Donkbets (1) - Theorie I
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In der heutigen Kolumne dreht sich alles um das Thema Donkbets. Die Fragen die dich dabei beschäftigen sollten sind natürlich die nach dem Sinn solcher Bets, die möglichen Ranges und ebenfalls das Balancing.
Ebenso interessant sollte sein, womit deine Gegner dir häufig eine Donkbet verpassen. Wie stehst du gegen die Gegner da und vor allem: Wie reagierst du ideal darauf?
Was ist eine Donkbet überhaupt?
Der erste Blick geht auf das PokerStrategy.com - Glossar:
Der Begriff Donkbet leitet sich vom englischen Wort für Esel (donkey) ab. Eine solche Bet ist eine unerwartete oder riskante Bet eines Spielers in einen anderen Spieler hinein, der häufig auch Aggressor in einer früheren Wettrunde war. Andere Bezeichnungen für diesen Spielzug sind Gaybet und Bet out of nowhere, eine Bet aus dem Nichts. Eine typische Situation für eine Donkbet ist beispielsweise, wenn ein Spieler in der ersten Wettrunde eine Erhöhung mitgeht und in der folgenden Wettrunde in den vorherigen Aggressor hinein bettet. Donkbets können einerseits einfach dumme Spielzüge eines unerfahrenen Spielers sein, andererseits aber auch Täuschungsmanöver, da sie häufiger als Zeichen einer schwachen Hand gewertet werden. Zudem finden sie auch in Spielen mit variablen Setzgrößen als Blockbets Anwendung, indem der Gegner mit einer kleinen Donkbet davon abgehalten wird, einen großen Einsatz und somit die nächsten Karten z.B. für einen Draw zu teuer zu machen.
Die einfache Zusammenfassung lautet also, dass eine Donkbet die Bet des Spielers ist, der preflop nicht zuletzt Aggression gezeigt hat. Die Einschätzung dieser Bets ist jedoch nicht so einfach wie man es gerne hätte.
Warum Donkbetten?
Dies ist die elementare Frage, die sich ein Spieler erst einmal stellen sollte.
Die Überlegung „warum bette ich…“ solltest du dir naturgemäß jedes Mal stellen. Habe ich eine Valuebet? Kann ich eine Bluffbet tätigen? Wie wird mein Gegner auf diese Bet reagieren?
Der Grund für Donkbets ist somit eingeschränkt auf vier Hauptoptionen:
- Valuebets
- Bluffbets
- Semibluffbets
- Infobets
Als größtes Problem ist hierbei wohl die Infobet zu sehen. Wie du sicherlich weißt, sind Inforaises im No-Limit nahezu immer eine schlechte Wahl, warum also überhaupt infobetten?
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
BU ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is BB with 7

UTG raises $1.00, 4 folds, Hero calls $1.00
Flop: ($2.10) 6


Hero bets $1.40, ...
Das Problem einer solchen Infobet ist, dass du selbst häufig den Sinn nicht erklären kannst. Obwohl du eine gute made Hand hältst, die du nicht check/folden möchtest, könntest du mit einem Fold deines Gegners gut leben.
Du gehst davon aus, dass er nur bessere Hände raist und du somit deine Hand noch locker weglegen kannst, sofern dein Gegner Aggression zeigt.
Häufig passiert folgendes…
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
BU ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is BB with 7

UTG raises $1.00, 4 folds, Hero calls $1.00
Flop: ($2.10) 6


Hero bets $1.40, UTG calls $1.40
Turn: ($4.90) 4
Hero...
Ehrlich gesagt möchtest du in diese Situation gar nicht kommen. Das Board bietet keine Draws, welche schlechtere Hand kann Villain hier callen? Maximal Overcards kann er als Draw am Flop gecallt haben. Aber reicht das aus?
- Wenn du jetzt check/folden würdest, warum dann überhaupt die Donkbet?
- Wenn du jetzt check/callst, warum dann nicht schon am Flop?
Nüchtern betrachtet bringt dir die Donkbet am Flop nichts, du bekommst selten Value von schlechteren Händen, bekommst nahezu nie etwas besseres zum folden und bringst dich auf den folgenden Streets in eine sehr ungünstige Position.
Auch wenn diese Infobet eigentlich wenig Sinn ergibt, so ist sie doch meistens der Hauptgrund für eine Donkbet (einfach aufgrund von fehlenden Alternativen, was sich jedoch meist auf wenig Erfahrung des Spielers zurückführen lässt).
Was muss bei einer erfolgreichen Donkbet gegeben sein?
Betrachte nun die anderen drei Fälle: Value, Bluff, Semibluff.
Eine Donkbet for Value hat ein eindeutiges Ziel: Du willst von deinem Gegner Value extrahieren und bist dabei der Meinung, dass eine Donkbet einen höheren EV hat als ein Check.
Dies ist extrem vom Gegner abhängig. Möglich wäre beispielsweise ein sehr passiver Spieler, der nur selten contibettet (selbst Aggression zeigt), aber häufig runtercallt. Gegen ihn siehst du out of Position drei Valuebets.
Ebenso möglich ist dies gegen sehr aggressive Spieler (bspw. Maniacs), bei denen du sogar weißt, dass sie häufig als Bluff direkt drübergehen. Da kannst du schon am Flop einen großen Pot aufbauen.
Ebenso sind diese Bets auch gegen Regulars von großem Wert, da sie häufig nicht wissen, wie sie darauf reagieren sollen. Auf Donkbets folden Gegner ungern und auch hier mag es möglich sein, dass du lighte Calls bekommst.
Du unterbindest deinem Gegner einfach die Möglichkeit, am Flop behind zu checken und somit einerseits den Pot klein zu halten (was nicht in deinem Interesse ist) oder aber eine Freecard zu gewähren (was dir auf drawheavy Boards wiederum nicht zusagen würde).
Auch ist es sinnvoll, die Alternativen abzuwägen. Was wäre, wenn der Gegner zwar häufig contibettet, jedoch immer am Turn behindcheckt? Alternativen wären entweder den Flop zu checkraisen oder aber am Turn zu donken. Denkst du, dass ein Checkraise zu stark aussieht und eine Donkbet am Turn den gleichen Effekt hat, wird die Donkbet am Flop wiederum zur ersten Wahl.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25) Callingstation
MP ($25)
CO ($25)
BU ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is BB with 7

UTG raises $1.00, 4 folds, Hero calls $1.00
Flop: ($2.10) 7


Hero bets $1.40, UTG calls $1.40
Turn: ($4.90) 4
Hero bets $3.70,...
In diesem Fall bettest du gegen einen passiven Gegner einfach durch, da du der Meinung bist, er selbst wird zu wenig selber betten, aber liebend gerne schwächere Hände callen. Du stufst hier einfach den EV einer Donkbet höher ein, als den eines Checks.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25) TAG
MP ($25)
CO ($25)
BU ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is BB with 7

UTG raises $1.00, 4 folds, Hero calls $1.00
Flop: ($2.10) 7


Hero bets $1.80, UTG calls $1.80
Turn: ($5.70) 2
Hero bets $4.80,...
Hier hast du die Annahme getroffen, dein Gegner wird dieses Board häufig behindchecken. Daher möchtest du direkt protecten. Genau in solch einem Fall erreichst du eine Grenze:
- Villain wird viel folden.
- Du verzichtest auf seine Bluffcontibet.
- Durch ein Checkraise am Flop würdest du mehr protecten.
- Villain wird nicht viele Donkbets raisen, sondern vieles auf Potcontrol spielen (oder gar Draws auf Implieds callen).
- Die Line donkbet/3-bet(push) wird demnach nicht häufig funktionieren.
Alleine an diesen beiden Beispielen siehst du die Probleme von Donkbets. Sie haben zwar einige Vor-, jedoch auch viele Nachteile.
Kommen wir zur zweiten Option, der Bluffdonkbet.
Hier ist die Sachlage eindeutig: Du hast nichts und willst nur deinen Gegner zu einem Fold bewegen. Unter Umständen reicht dir dafür ein Fold deines Gegners am Flop, du kannst aber auch von vorneherein planen, den Turn zu 2nd-barreln, vielleicht in Abhängigkeit einer guten Scarecard.
Somit würdest du am Flop und am Turn Foldequity erzeugen.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25) Tight-passive
MP ($25)
CO ($25)
BU ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is BB with 7

UTG raises $1.00, 4 folds, Hero calls $1.00
Flop: ($2.10) A


Hero bets $1.40, UTG calls $1.40
Turn: ($4.90) J
Hero bets $3.40, UTG folds
Auch hier kannst du sehen, dass solch ein Spot knapp ist (nehmen wir den marginalen Preflopcall mal grundsätzlich aus der Betrachtung heraus).
Ist es hier sinnvoll zu bluffen? Der Gegner ist eher tight-passive, er spielt nicht viele Hände, callt aber auch nicht alles runter. Dein Showdownvalue ist gleich Null, am Turn kommen Straight- und Flushdraw an. Selbst mit AK hätte Villain Probleme, hier zu callen (jedes PP schmeißt er weg).
Villain muss hier nur zu ca. 40% folden, um den Move +EV zu gestalten. Ist das gegeben?
Dieser Punkt ist wohl der mit Abstand komplizierteste. Hältst du einen Draw out of Position, ist dies meistens ein nicht gerade ertragreicher Spot. Wie du in Beispiel 5 schon gesehen hast, sollte man in solche Situationen auch nicht häufig geraten.
Einen suited Connector out of Position muss man nach einem einfachen Raise nicht zwangsweise callen.
Daher hältst du häufig schwache Draws, wie bspw. einen open-ended Straightdraw (wenn du in den Blinds ein Pocketpair gecallt hast) oder Overcards (mit evtl. zusätzlichen Straight- oder Flushouts).
Das Problem mit solchen Händen ist einfach, dass du sie nicht profitabel bet/callen kannst. Deine meisten Draws müsstest du daher donkbet/folden.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25) Unknown
MP ($25)
CO ($25)
BU ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is BB with A

UTG raises $1.00, 4 folds, Hero calls $1.00
Flop: ($2.10) 4


Hero bets $1.40, ...
Du donkst zwar einerseits als Semibluff, da du zwei Overcards hältst, den Backdoorflush sowie die Backoorstraight, aber andererseits reicht das natürlich nie und nimmer um profitabel 3-betten zu können, sollte Villain raisen.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25) Unknown
MP ($25)
CO ($25)
BU ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is BB with 6

UTG raises $1.00, 4 folds, Hero calls $1.00
Flop: ($2.10) 4


Hero bets $1.40, ...
In diesem Fall sieht die Sache anders aus, jedoch ist das Preflopplay wieder diskutabel.
Hier kannst du natürlich über eine 3-Bet pushen, donk/fold macht mit dieser Hand wenig Sinn. Dennoch kannst du hier schauen, ob ein Checkraise nicht profitabler wäre. Immerhin erzeugst du damit mehr Foldequity, als durch eine einfache Donkbet.
Solltest du checken und dein Gegner auch, erhältst du eine Freecard, was du eigentlich ebenfalls begrüßen könntest.
Callt Villain jedoch deine Donkbet, musst du schon einen Plan für dein Turnplay haben, vor allem in den Fällen, in denen du nicht improvst. Deine Equity wird naturgemäß deutlich fallen, solltest du am Turn keinen Hit landen.
Hier musst du einfach genau abwägen, ob es Gegner gibt, gegen die ein solches Play sinnvoll ist. Erzielst du ausreichend Foldequity durch eine Donkbet? Hat eine mögliche 2nd Barrel genug Foldequity zu erwarten? Wirst du bei einem Hit am Turn (River) häufig genug ausbezahlt?
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An all diesen Beispielen siehst du, dass das Play out of Position immer unangenehm ist. Die grundsätzlichen Fragen, in welchen Fällen du donkbetten kannst, wurden aufgezeigt. In weiteren Teilen dieser Kolumne wirst du mehr konkrete Beispiele vorfinden. Vorher wird jedoch weiter an der Theorie gearbeitet: Warum befindest du dich überhaupt in einem solchen Spot? Wie schaut es mit dem Balancing aus, was sind die Alternativen und wie verändert sich das Play in multiway Pötten? Kannst du Donkbets auch in 3-Bet Pots anwenden? Und wie reagierst du auf Donkbets an Turn und River? Um diese Fragen wird es im nächsten Teil gehen. |
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