Bet Turn for free Showdown (3) - Ohne Initiative
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Nachdem du bereits Spots kennengelernt hast, in denen du mit Initiative am Turn 2nd-barreln kannst, sollst du heute Situationen erleben, bei denen du am Turn die Wahl zwischen Freecard und Valuebet besitzt, nachdem dein Gegner am Turn gecheckt hat.
Vorgeschichte
Es gibt wiederum mehrere Möglichkeiten, was bislang geschehen sein könnte:
- Villain raist preflop, contibettet den Flop und checkt den Turn.
- Villain raist preflop, checkt den Flop und checkt den Turn.
- Unraised Pot, Villain checkt zweimal.
Der Fall des unraised Pots wird nicht genauer betrachtet, er ist letztlich zu marginal und zu breit gefächert (Villain wird meistens nichts haben und check/folden), so dass die Konzentration auf dem raised Pot liegen soll.
Wie kann Situation 2 beschrieben werden? Villain checkt den Flop und du checkst behind. Mit welchen Händen würdest du das tun, um dann am Turn zu betten? Wohl in erster Linie mit Händen, die sich am Turn verbessert haben, ansonsten hättest du bereits am Flop gevaluebettet. Dieser Spot kommt zwar vor, weist in der grundsätzlichen Thematik aber kaum Unterschiede zu Fall 1 auf.
Daher werden nur Spots beleuchtet, die Fall 1 entsprechen, die Grundgedanken sind naturgemäß auf andere Situationen übertragbar.
Vorrausetzungen
Viele Spots wurden bereits in Teil 2 dieser Reihe besprochen, dort wo du die Initiative innehattest. Von der Board- und Gegnerstruktur her ändert sich nicht sonderlich viel, daher bekommt heute die Vorhersage des Geschehens am River vermehrte Aufmerksamkeit, die in Teil 2 vernachlässigt worden ist. Zudem werden die unterschiedlichen Ranges betrachtet.
Optionen am Turn
Welche Szenarien sind am Turn denkbar? Bettet dein Gegner erneut als Preflopaggressor, so bleibt dir ein Fold, ein Calldown oder ein Raise (als Bluff oder for Value).
Checkt dein Gegner, so kannst du dir die Freecard gönnen oder eine Bet platzieren (als Bluff oder for Value).
Bettest du hier als Bluff, so floatest du. Hände die als pure Bluff oder Semibluff eingestuft werden können, sind somit nicht Bestandteil dieses Themas. Dennoch sollte dir immer klar sein, dass auch jedes schwache Toppair oder Middlepair meistens mindestens 5 Outs besitzt, um zu einer starken Hand am River zu improven (2 Outs für Trips, 3 Outs für Twopair). Dies ist aber nur ein kleiner Extrabonus.
Villain checkt nun den Turn zu dir und die Frage ist: Warum?
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25) (25/15/1.5/26/69/40/2) (VPIP/PFR/AF/WTS/CbetFlop/CbetTurn/c-rTurn)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with 8

2 folds, CO raises $1.00, Hero calls $1.00, 2 folds
Flop: ($2.35) 2


CO bets $1.50, Hero calls
Turn: ($5.35) T
CO checks, Hero...
Was sagt dir der Check? Über deine Hand brauchst du dir nicht viele Gedanken zu machen, du bist sicherlich gut dabei, aber eine klare Valuebet wirst du wohl selten haben. Dafür ist deine Hand wiederum anfällig, wenn am River Overcards erscheinen.
Ausgangsfrage: Kann Villain auch häufig genug am River bluffen, um dort profitabel zu callen?
Ein Blick auf die Riverstats ist somit jedes Mal unerlässlich. Am Turn siehst du den recht geringen Checkraise-Wert, und ebenso weißt du, dass dein Kontrahent „nur“ zu 40% am Turn die 2nd Barrel setzt.
Entscheidest du dich hier für die dünne Valuebet, musst du deinem Gegner auch viele Hände zutrauen, die einfach check/callen könnten. Welche fallen dir da ein? 66? 55? 89? AJ?
Du darfst anzweifeln, dass eben diese Hände am Turn check/callen, sie könnten entweder 2nd-barreln oder aber auch mal den Turn check/folden. Die Gefahr ist jedoch groß, dass stärkere Hände auf Way ahead - Way behind umschalten, beispielsweise JJ+, 88-99, schwache Tx. Und nicht vergessen: Traps sind niemals ausgeschlossen.
Daher ist ein solcher Spot nicht leicht zu beurteilen. Was würdest du denn mit einer Hand wie 89s anstellen? Erwartet dein Gegner eventuell einen Float deinerseits und kann light callen? Ist dem so, dann sind o.g. Hände durchaus in seiner Range drin, selbst check/call mit AJ+ ist nicht ausgeschlossen, sofern er dir häufig genug pure Bluffs, Straightdraws, schlechtere Overcards etc. gibt.
Foldet dein Gegenspieler die Overcards, so kannst du auch damit leben. Du hast ihm die Chance gegeben, sie zu callen (und einen Fehler zu begehen). Wenn er sie foldet, gibt er seine Equity auf und du gewinnst den Pot direkt mit der besten Hand.
Was nicht passieren darf ist ein (Bluff-) Checkraise von Villain, daher ist dieser Wert immer mit einzubeziehen. Bewegt er sich im kleinen einstelligen Bereich, werden nicht sonderlich viele schwache Draws (wie Overcards) dabei sein.
Du kannst hier also betten, doch was passiert wenn du checkst?
Erwartung von Riverbluffs
In vielen Fällen wird von der Wahl zwischen der Bet for free Showdown oder dem Checkbehind for Bluffinduce gesprochen. Dies scheint zu implizieren, dass ein nicht gebettetes Pair am Turn (warum auch immer) automatisch einen Call einer Riverbet nach sich zieht. Dies ist aber wenig sinnvoll.
Entscheidend ist doch nicht nur die Frage, welche Hände Villain am Turn callen kann, sondern ebenso, welche er am River blufft (in einen Bluff verwandelt) oder ob er gar in der Lage ist, schlechtere made Hands selbst for Value zu betten.
Nicht zu vergessen, dass du am Turn die Freecard verteilst und somit bei vielen hässlichen Rivercards vor einer schweren Wahl stehst.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25) (25/15/1.5/26/69/40/2) (VPIP/PFR/AF/WTS/CbetFlop/CbetTurn/c-rTurn)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with 8

2 folds, CO raises $1.00, Hero calls $1.00, 2 folds
Flop: ($2.35) 2


CO bets $1.50, Hero calls
Turn: ($5.35) T
CO checks, Hero checks
River: ($5.35) A
In diesem Spot kommen viele Probleme zusammen. Das Ass gefällt dir schon einmal grundsätzlich nicht, weil es dein Kontrahent häufig halten kann (unabhängig davon ob Villain Ax am Turn c/f oder c/c wollte).
Kassierst du nun eine Riverbet, so bleibt dir in den meisten Fällen nur ein Fold, sofern du nichts besonderes über sein Verhalten am River weißt.
Klar ist aber auch: Checkt dein Gegner, so wirst du auch checken. Deine verpasste Valuebet am Turn kannst du am River nicht nachholen. Dies muss dir schon am Turn klar sein.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25) (25/15/1.5/26/69/40/2) (VPIP/PFR/AF/WTS/CbetFlop/CbetTurn/c-rTurn)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with 8

2 folds, CO raises $1.00, Hero calls $1.00, 2 folds
Flop: ($2.35) 2


CO bets $1.50, Hero calls
Turn: ($5.35) T
CO checks, Hero checks
River: ($5.35) 5
CO bets $4.50, Hero...
Im Idealfall sollte der River blanken. Kannst du diese Bet nun einfach callen? Ein Grundsatz lautet: “Deine Gegner bluffen immer weniger, als du ihnen zutraust“.
In schneller Analyse könntest du jetzt sagen, er blufft da Overcards oder 89 und du hast somit einen leichten Call. Aber warum bettet er diese Hände nicht am Turn, dort wo er mehr Stärke signalisiert, dort wo er mit diesen Händen mehr Potequity hat und dort wo er noch eine weitere Möglichkeit hat zu bluffen (am River)?
Was hatte dein Gegner denn mit diesen Händen (AJ-AK, 89, 66-, Crap) am Turn vor?
Signalisiert dein Checkbehind am Turn soviel Schwäche, dass sich dein Gegner nun genötigt sieht, unbedingt bluffen zu müssen? Wird er nicht viele Hände weiterhin im c/f-Modus fahren und einfach aufgeben, während der selbstverständlich starke bis mittelstarke Hände am River valuebettet?
Riveraggression
An dieser Steller ein kurzer Exkurs zum River-AF.
Wie zu oft davon ausgegangen wird, dass in eben genannten Spot die Riverbet sehr häufig ein Bluff ist, wird zur Legitimierung der River-AF zu Rate gezogen. Ist dieser sehr hoch, so müssen auch viele Bluffs dabei sein.
Vergiss dabei jedoch nicht, dass ein hoher River-AF auch auf einem passiven Turnplay beruhen kann. Ein hoher River-AF kann somit auch durch viele verpasste Valuebets am Turn oder Slowplays zu Stande kommen und bedeutet nicht automatisch, dass hier jeder Rotz geblufft wird.
Checkraisefreudige Gegner
Ein besonderes Problem stellen Gegner dar, die sehr aggressiv spielen und am Turn häufig ein Checkraise setzen wollen, insbesondere wenn sie dich auf viele Floats setzen.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25) (27/24/3.9/25/67/53/11) (VPIP/PFR/AF/WTS/CbetFlop/CbetTurn/c-rTurn)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with 6

2 folds, CO raises $1.00, Hero calls $1.00, 2 folds
Flop: ($2.35) 5


CO bets $1.50, Hero calls
Turn: ($5.35) T
CO checks, Hero ...
Auch in diesem Spot hast du mehrere Probleme: Nicht nur, dass du den Gegner in vielen Fällen checkraisen siehst, du glaubst auch, dass dein Gegner selten check/callen wird.
Dieser Spieler agiert aggressiv und wird in ganz wenigen Fällen eine Bet deinerseits callen. Zu 53% bettet er selbst, zu 11% checkraist er. Somit verbleiben 36%, wovon der Großteil sicherlich die Line check/fold beinhaltet.
Dies wiederum macht eine Valuebet sehr schwer, da du kaum erwarten kannst, dass eine schwächere Hand out of Position callt. Und gerade die schwächeren Hände, gegen die du dich vorne siehst, kann dieser Spieler in einen Bluff turnen und checkraisen. Er wird hier weder Overcards noch kleinere Pocketpairs check/callen, sondern entweder aufgeben oder aber in einen Bluff verwandeln wollen.
Siehst du diesen Punkt ein und kannst somit eine Turnbet nicht als Valuebet klassifizieren, spricht alles für den Checkbehind. Am River jedoch wirst du häufiger mit Bluffs konfrontiert werden, weil Villains Range am Turn für ein Bluff-Checkraise natürlich immer noch vorhanden ist. Somit könnte man in diesem Spot mit der Line checkbehind Turn, call River gut leben, sofern es keine eklige Karte ist.
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Gerade ohne Initiative ist es nicht sonderlich einfach, Valuebets zu platzieren, da die meisten thinking Player nicht mit sehr schwachen Händen out of Position (und mit Initiative) in den check/call-Modus verfallen. Du musst dich schon fragen, ob da wirklich schlechtere Hände einen Call finden können oder ob ein Checkbehind for Bluffinduce nicht ein ebenfalls sinnvoller Weg ist. Je aggressiver dein Gegner, umso eher kannst du den passiven Weg beschreiten und Bluffs inducen, wobei du dort mehr auf Reads achten und dich nicht von vielen (teils unzuverlässigen bzw. falsch interpretierten) Stats beeinflussen lassen solltest. |
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