Play von mittelstarken Händen OOP
Einleitung |
von Metzga25 |
In dieser Woche geht es darum, wie man mittelstarke Hände Out of Position auf unterschiedlichen Boards spielen sollte. Dazu werde ich 3 Beispielhände kommentieren. In der letzten Hand geht es um das Spielen von starken Draws Out of Position.
Hand 1
In der ersten Hand defended Hero gegen einen etwas unreasonable spielenden Cut-Off seinen Small Blind mit A8s. Der Cut-Off hatte bei dieser Hand folgende Stats:
Villian: (54, 18, 1.2, 39)
Preflop: Hero is SB with A
2 folds, CO raises, BU folds, Hero 3-bets, BB folds, CO calls.
Hero hat mit A8s einen Edge gegen die Cut-Off Openraising Range. Daher 3-betten wir hier.
Flop: (7.00 SB) Q


Hero bets, CO raises, Hero calls.
Am Flop treffen wir unser Midpair mit Topkicker und wir machen unsere Contibet. Villain raised uns nun direkt am Flop auf einem Board, dass so gut wie keine Draws zulässt. Einzig Gutshots mit JT oder T9 sind möglich.
Wie ist nun das ideale Play gegen diesen Gegner auf einem Board, wo Hero oft noch die beste Hand hält?
Hero sollte hier auch Out of Position passiv weiterspielen aus folgenden Gründen:
- Das Board bietet wie bereits erwähnt kaum Draws, ist aber ein ideales Bluffboard, weil der Gegner unsere Preflopaction oft ignoriert und glaubt, dass wir hier den Flop verfehlt haben und er uns somit oft mit Trashhänden wegbluffen will.
- Diese schwachen Hände haben meist nicht soviele Outs gegen uns, da wir beispielsweise andere Asse reverse dominated haben.
- Unser Gegner ist durchaus in der Lage seine Trashhände auf jeder Street zu bluffbetten, so dass wir hier am meisten Value bekommen, wenn Hero hier showdownbound und passiv spielt. Zusätzlich wird er auch meist seine schwächeren Madehands, also kleine Pockets, für uns for Value betten, da er uns vielleicht nur auf Ace High setzt.
- Wenn wir hier Aggression zeigen wird auch dieser Gegner seine hopeless Hands oft folden.
Turn: (5.50 BB) 2
Hero checks, CO bets, Hero calls.
Die 2 ist eine absolute Blank und ändert nichts an unserer Situation, so dass wir erneut check/callen.
River: (7.50 BB) T
Hero checks, CO bets, Hero calls.
Die T ist keine optimale Karte, da nun Gutshots ankommen oder ein höheres Pair haben. Der Gegner spielt aber so unreasonable, dass er, wie bereits erwähnt, eine sehr weite Range halten kann und Hero diesen River auf alle Fälle callen muss und auch genügend oft vorne liegt.
Hand 2
In dieser Hand hält Hero A9s und openraised standardmäßig im Small Blind. Der unbekannte Big Blind defendet passiv.
Preflop: Hero is SB with A
4 folds, Hero raises, BB calls.
Flop: (4.00 SB) T


Hero bets, BB raises, Hero 3-bets, BB calls.
Wir treffen auf einem sehr drawheavy Board (sowohl Flushdraw als auch Straighdraws sind möglich) Midpair mit Topkicker und machen unsere Continuationbet. Unser Gegner, der in diesem Fall unknown ist, raised uns direkt am Flop und wir müssen eine Entscheidung treffen.
In diesem Spot sollte Hero nicht wie bei Hand 1 passiv weiterspielen, sondern den Flop direkt 3-betten, um die Initiative zu behalten.
Dazu gibt es hier mehrere Gründe:
- Hero hält hier oft noch die beste Hand, kann aber hier nicht davon ausgehen, dass Villain als pure Bluff durchbettet. Der Gegner kann mit Gutshots und Flushdraws raisen, mit der Intention sich am Turn eine Freecard zu nehmen, wenn er nicht trifft. Zusätzlich kann er auch mit einer schwächeren 9 oder einer 6 raisen und sich mit diesen Händen am River den Freeshowdown nehmen.
- Gegen diese Hände ist es besser, am Flop erstmal eine Bet mehr zu investieren, da wir einerseits verhindern, dass sich Draws eine Freecard am Turn nehmen (zusätzlich müssen die Draws so das Maximum bezahlen) und wir gegen eine schlechtere 9 oder eine 6 mehr gewinnen, da diese Hände uns trotzdem downcallen, weil uns der Gegner vielleicht selber auf einen Draw setzt.
- Manchmal passiert es natürlich, dass der Gegner die T hält und wir eine SB mehr bezahlen, da er uns einfach downcalled oder der Gegner foldet direkt, da er einen pure Bluff versucht hat. Aber insgesamt überwiegt hier einfach der Vorteil, die Initiative zu behalten.
Turn: (5.00 BB) 5
Hero bets, BB calls.
Am Turn betten wir natürlich bei dieser Blank weiter for Protection und Value gegen die Draws und andere schlechtere Hände.
Auf einen erneuten Turnraise hätten wir eine schwere Entscheidung zu treffen. Gegen passive reasonable Spieler, die hier nicht erneut ihren Draw raisen werden, können wir sogar einen Fold finden. Hier hat man meist Toppair oder besser gegen sich. Gegen sehr aggressive Gegner und LAGs muss man aber downcallen, da solche Spieler durchaus in der Lage sind, nochmal als Semibluff zu raisen.
River: (7.00 BB) 2
Hero bets, BB calls.
Am River ist dann die Frage, ob man for Value betten soll, oder check/call spielt, um von busted Draws noch Bluffs zu inducen. Hero sollte hier auf alle Fälle for Value betten, da eben einige schlechtere Hände noch callen werden. Es werden oft noch eine schlechtere 9, die 6 oder ein anderes weakes Pair callen, die aber, wenn wir checken, den Freeshowdown nehmen werden. Bessere Hände werden uns dagegen immer Valuebetten. Insgesamt denke ich, werden öfters schlechtere Hände callen, als das busted Draws nochmal bluffbetten. Daher Valuebet River.
Hand 3
In dieser Hand halten wir keine Madehand, sondern einen starken Draw. Wir openraisen QJs im SB.
Preflop: Hero is SB with Q
4 folds, Hero raises, BB calls.
Flop: (4.00 SB) K


Hero bets, BB raises, Hero 3-bets, BB calls.
Am Flop treffen wir einen Flushdraw und Gutshot und betten natürlich. Der Gegner raised uns hier direkt am Flop.
Wir sollten aus mehreren Gründen 3-betten:
- Mit einer 3-Bet haben wir bei diesem Board oft Foldequity am Turn gegen eine 6 oder sogar 9.
- Wenn der Gegner nicht gerade den King hält haben wir extrem viele Outs, da oft sogar eine Queen oder Jack uns die beste Hand bringt. Somit ist der Semibluff nícht sonderlich teuer und muss nicht so oft funktionieren.
- Zusätzlich wird auf einen solchen Board gerade im Blindbattle ein aggressiver Big Blind oft als pure Bluff raisen, da er weiß, dass unsere Stealing Range sehr groß ist und wir hier oft direkt folden müssen (da wir oft nicht getroffen haben). Mit einer 3-Bet gewinnen wir dann oft direkt den Pot, auch wenn der Gegner, dann oft eine schlechtere Hand mit verseuchten Outs foldet. Aber sein wir mal ehrlich, hier will man ja nicht mit Queen high downcallen, wenn man auch bessere Hände mit der 3-Bet zum folden bringen kann. Hier die Initiative mit einer 3-Bet an sich zu reissen, hat also sehr viel Value.
- Im Endeffekt spielen wir unseren starken Draw also wie eine gute Madehand (zum Beispiel Toppair mit dem King), was uns auch schwerer zum readen für einen mitdenkenden Spieler macht.
Gegen passive Callingstations oder Maniacs sollten wir jedoch passiv spielen, da wir hier so gut wie keine Foldequity haben und uns unseren Draw nur unnötig teuer machen.
Der Gegner sollte also einigermaßen tight sein und auch in der Lage sein ein Pair zu folden.
Turn: (5.00 BB) A
Hero bets, BB folds.
Am Turn kommt die ideale Scarcard und Hero sollte auf alle Fälle nochmal betten. Die Bet zeigt enorme Stärke und tighte Spieler werden hier durchaus oft eine 9 oder 6 folden.
Fazit
Mit mittelstarken Händen wie Midpair sollte man Out of Position sein Spiel stark von der Boardtextur (und auch dem Gegner) abhängig machen. Auf drawheavy Boards sollte man eher geneigt sein, die Initiative zu behalten, während man auf trockenen "Bluffboards", vor allem gegen notorische Bluffer, showdowngebunden und passiv spielen kann.