Wie spielst du Overpairs?
Einleitung
In diesem Artikel
- Wie du out of Position spielst
- Wie du in Position spielst
- Was bei mehreren Gegnern und im reraised Pot zu beachten ist
Ein Overpair ist ein fertiges Paar in der Starthand, welches höher ist als jede Karte auf dem Board, also zum Beispiel AA auf einem Q75-Flop. Du hast damit meistens eine mittelstarke Hand ohne großes Verbesserungspotential, mit der du vor der gar nicht so leichten Aufgabe stehst, einen guten Mittelweg zwischen Protection, Value-Maximierung und Pot Control zu finden.
Dieser Artikel beleuchtet zunächst die theoretischen Grundlagen des Spiels mit Overpair, insbesondere das Thema der Equityverschiebung vom Flop zum Turn. Anschließend werden verschiedene Betsequenzen im Hinblick auf ihre Vor- und Nachteile bezüglich verschiedener Gegnertypen, Spielsituationen sowie Boardtexturen dargestellt.
Allgemeine Konzepte
Um das Spiel mit Overpairs zu verstehen ist es wichtig, dass du weißt wie es um deine Gewinnchancen steht. Bei vielen Anfängern wird ein Overpair als absolute Nuts angesehen. Diese Einstellung wird sich bei dir nun sehr wahrscheinlich etwas relativieren.
Hältst du am Flop die momentan beste Hand, so kann deine Equity sehr stark variieren.
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Tabelle 1: Equity von AA vs. verschiedene andere Hände
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Du kannst also mit einem Overpair am Flop ein sehr klarer Favorit sein oder auch ein knapper bis etwas größerer Underdog. Anhand der Floptexturen und der gegnerischen Handrange musst du selbst immer abwägen können, zu welcher Kategorie du zählen wirst.
Nun stellt sich noch die kleine Frage wie es aussieht, wenn du am Flop schon geschlagen bist und nun selbst deine Hand noch verbessern musst. Hier wirst du dir schon selbst denken können, dass es nicht ganz so schön aussieht und du sehr oft recht weit hinten sein wirst.
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Tabelle 2: Equity von AA gegen bessere Hände am Flop
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Solltest du selbst am Flop schon geschlagen sein, so wirst du sehr oft sehr weit hinten liegen. Hältst du selbst einen Flushdraw oder spielst gegen ein Two Paar sieht es noch am besten aus.
Dies ist daher zu erklären, dass dir mit deinem Overpair immer nur ein Set (manchmal sogar dies nicht) helfen kann, da deine Hand keinerlei Eigenschaften einer drawing Hand beinhaltet.
Am Flop musst du also sehr vorsichtig agieren, wenn du glaubst, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass dein Gegner dich schon geschlagen hat. Denn stellst du am Flop direkt rein wird oft die Situation auftreten, dass du entweder knapper Favorit oder klarer Underdog gegen die gegnerische Handrange bist. Solche Situationen werden jedoch gegen reasonable Spieler zu oft schlecht für dich enden, um daraus eine sichere +EV-Situation zu gestalten.
Warst du schon hinten und hast am Turn nichts getroffen, so wird deine Equity selbstverständlich noch stärker fallen. Warst du jedoch vorne und es erscheint eine Blankkarte für den Gegner, so kann sich deine Equity schon etwas zu deinem Gunsten verbessern.
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Tabelle 3: Equity von AA gegen Draws am Turn
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Solltest du am Turn nun noch vorne sein, so verändert sich deine Equity sehr stark zu deinem Gunsten. Dein Gegner wird jedoch nicht sehr selten mit seinem Draw noch broke gehen wollen. Erscheint am Turn eine Karte, welche einen Draw treffen lassen würde, so nimmt deine Equity selbstverständlich wieder sehr stark nach unten ab. Teilweise bist du dann am Turn auch drawing dead.
Je nach Gegner und Boardtextur ist es daher nicht verkehrt, eine Blankkarte am Turn abzuwarten, um an dieser Stelle einen Großteil des eigenen Stacks in die Mitte zu stellen. Kommt ein Draw an, so kannst du dich dann noch von deiner Hand verabschieden. Abhängig vom Gegnertyp hat dies oftmals einen sehr großen Vorteil, da man am Turn aufgrund der Action oftmals die Handrange besser eingrenzen kann und dann auch öfter die korrekte Entscheidung trifft.
Deine Handstärke mit einem Overpair verändert sich in Abhängigkeit von zwei Faktoren:
- Anzahl der Gegner
- Höhe deines Overpairs
In einem Multiwaypot steigt die absolute Handstärke, um einen Showdown gewinnen zu können. Eine One-Pair-Hand, wie es dein Overpair ist, wird nur sehr selten in einem Multiwaypot einen Showdown gewinnen können. Bei großer gegnerischer Action kannst du meist schon auf eine bessere Hand schließen, da die Gegner im Regelfall nur mit Händen, welche dein Pair schlagen können, in einem Multiwaypot vermehrt Aggression zeigen.
Neben der Anzahl der Gegner ist die absolute Höhe deines Overpairs von Bedeutung. Umso höher dein Overpair ist, desto weniger Scare-Highcards fürchtest du. Demzufolge kannst du mit diesen Händen etwas mehr auf Bluffinduce spielen und musst nicht so stark protecten. Je kleiner dein Overpair ist, desto größer ist die Gefahr, dass du schon von einem besseren Overpair geschlagen bist und sehr wahrscheinlich nur auf zwei Outs hoffen kannst.
Beachte daher immer deine relative Handstärke zur Boardtextur, der Gegneranzahl und der eigenen Höhe deines Overpairs und entscheide nicht zu voreilig, mit deiner Hand um einen großen Pot zu spielen!
Im Spiel mit Overpairs ist es immer deine Aufgabe abzuwägen, ob du auf Potcontrol achten möchtest oder dein Ziel die absolute Valuemaximierung ist. Willst du also am Showdown einen mittleren Pot gewinnen können oder willst du deinen gesamten Stack in die Mitte bekommen mit der Gefahr, teilweise in eine bessere Hand zu rennen und sehr weit hinten zu liegen.
Bei diesen Gedankengängen musst du immer im Hinterkopf behalten, dass Protection keine Form von Potcontrol darstellt und ein Mittel zur Valuemaximierung ist, wohingegen das Spiel for Bluffinduce Potcontrol und Valuemaximierung miteinander verbindet. Anhand mehrerer Handbeispiele beleuchtet dieser Artikel nun verschiedene Betsequenzen im Hinblick auf ihre Vor- und Nachteile bezüglich verschiedener Gegnertypen, Spielsituationen sowie Boardtexturen. Die im weiteren Verlauf diskutieren Fälle setzen voraus, dass sowohl du als auch dein Gegner mit einem vollen 100BB Stack am Tisch sitzen. Die Handbeispiele finden jeweils an einem NL100 Shorthanded Tisch statt mit einem Big Blind von $1.
Wie spielst du out of Position?
Natürlich raist du preflop jedes hohe Pocketpair, um deine Hand zu protecten und aus der überdurchschnittlichen Equity Profit zu ziehen. Weiterhin willst du die Zahl der Gegner reduzieren, um die Chancen zu erhöhen, die Hand unimproved zu gewinnen.
Häufig erhältst du einen bis zwei Caller und setzt am Flop standardmäßig eine Continuation Bet mit dem Overpair. Wenn der/die Gegner nun nicht sofort folden, fängt die Hand an, für unser Thema interessant zu werden. Besonders schwierig ist es dann, out of Position zu sein und mit diesem Fall beschäftigen wir uns daher zuerst.
Grundsätzlich sollte man OOP mit einem Overpair als Preflop-Aggressor und first to act in einem raised Pot immer eine Continuation Bet machen, schon allein um im Fall, dass man Overcards hat, glaubwürdig zu sein.
Preflop: Hero is SB with K, K
UTG calls $1, 3 folds, Hero raises to 5$, 1 fold, UTG calls 4$
Flop: ($11) 9, 2
, J
(2 players)
Hero bets $7.5, UTG calls.
Turn: ($26) 7 (2 players)
Hero?
Hier hast du nun im Wesentlichen die Wahl zwischen bet/fold und check/call. Check/fold wäre natürlich zu weak, da du ja noch gut vorn liegen kannst und bet/call würde praktisch auf ein All-In hinauslaufen, das du ungern mit dieser Hand riskieren willst.
An dieser Stelle solltest du dich fragen, welche schlechteren Hände dich noch callen, wenn du bettest, und auch, welche schlechteren Hände dein Gegner betten würde, wenn du checkst und damit Schwäche zeigst. Die Entscheidung, welche Line angebracht ist, sollte man hier also sehr stark von seinen Reads über den Gegner abhängig machen.
Fall 1.1: Villain 1 (7 PFR/65 VPIP/0.6 Aggression/37 WTS)
Gegen einen solch loose-passiven Gegner solltest du bet/fold spielen, denn:
- Mit seinem hohen Went to Showdown wird er hier vermutlich fast jedes Pair und fast jeden Draw callen und dir damit Value geben.
- Auf einen Check wird er aber viele dieser Hände aufgrund seiner niedrigen Aggression ebenfalls nur checken und erhält damit kostenlos die Möglichkeit, dich noch zu schlagen.
- Du wirst so gut wie nie gebluffraist und hast daher auf ein Raise meist einen einfachen Fold.
- Wenn du checkst, wird der Gegner nur selten bluffen
Callt dein passiver Gegner den Turn erneut, gilt es am River je nach Karte neu zu evaluieren. Da der Gegner aber meist eben nur mit besseren Händen bettet bzw. raist, ist bet/fold im Normalfall wohl erneut check/call vorzuziehen.
Fall 1.2: Villain 2 (13 PFR/22 VPIP/3.5 Aggression/20 WTS)
Gegen einen solch aggressiven Gegner ist check/call die bessere Variante, denn:
- Wenn du bettest, wird er mit seinem niedrigen Went to Showdown wohl kaum eine schlechtere Hand callen.
- Du vermeidest, dir ein Raise einzufangen, das bei diesem Gegner nicht unbedingt bedeuten muss, dass du hinten liegst, denn er wird auch öfter einen Draw raisen. Du kannst also kaum aus der Hand geblufft werden.
- Sollte der Gegner ebenfalls checken, bleibt der Pot relativ klein.
- Der entscheidende Punkt lautet Bluff Induce. Auf diesem Flop kannst du als Preflop-Raiser gut nichts getroffen haben und dein Gegner wird oft versuchen, zu floaten, und mit fast jeder Hand auf deinen Check betten, dieses Vorhaben aber gegen eine Bet aufgeben, wodurch du Value verlierst.
- Als UTG-Limp/Caller hat er hier sehr häufig ein kleines Pocketpair, das nur zwei Outs gegen deine Hand hat, gegen die du also nicht protecten musst.
Am River kannst du nach einem (wohl selten vorkommenden) Check-Behind davon ausgehen, die stärkste Hand zu haben, und machst dementsprechend eine Valuebet. Sollte der Gegner den Turn gebettet haben, checkst du am River nach deinem Turn-Call erneut zu ihm, um einen erneuten Bluff zu induzieren. Gegen eine Donkbet würden kaum schlechtere Hände callen und du vermeidest, aus der Hand geblufft zu werden.
Preflop: Hero is UTG with A, A
Hero raises to 4$, MP calls 4$, 4 folds.
Flop: ($9,5) 7, 2
, Q
(2 players)
Hero bets 5$, MP raises to 15$, Hero ?
Eine unangenehme Situation entsteht häufig dann, wenn du auf einem recht harmlosen Flop wie in der obigen Situation geraist wirst. An dieser Stelle musst du dich zwangsläufig fragen, was für Hände MP auf diesem völlig drawfreien Board wohl raisen könnte:
- Ein Set
- Eine Toppair
- Ein Pocket Pair, mit dem er sich hier vorn sieht bzw. von dem er wissen möchte, wo er steht
- Ein Bluff
Gegen die letztgenannten drei Möglichkeiten bist du meist weit vorn, gegen ein Set natürlich weit zurück.Was davon wahrscheinlich ist, versuchst du an den von Pokertracker bereitgestellten Statistiken herauszufinden.
Wichtig sind dabei in erster Linie Aggression Factor, aber auch der Wert von Raise Continuation Bet. Ein erneutes Reraise kommt nicht in Frage, da dich meist keine schlechtere Hand callen wird und auch keine mögliche Hand des Gegners wirklich viele Outs gegen dich hat.
Du hast also die Wahl zwischen einem Call und einem Fold. Folden ist in dieser Situation allerdings sehr weak, da es immer noch eine Menge Hände gibt, die der Gegner haben könnte und die du schlägst. Ohne guten Read sollte man nicht folden. In diesem Beispiel entscheidest du dich für einen Call (Raise macht, wie beschrieben, keinen Sinn).
Turn: ($39,5) K (2 players)
Hero checks, Villain bets $29
Du schaust dir also die Action am Turn an, um mehr Informationen zu erhalten. Gegen sehr passive Gegner kann man dann guten Gewissens auf eine große Bet hin folden, denn ein Calldown würde sehr teuer und der Gegner wird dir am Ende oft 22 oder 77 zeigen und selbst KQ schlägt dich ja inzwischen.
Gegen Maniacs oder sehr aggressive Spieler sollte man den Turn noch einmal callen, da sie hier oft genug ihren Bluff fortsetzen werden. Callen kann man eventuell auch, wenn man von einem Gegner den eindeutigen Read hat, dass er Slowplay mit starken Händen betreibt. Dazu hätte sich dieser Flop nämlich sehr gut geeignet. Ein solcher Zug ist stark risikobehaftet und sollte nur bei klaren Reads Anwendung finden.
Wie man sieht, ist die Reaktion in Situationen, in denen du mit deinem Overpair geraist wirst, stark gegnerabhängig. Allgemein kann man sagen: Je passiver der Gegner, desto stärker und eher solltest du zu einem Fold tendieren.
Auf einem drawlastigen Board gibt es wesentlich mehr Hände, die dein Gegner gern weiterspielen möchte. Aus diesem Grund ist natürlich klar, dass deine Bet am Flop größer ausfallen sollte und dass du gegen Widerstand lange nicht so schnell annehmen musst, hinten zu liegen, falls dein Gegner auch seine Draws aggressiv spielt.
Es kann deshalb auch in bestimmten Situationen sinnvoll sein, seinen kompletten Stack zu riskieren, wenn der Gegner mit guter Wahrscheinlichkeit auf einen Draw gesetzt werden kann. Generell ist natürlich wieder empfehlenswert, stark mit Reads aller Art zu arbeiten.
Preflop: Hero is UTG with A, A
Hero raises to 4$, BU calls 4$, 2 folds.
Flop: ($9,5) T, 5
, 7
(2 players)
Hero bets 9$, BU calls 9$
Fall 3.1: Der Draw kommt an
Turn: ($27,5) Q (2 players)
In diesem Fall kommt der Flushdraw an. Du hast allerdings mit dem Karo-Ass noch den Nut-Redraw. Insofern kannst du am Turn sehr einfach check/call spielen, da du so vermeidest, geraist zu werden, und eine Freecard wenig Schaden anrichten kann. Zudem bettet dein Gegner womöglich auch schwächere Hände, die er gegen eine Bet gefoldet hätte.
Ohne den Flushdraw ist bet/fold eine Möglichkeit, wenn du halbwegs davon ausgehen kannst, dass der Gegner dich nicht mit einem Bluff raisen wird. Check/call ist ungünstig, da dich jede Hand in diesem Fall sehr billig am River outdrawen/wegbluffen könnte. Daher ist gegen entsprechende Gegner auch check/fold hier in Ordnung.
Fall 3.2: Der Turn bringt eine Blank
Turn: ($27,5) 2 (2 players)
Diese Karte vervollständigt keinen Draw, ermöglicht aber einen weiteren Flushdraw. Du liegst hier sehr wahrscheinlich immer noch vorn und solltest daher weiter protecten. Aber wie?
Möglichkeit 1: Hero bets 23$, BU raises All-In ($87)
Callt Villain erneut, spielst du den River check/call, um einen Bluff zu induzieren, falls kein Draw ankommt. Kommt der Draw an, sollte man in der Regel folden. Sehr unangenehm ist es nun natürlich, dass Villain nun trotz deiner Stärkedemonstration pusht. Du müsstest nun 64$ investieren für einen Pot von 137,5$. Um einen Call zu rechtfertigen, müsstest du also die Hand in rund 1/3 der Fälle gewinnen.
Deine Equity beträgt:
- rund 5% gegen Set
- rund 20% gegen Twopair (T7/75)
- rund 70% gegen Combodraw
- rund 80% gegen Flushdraw
Es kann an dieser Stelle natürlich unmöglich eine allgemeine Aussage gemacht werden, wie oft welcher Gegnertyp hier nun welche Hand hält. Es gibt allerdings Gegner, die in dieser Situation so gut wie nie eine drawing Hand pushen würden, und andere, die das sehr häufig tun.
In diesem konkreten Beispiel kann man allerdings eher zum Call tendieren, denn auf diesem Board ist noch keine fertige Straight möglich, gegen die du drawing dead wärst. Einzige mögliche Hände, die dich zu diesem Zeitpunkt schlagen, sind ein Set und ein Twopair (aufgrund der Board-Struktur aber unwahrscheinlich).
Möglichkeit 2: Hero checks, BU bets $20, Hero raises All-In ($87).
Wie gesehen, kannst du also gerade gegen aggressive Gegner nach einer Bet am Turn kaum noch folden. Wenn du also davon ausgehst, gegen ein Set ohnehin broke zu gehen, ist die wichtigere Frage, wie du maximalen Value aus schwächeren Händen herausholst.
Mit einer Bet vertreibst du wahrscheinlich alle One-Pair-Hände. Diese würde ein aggressiver Gegner jedoch sehr oft betten, wenn du checkst. Ebenso könnte er Draws betten, in der Hoffnung, dass du Overcards foldest. Auf deinem CRAI bekommt er jedoch nicht die Odds, um diese korrekt zu callen. Dein Gegner muss damit eine Hand folden, die noch sehr viele Outs gegen deine gehabt hätte.
Du riskierst also 87$, um 47,5$ zu gewinnen. Da ein aggressiver Gegner hier wohl kaum in mehr als 1/3 der Fälle eine Hand hat, die dein Overpair schlägt, kann man davon ausgehen, dass der CRAI +EV ist.
Nachteil dieser Spielweise ist, dass BU sich eine Freecard nehmen könnte. Ein aggressiver Gegner wird diese Gelegenheit aber nur selten ergreifen. Und wenn doch, erreichst du wenigstens billig den Showdown.
Fazit: Gegen aggressive Gegner bietet sich auf drawheavy Flops häufig ein Checkraise am Turn an. Gegen passive Spieler solltest du aber den Turn betten, um gegen Draws zu protecten, und gegen einen Raise folden.
Betrachten wir nun obiges Beispiel, falls Villain bereits am Flop raist.
Preflop: Hero is UTG with A, A
Hero raises to 4$, BU calls 4$, 2 folds.
Flop: ($9,5) T, 5
, 7
(2 players)
Hero bets 9$, BU raises to 25$
Ist Villain aggressiv genug und raist in einem solchen Spot oft genug mit einem Draw oder einer Hand, die du schlägst, solltest du All-In gehen, denn es gibt einfach zu viele Karten, die dir am Turn nicht gefallen würden, was die Alternative CRAI Turn abwertet.
Gegen eher passive Gegner, die einen Draw meist nur callen würden oder am Turn mit diesem die Freecard nehmen würden, solltest du das Raise lieber nur callen und gegen eine starke Turnbet die Hand aufgeben.
Bisher bist du immer zum Entschluss gekommen eine Continuationbet am Flop out of Position durchzuführen. Doch es gibt auch sehr gute Boardstrukturen bei denen man auf diese verzichten kann.
Preflop: Hero is UTG with A
Hero raises to 4$, BU calls 4$, 2 folds.
Flop: ($9,5) 3


Hero ?
Diesen Flop wird dein Gegner sehr oft einfach verfehlt haben oder selbst ein Overpair halten. Würdest du nun Overcards halten, so kannst du diese in dieser Situation auch check/call oder gegen manche Gegner auch check/folden.
Um auch diese Line etwas zu balancen, kannst du mit einem Overpair diesen Flop nicht betten, um den Gegner die Chance zu geben, sich eine Freecard zu nehmen und eine 2nd best Hand zu treffen oder sein eigenes Overpaar zu überspielen. Wichtig ist, dass du so wenig Karten wie möglich am Turn fürchten musst und sehr wahrscheinlich mit einer Continuationbet keinen großen Value extrahieren kannst. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf kannst du selbst noch weitere gute Boardtexturen finden, in denen man nicht immer eine Continuationbet out of Position mit einem Overpair setzen muss.
Wie spielst du in Position?
In Position hast du den Vorteil, dass du die Potgröße besser kontrollieren kannst. Du kannst auch wesentlich effektiver gegen Draws spielen, da dein Gegner immer vor dir agieren und einen Treffer häufig durch eine Donkbet anzeigen muss.
Gute Gegner werden deine Preflopraises mit wesentlich weniger Händen (meist kleine Pocket Pairs) out of Position callen. Machst du ein vermeintliches Stealraise vom CO oder BU wirst du mit einem Overpair häufig besser ausgezahlt. Bei der Betrachtung der folgenden Beispielhände wird auch auffallen, dass du öfter mehrere Handlungsmöglichkeiten hast, was dir die Chance gibt, dein Spiel zu variieren. Jeder sollte seinen persönlichen Stil auch seinem Verhalten mit Overcards ein bisschen anpassen, um nicht zu durchsichtig zu sein.
Preflop: Hero is BU with Q, Q
UTG calls $1, 2 folds, Hero raises to 5$, 2 folds, UTG calls 4$
Flop: ($11,5) J, 2
, 5
(2 players)
UTG checks, Hero bets $6, UTG calls.
Soweit Standard gegen jeden Gegner. Checkt Villain nun am Turn erneut zu dir, hast du die Wahl zwischen einem Check-Behind und anschließendem Call Any River oder einer Bet am Turn mit einem Fold auf ein Checkraise.
Gegen Gegner mit hohem WTS solltest du analog zum Abschnitt über das Spiel out of Position auf jeden Fall weiterbetten, denn sie werden einen Jack vermutlich auf keinen Fall folden. Starke Gegner werden allerdings sehr selten drei Bets von dir check/callen. Durch Check-Behind und einem Call bzw. einer Bet am River erhältst du gegen ein Pocket Pair häufig mehr Value. Stichworte hier sind Pot Control und Bluff Induce.
Fällt am Turn eine Overcard, bietet sich ein Check-Behind auch meistens an, denn der Gegner wird Toppair dann wohl kaum folden, auf deine Schwächezeichen aber viele schwächere Hände am River betten. Eine ungünstige Karte wäre auch ein weiterer Jack, auch in diesem Fall sollte man Pot Control betreiben und Check-Behind spielen.
Preflop: Hero is MP3 with Q, Q
UTG calls $1, Hero raises to 4$, 4 folds, UTG calls 4$
Flop: ($9,5) J, 2
, 5
(2 players)
UTG checks, Hero bets $6, UTG raises to 12$
Villain checkraist, was auf diesem Board natürlich schon gewisse Stärke zeigt. Man sollte in so einer Situation aber unbedingt den C/R-Wert von Pokertracker anzeigen lassen. Gegen das Minraise foldest du aber natürlich nicht. Ein Reraise deinerseits wäre aber auch unangebracht, da du damit nur schlechtere Hände vertreiben würdest und 34 wohl unwahrscheinlich ist. In Position kannst du am Turn gut neu evaluieren.
Turn: ($33,5): T (2 players)
UTG (12/9/2.2/18) bets $25
Diese Bet vom nicht gerade überaggressiven UTG zeigt schon einige Stärke. Du bist hier oft hinten und es würde sehr teuer werden, das zu überprüfen. Gerade auf niedrigeren Limits wird in einem solchen Fall nur relativ selten geblufft und ob UTG eine Hand wie AJ hier limp/call spielt ist, auch zu bezweifeln.
Checkt UTG dagegen den Turn, hast du einen einfachen Check-Behind und kannst eine moderate Bet am River callen oder auf einen weiteren Check eine kleine Valuebet ansetzen.
Spielt dein Gegner auf einem drawlastigen Board passiv, das heißt check/call Flop und dann erneut check Turn bedeutet das meistens, dass dein Overpair noch vorn liegt. In diesen Situationen verhältst du dich ähnlich, als würdest du TPTK halten. Man muss also abwägen zwischen Protection und Pot Control und bei drawlastigen Boards sollte man verstärkt zu bet Turn tendieren.
Preflop: Hero is MP with Q, Q
1 fold, Hero raises to 4$, 3 folds, BB calls 3$.
Flop: ($8,5) 5, 6
, J
(2 players)
BB checks, Hero bets 7$, BB calls 7$
Turn: ($22,5) 9 (2 players)
BB checks, Hero bets $17
Es gibt kein Anzeichen, dass BB dich geschlagen hat, daher hast du eine Bet for Protection and Value. Der Nachteil ist natürlich, dass du gegen ein Checkraise folden musst. BB wird hier allerdings nur sehr selten checkraisen und wenn, hat er dich höchstwahrscheinlich geschlagen (er kann gut Twopair/Straight/Set halten) oder extrem viele Outs gegen dich. Den River solltest du in der Regel behindchecken und bei angekommenem Flushdraw gegen eine ernst zu nehmende Donkbet folden.
Turn: ($22,5) T
Auch bei angekommenem Draw solltest du gegen nicht allzu aggressive Spieler noch einmal betten, da du noch gut vorn liegen kannst und deine Hand gegen Offsuit-Hände mit einem Karo schützen musst. Gegen check/raise des Gegners hast du auch hier einen sehr einfachen Fold. Hast du zusätzlich zu deinem Overpair allerdings noch einen (insbesondere den Nut-)Flushdraw, spielst du lieber check behind, da dir die Freecard wesentlich weniger weh tut und du auch gegen ein Checkraise nur ungern foldest.
Am River solltest du (natürlich wie üblich unter Beachtung der Pokertracker-Statistiken) gegen eine große Donkbet häufig folden, wenn sich Draws materialisiert haben. Mit einem Treffer wird kaum ein Gegner ein Checkraise versuchen, da du bei angekommenem Draw natürlich behindcheckst. Gegen schwache Gegner mit hohem WTS hat man am River allerdings häufig auch noch eine dritte Valuebet, da sie ihr Toppair zur Not auch meist dreimal check/callen.
Preflop: Hero is MP with Q, Q
UTG calls 1$, Hero raises to 5$, 4 folds, UTG calls 4$
Flop: ($11,5) 7, 8
, J
(2 players)
UTG checks, Hero bets 9$, UTG raises to 27$
Check/raise zeigt schon gewisse Stärke, insbesondere da er kaum für eine Freecard angewendet werden kann. Sehr wertvoll sind, wie ja schon der gesamte Artikel betont, die Statistiken und für diesen Fall insbesondere Check/Raise Flop. Je niedriger der Wert, desto stärker ist vermutlich die Hand, die UTG hält. Die Tatsache, dass er limp/call spielt, deutet häufig auf ein Pocket Pair oder suited Connectors hin. Wenn er nicht blufft, hat er also häufig eine Equity vergleichbar mit deiner oder dich klar geschlagen.
Gegen Gegner, die also wirklich selten checkraisen, sollte man dieses Raise höchstens callen und auf weitere Action folden. Ein direkter Fold ist auch in Betracht zu ziehen, da du im weiteren Handverlauf nie weißt, wo du stehst.
Gegen aggressive Gegner kommt ein Push am Flop in Frage, wenn das Board möglichst keine fertigen Straights und wahrscheinliche Twopair-Möglichkeiten bietet. Ein Board T75 ist für einen Push am Flop wesentlich besser geeignet als J87.
Wie reagierst du auf Donkbets?
Donkbets können je nach Gegner unterschiedliches bedeuten. Viele Spieler wenden gerne kleine Donkbets mit Draws an, um billig die nächste Karte zu sehen. In solchen Fällen sollte man konsequent raisen.
Auf eher trockenen Boards sollte man eher passiv spielen, da du dich in einer "Way ahead - Way behind"-Situation befindest und von schwächeren Händen meistens mehr Value bekommst, wenn du sie nicht mit einem Raise vertreibst.
Preflop: Hero is BU with Q, Q
UTG calls $1, 2 folds, Hero raises to 4$, 2 folds, UTG calls 4$
Flop: ($9,5) J, 2
, 5
(2 players)
UTG bets 6$, Hero ?
Ein Call ist in der Hand ohne besondere Reads meist gut, da du mit deiner mittelstarken Hand keinen Monsterpot spielen willst und du gegen schwächere Hände auch kaum protecten musst.
Die Spielweise check/call Flop, donkbet Turn wird auch von einigen Spielern gern angewendet, einerseits mit Monstern, um ein Raise zu provozieren, andererseits aber auch mit Draws, um von Overcards die Contibet zu gewinnen, oder mit schwachen made Hands, um die Hand zu definieren.
Die richtige Antwort deinerseits lautet hier ebenfalls meist Call Turn, da bei einem Raise selten eine schlechtere Hand callt, aber auch keine bessere foldet. Ein Fold ist möglich, wenn die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass sich ein Draw des Gegners materialisiert hat. Ein Raise macht nur Sinn, wenn du den Gegner ziemlich sicher auf einen Draw setzen kannst und protecten willst. Das wird aber wohl nur selten der Fall sein.
Wie spielst du gegen mehrere Gegner?
Gegen mehrere Gegner sollte deine Flopbet stets größer ausfallen. Wirst du dann allerdings von einem reasonable Spieler geraist, solltest du schneller als im Heads-up den Fold-Button finden. Checkraist z.B. einer der Blinds mit vielen Spielern left to act, ist das meist als Monster zu werten.
Kommt in einem 3- oder 4-handed Pot ein Flushdraw an, kann man sich ebenfalls in aller Regel von der Hand verabschieden.
Bei mehreren Gegnern solltest du mit einem Overpair im Normalfall absolut nicht für 100 BB broke gehen. Zu beachten ist einfach, dass sich gegen mehrere Spieler Bluffs einfach kaum lohnen und du dementsprechend gegen starke Action öfter geschlagen bist als bei nur einem Gegner.
Weiterhin gilt, dass man diese Situation mit Overpair und mehreren Gegnern durch entsprechendes Preflopspiel möglichst vermeiden sollte (nicht zu klein raisen, wenn bereits Limper eingestiegen sind), denn die hohen Paare spielen sich Heads-up einfach viel besser.
Wie spielst du in reraised Pots?
Während man im raised Pot QQ-AA häufig im Prinzip identisch spielt, wenn keine Overcard liegt, muss man im reraised Pot schon genauer differenzieren. Die eigene Spielweise ist natürlich auch stark vom Preflopspiel abhängig.
Generell ist es nicht zu empfehlen, out of Position ohne Initiative einen reraised Pot zu spielen (ein normales Reraise des Gegners vorausgesetzt, also ca. das 3-fache, Minraises werden natürlich insbesondere mit guten spekulativen Händen gern gecallt). In Position kann man auch einmal Monster nur callen wie im folgenden Beispiel.
Preflop: Hero is BU with A, A
3 folds, Hero raises to 4$, SB raises to 14$, 1 fold, Hero calls 10$.
Flop: ($29) 7, 2
, 5
(2 players)
SB bets 20$, Hero ?
Meistens sollte man dann den Flop raisen, in diesem konkreten Fall ist aber ein Call am Flop auch eine gute Option, da der Gegner in einer Stealsituation häufig auf Overcards sitzen könnte, die er am Turn bei einem Treffer nicht mehr folden möchte.
Hast du preflop gegen einen tighten Gegner nur auf Setvalue gecallt, solltest du das Overpair dann konsequenter Weise auch gegen die Continuation Bet folden.
Callst du in Position TT-QQ, hast du am Flop mit dem Overpair die Wahl zwischen einem Raise und einem Fold auf weitere Action. Die Alternative call Flop ist auch möglich, hat allerdings den Nachteil, dass du nicht gegen Overcards protectest und auch nicht wirklich weißt, wo du stehst. Gegen eine zweite Barrel am Turn wirst du also meist folden müssen.
Im reraised Pot ist Handreading aufgrund der eingeschränkten Ranges sehr wichtig. Gegnern, die mit sehr merkwürdigen Händen in reraised Pots zu sehen sind, sollte man unbedingt eine Note verpassen, und dann in Zukunft stärker gegen diese protecten. Ansonsten kann ein möglicher 2-Card-Flush- oder Straightdraw im reraised Pot häufig eher vernachlässigt werden.
Wie spielst du ein kleines Overpair ohne Initiative?
Preflop: Hero is BB with 8, 8
CO raises to 4$, BU calls 4$, SB calls 3.50$, Hero calls 3$
Flop: ($16) 7, 2
, 3
(4 players)
SB checks, Hero ?
Du callst preflop nur auf Setvalue, triffst aber keines deiner Outs - also check/fold?
In diesem Fall ist eine Bet um 12$ durchaus angebracht, da deine Foldequity beachtlich sein dürfte und du momentan gut vorn sein kannst, was sich bis zum River aber aufgrund der vielen Overcards im Deck ändern könnte. Wirst du dann geraist, solltest du dich aber von der Hand verabschieden. Selbst bei einem Call kannst du in der Regel davon ausgehen, geschlagen zu sein.
Fazit
Das Spielen von Overpairs ist nicht einfach und bedarf einiger Erfahrung. Deine Elephant-Datenbank wird dir beim Spielen dieser Hände eine gewaltige Hilfe sein.
Um dein Spiel weiter zu verbessern, solltest du auf die entsprechenden Beispielhände besonders achten, die im Forum ja zahlreich zur Verfügung stehen. Dieser Artikel hat dir hoffentlich ein paar Anregungen geliefert, alle möglichen Situationen lassen sich in einer solchen Arbeit aber selbstverständlich nicht behandeln.
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