Aktualisiert am 12 März 26 von

Das Isolieren einer Callingstation (1) - Preflop

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Das Isolieren einer Callingstation (1) - Preflop

von MiiWiin

Das Hauptziel eines jeden Pokerspielers ist es, profitable Tische zu finden. Profitabel bedeutet, dass du dir gegen mindestens einen Gegner am Tisch einen deutlichen Vorteil zuschreiben kannst, da du von deiner eigenen Spielanlage her besser gerüstet bist.

Bei diesem Ziel können zahlreiche Spielertypen von Interesse sein, diesmal soll das Hauptaugenmerk aber auf der Callingstation liegen. Sie ist das Premiumziel der Angelei in den Fischteichen.

Doch es gibt Besonderheiten, wie du gegen Gegner spielen solltest, die anscheinend nicht bereit sind, sich von einer auch nur ansatzweise gemachten Hand zu trennen. Dies hat in erster Linie zwar Vorteile, kann jedoch aufgrund mangelnder Foldequity auch Nachteile mit sich bringen.

Was ist eine Callingstation?

Nun muss zuerst definiert werden, was du als Callingstation empfindest. Schon ein als regulär erscheinender TAG kann durch einen extrem hohen Went-to-Showdown-Wert Anzeichen einer Callingstation nachweisen.

Das Hauptaugenmerk soll hier aber auf den typischen Fischen liegen, die nun einfach grob kategorisiert werden:

  • VPIP: Dieser ist meistens sehr hoch, häufig über 30% oder wesentlich höher.
  • PFR: Ist im Allgemeinen sehr gering, häufig um die 10% oder darunter.
  • Das Verhältnis VPIP/PFR: Die Lücke zwischen VPIP und PFR ist in den meisten Fällen eklatant hoch.
  • WTS: Dieser Wert Liegt meist über dem Schnitt (22-27%), somit im Normalfall um die 30% oder darüber.

Auf solche Spieler sollen sich die folgenden Gedanken nun beziehen.

Was ist “Isolieren“?

Dafür kannst du erst einmal das Glossar zu Rate ziehen:

Das Isolieren eines Spielers durch einen anderen zielt darauf ab, sämtliche anderen Beteiligten durch eine Erhöhung aus der Hand zu vertreiben, so dass du gegen diesen einen Gegner allein spielst, ihn also Heads-up bekommst.

Das Isolieren wird zum Beispiel angewandt, um einen schwachen Spieler schon frühzeitig in der Hand für sich allein im Pot zu haben, ohne störende Dritte, oder um einen Positionsvorteil, den man gegenüber dem Gegner hat, zu festigen, indem man die nach einem noch agierenden Spieler, die den Vorteil zunichte machen könnten, aus der Hand drängt.

Durch eine Erhöhung versuchst du, direkt gegen einen spezifischen Gegner ins Heads-up-Play zu gelangen. Dies kann durch eine einfache Erhöhung geschehen, nachdem ein passiver Spieler beispielsweise gelimpt hat, oder aber durch eine 3-Bet nach einem Openraise.

Warum überhaupt Isolieren?

Die Frage nach dem warum solltest du natürlich leicht beantworten können.

Neben den grundsätzlichen Vorteilen eines Raises hast du hier neben der Möglichkeit, den Pot direkt preflop einzusacken, die Möglichkeit, gegen einen schwachen Spieler ins Heads-up zu gelangen und dort deine Edge auszuspielen.

Hier spielt auch der Faktor Zeit eine Rolle. Nicht viele schlechte Spieler setzen sich mit 100 Big Blinds an den Tisch und kaufen bei jedem Verlust immer brav nach. Solche Spieler haben ganz eigene Verfahrensweisen zu Stacksizes und Bankrollmanagement entdeckt.

Ein häufig auftauchendes Problem ist dabei, dass diese Spieler nicht rebuyen. Haben sie anfangs 100 Big Blinds zur Verfügung und verlieren ein bis zwei Pötte, so spielen sie mit ihrem kleinen Stack weiter. Dies hat unter anderen damit zu tun, dass sie die Meinung vertreten, so nicht noch unnötig mehr zu verlieren.

Das zweite auftretende Problem spiegelt sich in der Tatsache wider, dass solche Spieler nach dem Verlust ihres Stacks häufig den Tisch verlassen. Ihrer Meinung nach ist es eine Unverschämtheit, den ganzen Stack an einem Tisch zu verlieren, da versuchen sie ihr Glück lieber auf anderen Tischen.

Dazu gesellen sich zahlreiche andere Typen:

  • Viele Spieler kaufen sich nicht mal für 100 BB ein, sondern spielen als Midstack.
  • Diese Spieler wechseln auch ohne Verlust ihres ganzen Stacks häufig den Tisch.
  • Auch wenn sie ein paar Mal gewonnen haben, könnten sie den Tisch verlassen, da sie Angst haben, ihren ganzen (deepen) Stack wieder zu verlieren.

Unterm Strich sollte klar sein, worauf du achten musst: Dir bleibt nur eine gewisse Zeitperiode übrig, um diesen Spieler um seinen Stack zu erleichtern. Es reicht nicht aus, dabei nur auf die Premiumhände zu warten, die du möglichst varianzfrei spielen kannst.

Versuchst du also nicht diesen Spieler zu isolieren und ihn in komplizierte Spots zu führen, so wird es ein anderer Spieler machen und dir deinen Gewinn vor der Nase wegschnappen.

Worauf musst du besonders achten?

Auch wenn man es so leicht daher sagt, ist das Isolieren solcher Spieler nicht sonderlich einfach. Ist der restliche Tisch eher von Regulars übersäht, so werden sie natürlich mitbekommen, dass du recht häufig erhöhst, um gerade in diese profitablen Spots zu kommen. Die gleichen Spots hätten die anderen Gegner aber auch gerne.

Du musst also damit rechnen, dass du bei zu vielen lighten Raises auch lighte 3-Bets kassieren kannst, da du zum einen für ein einfaches Raise gegen eine Callingstation wenig Credit bekommst und zum anderen auch die übelsten Callingstations nicht automatisch jede 3-Bet coldcallen, so dass eine Bluff-3-Bet hinter dir häufig von Erfolg gekrönt sein mag.

BEISPIEL1:

PartyPoker $100 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100) (35/8/0.5/31) (VPIP/PFR/AF/WTS)
Hero ($100)
SB ($100) (24/19/3.5/24)
BB ($100)

Preflop: Hero is BU with X, X
2 folds, CO calls $1.00, Hero raises to $5.00, SB raises to $16.50, 2 folds

Kein Spieler gönnt dem anderen etwas, und genauso wie diese Spieler dir diesen schönen Spot kaputt machen wollen, musst du auch selber nach eben diesen Möglichkeiten Ausschau halten. Achte also auch selber auf diese Situationen, sofern du nicht direkte Position auf den Fisch hast. Wer zu light isoliert, ist anfällig für Bluff-3-Bets.

Freilich gibt es viele andere Probleme. Auch wenn du dir eine Edge geben kannst, so musst du jedoch berücksichtigen, dass deine Gegner postflop nicht sonderlich viel folden. Hier ist es naturgemäß elementar, eine geeignete Handauswahl zu treffen, da du nicht jeden Mist profitabel spielen kannst, sofern dein Gegner zu viele Hände zum Showdown trägt.

Gerade drawing Hands, die in erster Linie von ihrer Playability und den Implied Odds leben, sind mit Vorsicht zu genießen. Einen Draw aggressiv zu spielen, macht gegen einen Gegner wenig Sinn, der wirklich nichts zu folden scheint. Gerade in diesen Spots wird der Aspekt der Equity wieder wichtiger.

Somit kann eine Hand wie KJ durchaus einen dauerhaft größeren EV haben als eine Hand wie 67s. Bekommst du gegen TAGs beispielsweise Probleme, mit KJ in großen Pötten zu verweilen, so ist diese Hand bei Hit eines Toppairs mit ihrem eher schwachen Kicker gegen Callingstations meistens noch gut.

Ideale Hände?

Wenn du an dieser Stelle nun eine Liste mit möglichen Händen erwartest, so wirst du leider enttäuscht. Callingstations laufen in den verschiedensten Variationen herum, da ist es nicht möglich und vor allem nicht sinnvoll, spezielle Hände vorzuschlagen.

Ein erster Hinweise wurden oben bereits genannt: Hände mit hoher Equity haben hier Vorteile. Das können auch Hände wie QTo oder A9o sein, wo du dir bei einem Toppair sicher sein kannst, dass es viele schwächere Hände in Villains Range gibt, mit denen er auch bereit ist, noch etwas in den Pot zu investieren.

Gerade mit Toppairs – auch ohne den Top Kicker - wirst du in deinem ganzen Pokerleben gegen Callingstations viele Pötte gewinnen. Gegen reguläre Gegner, die ungern einfach heruntercallen, kannst du mit diesen Händen jedoch Probleme bekommen. Ein TAG beispielsweise wird selten preflop mit Q9s- callen und dich am Flop auf einem Q-high-Board ausbezahlen. Callingstations hingegen callen so etwas preflop nicht nur (gerne), sie sind postflop auch kaum noch von der Hand zu trennen.

Was sich hingegen eher nicht eignet, sind Hände wie offsuited Connectors oder any 2 suited. Auch die suited Connectors sind mit Vorsicht zu genießen. Selbstredend ist ihre Playability auch gegen Callingstations mehr als passabel, aber gerade out of Position (Small Blind) kannst du hier häufig auf verlorenem Posten stehen.

Dennoch ist es meist ein Mangel an Alternativen, während du jedoch mit diesen Händen auch out of Position meistens noch ein Raise finden kannst, solltest du es mit offsuited Connectors eher lassen.

BEISPIEL 2:

PartyPoker $100 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100)
BU ($100) (35/8/0.5/31) (VPIP/PFR/AF/WTS)
Hero ($100)
BB ($100) (24/19/3.5/24)

Preflop: Hero is SB with X, X
3 folds, BU calls $1.00, Hero...,

Gerade in solchen Situationen kannst du nicht viel verkehrt machen. Denke nur daran, dass du postflop out of Position agieren musst und dafür schon wissen solltest, wie dieser Gegner auf lighte Continuationbets und 2nd Barrels reagiert. Dieses Wissen ist nämlich schon bei der Abwägung der Alternativen preflop von großer Bedeutung.

3-Bet lohnenswert?

Sofern jemand limpt, der als schwacher Spieler klassifiziert wird, ist ein Raise mit einem Großteil der Hände lohnenswert. Wie sieht es aber aus, sollte der Gegner selbst bereits geraist haben?

BEISPIEL 3:

PartyPoker $100 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100)
BU ($100) (35/8/0.5/31) (VPIP/PFR/AF/WTS)
Hero ($100)
BB ($100) (24/19/3.5/24)

Preflop: Hero is SB with X, X
3 folds, BU raises to $3.00, Hero...

In diesen Fällen wird die ganze Sache wesentlich schwieriger. Es gibt hier zwei Punkte zu beachten:

  • Du erzeugst meistens wenig Foldequity.
  • Du spielst somit häufig einen 3-bettet Pot out of Position.
  • Dein Gegner callt jedoch meistens mit sehr schwachen Händen.

Genau diese Problemstellungen musst du jedes Mal neu definieren und versuchen, auf den Gegner anzuwenden. Dabei helfen dir folgende Werte:

  • Openraise aus der jeweiligen Position
  • Fold-to-3-Bet
  • Fold-to-Cbet Flop/Turn

Es mag in diesen Situationen nicht mehr sonderlich einfach zu entscheiden sein, wann eine 3-Bet for Value ist und wann nicht. Selbstverständlich ist eine 3-Bet mit KJo denkbar, sofern der Gegner wirklich kaum etwas auf 3-Bets hin foldet.

Jedoch muss dir hier auch klar sein, dass du dich in varianzreiche Spots begibst. Vor allem dann, wenn du daran denkst, hier mit drawing Hands zu 3-betten. 56s und kleine Pocketpairs sollten hier eher nicht zu deinem Standardrepertoire gehören. Zu häufig bekommst du Calls, verfehlst das Board und ballerst dich postflop um Kopf und Kragen.

Sofern ein passiver Spieler raist, solltest du deine 3-Bet primär for Value setzen, jedoch mit den Anforderungen etwas herunter gehen. Hände wie AJo oder KQo sind in solchen Spots durchaus 3-Bets for Value, dein Gegner callt häufig genug schlechtere Hände.

» ZUSAMMENFASSUNG

Eine erste Einführung in das Isolieren loser Spieler hast du nun bekommen. Nächstes Mal wirst du sehen, wie du diese Gedanken postflop umsetzt, denn erst dort wird das dicke Geld gegen solche Spieler gemacht.

Wichtig dabei ist die Abwägung, ob Continuationbets überhaupt sinnvoll sind, inwiefern du Draws aggressiv spielen kannst und ob es unter Beachtung dieser Aspekte grundsätzlich sinnvoll ist, mit diesen speziellen Händen preflop eine Erhöhung anzustreben.