Aktualisiert am 12 März 26 von

AK und QQ preflop auf den Low Limits (3) - Deine Gegner

» KOLUMNE

Nachdem du mittlerweile vieles über Konstellationen und Equity mit diesen Starthänden erfahren hast, möchtest du dich nun auf deine Gegner konzentrieren.

Gegen wen möchtest du aggressiv spielen, gegen wen ist es eventuell sinnvoller, nicht schon preflop den ganzen Stack zu committen?

Gegen wen willst du spielen?

Eine Frage, die man leicht beantworten könnte: „gegen schlechte Spieler.“

Dies ist nun jedoch sehr allgemein gehalten, vor allem da du „nur“ zwei Hände unter die Lupe nehmen willst.

Stelle dir vor, du hältst die Aces preflop und raist. Dann schaust du dir die ganzen Gegner am Tisch an. Wirst du dann gefragt „von welchem Spieler hättest du am liebsten Action?“, wäre wohl die Antwort “Mir egal, ich hoffe dass einer KK, QQ oder AK hält und broke geht.“

Und genauso sieht es auch bei diesen Händen aus. Es geht hier nicht um tricky Postflopplays oder darum, den Gegner auszuspielen. Es geht einzig und alleine darum, mit zwei sehr starken Starthänden preflop keinen großen Fehler zu begehen und dafür grobe Ranges abzuschätzen.

  • Frage 1: Kannst du preflop getrost broke gehen?
  • Frage 2: Wenn nicht, was ist die Alternative?

Unterschiede deiner Gegner

Für die Kategorisierung deiner Gegner gibt es bereits ein paar Artikel und Kolumnen. Daher gibt es ein paar grobe Anhaltspunkte für die vier „Standardgegner“:

Callingstation

Eine Callingstation hast du grundsätzlich gerne in der Hand, jedoch zeichnet sie sich eher durch famose Calls aus, als dass sie in der Lage ist, wilde Preflopplays durchzuziehen.

Ein Markenzeichen sind Limps bzw. limp/call-Plays. Diese Spieler schauen sich gerne den Flop an. Fangen diese Spieler an zu 3-betten oder gar zu 4-betten (pushen), ist grundsätzlich Vorsicht angesagt.

Rock

Der Rock spielt wenige Hände und diese nicht mal aggressiv. Während eine Callingstation jedoch eher dazu neigt, marginale Hände zu overplayen (einfach aufgrund dessen, dass sie viel mehr Hände spielt), ist der Rock der tighteste Vertreter am Tisch, der weder durch Bluffs noch durch großartige Valueplays auffällt.

Hier gilt das gleiche wie bei der Callingstation: Bei großer Aggression solltest du einen Gang zurückschalten.

TAG

Der TAG ist der reguläre Spieler auf deinem Limit, er wird meist einen ähnlichen Stil spielen wie du, im Durchschnitt aber sicherlich mit weniger Kenntnis über wichtige Annahmen ausgestattet sein als du.

Er kann aggressiv spielen, er kann bluffen und er kann aufs Balancing achten. Bei ihm ist es wahrscheinlich, dass er nicht nur ein Blick auf dein Spiel wirft, sondern auch die Stats betrachtet. Gerade Stats wie 3-Bets und 4-Bets wird er bei diesen knappen Entscheidungen häufiger zu Rate ziehen.

Hier solltest du wenige toughe Folds in Erwägung ziehen.

LAG/Maniac

Zwischen LAG und Maniac gibt es natürlich große Unterschiede, bei der Betrachtung des Preflopplays mit QQ/AK jedoch kann man sie fast gleich behandeln. Preflop spielen sie sehr aggressiv, versuchen die Weakness einiger Spieler auszunutzen und sind in der Lage, nicht nur loose zu 3-betten, sondern ebenso 4-Bets und Pushs mit marginalen Händen einzustreuen (was grundsätzlich mit Foldequity + vorhandener Equity nicht sonderlich verkehrt sein mag).

Gegen diese Spieler kannst du AK und QQ im Grunde niemals weglegen.

Stats und was sie bedeuten

Im Idealfall besitzt du ein Programm, welches dir die Stats direkt an den Tisch liefert, beispielsweise den Elephant.

Die Frage ist nun: Welche Stats helfen dir?

Um es nicht zu kompliziert zu machen, konzentriere dich auf drei wesentliche Elemente:

  • Das Openraise-Verhalten
  • Das 3-Bet-Verhalten
  • Das 4-Bet-Verhalten
Openraise

Der Openraise-Wert zeigt dir die %-Zahl der Hände an, die dein Gegner in der Regel aggressiv spielt. Dies ist ein erster wichtiger Anhaltspunkt.

Bei der Arbeit mit dem Equilator solltest du dir aber genaue Gedanken über diese Ranges machen: Es sind nicht immer die Top-%-Ranges, dies gilt auch für die 3- und 4-Bets.

Es sind immer mal wieder andere Starthände dabei, aus reinen Bluff- oder Semi-Bluff-Gedanken.

Hier ein paar mögliche Openraisingranges (in Klammern VPIP / PFR):

  • Callingstation (40/10): QQ+, A9s+, KJs+, A8o+, KJo+ (10,71%)
    Callingstations mögen Ax- und Kx-Hände, während Hände wie mittlere Pocketpairs oder suited Connecotrs lieber limp/call gespielt werden.
  • Rock (9/5): TT+, AQs+, AQo+ (4,68%)
    Ein Rock spielt wohl am ehrlichsten. Wer so wenige Hände spielt, hat keinen Platz für (Semi-)Bluffs.
  • TAG (17/13): 55+, A9s+, KJs+, QTs+, J9s+, T9s, 98s, 87s, 76s, 65s, 54s, AJo+, KQo (13,27%)
    Ein Tag hat eine weite Range. Neben seinen guten Händen raist er ebenso viele spekulative Hände wie Pocketpairs oder suited Connectors.
  • LAG / Maniac (30/25): 22+, A4s+, K9s+, Q9s+, J8s+, T8s+, 97s+, 86s+, 75s+, 64s+, 54s, ATo+, KTo+, QJo, T9o, 98o, 87° (25,19%)
    Ein sehr looser Spieler hat sehr weite Ranges und wird ebenso viele Hände mit schwacher Equity raisen.

Vergleichst du nun die Ranges, siehst du riesige Unterschiede, daher gilt diesem PFR-Wert immer besondere Aufmerksamkeit.

3-Bet

Da du dich im Prinzip mit einem Preflop-All-In beschäftigst, ist der 3-Bet-Wert natürlich wichtig. Welche Ranges hast du da zu erwarten? Du hast geraist und einer dieser Spieler 3-bettet dich. Aber womit?

BEISPIEL 1:

PartyPoker $10 NL Hold'em (10 handed)

Stacks & Stats
UTG ($10)
UTG+1 ($10)
UTG+2 ($10)
MP ($10)
MP1 ($10)
Hero ($10)
CO ($10)
BU ($10) Villain
SB ($10)
BB ($10)

Preflop: Hero is MP2 with A , K
5 folds, Hero raises to $0.40, 1 fold, BU raises to $1.20, 2 folds, Hero…

Folgend: Gegner (VPIP / PFR / 3-bet-Wert*)

Bevor du nun mit ein paar möglichen Ranges konfrontiert wirst, ein kurzer Exkurs:

Die meisten Programme bieten die Möglichkeit die Positionstats anzeigen zu lassen. Normalerweise musst du dafür beim HUD einfach auf den 3-Bet-Wert gehen und es wird dir angezeigt, von welcher Position Villain wie viel 3-bettet.

Das könnte bspw. so aussehen:

3-Bet-Wert: 6%

Early Position: 1%
Middle Position: 3%
Late Position: 10%
Blinds: 4%

Damit würdest du wissen, aus welchen Positionen dein Gegner wie viel raist. Dies kann einen großen Unterschied machen: 3-bettet ein Spieler bspw. overall 6%, heißt das noch lange nicht, dass er dich aus middle Position light 3-bettet.

Es gibt Gegner die 3-betten viel in Position, aber kaum out of Position. Sofern du aus UTG geraist hast und ein Spieler mit einem Blind-3-Bet-Wert von 0 oder 1 dich 3-bettet, ist Vorsicht geboten, unabhängig davon ob er overall 5% oder mehr 3-bettet. Diese Werte sind also sehr wichtig, dem entsprechend wird das Beispiel nun konkretisiert:

Folgend: Gegner (VPIP / PFR / 3-bet-Wert am Button)

  • Callingstation (40/10/3): QQ+, AJs+, AKo (3,17%)
    Eine Callingstation hat wenig Platz für lighte 3-Bets, dies liegt naturgemäß nicht in ihrem Element. Dennoch ist bei solchen Spieler eher mal ein Overplayen einer Hand möglich. Hände wie Jacks wollen erst mal einen Flop sehen, während AQs viel schöner aussieht.
  • Rock (9/5/2): QQ+, AKs (1,66%)
    Auch hier bleibt der Rock einfach ehrlich, was will er ansonsten machen?
  • TAG (17/13/8): TT+, 22, AJs+, A5s-A4s, KQs, 87s, 76s, 65s, 54s, AKo, A4o, KQo (8,45%)
    Bei einem TAG hast du es hingegen schon mit diffusen Ranges zu tun. Bloß weil Hände wie 99- equitytechnisch gut dastehen, wird er sie selten 3-betten. Er 3-bettet for Value, um mit diesen Händen broke zu gehen, er (semi-)blufft mit suited Connectors, suited Aces oder Pocketpairs oder spielt einen pure Bluff, da er die Foldequity als ausreichend ansieht (bspw. A4o).
  • LAG / Maniac (30/25/13): 99+, 22, A9s+, A6s-A4s, KJs+, 87s, 76s, 65s, 54s, AJo+, A8o, A4o, KJo+ (13,73%)
    Bei solchen Gegnern ist die 3-Bet-Range einfach enorm. Es sind viele Bluffs und Semibluffs dabei, du darfst Villain da nicht zu viel Credit gehen.
4-Bet
BEISPIEL 2:

PartyPoker $10 NL Hold'em (10 handed)

Stacks & Stats
UTG ($10)
UTG+1 ($10)
UTG+2 ($10)
MP ($10)
MP1 ($10)
MP2 ($10)
CO ($10)
BU ($10) Villain
SB ($10)
Hero ($10)

Preflop: Hero is BB with Q , Q
7 folds, BU raises to $0.40, 1 fold, Hero raises to $1.30, BU raises to $2.90, Hero…

An dieser Stelle treten zwei wichtige Kriterien auf einmal auf: Einerseits würdest du nun gerne Ranges analysieren und schauen, wie du mit deinen Damen dagegen stehst.

Auf der anderen Seite müsstest du die Spielweise ja bereits kennen: Wenn du in solch einem Spot 3-bettest, solltest du auf die 4-Bet auch nicht mehr folden. Und das ist richtig. Hier zeigt sich, dass es keine Standard-3-Bets gibt.

Der 4-Bet-Wert an sich ist nicht so leicht zu berechnen, da sich PFR und 3-Bet-Wert immer auf die Gesamtzahl der Hände beziehen. Der 4-Bet-Wert ist jedoch nur bezogen auf Spots, in denen es für Villain überhaupt die Möglichkeit hatte, zu 4-betten. Dies ist selbstredend nicht immer der Fall.

Daher gibt es neben dem 4-Bet-Wert die 4-Bet-Range. Diese %-Zahl gibt seine genaue Range wieder.

Mögliche 4-Bet-Ranges: (VPIP / PFR / 3-Bet-Wert / 4-Bet-Range)

  • Callingstation (40/10/3/2,5): QQ+, AKs, AKo (2,56%)
  • Rock (9/5/2/1): KK+ (0,90%)
  • TAG (17/13/8/3,5): JJ+, AQs+, A5s, AKo (3,62%)
  • LAG / Maniac (30/25/12/6): 99+, AJs+, A6s-A5s, AQo+ (6,03%)

Bei den Spielern Tag und LAG wirst du gegen eine 4-Bet-Range laufen, gegen die du QQ/AK kaum weglegen kannst. Sie werden versuchen, ab und an zu bluffen, was ihre Range meist erweitert. Während der TAG auch mit Jacks broke gehen kann, wird der Maniac noch mehr Hände auf dein All-In callen. Hier sollte 3-bet/broke ein gutes Play sein.

Gegen den Rock und die Callingstation jedoch stehst du nicht sonderlich gut da. Sofern du 3-bettest und eine 4-Bet kassierst, musst du dich schon fragen, inwiefern du hier noch profitabel broke gehen kannst. Auch wenn die Alternative merkwürdig erscheinen mag, aber siehst du dich gegen seine 4-Bet-Range bzw. Broke-Range hinten, solltest du gar nicht erst 3-betten. Wirklich for Value kann es bei dem Rock nicht sein, bei der Callingstation sicherlich schon, da sie definitiv mehr 3-Bets callt als der Rock.

Fold-to-3-Bet / Fold-to-4-Bet

Auch diese Werte sind für dich wichtig. Was foldet ein Spieler auf deine Aggression hin?

Dies ist nicht nur entscheidend bei der Einschätzung möglicher Bluff-3-Bets und Bluff-4-Bets deinerseits, sondern ebenso interessant für dein Valueplay:

BEISPIEL 3:

PartyPoker $10 NL Hold'em (10 handed)

Stacks & Stats
UTG ($10)
UTG+1 ($10)
UTG+2 ($10)
MP ($10) Villain
MP1 ($10)
MP2 ($10)
CO ($10)
BU ($10)
SB ($10)
Hero ($10)

Preflop: Hero is BB with A , K
3 folds, MP raises to $0.40, 5 folds, Hero raises to $1.30...

Schau dir nun die beiden Problemfälle Rock und Callingstation an.

Der Rock (9/5/2/1) hat einen fold-to-3-Bet-Wert von 80, die Callinstation (40/10/3/2,5) einen Wert von 20.

Du weißt also, dass der Rock nahezu alles außer den Nuts folden wird, seine 4-Bet-Range ist – wie oben analysiert – ultrastark. Warum hier 3-betten?

Was wäre mit einem Call?

Seine Openraisingrange wurde auch analysiert: TT+, AQs+, AQo+

Equityanalyse
  Equity Win  Split Loss Hand
Spieler 1 50,83% 40,51% 20,64% 38,86% TT+, AQs+, AQo+
Spieler 2 49,18% 38,86% 20,64% 40,51% A K

Dagegen kannst du einen Call finden.

Die Callingstation hingegen foldet hier wenig auf 3-Bets, die Wahrscheinlichkeit ist demnach viel größer, dass sie dominierte Hände wie AQ, AJ oder KQ auf deine 3-Bet hin callt. Daher liegt hier deutlich mehr Value in einer 3-Bet.

Da der Balancing-Gedanke immer im Hinterkopf stecken sollte, du aber gleichzeitig mögliche +EV Entscheidungen treffen solltest, schaue dir zum Abschluss folgenden Spot an und analysiere ihn selbst:

BEISPIEL 4:

PartyPoker $10 NL Hold'em (10 handed)

Stacks & Stats
UTG ($10)
UTG+1 ($10)
UTG+2 ($10)
MP ($10) (9/5/2/1/ fold-to-3-bet 80)
MP1 ($10)
MP2 ($10)
CO ($10)
BU ($10)
SB ($10)
Hero ($10)

Preflop: Hero is BB with K , 2
3 folds, MP raises to $0.40, 5 folds, Hero raises to $1.30?

Wäre eine 3-Bet in diesem Spot sinnvoll?

» ZUSAMMENFASSUNG

Du hast nun viele verschiedene Gegner unter die Lupe genommen, ein paar Erfahrungen mit Stats gesammelt und gelernt, dass eine %-Range nicht gleich bedeutend der Top-%-Range ist.

Mit solchen Ranges zu spielen ist wichtig und sollte dir in vielen Spots weiterhelfen, wobei es sich bei dem Preflopplay mit AK/QQ nur um eine leichte Interpretion handelt.

Im nächsten und letzten Teil dieser Serie wird es einige Beispiele zu verschiedenen Spots mit unterschiedlichen Gegnern geben.