Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Woche 31 (SSS): Squeezen

Einleitung

von karlo123

Das Thema der heutigen Beispielhände ist das Squeezen. Wann kann ich squeezen und wann sollte ich es vermeiden, darauf möchte ich heute etwas genauer eingehen. Am Schluss der Beispielhände findet ihr dann einige Hände im Quizformat.

Da der Artikel zum Squeezen erst ab Platin ist, möchte ich vorneweg kurz noch einmal das Squeezen erklären bzw. die Einleitung des Artikels dies übernehmen lassen:

Ein Squeezeplay ist ein Preflop-Bluff in Form eines großen Reraises, nachdem ein Spieler zuvor geraist und mindestens ein weiterer nach ihm die Erhöhung gecallt hat. Während der erste Spieler im Idealfall die Hand aufgibt, da er nun zwischen zwei oder mehr Gegnern gefangen ist und nicht weiß, was die Spieler nach ihm tun werden, haben der zweite Spieler und alle nach ihm folgenden häufig nicht eine derart starke Hand, dass sie mit ihr ein Raise und anschließend noch ein Reraise callen können.

Diesen Text findet ihr unter der Vorschau zum Squeezeartikel, weshalb ich jetzt auch keine Geheimnisse verrate.

Allerdings müssen wir bei der SSS einige kleinere Änderungen der Definition vornehmen. Wir können wegen unseres kleinen Stacks natürlich nicht mit jeder Hand squeezen (also bluffen), da wir gerade aufgrund unseres kleinen Stacks auch häufiger gecallt werden. Deshalb ist der Squeeze bei uns eine kühle Berechnung des Erwartungswertes.

Der Erwartungswert eines Squeezeplays ergibt sich aus der Summe der Foldequity und der Equity bei einem Call.

Um aber zu entscheiden, ob wir mit einer Hand squeezen können, müssen wir wissen, ob die Chancen, dass der Ausgangsraiser foldet, gut sind. Je tighter der Gegner Preflop raist desto weniger wahrscheinlich ist es, dass er eine marginale Hand hält und foldet. Auch die Position des Raisers ist wichtig. Während ein Openraiser am Button deutlich looser raisen wird, dürfte ein Raise aus UTG mehr Stärke zeigen.

Von daher trifft der Satz "Squeezen gleich Stats", welcher sehr häufig bei der Frage, ob ein Squeeze korrekt war, häufig zu. Ohne Stats kann ich sehr schlecht entscheiden, ob der Ausgangsraiser sehr tight oder sehr loose ist. Deshalb rate ich von marginalem Squeezeplay gegen unbekannte Spieler ab.

Beispiel

Stack sizes:
UTG: $121.05
UTG+1: $91.90
MP1: $93.85
MP2: $98.80
MP3: $117.25
CO: $83.80
Button: $102.30
Hero: $19
BB: $20.50

Preflop: (9 players) Hero is SB with A Q
UTG raises to $3, UTG+1 folds, MP1 calls, MP2 calls, MP3 calls, 2 folds, Hero raises all-in $19, 5 folds.

Auch hier trifft der genannte Satz zu. Haben wir einen loosen Ausgangsraiser, so kann man hier gut Squeezen, da die Coldcaller in der Regel eine schwächere Hand halten. Haben wir jetzt einen loosen Gegner, so wird er oft seine marginalen Hände noch folden (bzw. wenn er schlechtere callt, ist uns das auch recht). Auch gegen die nachfolgenden Spieler haben wir aufgrund dessen, dass sie oft eine schwächere Hand wie ein Pocketpair haben, gute Foldequity.

Ist der UTG-Spieler aber tight und hat z.B. eine Range von AA-TT und AK, so haben wir kaum Foldequity und auch nur eine Equity im Falle eines Calls seinerseits von etwa 30%. Der Squeeze wird hier mit Sicherheit unrentabel werden.

Da wir von dem Ausgangsraiser keine Stats haben, würde ich eher von einem Squeezeplay abraten.

Fazit

Zusammenfassend kann man sich folgende Punkte merken, um den Erfolg des Squeezen ungefähr abzuschätzen:

  • Wie tight bzw. loose ist der Ausgangsraiser?
  • Besteht weiterhin eine gute Chance, dass die Coldcaller folden?
  • In welchen Positionen befinden sich der Raiser und die Caller?
  • Anhand der Stats schätze ich die ungefähre Foldequity/ Equity ab

Quiz

Kommen wir nun zu einigen Beispielen.
Die Frage lautet jeweils:

Können wir hier profitabel squeezen?
(die Stats sind in der Reihenfolge: VPIP/ PFR)

Hand 1

Nehmen wir gleich das Beipiel von oben:

Stack sizes:
UTG: $121.05
UTG+1: $91.90
MP1: $93.85
MP2: $98.80
MP3: $117.25
CO: $83.80
Button: $102.30
Hero: $19
BB: $20.50

Pre-flop: (9 players) Hero is SB with A Q
UTG raises to $3, UTG+1 folds, MP1 calls, MP2 calls, MP3 calls, 2 folds, Hero raises all-in $19, 5 folds.

a)
UTG: 12/7
MP: jeweils rund: 25/10

b)
UTG: 25/10
MP: wie a)

c)
UTG wieder 25/10, allerdings haben wir den Read, dass er besonders häufig in den Late Positions raist. Er hat also einen sehr hohen Att. to Steal Wert(50%). Auch ein Steal aus MP2 oder MP3 ist ihm nicht fremd.
MP1: 10/3
MP2+3 wie unter a)

d) unknown

Hand 2

0.50/1 No-Limit Hold'em (10 handed)

Preflop: Hero is BB with K, Q
UTG folds, UTG+1 raises to $3.00, 4 folds, CO calls $3.00, 2 folds, Hero raises to $20.50 (All-In), 2 folds.

Final Pot: $27.00

a)
UTG: 45/27
CO: 35/3

b)
UTG: 15/10
CO: 20/10

c) unknwon

Hand 3

0.50/1 No-Limit Hold'em (10 handed)

Preflop: Hero is SB with T , T
2 folds, UTG+2 raises to $3.00, 4 folds, BU calls $3.00, Hero ???
Final Pot: $18.50

a)
UTG: 15/5
BU: 20/10

b)
UTG: 20/9
BU: 20/10

c) unknown

Auflösung

Hand 1

a) Hier folden wir, da wir uns gegen den UTG-Raiser kaum Foldequity geben können und gleichzeitig mit AQ nicht genug Equity haben. Ich würde hier UTG auf eine Range von AA-TT und AK setzen.

b) Hier kann ich UTG auf eine loosere Range setzen und habe somit auch Foldequity. Auch dürfte die Range von MP loose genug sein, dass wir einerseits genug Foldequity haben bzw. bei einem Call auch oft einen Coinflip oder mehr haben. Deshalb pushe ich hier.

c) Diese wohl etwas undeutliche Frage sollte vor allem darauf abzielen, das wir UTG hier wieder auf eine relativ tighte Range setzen müssen. Viel aus seinem PFR kommt aus den späteren Positionen, so dass er UTG eher tight ist. Daher tendiere ich eher zu Fold.

d) Fold. Wir wissen einfach nichts über den Gegner und deshalb folden wir einfach: Squeezen gleich Stats 😉

Hand 2

a) Hier haben wir selbst mit einer Hand wie KQ einen Squeeze. Wir haben oft die beste Hand. Dazu kommt, dass wir uns Foldequity geben dürfen. Außerdem haben wir gegen den Openraiser sogar eine positive Equity. Auch der Call von CO tangiert uns kaum.

b) Hier haben wir wieder einen etwas looseren Openraiser aber dennoch ist unsere Hand zu schwach. Selbst bei Foldequity haben wir bei einem Call zu wenig Equity um hier +EV pushen zu können.

c) Easy Fold siehe letzte Hand Situation d) vs unknown.

Hand 3

a) Hier haben wir wieder einen sehr tighten Openraiser in UTG. Auch hier gebe ich ihm maximal AA-JJ und AK. Weiterhin sehe ich kaum Foldequity, weshalb allein unsere Equity gegen den UTG-Raiser bei weitem nicht reicht.

b) Hier wiederum haben wir einen looseren Openraiser. Deshalb gebe ich mir hier wieder ausreichend Foldequity und Equity bei einem Call. (Also in der Summe, da wir bei einem Call wohl oft gegen ein höheres Pair sind bzw. AK. Aber in der Summe denke ich ist es +EV.

c) Wieder Fold. Wir wissen nichts über den UTG-Raiser weshalb wir uns hier raushalten. ==> Squeezen gleich Stats.

Eine Anmerkung noch: Haben wir eine Hand die nach Chart als Reraise gekennzeichnet ist, so reraisen wir natürlich einfach standardmäßig. Beim Squeezen wie wir es hier dargestellt haben geht es hauptsächlich um weitere Hände, welche oft nicht im Chart gelistet bzw. nicht als Reraisehand gekennzeichnet sind.