Aktualisiert am 12 März 26 von

Playing AK: Postflop

Einleitung

In diesem Artikel

  • Wenn du Toppair getroffen hast
  • Wenn du nichts getroffen hast
  • Wie weiter an Turn und River?

Die ersten beiden Teile dieser Artikelserie beschäftigten sich mit den Grundlagen des Spiels mit AK (zum Artikel) und der Preflop-Spielweise dieser Hand (zum Artikel). Gleichwohl passieren die meisten Fehler mit AK in den Setzrunden nach dem Flop. Deshalb behandelt der nun folgende dritte und mit Abstand umfangreichste Artikel das Spiel an Flop, Turn und River.

Im ersten Teil wird der Fall behandelt, dass du am Flop Top Pair Top Kicker getroffen hast. Anschließend untersuchen wir die Spielsituationen, in denen du nichts getroffen hast. Zum Abschluss werden dann das Spiel am Turn und am River genauer unter die Lupe genommen.

Du triffst am Flop TPTK

ALLGEMEINE ÜBERLEGUNGEN

Zunächst widmen wir uns der erfreulichen Situation, dass du am Flop ein Ass oder einen König treffen konntest. Du hast dann Toppair mit dem besten Kicker (TPTK). TPTK ist eine gute, aber keine übermäßig starke Hand. Dem entgegen wird TPTK vor allem von vielen Anfängern häufig überschätzt, was zu den im Grundlagenartikel beschriebenen hohen Verlusten führt.

Bei aller Freude über dein TPTK, nun beginnt der schwierigere Teil der Hand erst:

  • Zunächst ist die Textur des Flops zu untersuchen. Sind Draws möglich oder bietet der Flop keine oder nur unwahrscheinliche Draws?
  • Bist du oder ist Villain der Preflop-Agressor?
  • Welche Position hast du?
  • Wie wirkt sich deine Spielentscheidung auf die weitere Entwicklung der Hand aus? Das meint, dass du bereits am Flop einen Plan haben sollten, wie du die Hand wahrscheinlich weiterspielen wirst.
DER VORAUSSICHTLICHE VERLAUF DER HAND

Der letztgenannte Umstand soll anhand eines Beispiels verdeutlicht werden.

Beispiel

NL 100 SH

Hero ($100)
BB ($70)

Preflop: Hero is MP with A K
UTG folds, Hero raises to $4,00, 3 folds, BB calls $4,00.

Flop: ($8,50) A 6 2 (2 players)
BB checks, Hero bets $6, BB raises to $17, Hero calls $11.
Turn: ($42,50) 8 (2 players)
BB bets $20, Hero folds.

Dieses Beispiel ist nicht konstruiert, sondern (in leicht abgewandelter Form) aus dem Forum entnommen. Hero hat den Fold wie folgt kommentiert bzw. folgende Frage gestellt:

„Die Bet von BB schaut mir nach Suck-Bet aus - er hat 39 $ left und wenn ich calle, ist der Pot bei 80, d.h. er pusht mich am River. Fold ok?”

Hero hat hier drei Umstände außer acht gelassen, da er den wahrscheinlichen weiteren Verlauf der Hand bei seiner Entscheidung am Flop nicht mit einbezogen hat:

  • Hero muss davon ausgehen, dass BB nach dem Checkraise in jedem Fall erneut am Turn bettet.
  • BB hatte zu Beginn der Hand nur einen Stack von $70, nicht von $100. Mit einer erneuten Bet am Turn, die wie gesagt ziemlich sicher kommen wird, committet sich BB.
  • Da sich BB wahrscheinlich am Turn committen wird, wird er am River All-In gehen (um ein negative Freeroll zu vermeiden).

Hero kann am Flop also nur callen, wenn er bereit ist, $70 in seine Hand zu investieren. Ist Hero dazu nicht willens, ist er gezwungen, bereits am Flop zu folden.

Wie gesagt, diente dieses Beispiel dazu, zu verdeutlichen, dass du deine Entscheidung am Flop nicht isoliert betrachtet kannst, sondern dass du auch den wahrscheinlichen weiteren Verlauf der Hand in deine Überlegungen einbeziehen musst.

ANALYSE DER TEXTUR DES FLOPS

Triffst du TPTK am Flop, hast du in den meisten Fällen die derzeit beste Hand. Natürlich kannst du auch schon hinten liegen, wenn Villain ein Set oder Twopair gefloppt hat. Ein paar Zahlen:

Hero: A K
Flop: A 4 9

Hero hat gegen

  • A J rund 87%
  • Q Q rund 84%
  • A 4 rund 28%
  • 4 4 rund 8%

Ein Flop mit der Textur A 4 9 oder noch besser A 4 4 ist dabei für dich praktisch ideal. Es ist aufgrund der Preflopaction in der Regel unwahrscheinlich, dass Villain A9, A4 im ersten Fall bzw. A4 oder 4x im zweiten Fall hält. Es sind keine Draws möglich und du schlägst alle Pocket Pairs außer AA, 44 und 99.

Tauschen wir nur eine Karte aus und kommt der Flop dagegen A T 9, hast du zwar noch immer TPTK, allerdings sind hier sowohl Straight-, Flush- als auch Combodraws möglich, so dass die Situation völlig anders zu bewerten ist. Auch hierzu einige Zahlen:

Hero: A K
Flop: A T 9

Hero hat gegen

  • A J nur noch rund 79%
  • A J nur noch rund 51%
  • 7 8 rund 67%
  • Q J rund 47%

Diese Zahlen zeigen, dass es sehr wichtig ist, die Textur des Flops zu analysieren, um das weitere Vorgehen zu bestimmen, denn die Frage ist beispielsweise nicht nur, ob du bettest - das wird zumeist sowohl bei drawlosen als auch bei drawlastigen Flops der Fall sein.

Vielmehr musst du erstens auch bestimmen, wie groß deine Bet sein soll. Bei einem drawlastigen Flop wird deine Bet in der Regel größer sein, um Villain nicht die richtigen Odds zum Drawen zu geben. Bei einem drawlosen Flop kann die Bet dagegen ruhig etwas kleiner sein, damit du ...

  • ... deine Verluste minimierst, wenn du bereits geschlagen bist.
  • ... schlechteren Händen, die du mit einer höheren Bet vertrieben hättest, die Möglichkeit zum Callen gibst - Prinzip way ahead <-> way behind (dazu später mehr).

Ferner musst du dich zweitens am Turn zumeist für Pot Control vs. Protection oder andersherum für weitere Protection vs. Pot Control entscheiden. Die Grunlage für diese Entscheidung triffst du aber nicht erst am Turn, sondern bei der Analyse des Flops und der Bestimmung der angemessenen Betsize.

Die vorgenannten Faktoren (Position, Textur des Boards, wer war Preflop-Agressor, Betsize, Protection vs. Pot Control, Gegnertyp) werden im folgenden anhand von Beispielshänden erläutert.

DU HAST TPTK UND BIST OUT OF POSITION

Beispiel

NL 100 SH

Hero ($100)
MP ($100) (40/1,2/45/0,9)

Preflop: Hero is SB with A K.
UTG folds, MP calls $1, 2 folds, Hero raises to $5, BB folds, MP calls $4.

Flop: ($11) A 4 9 (2 players)

Ein sehr guter Flop für Hero. Es sind keine nennenswerten Draws möglich. Im Regelfall wird Hero hier eine Bet von rund 2/3 – 3/4 des Pots setzen. Dies gilt vor allem gegen einen passiven Gegner wie hier mit hohem WTS, der oft mit schlechteren Assen bis zum River runtercallen wird.

Beispiel

NL 100 SH

Hero ($100)
MP ($100) (45/2/23/5,7)

Preflop: Hero is SB with A K.
UTG folds, MP calls $1, 2 folds, Hero raises to $5, MP calls.

Flop: ($11) A 6 6 (2 players)

Hier ist Villain loose-passive, hat aber einen auffallend hohen AF bei einem niedrigen WTS. Hier könnte es sich anbieten, ein Checkraise zu versuchen, um eine Bluffbet von Villain einzusammeln, wohingegen er auf eine Continuation Bet möglicherweise gefoldet hätte.

Im Zweifel gilt aber: Lieber selbst betten. Du bist OOP und ein thinking Villain wird ohnehin misstrauisch, wenn du als TAG keine Continuation Bet setzt, was bei diesem Board doch wunderbar möglich gewesen wäre.

Beispiel

NL 100 SH

Hero ($100)
MP ($100)

Preflop: Hero is SB with A K.
UTG folds, MP calls $1, 2 folds, Hero raises to $5, MP calls.

Flop: ($11) A T 9 (2 players)

Hier bettest du Potsize. Das Board ist drawheavy, so dass wir Villain nicht die richtigen Odds zum Drawen geben wollen.

Flop: ($11) A T 9 (2 players)
Hero bets 11, MP raises to 25, Hero??

Villain konfrontiert Hero mit einem Minraise. Das wird im Regelfall kein Set sein, denn dann würde Villain stärker protecten. Wahrscheinlich ist aufgrund der Preflopaction, die insbesondere mit suited Connectors oder kleinen suited Assen konform geht, ein OESD, ein Flushdraw oder ein kleineres A, vielleicht Ax. Oft will sich Villain durch das Minraise eine Freecard am Turn erkaufen.

Untersuchen wir die Handlungsmöglichkeiten von Hero. Ein Fold wäre zu weak; wie gesagt sind ein Set oder reverse Domination durch A9 oder AT unwahrscheinlich. Für einen Fold müsste Hero schon einen starken Read haben.

Kannst du callen? Im Regelfall nicht und zwar wiederum aufgrund des zu erwartenden Verlaufs der Hand. Folgende Punkte sind zu bedenken:

  • Du bist OOP. Callst du nur, schaffst du dir ein Problem am Turn. Erscheint eine Scarecard, wovon es bei diesem Flop eine Menge gibt, und checkst du dann, kann Villain entweder floaten (mit any two) oder am Turn for Value betten (wenn er auf dem Draw war). Du hast dann eine sehr schwere Entscheidung, weil dich ein Call committen würde. Du wärst deshalb im Regelfall gezwungen, die vielleicht noch bessere Hand aufzugeben.

  • Erscheint eine Blank und checkst du, kann Villain behindchecken und sich eine Freecard nehmen. Außerdem wird dich Villain dann exakt auf die Hand setzen, die du hast: ein Ass mit respektablem kicker (sonst hättest du das Raise nicht gecallt). Kommt der Draw am River nicht an, bekommst du auch keinen Value mehr, da sich Villain nicht durch einen Check am River zu einem Bluff verleiten lassen wird (es wäre durch seinen Checkbehind am Turn zu leicht erkennbar, dass er drawt).

  • Einzige Hoffnung ist also eine Blank, die du erneut betten müsstest. Dann wird Villain aber im Regelfall folden, da er nicht die richtigen Odds zum Drawen bekommt.

Aus dem Gesagten folgt, dass du raist. Da dich ein normaler Raise aber committen würde, ist Push die richtige Entscheidung. Es befindet sich bereits viel dead Money im Pot (47 $) und es gibt viele Hände, gegen die du vorne liegst.

Zwar werden hier zumeist nur bessere Hände callen. Auf lange Sicht ist der Push aber trotzdem +EV, selbst wenn Villain auf einem Set ist (und dieses zu schwach protectet hat) oder sein Draw eintrifft. Denn der Pot ist bereits sehr groß und daher muss es dein Ziel sein, ihn gleich am Flop mitzunehmen.

Folgender Sonderfall soll aber noch betrachtet werden: Ist dein Gegner sehr aggressiv, kann ein Call gerechtfertigt sein mit der Intention, den Turn bei einer Blank zu checkraisen. Viele aggressive Spieler betten auch mit einem Draw am Turn, so dass du zusätzlich Value bekommst. Nachteil dieser Spielweise ist aber, dass es unangenehm wird, wenn eine Scarecard erscheint, so dass Villain dich oft aus dem Pot bluffen kann.

Beispiel

NL 100 SH

Hero ($100)
MP ($100)

Preflop: Hero is CO with A K
2 folds, Hero raises to $4.00, Button calls $4.00, 2 folds.

Flop: ($9.50) J T K (2 players)
Hero bets $8, BB raises to $32.00, Hero??

Auf einem sehr drawlastigen board konfrontiert Villain (unknown) dich mit einem hohen Reraise. Folgende Umstände sind zu bedenken:

  • Villain muss davon ausgehen, dass du getroffen hast. Gleichwohl bringt er als Nichtaggressor ein hohes Raise um Potsize. Anders als im vorigen Beispiel bedeutet dies in der Regel nicht, dass Villain eine Freecard nehmen möchte. Vielmehr raist Villain offenbar for Value und for Protection.

  • Aufgrund des Preflop-Calls (nur Calls) sind Hände wie KJ, KT, JT, AQ, TT, JJ sehr gut möglich. Das korrespondiert mit Punkt 1, wonach Villain offenbar for Value und for Protection raist.

  • Zwar kann Villain auch nur einen Draw halten (QT, QJ, QT, Ax, suited Connectors in). Wenn er aber einen Draw so agressiv spielt, handelt es sich meist um einen sehr starken Combodraw aus Straight- und Flush-Möglichkeiten.

  • Du bist OOP und hast noch nicht viel in den Pot investiert. Spielst du weiter, kommst du nicht mehr von der Hand los. Auf so einem Board spielt man ungern um einen vollen Stack mit nichts Besserem als TP und einem Gutshot, letzterer darüber hinaus nur mit 3 clearen Outs und möglicherweise nur zum Split.

Nach alledem ist ein Fold hier die beste Variante.

DU BIST IN POSITION UND DER GEGNER CHECKT

Auch IP ist deine Aufgabe zunächst, das Board zu analysieren. Checkt Villain zu dir als dem Preflop-Agressor und bietet das Board Draws, wirst du aus den gleichen Gründen wie soeben dargestellt rund Potsize betten, um Villain nicht umsonst drawen zu lassen.

Auch wenn das Board keine Draws bietet, bettest du in der Regel, vielleicht etwas weniger, um Villain nicht zu vertreiben bzw. weniger zu verlieren (way ahead <-> way behind, siehe bereits oben).

Bei einem drawlosen Flop ist aber auch eine andere Line möglich, speziell bei mehreren Preflop-Raises, da hierdurch die Range von Villain eingegrenzt werden kann. Zur Verdeutlichung dient das folgende Beispiel.

Beispiel

NL 100

Hero ($100)
BB ($100) (22/9/3.5/30)

Preflop: Hero is button with A K.
3 folds, Hero raises to $4, SB folds, BB raises to $12, Hero calls.

Flop: ($24,50) 4 A 9 (2 players)
BB checks, Hero??

Villain ist solider TAG. Auto-bet oder check behind? Folgende Umstände sind zu bedenken:

  • Hero kann aus Sicht von Villain natürlich getroffen haben. Villain ist aber Preflop-Aggressor. Deshalb mutet der Check erst einmal unnatürlich an, wobei Villain allerdings auch auf ein Checkraise aus sein kann.

  • Nach einem Checkbehind ist Heros Handrange aus Sicht von Villain sehr groß. Villain kann daher leicht glauben, er bettet den Turn mit KK-TT oder einem kleinen A for Value. Ferner könnte er versuchen, zu stehlen, indem er das Ass nur repräsentiert. Das muss kein Widerspruch zu seinem Flopcheck sein, da er als TAG aus Sicht von Hero auch auf ein Checkraise ausgewesen sein kann.

  • In einem solchen Pot ist Hero im Regelfall bereit, mit der Hand bis zum Showdown zu gehen. Dein Plan ist also call Turn und call River bzw. auch, je nach Karte, raise Turn All-In. Der Check gibt Villain dabei die Möglichkeit, einen Fehler am Turn und auch am River zu machen. Du eröffnest dir durch einen Checkbehind die Chance, etwas von KK-TT oder einem kleinen Ass zu gewinnen.

Nach alledem gibt es in einer solchen Situation gute Gründe für einen Checkbehind. Dieser kann in einer solchen Situation zudem dazu führen, dass spätere Bets in ähnlichen Situationen leichter gecallt werden, da Villain meint, einen Read auf dich zu haben, und glaubt, dass du nur bluffst.

DU BIST IN POSITION UND DER GEGNER BETTET

Bist du preflop der Aggressor gewesen und bettet Villain in dich hinein, spricht man von einer Donkbet. Donkbets werden oft belächelt und als Zeichen von Schwäche gesehen. Das muss aber nicht so sein, wie das folgende Beispiel zeigt.

Beispiel

NL 100

MP ($100) (22/9/3.5/30)
Hero ($100)

Preflop: Hero is button with A K.
MP calls $1, Hero raises to $4, MP calls.

Flop: ($9,50) 4 A 7 (2 players)
MP bets $6.

Die Donkbet eines reasonable Villain muss keine Schwäche sein. Vielmehr sei an die zahlreichen Beiträge im Forum erinnert, die sich damit beschäftigen, wie man am meisten Value mit einem Set aus seinem Gegner herausbekommt.

Flops mit der Textur wie der vorliegende werden dabei als ideal bezeichnet für den Fall, dass der Gegner AK hält. Die Empfehlung geht zumeist dahin, selbst leicht weak zu betten, um Geld in den Pot zu kommen und dem Gegner die Chance zu einem Raise zu geben.

Die Line check/call Flop, donk Turn würde demgegenüber zu viel verraten. Die Line check/call Flop, check Turn führt zu oft zu einem Checkbehind. Also lieber selbst betten und hoffen, dass der Gegner das Ass hält. Villains Donkbet kann also durchaus sinnvoll sein.

In der obigen Situation stellt sich die Frage, ob du raist oder nur callst. Zumeist wird empfohlen, zu raisen, jedenfalls um am Turn zu wissen, woran man ist. Donkt Villain nochmals den Turn, sei man sicher geschlagen und könne folden.

Auch hier sind allerdings vertieftere Überlegungen anzustellen:

  • Es sind keine Draws möglich. Ein Semibluff scheidet aus.

  • Du liegst entweder vorn oder hinten, d.h. du musst nicht protecten. Auch hier begegnen wir erneut dem Prinzip way ahead <-> way behind. Wenn du raist, bringst du keine bessere Hand zum Folden. Du raist also ausschließlich for Value und es ist unwahrscheinlich, dass eine schlechtere Hand callt. Das Raise zwingt den Gegner also nicht zu einer falschen Entscheidung, sondern forciert eher eine richtige.

  • Das Raise soll hauptsächlich zur Informationsgewinnung dienen. In der Tat, wirst du gecallt, bist du wahrscheinlich geschlagen und kannst gegen eine weitere Bet folden. Diese Information erhältst du aber gegen ein Investment von rund $15, da du auf rund $20 raisen würdest. Die Information, die du erhältst, ist aber keine $15 wert.
    Angenommen, du callst nur und Villain bettet $15 am Turn. Du könntest selbst diese Bet noch callen und am River gegen eine weitere hohe Bet folden, ohne mehr investiert zu haben. Die Information, die du dir mit dem Raise erkaufen wollest, hat also keinen Gegenwert.

Nach alledem scheint ein Call angebracht zu sein. Nur so gibst du Villain die Chance, am Turn oder River einen Fehler zu machen bei gleichem Verlustrisiko für dich selbst.

Noch ein Wort zum Umgang mit Donkbets: Bitte verstehe die Analyse des vorherigen Handbeispiels nicht in dem Sinne, dass der Call einer Donkbet stets richtig ist. Es sind hier mehrere Umstände, die einen Call sinnvoll erscheinen lassen:

  • Der Gegner ist reasonable.
  • Du hast eine gute Hand, mit der du zum Showdown willst.
  • Es sind keine Draws möglich.
  • Raist du, eröffnest du Villain die Chance zum Reraise. Mit deiner Hand willst du das aber nicht. Raist du dagegen mit Air und wirst gereraist, hast du eine leichte Entscheidung.

Ist dein Gegner dagegen ein Fisch, raist du eine Donkbet im Regelfall, und zwar egal, was du hast. Dies gilt vor allem dann, wenn du in ähnlichen Situationen zuvor gute Hände gezeigt und daher ein entsprechendes Table-Image aufgebaut hast.

Hüte dich auch davor, Donkbets mit Air zu raisen, aber mit guten Händen nur zu callen, da du dann zu leicht gelesen werden kannst. Auch hier kommt es auf eine balanced Strategy an.

Im oberen Handbeispiel führt die Abwägung aller Umstände nun eben dazu, dass ein Call gegen einen reasonable Villain die beste Alternative ist.

Beispiel

NL 100

MP ($100)
Hero ($100)

Preflop: Hero is button with A K.
MP calls $1, Hero raises to $4, MP calls.

Flop: ($9,50) A T 9 (2 players)
MP bets $5.

In dieser Konstellation sind zahlreiche Draws möglich. Auch ist ein Set unwahrscheinlicher als im Beispiel zuvor, da Villain mit TT oder 99 sicher nicht limp/call gespielt hätte. Hier ist gut möglich, dass Villain auf einem Draw ist und Semiblufft bzw. eine Blocking-Bet setzt, um billig den Turn zu sehen. Hero sollte deshalb durch ein Raise auf $25 protecten.

Du hast am Flop nichts getroffen

Wenn du nichts triffst, was in 66% der Hände der Fall ist, stellt sich zumeist die Frage, ob du eine Continuation Bet setzt. Zur Definition ein kurzer Auszug aus dem Strategieartikel Continuation Bets:

Mit einer „unpaired“ Starthand trifft man nur in gut einem Drittel aller Fälle etwas am Flop, sei es eine made Hand wie ein Pair oder besser oder einen starken Draw. In der großen Mehrheit der Fälle wird man als Preflop-Aggressor also am Flop keine Hand haben, die eigentlich ein Weiterspielen rechtfertigt. Allerdings geht es zum einen den Gegnern in den meisten Fällen genauso. Das führt dann oft zu Situationen, in denen keiner der Beteiligten am Flop eine made Hand oder einen starken Draw hat. In diesen Situationen gewinnt dann oft derjenige die Hand, der als erster blufft. Zum anderen sind die Gegner durch die Tatsache, das man selber preflop bereits Stärke gezeigt hat, schon derart „eingeschüchtert“, dass sie oft gegen eine erneute Bet am Flop einfach folden. Eine solche Bet, die einfach nur die Preflop-Action „logisch“ fortführt mit dem Ziel, die Hand direkt zu gewinnen, nennt man Continuation Bet.

Auf die Frage, wann du eine Continuation Bet setzt, soll im Rahmen dieses Artikels nicht näher eingegangen werden. Es werden nur einige kurze Grundzüge dargestellt. Im einzelnen sei auf den bereits genannten Strategieartikel verwiesen (insbesondere was die Mathematik, die richtige Größe und den Erwartungswert einer Continuation Bet betrifft).

Der Zweck einer Continuation Bet ist, den Pot sofort zu gewinnen. Das ist der Fall, wenn alle Gegner folden. Du musst also für die Entscheidung, ob du eine Continuation Bet setzt, die für einen Call von Villain maßgeblichen Faktoren evaluieren:

  • Wie viele Gegner sind in der Hand? Es ist klar, dass die Wahrscheinlichkeit, dass jemand etwas getroffen hat, mit der Anzahl der Gegner wächst. Folglich sinkt deine Chance, dass alle Gegner folden.

  • Wie ist die Textur des Boards? Könnte Villain getroffen haben? Kann Villain davon ausgehen, die beste Hand zu haben?

  • Sind Draws möglich? Könnte Villain einen starken Draw gefloppt haben?

  • Spielst du gegen tighte Spieler oder gegen eine Calling Station? Es gibt Spieler, die eine Continuation Bet praktisch immer callen. Eine Continuation Bet ist gegen solche Spieler sinnlos, es sei denn, du willst dir beispielsweise ein bestimmtes Image verschaffen, um spätere Calls bei guten Händen deinerseits zu provozieren, oder du planst bereits bei der Continuation Bet einen Multi-Street-Bluff.

Alle diese Faktoren müssen sorgfältig abgewogen werden. Automatische Continuation Bets sind so wenig richtig wie automatische All-Ins.

DU BIST OUT OF POSITION

Beispiel

NL 100

Hero ($100)
Button ($100) (18/9/3.5/30)

Preflop: Hero is UTG + 1 with A K.
Hero raises to $4, Button calls.

Flop: ($9,50) Q 4 8 (2 players)

Eine sehr gute Situation für eine Continuation Bet:

  • Du hast nur einen Gegner.
  • Villain ist TAG, d.h. wird im Regelfall nur callen oder raisen, wenn er eine gute Hand hat.
  • Es ist unwahrscheinlich, dass Villain getroffen hat. Die Q stellt sicher, dass Villain auch mittlere Pocket Pairs aufgeben kann.
  • Das Board bietet keine starken Draws.
  • Villain hat preflop nur gecallt, also keine starke Hand repräsentiert.

Beispiel

NL 100 SH

Hero ($100)
MP ($100)
Button ($100) (40/1,2/45/0,9)

Preflop: Hero is UTG with A K
Hero raises to $4.00, MP calls $4.00, Button calls $4.00.

Flop: ($13.50) J T 8 (3 players)

Das Gegenbeispiel - eine Continuation Bet wäre hier sinnlos:

  • Du hast zwei Gegner.
  • Der Button ist die typische Calling Station, die so schnell nichts weglegen wird.
  • Deine Gegner könnten gut getroffen haben.
  • Es sind zahlreiche starke Draws möglich.
  • Wirst du gecallt und triffst am Turn oder River, liegst du trotzdem oft hinten. Du hast deshalb hohe reverse implied Odds.

Eine Continuation Bet wäre hier nach alledem nicht angebracht.

Beispiel

NL 100

CO ($100) (24/19/6.60/11) (261h)
UTG ($100) (24/17/3.91/25) (1194h)
Hero ($100)

Preflop: Hero is SB with K A
UTG raises to $4, CO calls $4, Hero raises to $17, UTG calls, CO calls $13.

Flop: ($51) Q 7 5 (2 players)
Hero bets $40.

Aufgrund des Boards setzt du hier eine Continuation Bet, auch wenn du gegen zwei Gegner spielst, denn du kannst aufgrund der beiden Preflopcalls mit guten Gründen annehmen, dass deine Gegner ein mittleres bis kleines Pocket Pair oder suited Connectors halten.

Erscheint nur eine Overcard, wird deine Continuation Bet am Flop oft von einem Gegner gecallt. In diesem Fall ist es oft eine Option, am Turn zu pushen, denn gegen eine erneute Bet (Push) geben viele Gegner Hände auf, die sie am Flop noch gecallt haben. Aber auch diese Frage ist gegnerabhängig, so dass sich Hero nicht verpflichtet fühlen sollte, den Turn zu pushen, nur weil er am Flop eine Continuation Bet gesetzt hat.

DU BIST IN POSITION UND DER GEGNER CHECKT

Hier gilt das Vorgesagte entsprechend. Hinzu kommt, dass Villain durch seinen Check nicht zu erkennen gegeben hat, eine starke Hand zu haben. Allerdings darf dieser Aspekt nicht überbewertet werden. Da eine Continuation Bet durch den Preflop-Aggressor weithin verbreitet ist, wird oft zum Preflop-Aggressor lediglich geckeckt, um seine Continuation Bet mit einem Checkraise einzusammeln. Also solltest du dich ebenfalls vor allem durch die oben genannten Faktoren leiten lassen.

DU BIST IN POSITION UND DER GEGNER BETTET

Der Fall, dass dein Gegner in dich hineindonkt, wurde bereits erörtert. Im Unterschied zur vorherigen Situation, hast du jetzt aber keine starke Hand. Way ahead <-> way behind spielt keine Rolle, da du mit hoher Wahrscheinlichkeit way behind bist.

Ein Call in dieser Situation wäre im Regelfall semioptimal. Da du wahrscheinlich die schlechtere Hand hältst, würde Villain keinen Fehler machen, wenn er beispielsweise mit Middlepair weiter am Turn bettet. Ein Call wäre also nur gerechtfertigt, wenn du aufgrund deiner Reads planen kannst, am Turn zu floaten, wenn Villain die Gelegenheit dazu gibt.

Im Regelfall stehst du hier aber vor der Frage, ob du folden oder raisen sollst.

Beispiel

NL 100

MP ($100) (30/5/3.5/27)
Hero ($100)

Preflop: Hero is button with A K.
MP calls $1, Hero raises to $4, MP calls.

Flop: ($9,50) Q 7 4 (2 players)
MP bets $6.

Hier könnte es sich anbieten, auf rund $25 zu raisen, wenn du dir angesichts der Stats von Villain (nicht übermäßig aggressiv, eher loose, geringer WTS-Wert) Foldequity ausrechnest. Du gibst Villain durch das Raise die Chance, die bessere Hand (etwa 88) zu folden. Du forcierst durch ein Raise also eventuell einen Fehler.

Hinzuweisen ist aber auch an dieser Stelle nochmals auf die Gedanken, die schon früher zur Reaktion auf eine Donkbet dargestellt wurden. Insbesondere gilt zu beachten, dass du gegen eine Donkbet weder stets folden noch stets raisen darfst, wenn du nichts getroffen hast – das wäre sehr auffällig. Speziell in dieser Fallgestaltung musst du eine balanced Strategy an den Tag legen.

Beispiel

NL 100

MP ($100) (40/5/3.5/40)
Hero ($100)

Preflop: Hero is button with A K.
MP calls $1, Hero raises to $4, MP calls.

Flop: ($9,50) 7 6 4 (2 players)
MP bets $6.

Hier würde es wesentlich schwerer werden, Villain aus der Hand zu bekommen. Er kann einen Draw halten und würde auch ein Overpair nicht weglegen. Hier sollte Hero schlicht folden.

ZUSÄTZLICHE WERTERHÖHENDE FAKTOREN

Hast du nicht nur zwei Overcards, sondern zusätzliche Faktoren, die den Wert deiner Hand erhöhen, bietet sich eine Continuation Bet als Semibluff oder Semibluffraise an. Hierzu sei im einzelnen auf den Strategieartikel Big Draws verwiesen. Zur Verdeutlichung ein Beispiel.

Beispiel

NL 100 SH

SB ($100)
BB ($100)
Hero ($100)

Preflop: Hero is UTG + 1 with A K
Hero raises to $4.00, MP calls $4.00, Button calls $4.00.

Flop: ($12.00) J T 8 (3 players)
SB checks, BB checks, Hero?

Eigentlich eine eher schlechte Situation für eine Continuation Bet. Du hast zwei Gegner und das Board ist koordiniert. Würdest du A K halten, würdest du wohl zumeist von einer Continuation Bet absehen.

Hier hast du aber A K, d.h. zu deinen Overcards den Nutflushdraw und einen Gutshotstraightdraw. Du bettest deshalb knapp Potsize aus folgenden Erwägungen:

  • Weder SB noch noch BB haben bislang Stärke gezeigt. Du hast dagegen von einer frühen Position geraist. Obwohl Draws möglich sind und auch zwei Broadway-Karten auf dem Board liegen, solltest du einige Foldequity haben.
  • Du bildest einen Pot für den Fall, dass du gecallt wirst. Triffst du dann, spielst du um den ganzen Stack von Villain, da du höhere Valuebets machen kannst.
  • Triffst du nicht, bekommst du oft eine Freecard am Turn.

Insgesamt ist daher eine Semibluffbet gerechtfertigt. Hast du allerdings Reads, wonach SB und/oder BB insbesondere loose-aggressive sind, würde check behind wiederum die beste Entscheidung sein. Damit ein Semibluff insgesamt erfolgreich wird, brauchst du Foldequity. Musst du davon ausgehen, dass du geraist wirst, bliebe dir nur, die Hand aufzugeben oder zu pushen, was in der gegebenen Situation keine leichte Entscheidung wäre.

Das Spiel am Turn

Kommen wir zum Spiel am Turn. Aufgrund der Vielzahl der möglichen Spielsituationen kann aber nicht mehr jede einzelne Situation dargestellt werden. Es werden deshalb die einzelnen Faktoren analysiert, die bei deiner Entscheidung am Turn zu berücksichtigen sind.

DU HAST WEITERHIN TPTK - PROTECTION VS. POT CONTROL

Für den Fall, dass du am Flop getroffen hast, dürfte das Spiel am Turn die schwierigste Entscheidung in der ganzen Hand sein.

Beispiel A

NL 100 SH

MP ($100)
Hero ($100)

Preflop: Hero is Button with A K.
MP calls $1, Hero raises to $5, MP calls.

Flop: ($11,50) A 4 9 (2 players)
MP checks, Hero bets $7, MP calls.

Turn: ($26,50) 2
MP checks, Hero??

Beispiel B

NL 100 SH

MP ($100)
Hero ($100)

Preflop: Hero is Button with A K.
MP calls $1, Hero raises to $5, MP calls.

Flop: ($11,50) K T 9 (2 players)
MP checks, Hero bets $9,50, MP calls.

Turn: ($30,50) 4
MP checks, Hero??

Es ist leicht zu sehen, dass der Flop in den beiden Beispielen eine vollkommen andere Textur hat. Deshalb hat Hero in Beispiel B am Flop auch mehr gebettet als im Beispiel A. Der Turn bringt in beiden Fällen eine Blank, d.h. eine Karte, die Villain aller Wahrscheinlichkeit nach nicht weitergeholfen haben dürfte.

Villain checkt zu dir, was dir natürlich entgegenkommt, da du die Initiative behältst. Hätte Villain plötzlich gebettet, hättest du eine sehr schwere Entscheidung.

Der Check von Villain kann folgendes bedeuten:

  • Er hat eine marginale Hand (oder einen Draw in Beispiel B) und will billig zum Showdown bzw. weiter drawen.
  • Er hat eine sehr starke Hand und will dich checkraisen.

An dieser Stelle musst du dich nun entscheiden, ob du deine Hand durch eine weitere Bet protecten willst oder ob es dir wichtiger ist, den Pot nicht weiter zu vergrößern („Protection vs. Pot control“). Die beiden Prinzipien widersprechen sich, da der Pot bei einer Bet for Protection naturgemäß größer wird.

Die Prinzipien „Protection“ und „Pot Control“ können im Rahmen dieses Artikels nicht näher erläutert werden. Es sei deshalb auf die Strategieartikel Protection und Pot Control verwiesen. Hier nur einige Grundgedanken, die für das Verständnis der folgenden Beispiele notwendig sind:

  • Von Protection spricht man, wenn man selbst die wahrscheinlich beste Hand hält und groß genug bettet, um einem Gegner inkorrekte Odds zum Drawen zu geben. Das Ziel einer Protection Bet ist es, sich auch jenen Teil des Pots zu sichern, der einem von der Potequity her eigentlich nicht zusteht, weil der Draw von Villain ja mit einer gewissen Prozentzahl eintrifft.

  • Pot Control betrifft das Spielen mit marginalen Händen. Nach dem grundlegenden Prinzip „große Pots erfordern große Hände“ (vgl. den Strategie-Artikel Pot Size) macht Pot Control keinen Sinn, wenn du eine sehr starke Hand hast. Dein Ziel ist es dann, den Pot möglichst groß zu machen, da du sehr wahrscheinlich vorn liegst und deine Hand zu Geld machen willst. Hast du nun allerdings eine Hand, die zwar einen gewissen Showdownvalue besitzt, aber kaum von schlechteren Händen gecallt wird, so möchtest du möglichst schnell und billig zum Showdown kommen.

Hieraus folgen drei wichtige Fragen, die du dir vor allem bei der Entscheidung am Turn stellen musst:

  1. Gibt es eine schlechtere Hand als deine, die eine Bet bzw. ein Raise callen würde?
  2. Könnte Villain eine bessere Hand folden?
  3. Musst du protecten, um Villain, falls er auf einem Draw ist, nicht die richtigen Odds zum Drawen zu geben?
  4. Fällt es dir leicht, gegen ein Checkraise von diesem Gegner zu folden?

Beantwortest du diese Fragen mit nein, bringt es nichts, den Pot durch eine Bet zu vergrößern. Das Prinzip Pot Control gewinnt dann die Überhand vor der Notwendigkeit, zu protecten bzw. for Value zu betten/bessere Hände zum Folden zu bekommen.

Beantwortest du die Fragen (es genügt eine der Fragen, insbesondere die Frage 3) dagegen mit ja, solltest du betten. Im Beispiel A sprechen folgende Gründe für check behind:

  • Wenn du bettest, callt ein reasonable Villain fast nie mit einer schlechteren Hand. Wirst du von einem solchen Gegner gecheckraist, müsstest du die Hand wahrscheinlich aufgeben, nachdem du nochmals viel Geld investiert hättest.

  • Check behind zeigt vermeintliche Schwäche. Möglicherweise wird Villain am River nochmals betten bzw. bluffen. Du kannst aufgrund des relativ klein gebliebenen Pots callen und den Bluff catchen.

  • Ferner kann Villain auch ein kleineres Ass haben. Bettest du am Turn, wird er oft folden, weil er am River nicht nochmals OOP checken will. Checkst du behind und checkt Villain erneut den River, kannst du nochmals for Value betten, denn viele Spieler callen die gleiche Bet, die sie am Turn nicht gecallt hätten, am River. Für einen Call muss Villain nicht einmal ein A haben.

  • Hat Villain dagegen eine starke Hand und bettet er for Value, kannst du (noch) callen, da der Pot eben durch deinen Turncheck nur groß und nicht übergroß ist. Du verlierst dann in etwa den gleichen Betrag, als wenn du selbst gebettet hättest.

Folgende Gründe sprechen dagegen für eine weitere Bet:

  • Mit einem Checkbehind verlierst du dann Value gegen eine schlechtere Hand, wenn dein Gegner passiv ist, d.h. bereit ist, mit einem kleinen A oder einem mittleren Pocket Pair bis zum River runterzucallen, ohne dass du ein Checkraise fürchten musst. Gerade kleine Asse werden auf den niedrigen Limits von passiven Gegnern oft limp/call gespielt und bis zum River runtergecallt.

  • Wirst du von einem reasonable Villain gecheckraist, hast du einen relativ einfachen Fold. Du verlierst durch deine Bet und den anschließenden Fold im Ergebnis genau so viel, als wenn du behindcheckst und noch eine Bet am River verlierst. Durch die Bet erhältst du dagegen die Chance, noch Value von einer schlechteren Hand zu bekommen oder den Pot direkt mitzunehmen.

Zusammenfassend kann man folgende Leitlinien aufstellen:

  • Gegen einen „tricky“ Gegner oder einen sehr aggressiven Gegner spielst du check behind, denn von einem solchen Gegnertyp willst du ungern geraist werden und auch das Argument „Bluffinduce am River“ hat einiges Gewicht.

  • Gegen einen „normalen“ oder passiven Gegner oder einen Fisch bettest du, da du von diesen Gegnertypen oft mit schlechten Händen ausbezahlt wirst. Außerdem hast du gegen ein Checkraise einen einfachen Fold, da ein Turn-Checkraise von einem solchen Gegnertyp in der Regel eine Premium-Hand bedeutet.

Die entscheidende Frage ist also: Kannst du auf ein Checkraise easy folden? Kannst du das nicht, solltest du check behind spielen. Schätzt du die Situation dagegen so ein, dass du bei einem eventuellen Checkraise wahrscheinlich geschlagen bist, kannst du for Value betten.

Anders ist die Situation dagegen in Beispiel B. Hier ist die Entscheidung wesentlich leichter. So wie Villain spielt, könnte er gut auf einem Draw sein. Du bettest deshalb erneut for Protection und for Value.

DU HAST WEITERHIN TPTK UND EIN DRAW KÖNNTE ANGEKOMMEN SEIN

Beispiel – aus dem Forum

NL 100

MP ($100) (55/5/2/30)
Hero ($100)

Preflop: Hero is UTG+2 with K , A
2 folds, Hero raises to $4.00, 4 folds, BU calls $4.00, 2 folds.

Flop: ($9.50) 7 , 2 , K (2 players)
Hero bets $7, BU calls $7.00.

Turn: ($23.50) 3 (2 players)
Hero checks, BU bets $13, Hero calls $13.00.

Der Check von Hero ist hier nicht optimal. Hero muss weiter for Protection betten, denn er will Villain keine Freecard geben, da er jedenfalls jetzt zu 50 % einen Draw hat. Ferner ist Villain nach seinen Stats loose und eher fischig, d.h. er kann alles Mögliche haben. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Villain auch mit einer schlechteren Hand callt, wenn er z.B. das A oder eine andere hohe -Karte hält.

Bettest du und Villain raist, musst du zwar folden, longterm hat bet Turn aber einen höheren Erwartungswert als check/call oder check/fold.

DU HAST WEITERHIN TPTK UND ZUSÄTZLICH EINEN FLUSHDRAW

Beispiel

NL 100

SB ($100)
BB ($100)
Hero ($100)

Preflop: Hero is UTG+2 with A K
Hero raises to $4.00, SB calls $4.00, BB calls $4.00.

Flop: ($9.50) 7 , 2 , K (2 players)
SB checks, BB checks, Hero bets $7, SB calls $7.00, BB calls $7.00.

Turn: ($30.50) 3 (2 players)
SB checks, BB checks, Hero??

Entgegen seinem ersten Impuls, erneut zu betten, sollte Hero hier nur checken. Denn die 3 gibt Hero zu seinem TPTK noch einen Nutflushdraw. Falls SB oder BB ein Set haben und auf ein Checkraise aus sind, müsste Hero oft folden, da er für den Call nicht die richtigen Odds erhält.

Wäre am Turn die 3 erschienen, wäre eine Bet richtig gewesen, da Hero dann gegen ein eventuelles Checkraise recht einfach folden könnte. Der zusätzliche Draw erfordert aber einen Checkbehind.

DU HAST WEITERHIN NUR OVERCARDS

Hast du weiterhin nur Overcards, musst du dich entscheiden, ob du eine 2nd Barrel feuerst bzw. floaten.

Die Umstände, die bei einer 2nd Barrel bzw. bei einem Float bedacht werden müssen, würden den Umfang dieses Artikels sprengen. Deshalb sei an dieser Stelle auf die Strategieartikel Multiple Barrels, Continuation Bets und Floaten (ab Platin) verwiesen.

Das Spiel am River

EINIGE ALLGEMEINE GEDANKEN ZUM SPIEL AM RIVER

Auch am River sind aufgrund des vorangegangen Spielverlaufs so viele Konstellationen möglich, dass in diesem Artikel nur auf einige allgemeine Punkte eingegangen werden kann. Das Spiel am River weist gegenüber dem Spiel preflop, postflop und am Turn folgende Besonderheiten auf:

  • Du hast alle Informationen, die du während einer Pokerhand erhalten kannst (fast alle, wenn du OOP bist). Du solltest also zumindest eine Idee haben, welche Hand Villain hält. Das meint natürlich nicht die genaue Hand, sondern den Typus der Hand (Set, busted Draw, schwaches Paar usw.).

  • Protection spielt keine Rolle mehr, da keine weiteren Karten mehr kommen. Du bettest und raist daher ausschließlich for Value bzw. als Bluff.

  • Checkt der Gegner bzw. bist du first to act, musst du überlegen, ob du eine Bet anbringst. Du musst dabei nicht nur hoffen, dass du die beste Hand hast. Vielmehr muss deine Hand vor allem dann die beste sein, wenn du gecallt wirst. Es stellt sich also die Frage: Gibt es eine wahrscheinliche Hand, die du schlägst und mit der Villain callt? Wenn nein, macht eine Bet keinen Sinn.

  • Hast du getroffen, wird der Pot am River im Regelfall bereits eine stattliche Größe haben. Die Entscheidung ist dann, vor allem OOP, sehr gegnerabhängig. Auf jeden Fall sollte man sich davor hüten, stereotyp eine Blockbet mit TPTK anzubringen. Blockbets werden von einem guten Spieler leicht durchschaut und geraist, wobei die Blockbet ein Raise regelrecht hasst. Gegen einen aggressiven Spieler bietet sich daher in den meisten Fällen check/call an. Ist der Gegner dagegen passiv und/oder schlecht, kannst du gut eine Blockbet von rund 1/3 pot anbringen, da Villain selten raisen wird und auch oft nicht erkennt, dass es sich um eine Blockbet handelt.

  • Viele Spieler callen (hohe) Bets zwar nicht am Turn, aber am River („to keep you honest“). Wenn du meinst, die beste Hand zu halten, darf die Bet deshalb ruhig höher ausfallen. Viele Spieler meinen auch, dass höhere Bets einen bluff anzeigen, denn wenn der andere wirklich etwas hätte, würde er ja nur klein betten, um die Wahrscheinlichkeit eines Calls zu erhöhen.

EINIGE STANDARDSITUATIONEN

Beispiel

NL 100

MP ($100)
Hero ($100)

Preflop: Hero is UTG+2 with K , A
2 folds, Hero raises to $4.00, 4 folds, BU calls $4.00, 2 folds.

Flop: ($9.50) 7 , 2 , K:heart (2 players)
Hero bets $7, BU calls $7.00.

Turn: ($23.50) 3 (2 players)
Hero bets $18, BU calls $18.00.

River: ($59.50) 9 (2 players)

Wie schon früher im Artikel empfohlen, hat Hero den Turn erneut gebettet und wurde gecallt. Sollte er wie am Turn bet/fold spielen?

Bet/fold ist hier nicht richtig, denn der Gesichtspunkt der Protection spielt am River keine Rolle mehr. AK ist hier im Grunde genommen nicht viel mehr als ein Bluffcatcher. Wenn du bettest, committest du dich. Du checkst also (auch, um einen Bluff zu induzieren) und foldest gegen eine hohe Bet. Eine kleinere Bet kannst du aber durchaus noch callen.

Beispiel

NL 100

UTG ($100)
Hero ($100)
BU ($100)

Preflop: Hero is UTG+2 with K , A
UTG raises to 2, Hero raises to $7.00, 4 folds, BU calls $7.00, UTG calls $5.00.

Flop: ($22.50) 7 , 2 , A (3 players)
UTG checks, Hero bets $22.50, BU calls $22.50, UTG folds.

Turn: ($67.50) 3 (2 players)
Hero bets $40, BU calls $40.00.

River: ($147.50) 9 new text (2 players)
Hero checks, BU bets $30,50 (All-In), Hero calls $30.50 (All-In).

Hero hat sich am Turn committet. Er kommt also bei jeder nicht--Karte nicht mehr von der Hand los, da er am River zu gute Odds erhält.

Der Check von Hero am River ist allerdings schlecht. Da Hero ohnehin callen muss, wenn Villain bettet, sollte Hero unbedingt selbst betten, um ein sog. „negative Freerol“ für Villain zu vermeiden. Hält Villain AQ oder konnte er sich am Turn nicht von J J trennen, wird er behindchecken. Hero bekommt durch seinen Check also keinen Value mehr von schlechteren Händen und muss bessere Hände ausbezahlen. Deshalb muss Hero selbst betten, weil die besseren Hände ihn All-In setzen und nur die schlechteren Hände check behind spielen.

PUTTING IT ALL TOGETHER

Beispiel

NL 100

MP ($100)
Hero ($100)
CO ($141.30)
Hero ($166.70)

Preflop: Hero is Button with K A (5 Players)
UTG folds, CO calls $1.00, Hero raises to $5.00, 2 folds, CO calls $4.00.

Standardspiel bis hierhin.

Flop: ($11.50) 3 Q 7 (2 Players)
CO checks, , CO calls $8.00

Ebenfalls Standard. Insbesondere ist zu beachten, dass Hero das A hält, so dass er einen Redraw hat und ein Flushdraw von Villain zwar möglich, aber eher unwahrscheinlich ist.

Turn: ($27.50) A (2 Players)
CO checks, Hero bets $13.00, CO raises to $26.00, Hero calls $13.00

CO spielte limp/call preflop, check/call Flop und check/raise Turn. Das ist fast immer ein Set. Die Line ist ziemlich stark und Hero sollte einen Fold ernsthaft bedenken. Das scheint zwar ziemlich weak, aber Hero bettet zweifach auf einem A-high-Turn, wobei Villain gleichwohl raist.

Zu bedenken ist allerdings auch, dass Villain vielleicht die Turnbet von Hero nur als schwach ansieht, weil Hero nur 1/2 pot bettet. Es ist aber zu bezweifeln, dass ein durchschnittlicher NL100-Spieler deshalb sofort ein Bluffraise ansetzt, noch dazu ein Bluffminraise. Gleichwohl ist Heros Bet natürlich deutlich zu klein. Etwas weniger als Potsize wäre die richtige Entscheidung gewesen.

Möglich und vielleicht empfehlenswert wäre gewesen, den Turn nur behindzuchecken und eine Bet am River zu callen. Immerhin hälts Hero das A, so dass weniger wahrscheinlich ist, dass Villain auf einen Flush drawt.

River: ($79.50) J (2 Players)
CO bets $35.00, Hero folds

Wie eigentlich vorherzusehen, bettet Villain nun den River. Diese Bet korrespondiert mit dem Read vom Turn, wonach Villain auf einem Set ist, denn er spielt im Grunde genommen eine Blocking-Bet, weil er evtl. Angst vor einem Flush hat. Der Fold von Hero am River zeigt, dass er eigentlich gleich am Turn hätte folden können.

Für ganz Furchtlose kommt ein Reraise All-In am River in Betracht, um einen Flush zu repräsentieren. Der durchschnittliche NL100-Spieler wird 33 oder 77 hier aber kaum weglegen, so dass der Move nur mit entsprechendem Read gegen einen sehr toughen Spieler erfolgversprechend sein dürfte.

Fazit

Wir hoffen, dass dieser und die beiden vorhergehenden Artikel ein wenig dazu beitragen konnte, dem Leser künftig genauere Entscheidungen zu ermöglichen. Anregungen, Lob und Kritik sind ausdrücklich erwünscht. Vielleicht können ein paar interessante Hände auch direkt in das Feedback-Forum zur weiteren Diskussion gepostet werden, das du hier findest: Feedback-Thread zur Artikelserie "Playing AK"