Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Blindbattle vs. LAGs und TAGs

Einleitung

von Stane1985

Heute geht es um Blindbattles gegen LAGs bzw. TAGs. Dieses Thema ist sehr komplex, da es ja nahezu unendlich viele Blinddefendsituationen gibt, ich versuche jedoch einige interessante Hände zu analysieren und ggf. die Unterschiede zwischen den Spielweisen gegen die verschiedenen Gegner deutlich zu machen.

Hand 1

5/10 Fixed-Limit Hold'em (5 handed)

Preflop: Hero is BB with T, 8.
3 folds, SB raises, Hero calls.

Flop: (4 SB) 6, 9, T (2 players)
SB bets, Hero raises, SB calls.

Turn: (4 BB) J (2 players)
SB checks, Hero bets, SB folds.

Final Pot: 5 BB

T8o defenden wir nach dem Blinddefend Chart standardmäßig. Wir treffen den Flop sehr gut und halten nun Top Pair + Gutshot, was eine starke Hand im HU darstellt.
Wir müssen uns nun entscheiden, ob wir call Flop, raise Turn spielen oder sofort am Flop raisen. In dieser Hand brauchen wir noch keine Fallunterscheidung. Sowohl gegen TAGs als auch gegen LAGs sollten wir hier sofort am Flop raisen. Das Problem, weswegen hier call Flop, raise Turn wegfällt ist, dass wir noch den Gutshot haben, den wir auf eine 3bet am Turn ungern folden würden.
Der Turn ist zwar eklig aber wir müssen hier weiterbetten, da unsere Hand noch stark genug ist und wir einem einzelnen keine Freecard geben dürfen. Auf einen Raise müssten wir hier auf Grund des Gutshots und der Chance noch gegen einen Draw vorne zu sein, runtercallen.

Hand 2

5/10 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is SB with K, 3
4 folds, Hero raises, BB calls.

Flop: (4.00 SB) Q, 6, 4 (2 players)
Hero bets, BB calls.

Turn: (3.00 BB) A (2 players)
Hero ???

K3s raisen wir standardmäßig aus dem SB und werden gecallt.
Am Flop machen wir unsere Contibet und werden erneut von unserem Gegner gecallt.

Am Turn erscheint nun dass A und wir unterscheiden:

  • TAG: Das A ist eine Scarecard und wir betten den Turn erneut. Villain wird das A selten bis nie halten da er Preflop nicht ge3bettet hat und wird oft folden. Raist uns der Gegner in dem Spot, sollten wir gegen einen TAG 3-betten. Da er, wie gesagt dass A selten halten wird, ist der Raise meistens ein Bluff, Semibluff oder ein Freeshowdown Raise mit einer weaken made hand. Wir haben mit der 3-Bet die Möglichkeit, ein Monster zu repräsentieren und der TAG wird oft eine bessere Hand folden. Außerdem haben wir wegen dem Flushdraw (+ Outs auf den King, die oft noch gut sind) so viele Outs, dass uns unser "Semi-Rebluff" effektiv nur sehr wenig kostet.
  • LAG: Gegen den LAG sollten wir hier den Turn nicht betten, sondern semibluff checkraisen. Auch der LAG wird das A selten halten, da Preflop keine 3-Bet kam, er wird aber öfter als der TAG bluffen oder mit einer schwachen Hand for Free Showdown raisen. Auch hier könnten wir zwar mit einer 3-Bet rebluffen, jedoch wird er uns öfter mit einer schwachen Made Hand runtercallen als der TAG.

Deswegen würde ich in dem Spot den c/r einer Bet vorziehen.
Ein c/r zeigt gegen die meisten LAGs auch mehr Stärke als eine einfache Bet, so dass er auf den c/r eher eine 6 oder 4 folden wird, als auf eine Bet. Checkt Villain behind, ist dies auch nicht schlimm für uns, da uns die Freecard meist mehr nützt als ihm.

Hand 3

5/10 Fixed-Limit Hold'em (5 handed)

Preflop: Hero is SB with 9, 6
3 folds, Hero raises, BB 3-bets, Hero calls.

Flop: (6.00 SB) Q, 9, 5 (2 players)
Hero checks, BB bets, Hero raises, BB 3-bets, Hero ???

Preflop raisen wir gemäß ORC, bekommen eine 3-Bet und callen natürlich, um uns den Flop anzusehen. Wir treffen Middle Pair, mit dem wir noch sehr oft vorne liegen und sollten hier sowohl gegen TAGs als auch LAGs den Flop checkraisen. Er 3-bettet den Flop.

Wir sollten hier wieder gegnerspezifisch spielen:

TAG: Die 3-Bet IP macht wenig Sinn. Starke Hände callen TAGs meistens, um dann den Turn zu raisen. Nach der 3-Bet setzt ich ihn auf folgende Hände:

  • Freecard Raise mit Draw
  • weakes Pair (3-Bet IP als cheap Showdown Move)
  • selten: Monster

Die ersten zwei Punkte sind meiner Meinung nach wahrscheinlich und ich würde mich gegen einen TAG deswegen entscheiden, den Flop zu cappen und den Turn zu leaden.

Gründe:

  • Wir verhindern eine Freecard am Turn
  • Maximalen Value von Draws und schwächeren Pairs, die er dennoch runtercallt.
  • Auf einen erneuten Raise am Turn können wir meist sicher folden, weil wir dann definitiv hinten liegen (billiger als calldown!).

LAG: Hier kommt es sehr darauf an, ob man einen Read darüber hat, wie er die 3-Bet IP am Flop nutzt. Wenn man schon häufiger gesehen hat dass er die 3-Bet IP am Flop for Freecard macht, sollte man die gleiche Line gegen ihn benutzen wie gegen den TAG. Defaultmäßig spiele ich nach der 3-Bet aber calldown.

Gründe:

  • LAGs wissen nicht unbedingt, dass es besser wäre starke Hände am Turn for Value zu raisen.
  • LAGs overplayen auf dem Board gerne mal ihr A High oder eine andere schwache Hand und betten durch, so dass wir durch Bluff Induce mehr Value bekommen, als wenn wir den Flop cappen und er am Turn sein A High foldet.
  • Wir haben nach unserem Flop Cap und unsere Bet am Turn auf einen Raise vom LAG nicht so einen einfachen Fold wie gegen den TAG. Er könnte hier trotzdem noch einen Draw wie JT oder Hände wie AK overplayen.

Hand 4

5/10 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is BB with 6, 5
SB raises, Hero calls

Flop: (4.00 SB) Q, 9, 5 (2 players)
SB bets, Hero ???

Wir haben hier mit 65s sowohl gegen einen TAG als auch gegen einen LAG genug Equity um zu defenden, also callen wir.

Am Flop treffen wir nun eine eher schwache made hand und sollten hier unterschiedliche Lines gegen die beiden Spielertypen wählen.

TAG: Da das Board ziemlich drawheavy ist, sollten wir auf jeden Fall am Flop oder Turn raisen. Das Problem bei einem raise Flop ist hier, dass der TAG uns sehr oft auf eine weake made hand oder einen Draw readen könnte, den wir for Freecard raisen wollen und uns somit selber mit relativ schwachen Draws oder made hands Action gibt, so dass wir unsere schwache Hand am Turn folden müssen. Call Flop, raise Turn for Free Showdown ist gegen diesen Gegner hier besser und die richtige Line.

Gründe:

  • Wir repräsentieren mit dem Raise eine relativ gute Hand.
  • Bekommen womöglich bessere Hände oder Hände mit mindestens 6 Outs zum folden,
  • Haben einen easy Fold auf eine 3-Bet
  • Zahlen nicht mehr, als mit einem Calldown, protecten aber besser.

LAG: Gegen einen LAG sollten wir hier einen einfachen Calldown machen, solange das Board nicht zu eklig wird.
Fallen auf Turn und River sehr eklige Karten (z.B. 4Flush, A und K, o. ä.) können wir ggf. auch mal einen guten Fold machen und ersparen uns einige BB. Der Grund für den calldown trotz des drawheavy Boards ist, dass der LAG seine Draws, womöglich auch seine A Highs sehr aggressiv am Flop und Turn spielen könnte und wir gegen ihn keinen easy Fold auf Action haben. Er wird oft seine Hand einfach nur overplayen und wir folden die beste Hand. Mit calldown lassen wir ihn einfach durchbluffen und gewinnen die Hand noch oft genug. Der Nachteil ist natürlich, dass wir nicht gut gegen Draws protecten, was aber dadurch ausgeglichen wird, dass wir selten die bessere Hand folden und der LAG oft mit einer schlechteren Hand 3barreln wird.

Fazit

Wir ihr gesehen habt, muss man im Heads-Up, vor allem im Blind Battle, stark von Gegner zu Gegner unterscheiden.
Gegen einen TAG kann man oft eine aggressivere Line wählen, da man in den meisten Fällen gute Folds findet und Villian selber aggressiv, aber nicht sd bound ist.
Gegen einen LAG ist es häufig besser, eine passive Line zu wählen, da Bluff Induce mehr Value als bei einem TAG hat, man keine so leichten Folds auf weitere Action findet und Villian viel showdown-gebundener ist.