50BB ist daher recht gut, um seine One-Pair-Hände for Potcontrol zu spielen und hier einen mittleren Pot am Showdown zu gewinnen. Umso größer der Stack wird, desto eher musst du darauf achten, dass du dem Gegner keine Möglichkeit gibst, dich von deiner Hand zu raisen. Du kannst daher nicht immer die aggressivste Line wählen. Werden die Stacks dann jedoch erheblich kleiner als 50 BB, hast du kein allzu großes Problem mehr, mit nur einem Pair broke zu gehen.

Hinzu kommt, dass du bei diesen Stacks teilweise gute Spots finden wirst, um den Turn zu floaten oder einen Semibluff anzubringen. Du erzeugst damit meist eine enorme Foldequity, da es für den Gegner nach deinem Spielzug direkt um seinen gesamten Stack geht, unabhängig davon ob du dieses Ziel mit deinem Turnfloat überhaupt verfolgst.

Spielst du nun gegen einen richtigen Shortstack, erreichst du recht bald einen Punkt, an dem du selbst schon preflop mit recht marginalen Händen broke gehen kannst. Hier gilt es natürlich, so viele Informationen über den Shortstack zu sammeln wie nur möglich. Ist der Shortstack nur ein „Fisch“, der sein letztes Geld verzockt, solltest du die konservativere Line wählen und versuchen, postflop gegen ihn spielen zu können. Spielst du hingegen gegen einen „professionellen“ Shortstack, wirst du schon mit etwas mehr Problemen konfrontiert. Denn nun hast du keine andere Wahl, als selbst auch eine möglichst optimale Shortstackstrategie zu verfolgen. Dir als Big Stacks wird das nicht unbedingt sehr leicht fallen, da du hierfür mit den Pushingranges gut vertraut sein musst.

Ein guter Shortstack hat zwei verschiedene Preflop-Spielzüge in seinem Inventar: Er pusht direkt in dich hinein oder er raist einen normalen Betrag, um deinen Blind anzugreifen.

DER GEGNER PUSHT DIREKT IN DICH HINEIN

Nach einem gegnerischen Push hast du nur noch zwei Möglichkeiten. Du kannst callen oder folden. Mehr bleibt dir nicht. Abhängig von deiner Annahme über die gegnerische Pushingrange kannst du nun versuchen herauszufinden, ob du einen +EV-Call hast.

Das Problem liegt natürlich darin, eine möglichst passende Annahme über die gegnerische Pushingrange zu machen. Pusht der Gegner hier immer oder wird er auch ab und an normal raisen? Wie weit verändert sich seine Pushingrange durch seinen jetzigen Stack?

Mit der Annahme über die gegnerische Range steht und fällt deine Entscheidung. Gut, wenn du AA hast, ist dir die gegnerische Range nicht so wichtig, jedoch hältst du leider nicht immer AA.

Kannst du eine Annahme über die gegnerische Pushingrange machen, musst du folgende Schritte durchführen, um herauszufinden ob du einen +EV-Call hast oder nicht.

  • Stacksize des Gegners bestimmen (Angabe in Big Blinds)
  • Deine Equity mit deiner jetzigen Hand mit Hilfe des Equilators bestimmen
  • Diese beiden Werte in die unten stehende EV-Formel einsetzen und das Ergebnis berechnen.

S : Stacksize des Gegners in BB
E : Equity deiner Hand vs. gegnerische Pushingrange

EV = E * (S+1) – [(1-E) * (S-1)]

Erhältst du einen positiven Wert, solltest du callen. Bei einem negativen Ergebnis ist ein Fold angeraten.

Beispiel

Annahme über gegnerische Pushingrange: 22+, A8o+, A5s+, KT+, QT+

1/2 No-Limit Hold'em (5 handed )

BB: 30$
Hero: 200$

Preflop: Hero is BB with A , 9

3 folds
, SB raises to $30 (All-In), Hero ???

Deine Equity beläuft sich auf 44,39%.
Sein Stack ist 15 BB groß.

Somit ergibt sich folgendes Ergebnis:

E = 0,4439
S = 15

EV = E * (S+1) – [(1-E) * (S-1)]
EV = 0,4439 * (15+1) – [(1- 0,4439) * (15-1)]
EV = 7,1024 – 7,7854


EV =
-0,683

Ein Call ist bei diesen Annahmen also –EV und daher solltest du folden.

Mit dieser Methode kannst du zumindest im Nachhinein herausbekommen, ob du einen +EV-Call hattest oder nicht. Am Tisch sind solche Berechnungen leider nicht durchführbar.

Was du jedoch vorbereiten kannst, um gegen Shortstacks +EV callen zu können, die nach den Sklansky-Chubukov-Zahlen pushen, ist eine Tabelle, in der du die jeweils benötigte Callingrange verzeichnet hast. Das bringt natürlich nur etwas, wenn der Gegner immer strikt nach dem Sklansky-Chubukov-Chart pusht. Mit etwas Fleiß und dem Equilator sollte so eine Übersicht realisierbar sein.

Für weitere Informationen zum Thema siehe auch folgenden Artikel: Sklansky-Chubukov-Zahlen und Preflop-Pushes

DER GEGNER RAIST EINEN NORMALEN BETRAG, UM DEINEN BLIND ZU STEALEN

In diesem Fall kannst du nicht nur entscheiden, ob du callst oder foldest. Dir steht nun auch die Option eines Reraises zur Verfügung. Wichtig bei einem Reraise ist natürlich, dass du dich dadurch zum Pot committest und somit auch immer alle 5 Karten sehen willst. Du solltest daher bei einem Shortstack immer direkt pushen, da du nach einem Raise deinerseits einen gegnerischen Push sowieso callen müssten.

Fall 1: Du entscheidest dich für einen Resteal

In dieser Situation ist es sehr wichtig, zu wissen, wie der Shortstack spielt. Wird der Shortstack auf dein Reraise auch einmal folden oder hat er sich mit seinem Openraise schon darauf festgelegt, preflop broke zu gehen? Das einzuschätzen, ist ungemein wichtig. Hast du Foldequity oder musst du dich allein auf die Stärke deiner Hand verlassen?

Gehst du davon aus, mit deinem Push keine Foldequity zu erzeugen, solltest du ungefähr die gegnerische Range abschätzen können und ähnlich wie zuvor deinen EV berechnen.

S: Stacksize des Shortstacks (Angabe in BB)
E: deine Equity mit deiner Hand vs. Gegnerischen Range

EV = E * (S+1) – [(1-E) * (S-1)]

Denkst du jedoch, dass du durch deinen Push noch etwas Foldequity erzeugen kannst, hast du einige Schritte mehr zu tätigen, um den endgültigen EV deines Pushes zu berechnen.
Zu Beginn musst du natürlich wieder eine Vermutung über die gegnerische Callingrange anstellen, um dann deine Equity gegen diese mit Hilfe des Equilators zu berechnen.

Hast du dies getan, kannst du anhand der unten stehenden Ungleichung die benötigte Foldequity berechnen.

R : Openraisebetsize des Gegners (Angabe in BB)
S : Stack des Shortstacks (Angabe in BB)
E : Deine Equity mit deiner Hand vs. gegnerische Callingrange

0 < f * (r+1) + (1-f) * [E * (S+1) – (1-E) * (S-1)]

Anhand dieses Wertes und deiner Annahme über die gegnerische Callingrange kannst du nun berechnen, mit welcher Range der Gegner mindestens openraisen müsste, so dass er noch genügend Hände auf deinen Push weglegt und somit deinen Push +EV macht.

Beispiel

Annahme über gegnerische Callingrange: 22+, A8o+, A5s+, KT+, QT+ (20,06%)

SB: 30$
Hero: 200$

1/2 No-Limit Hold'em (5 handed )

Preflop: Hero is BB with A , 9

3 folds
, SB raises to $6, Hero reraises to $30

Deine Equity beläuft sich auf 44,39%.
Sein Stack ist 15BB groß.

E = 0,4439
S = 15

0 < f * (r+1) + (1-f) * [E * (S+1) – (1-E) * (S-1)]
0 < f * (3+1) + (1-f) * [0,4439 * (15+1) – (1- 0,4439) * (15-1)]
0 < 4f + (1-f) * [7,1024 – 7,7854]
0 < 4f + (1-f) * (-0,683)
0 < 4f –0,683 + 0,683f
4,683f > 0,683
f > 0,1458

f > 14,58%

Nun kannst du berechnen wie groß seine Openraisingrange oH sein muss.

oH = 0.2006 / (1 – 0.1458) = 0.2348

oH = 23.48%

Das entspricht einer Openraisingrange von 22+, A5o+, A2s+, KT+, QT+ und bedeutet somit, dass der Gegner auf deinen Push A5o-A7o und A2s-A4s foldet.

Sobald er in dieser Situation mit einer größeren Range openraist und dennoch nur mit der angenommenen Callingrange deinen Push callt, hast du hier einen +EV-Push.

Das klingt sehr mathematisch, aber genau solche Grundkenntnisse werden dir sehr behilflich sein, wenn du versuchst, dein Spiel abseits des Tisches zu analysieren und eventuell bemerkst, dass du entweder zu tight oder zu loose in solchen Situationen agierst. Durch diese Analysen kannst du auch dein eigenes Gefühl über deine Ranges überprüfen bzw. verstärken, um in solchen Situationen vermehrt die richtigen Entscheidungen treffen zu können.

Unter folgendem Link findest du eine Excel-Datei mit Tabellen, die dir diese Berechnungen abnehmen: Excel-Tabellen zum Spiel gegen Shortstacks und aggressive 4-Better

Was man unbedingt nicht vergessen sollte, ist die Möglichkeit, dass ein Gegner seine schwachen Hände nach den Sklansky-Chubukov-Zahlen first in pusht und seine sehr starken Hände normal openraist, um dich so zu einem Push zu treiben. Bei solch einer gegnerischen Spielweise ist die Openraisingrange sehr tight und du wirst bei einem Push auch keine Foldequity erzeugen können. Ist dir diese gegnerische Strategie bekannt, solltest du dementsprechend tight auf sein Openraise pushen!

Fall 2: Du callst preflop und schaust dir den Flop an

Neben der Möglichkeit eines Resteals steht dir noch die Option eines einfachen Flatcalls offen, um dir so einen Flop anzuschauen und postflop in Position spielen zu können. Hierfür gibt es keine Möglichkeit, mathematische Formeln und Gleichungen aufzustellen.
Folgende Dinge müssen dir bei dieser Spielweise bewusst sein.

  • Je kleiner der effektive Stack, desto wertloser ist postflop dein Positionsvorteil

    Bei kleinen Stacks committest du dich meist mit nur einer Bet sofort zum Pot, wie auch der Gegner, und somit stehen dir hier weniger Spielmöglichkeiten zur Verfügung. Du kannst bei diesen kleinen Stacks also weder floaten noch bluffraisen, da du im Grunde keine Foldequity durch deinen Move erzeugen kannst.
    Hinzu kommt, dass Potcontrol bei solch kleinen Stacks vollständig in den Hintergrund rückt. Den größten Vorteil, welchen du durch deine bessere Position haben kannst, benötigst du also nicht mehr, da du bei einem Hit meist nur noch entscheidest, ob du broke gehst oder nicht.

  • Der Gegner kann am Flop vor dir agieren

    Dies ist bei großen Stacksizes ein Vorteil für dich, da du so etwas Informationen über die gegnerische Handstärke erlangst. Bei kleinen Stacks ist es jedoch ein Nachteil, denn der Gegner benötigt hier nun nicht zwingend eine Hand, um eine Continuationbet anzubringen. Du benötigst jedoch eine, um auf diese Bet aggressiv reagieren zu können. In diesen Situationen ist es oft der Falln, dass derjenige, der zuerst eine Bet abfeuert, den Pot einsammelt, wenn beide Gegner den Flop verfehlt haben. Somit hat der Gegner nun einen Vorteil, da er immer die Möglichkeit hat, als Erster zu setzen.

  • Je besser der Shortstack spielt, desto eher kennt er die oberen Punkte

    Spielst du gegen einen schlechten und postflop passiv agierenden Spieler, kann ein Preflopcall durchaus sehr gut sein, da du gegen solche Gegner postflop sehr gut den Pot noch ohne Showdown gewinnen kannst. Umso besser der Shortsack jedoch ist, desto eher weiß er, dass er nun einige Vorteile auf seiner Seite hat und wird diese auch vermehrt ausspielen. Bei einem guten Spieler kannst du nicht davon ausgehen, dass er sich von einer Hand postflop trennt, zu der er sich durch eine Continuationbet committet hat. Dies ist jedoch bei schlechten Spielern durchaus der Fall.

Achte darauf, dass du weißt, auf was du dich durch einen Preflopcall einlässt, und wähle dementsprechend deine Hände aus. Du benötigst für einen solchen Call Hände, welche Showdownvalue erlangen können, und solltest daher z.B. darauf verzichten, kleine suited Connectors auf deine nicht vorhandenen implied Odds zu callen.

Wie spielst du gegen einen Gegner, der deine 3-Bets sehr oft 4-bettet

Hier kommt es direkt auf die Größe der gegnerischen 4-Bet an. Committet der Gegner sich damit oder macht er kleine 4-Bets, mit denen er dich zwar gut unter Druck setzen kann, jedoch sich selbst die Möglichkeit offen lässt, noch zu folden?

Spielst du gegen einen preflop aggressiven Gegner, dann halte dich gerade mit deinen drawing Hands etwas mehr zurück und 3-bette diese nicht mehr so häufig. Hier verschiebt sich nun insgesamt deine Range etwas, um dieser Situation wiederum gerecht zu werden, da du dich nun aktiv dieser Aggression anpassen musst.

Deine Anpassung kann über zwei Wege ablaufen:

  • Du 3-bettest insgesamt weniger, so dass du bei einer 4-Bet locker for Value 5-betten kannst.
  • Du 3-bettest weiterhin in deinem gewohnten Maß, jedoch mit einer etwas anderen Range, so dass du oft genug 5-Bet-Bluffraises einstreuen kannst.

Prinzipiell kann man auch hier beide Wege kombinieren und weniger 3-betten, dafür dann aber bei einer 4-Bet öfter bluff-5-betten.

Für die erste Anpassung nimmt man einfach die drawing Hände vermehrt aus der eigenen 3-Bettingrange heraus und schon 3-bettet man automatisch weniger. Diese Anpassung solltest du gerade gegen Gegner anwenden, welche sich durch ihre 4-Bet committen bzw. direkt als 4-Bet All-In pushen.

Nur wie veränderst deine Range im Sinne der zweiten genannten Anpassung? Hier musst du dir nur Gedanken machen, mit was für Händen du denn nun als 5-Bet bluffen willst. Dies sind natürlich Hände, die eine recht gute Equity gegen die gegnerische Callingrange haben, so dass du nicht direkt mit 72o bei einem gegnerischen Call auf richtig verlorenem Posten stehst. Hier gilt es also, deine Problemhände, mittlere und kleinen Asse (in besonderem Maße die suited Asse), zu 3-betten, da du diese dann auch als Bluff pushen kannst.

Eine solche Hand könnte dann wie folgt aussehen.

1/2 No-Limit Hold'em (5 handed )

SB: 215$, 4-bettet dich recht häufig im Blindbattle
Hero: 200$

Preflop: Hero is BB with A , 4

3 folds
, SB raises to $7, Hero reraises to $24, SB reraises to 56$, Hero reraises to 200$ (All-In)

An dieser sei auf zwei Artikel im Rahmen der Erweiterten Lehrmaterialien zum Thema 4-Bet-Bluffs verwiesen, in denen der Leiter des No-Limit-Fachbereichs von PokerStrategy Jan Samuelsen die Thematik weitreichend analysiert hat:

Lighte 4-Bets Teil 1
Lighte 4-Bets Teil 2

In obiger Hand kann man gut sehen, inwiefern die Mathematik hier anwendbar ist, um herauszufinden, ob der (Semi-)Bluff-Push +EV ist.

Zur folgenden Berechnung muss noch erwähnt werden, dass darin nicht berücksichtigt ist, dass vermehrte Bluffs auch zu einem besseren Payout für deine Monster führen. Ist dein Bluff also +EV oder leicht break even, kannst du dir sicher noch einiges an Profit versprechen durch die nun gewonnene Action, welche du auf deine Monster bekommen wirst.

Am Beginn der Berechnung stehen Annahmen über die gegnerische Callingrange. Im Beispiel gehen wir einmal von drei verschiedenen Gegnertypen aus, welche deinen Push jeweils mit einer unterschiedlichen Range callen würden.

  • Gegner 1: QQ+, AK (2.6%)
  • Gegner 2: TT+, AK (3.5%)
  • Gegner 3: TT+, AQ+ (4.7%)

Deine Equity steht bei den 3 Gegnern jeweils bei:

  • vs. Gegner 1: 29.7%
  • vs. Gegner 2: 30.7%
  • vs. Gegner 3: 30.7%

Es sind kaum Unterschiede in den Equities zu sehen und man könnte davon ausgehen, dass die Callingrange des Gegners kaum interessiert. Dies ist zwar so gesehen korrekt, jedoch wirst du noch sehen, dass die Callingranges doch einen großen Einfluss darauf hat, ob du +EV bluffpushen können oder nicht.

Im nächsten Schritt gilt es, herauszufinden, wie hoch deine Foldequity sein muss, um einen Push zu rechtfertigen. Bist du mit solchen Berechnungen etwas vertraut, kannst du dir schon denken, dass deine benötigte Foldequity gegen die drei verschiedenen Gegner beinahe identisch ist.


Foldequity für Gegner 1:

0 < f *(24+56) + (1-f) * (0.297 * (200+24) – (1-0.297) * (200-24))
0 < 80*f + (1-f) * (66,528 – 123,728)
0 < 80 * f + (1-f) * (-57,2)
0 < 80f –57,2 + 57,2f
137,2f > 57,2
f > 0,4169

f > 41,69%


Foldequity für Gegner 2 und 3:

0 < f*(24+56) + (1-f) * ( 0,307 * (200+24) – (1-0,307) * 200-24))
0 < 80f + (1-f) * (68,768 – 121,968)
0 < 80f + (1-f) * (-53,2)
0 < 80f – 53,2 + 53,2f
133,2f > 53,2
f > 0,3993

f > 39,93%


Anhand dieser Foldequitywerte kannst du nun die gegnerische Mindest-4-Bettingrange berechnen, so dass dein 5-Bet Bluffpush +EV ist.

Hierfür benötigst du nur eine kleine Dreisatzrechnung aus der 4. Schulklasse.

Gegner 1:

4-Bet-Range = 0,026 / (1- 0,4169) = 0,0445 = 4,45% (Range: TT+, AQ+)

Gegner 2:
4-Bet-Range = 0,035 / (1- 0,3993) = 0,0582 = 5,82% (Range: 88+, AQo+, AJs+)

Gegner 3:
4-Bet-Range = 0,047 / (1- 0,3993) = 0,0782 = 7,82% (Range: 77+, Ajo+, ATs+, KQs)

Anhand dieser kleinen Berechnungen kannst du die Mindestranges feststellen, mit denen dich der jeweilige Gegner mindestens 4-betten muss, um deinen Push +EV werden zu lassen. Umso weiter ihre 4-Bettingrange von der minimal erforderlichen entfernt ist, desto profitabler wird natürlich auch dein Push.

Unter folgendem Link findest du eine Excel-Datei mit Tabellen, die dir diese Berechnungen abnehmen: Excel-Tabellen zum Spiel gegen Shortstacks und aggressive 4-Better

Soweit zum Thema 5-Bets als Bluffs. An dieser Stelle ist deine Anpassung der Range aber noch nicht ganz fertig. Durch die neugewonnen Aktion bzw. die schwächere Pushcallingrange des Gegners, bist du nun auch in der Lage, etwas dünnere Valuepushes vorzunehmen.

Deine Valuepushrange wird hier also nun nicht mehr nur QQ+, AK enthalten. Da du besonders deine kleinen suited Asse als Bluffs pusht, wird der Gegner nun auch oft verleitet, sein AQ oder sogar AJ zu callen. Du solltest also bei deinen Anforderungen an die Pocketpairs etwas heruntergehen, da gerade diese bei einer solch verschobenen gegnerischen Callingrange enorm profitieren.
Als Beweis folgende Tabelle, welche die Equity verschiedener Ranges anzeigt. Als Referenzpocketpair dient 88.

Equity von 88 gegen verschiedene Ranges

Gegnerische Range
Deine Equity
QQ+, AK 35,85%
QQ+, AQ+ 41,83%
QQ+, AJ+ 44,96%
JJ+, AK 33,27%
JJ+, AQ+ 39,36%
JJ+, AJ+ 42,77%
TT+, AK 31,34%
TT+, AQ+ 37,33%
TT+, AJ+ 40,89%

Du gewinnst mit deinen Pocketpairs also bis zu 9% an Equity. Das ist ein enormer Zuwachs. In der oberen Situation würdest du 44% Equity benötigen, um for Value zu pushen, falls die gegnerische Callingrange identisch mit der 4-Bettingrange wäre. Da der Gegner jedoch in dieser Situation nicht so tight 4-betten wird und du somit Foldequity erzeugst, kannst du nun mit einigen Pocketpairs for Value pushen.

Es sollte klar geworden sein, dass du der enormen Aggression sehr gut durch eine besser ausgewählte eigene Gegenaggression entgegentreten kannst. Realisiert der Gegner, dass du in solchen Spots vermehrt in den besseren Situationen All-In bist, wird er seine Aggression zurückschrauben. Realisiert er dies nicht, hast du einen schönen Weg gefunden, dich seiner Aggression profitabel anzupassen.

Der andere Weg wäre, insgesamt tighter zu 3betten und mehr Hände in Position zu callen, um dann postflop den eigenen Positionsvorteil gerade gegen einen aggressiven Gegner auszunutzen. Damit hätte dann der Gegner auch teilweise sein Ziel erreicht. In solch einem Spot kannst du dann die schon zuvor vorgeschlagenen lighten Calldowns mit mittelstarken Händen vornehmen. Umso größer du also deine Postflopedge einschätzt, desto eher kannst du dich auf dieses Spiel einlassen und auf Preflop-Bluffpushes verzichten.

Wie spielst du gegen Small Blinds, die gerne den Flop checkraisen?

Besonders Minraises willst du überhaupt nicht sehen. Hier gilt es einfach, weniger zu continuationbetten, sowohl bei einem Hit am Flop, wie auch ohne Hit, um so dem Gegner keine Möglichkeit zu einem Checkraise zu geben. Nach einem Checkbehind am Flop und einer Bet des Gegners hat man nun zwei besonders gute Spielmöglichkeiten, welche viele Gegner überhaupt nicht kennen und an die sie sich daher kaum anpassen.

Auf der einen Seite kannst du check behind Flop / raise Turn spielen oder check behind Flop / call any Turn / reevaluate River.

Beide Lines schützen dich durch ihren Checkbehind am Flop vor dem Checkraise und gewährleisten, dass du dennoch Value aus deiner Hand durch deinen Positionsvorteil extrahieren kannst.

Beide Lines haben ihren speziellen Sinn. Die folgenden Abschnitte befassen sich daher mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen.

CHECK BEHIND FLOP / RAISE TURN

Diese Line findet ihre größte Stärke gegen „eindimensional“ aggressive Gegner, welche durch ihren Checkraise am Flop oft versuchen, den Pot zu stehlen, und somit auch sehr oft den Turn nach einem Flop-Checkbehind deinerseits betten in der Hoffnung, den Pot einzusammeln.

Durch dein Turnraise bist nun du in der Lage, selbst den Pot zu stehlen. Du benötigst dafür nicht unbedingt Showdownvalue, da du durch diesen Move meist eine ausreichende Foldequity erzeugst. Ein weiterer Vorteil dieser Line ist, dass du hier eine gute Möglichkeit gefunden hast, recht viel Value aus sich am Turn verbessernden Monsterhänden zu gewinnen. Ein geturntes Twopair ist natürlich perfekt, um das gegnerische Toppair zu stacken. Aber natürlich bietet sich diese Line auch als Slowplay für ein Topset an, wenn du gegen einen Gegner spielst, der sich gerne in seine One-Pair-Hände verliebt und nicht loslassen kann.

CHECK BEHIND FLOP / CALL ANY TURN / REEVALUATE RIVER

Gegen aggressive Gegner bekommst du durch diese Line oftmals zwei Bluffbets (meist noch eine am River) und hältst dabei den Pot noch relativ klein. Würdest du den Gegner nach einem Flopraise auf einen Bluff setzen und versuchen, diesen zu catchen, hast du den Nachteil, dass dem Gegner nach einem Checkraise am Flop noch zwei Straßen zur Verfügung stehen, um meist nahezu seinen gesamten Stack in die Mitte zu stellen. Dies könnte daher recht teuer für dich werden, wenn du in eine bessere Hand reinrennst bzw. der Gegner seine Hand am Turn oder River noch verbessern kann.

Da du bei dieser Line selbst am Turn keine Aggression zeigst, sollte klar sein, dass du eine Hand mit etwas Showdownvalue oder mit einigen Outs benötigst, um an einem möglichen Showdown noch oft genug den Pot gewinnen zu können.

Ein weiterer Vorteil dieser Line ist, dass du dir die Möglichkeit eines Bluffraises am River offen lässt, sofern eine Scarecard auftaucht. Viele Spieler trauen einem Regular kein Bluffraise am River zu, da sie ihn meist als einen soliden ABC-Spieler einstufen. Durch diese Line kannst du daher ein eventuell vorhandenes Leak beseitigen und deine Riverraises durch einige gut getimte Bluffraises balancen. Diese Bluffraise-Spots solltest du jedoch sehr gut wählen, da es recht wenig Sinn macht, eine Scarecard am River zu bluffraisen, wenn du gegen einen aggressiven „Showdownmonkey“ spielst, der auch hier noch sein 2nd Pair, good Kicker callt.

Ein Nachteil dieser Line liegt jedoch auf der Hand. Bettet der Gegner den Turn und checkt den River zu dir, hast du hier meist eine etwas komische Situation geschaffen. Hältst du einen busted Draw, weißt du nicht, ob du nun bluffbetten sollst oder nicht, da die gegnerische Line auch sehr gut nach einem check/call River for Bluffinduce aussieht. Hältst du eine made Hand, hast du hier oft eine etwas schwierige Valuebet, da du durch deine Line kaum Informationen über die gegnerische Handstärke gesammelt hast. Hier gilt es nun, die richtige Balance zu finden, um nicht zu dünne Valuebets zu machen und auch nicht zu viel Value durch eine passive Spielweise liegen zu lassen.

Solltest du dann auch noch gegen einen etwas tricky Gegner spielen, welcher in der Lage ist, einen River auch einmal zu check/raisen, sowohl als Bluff wie auch als Valuebet, so wird deine Entscheidung noch einmal etwas kniffliger.

Beide Lines benötigen einiges an Postflopskills, jedoch hast du dadurch eine gute Möglichkeit gefunden, dich selbst gegen die Checkraises am Flop zu schützen. Sollte der Gegner nicht am Turn betten, so ist das nicht weiter schlimm für dich, da du nun etwas mehr Informationen über die gegnerische Hand durch seinen zweiten Check erhalten hast und somit schwache Hände mit Showdownvalue (A high) recht günstig zum Showdown bekommst. Zudem erhältst du mit schwachen Händen ohne Potenzial die Möglichkeit einer verzögerten Continuationbet. Diese ist besonders wirksam, wenn am Turn eine Highcard fällt (A oder K). Und nicht zuletzt kannst du mit made Hands auf zwei Straßen immer noch genug Value durch Bets herausholen.

Der Checkbehind am Flop ist also eine sehr wirksame Waffe gegen Gegner, welche nur zu gerne den Flop check/minraisen, um dich aus der Hand zu drängen.

Wie spielst du gegen Gegner, die auf ihre Continuationbet am Flop verzichten?

In dieser Situation kommt es sehr stark auf deinen Read an. Schätzt du den Gegner als einen starken oder eher als einen schwachen Spieler ein? Wie schätzt der Gegner dich ein? Denkt er, du seist ein hyperaggressiver TAG, der jede Form von Schwäche ausnutzen will?

Gute Spieler verzichten oft auf ihre Continuationbet am Flop, wenn sie eine Hand mit Showdownvalue halten, den Pot jedoch out of Position nicht zu groß werden lassen wollen.
Drawing Hands wird ein solcher Spieler selten halten, da er mit diesen eher darauf aus ist, den Flop durch eine Continuationbet einzusammeln oder ihn schon etwas zu builden, sodass er es bei einem Hit seines Draws einfacher hat, mehr Value zu bekommen.

Du solltest daher also nicht in die Falle laufen und gegen einen guten Regular versuchen, in solch einem Spot einen Pure-3-Barrel-Bluff durchzuziehen. Dieser wird zwar gegen postflop weak agierende Spieler oftmals gelingen, hat gegen einen solchen Spieler jedoch kaum einen Sinn, da er durch seinen Check am Flop meist eine mittelstarke made Hand anzeigt.

Spielst du gegen einen Spieler, der recht straightforward spielt und durch seinen Check am Flop andeutet, nichts getroffen zu haben, kannst du natürlich dementsprechend versuchen, den Pot auch ohne Hit einzusammeln. Hier gilt es die Initiative zu erlangen und bei einem solchen uncontested Pot, bei dem beide Spieler wohl nichts getroffen haben, derjenige zu sein, der den anderen Spieler unter Druck setzt.

Hast du am Flop etwas getroffen, dann tendiere dazu, vorsichtiger fortzufahren Hier solltest du sehr stark deiner Handstärke und der Floptextur entsprechend agieren. Je drawlastiger der Flop ist, desto eher solltest du natürlich deine Hand protecten, dann aber, falls du ein Raise bekommst, auch in der Lage sein, dich von deiner Hand zu verabschieden. Ist das Board jedoch trocken und du hältst eine starke made Hand, benötigst du keine Bet, um deine Hand zu protecten und setzt dich daher nur der Gefahr, aus ein Checkraise zu kassieren oder jede schlechtere Hand zu einem Fold zu bewegen. Du solltest hier den Gedanken der „Small Hand, Small Pot“ im Hinterkopf behalten und behindchecken.

Hast du eine made Hand, welche häufig am Flop noch vorne ist, jedoch eine sehr hohen Chance ausgesetzt ist, bis zum River eingeholt zu werden (Bottompair, no Kicker), solltest du am Flop wieder versuchen, deine Hand zu protecten.

Welche Fehler musst du im Blindbattle auf jeden Fall vermeiden?

Hier gilt es zwei Dinge zu beachten. Auf der einen Seite solltest du darauf achten, nicht zu viele Continuationbets abzufeuern und dich so durch vermehrte Checkraises aus den Pötten drängen zu lassen. Was zu tun ist, hast du in den Abschnitten zuvor gesehen.

Ein zweiter oft gemachter Fehler ist das Verlangen, in einem Blindbattle nun unbedingt seinen Positionsvorteil durch spewy Moves auszunutzen und immer zu versuchen, den Gegner aus dem Pot zu drängen. Du besitzt den Positionsvorteil und solltest ihn nutzen und der Situation entsprechend handeln. Hier ist immer noch ein solides Grundspiel gefragt. Einfach wild auf den Pot einzufeuern und sich zu denken, dass der Gegner folden muss, da er out of Position spielt und daher keinen großen Pot verlieren sollte, ist schwachsinnig und massiv –EV.

Fazit

Nach Lektüre dieses Artikels und des zweiten Textes zum Blindbattle aus dem Small Blind heraus, hast du ein weitreichenden Überblick über das Spiel Blind vs. Blind erhalten. Durch die in diesem Artikel dargebotenen Spielideen steht dir nun nichts mehr im Wege, um aus Blindbattles als longterm winning Player heraus zu gehen und jedem Spieler Kopfschmerzen zu bereiten, wenn dieser realisiert, dass du auf ihn direkte Position hast und er somit immer mit dir zu kämpfen hat.

Zum Abschluss sei erneut auf das Excel-Formular verwiesen, das dir bei verschiedenen Berechnungen unter die Arme greift. Die Datei kannst du hier herunterladen: Excel-Tabellen zum Spiel gegen Shortstacks und aggressive 4-Better