Bluff-4-Bets (2) - Theorie
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Bluff-4-Bets (2) - Theorie
von Miiwiin
Im zweiten Teil dieser Serie werden folgende Punkte erläutert:
- Warum überhaupt 4-betten?
- Balancing
- Raisesizing
- Deine Equity
- Bluff-/Valuehände
- Wichtige Gegnerstats
- Ideale Gegner
- Mögliche Hände
- Villains 3-Bet-Range und der Card-Removal-Effekt
- Blufffrequenzen allgemein
- Blufffrequenzen situationsbedingt (Tableimage, Gameflow, History)
- Deine Position
- Was machst du nach einem Call?
- Alternativen
- Tilt-Restistenz
Wichtige Gegnerstats
Bei etwas außergewöhnlichen Plays wie einer Bluff-4-Bet solltest du möglichst viel über deinen Gegner wissen. In erster Linie sind dafür Stats wichtig, ebenso natürlich Reads. Beides zusammen kann es dir ungemein erleichtern, die idealen Spots zu finden.
Folgende Werte sind dabei wichtig:
- VPIP/PFR
- 3-Bet-Wert
- Fold-to-3-Bet
- 4-Bet-Wert
- Fold-to-4-Bet
- Call 4-Bet
Dies sind die elementarsten Werte, um deinen Gegner einzuschätzen. Ihn hier in eine grobe Kategorie zu stecken, ist besonders wichtig für die Einschätzung der anderen Werte. Genaueres zu den verschiedenen Gegnertypen erfährst du im nächsten Abschnitt.
Einer der wichtigsten Anhaltspunkte ist die Erkenntnis, wie häufig dein Gegner überhaupt zum 3-betten neigt, und preflop mit marginalen Händen eine überaus hohe Aggression zeigt.
In jeder dieser Situationen, in denen du dir über eine 4-Bet Gedanken machen musst, hat dich eben dieser Villain ge-3-bettet und du möchtest schon wissen, wie häufig er dies überhaupt tut (und natürlich mit welcher Range).
Sollte er sehr wenig 3-betten (<5), warum solltest du überhaupt zu einer Bluff-4-Bet tendieren?
Der Bluff deinerseits soll ja nicht nur möglichst +EV sein, sondern gleichzeitig dein Spiel balancen und deinen Gegnern zeigen, dass sie dich eben nicht durch lighte 3-Bets aus dem Pot drängen können. Gegen einen 16/12 Spieler mit 3% 3-Bet sind einige dieser Punkte nicht erfüllt.
„Nervende“ Gegner fangen wohl bei einem Wert ab 8-9% an.
Dieser Wert ist nur indirekt interessant. Jedoch siehst du anhand dieses Wertes schon, wie gerne Villain durch Preflopraises blufft. Foldet er beispielsweise sehr selten auf 3-Bets (<50%), so kann dies ein Anzeichen für Looseness sein, aber ebenso ein Zeichen dafür, dass dieser Spieler recht wenig blufft, sondern eher for Value raist und eine 3-Bet daher callen kann.
Steigt der „Fold-to-3-Bet“-Wert auf über 70%, so trennt sich dieser Gegner doch recht leicht von seinen Händen und mag für Bluffs grundsätzlich anfälliger sein.
Die 4-Bet-Range soll dir auch nur zeigen, wie häufig dein Gegner große Aggression preflop zeigt und selber zu der Waffe der 4-Bet greift.
Einer der entscheidensten Werte. Dein Gegner 3-bettet recht häufig, aber wie oft lässt er sich mit einer 4-Bet aus dem Pot drängen? Werte über 50% sind natürlich exzellent, es gibt aber Spieler die dort noch höhere Werte vorweisen können. Selbstredend ist ein sehr hoher Wert quasi eine Einladung, die Bluff-4-Bet anzusetzen.
Um einzuschätzen, wie häufig dein Gegner pusht, musst du schauen, wie häufig er foldet, und wie häufig er callt. Klar ist, dass du auch einen Call nicht sehen möchtest. Näheres über die Probleme, wenn deine Bluff-4-Bet gecallt wird, erfährst du später.
Ideale Gegner
Nachdem du einen Überblick über wichtige Werte bekommen hast, stellt sich natürlich die Frage, bei welchen Gegnertypen man solche Werte häufig antrifft.
Zudem muss dir immer klar sein, welche Ziele du mit der 4-Bet verfolgst:
- Balancing
- Hohe Foldequity
- Zur Wehr setzen gegen aggressive 3-Better
Betrachtest du diese Werte und nimmst sie als Referenz zur Gegnerbetrachtung, so wird recht schnell klar, dass die Callingstation wohl kein geeignetes Opfer sein dürfte. Keiner dieser Punkte ist hier entscheidend.
Schon bei der 3-Bet der Callingstation ist etwas Sonderbares eingetreten. Es kann natürlich auch ein Missklick sein, aber in den meisten Fällen ist hier schon deutlich geworden: Die Callingstation foldet hier nichts mehr.
Der Standard mit guten Händen ist bei einer Callingstation jedoch meistens der, auf deine 4-Bet hin nicht zu pushen, sondern sie einfach zu callen. Das bringt dir leider auch meistens nichts, wenn du dir auch am Flop nahezu keine Foldequity mehr geben kannst.
Betrachte nun den Maniac. Von den oben genannten Punkten trifft einer zu. Nämlich dass du dich gegen seine ständige Aggression zur Wehr setzen möchtest.
Leider nützt das nichts, wenn dieser Gegner nichts foldet. Hier solltest du eher zu anderen Waffen greifen. Entweder eine 3-Bet light callen, oder aber light for Value 4-betten und broke gehen. Wie bereits bewiesen, machst du hier mit 4-bet/call mit einem mittleren Pocketpair keinen großen Fehler, vor allem dann nicht wenn der Maniac bereit ist deutlich looser broke zu gehen.
Ein weiterer Kandidat wäre der Rock. Und genau hier werden die Stats verdammt wichtig. Dem ersten Anschein nach mag ein solch tighter Gegner nicht das ideale Opfer sein, da seine 3-Bet-Range meistens schon sehr tight ist. Bedenke aber, dass dieser Gegner nicht ideal spielt und sogar in der Lage ist, Hände wie AK und QQ zu 3-bet/folden, da er damit nicht broke gehen will.
Auch wenn seine 3-Bet-Range eher schmal ist, so kann hier der „Fold-to-4-Bet“-Wert Aufschluss über sein Verhalten geben. Es sollte klar sein, dass du eine gute 4-Bet tätigst, sollte dein Gegner nur mit KK+ broke gehen wollen und alles andere folden. Somit können Rocks geeignete Opfer für 4-Bet-Bluffs sein.
Übergreifend kommen wir nun zum TAG, der im Preflopplay ähnliche Präferenzen aufweist. Jedoch kannst du hier von einem mitdenkenden Spieler ausgehen, der auch eine deutlich größere 3-Bet-Range hat. Somit kommen hier zwei der oben genannten Punkte hinzu:
- Er 3-bettet evtl. recht light, dagegen solltest du dich zur Wehr setzen.
Sofern du ihn als mitdenkend einstufst, ist auch das Balancing ein nicht zu unterschätzender Aspekt.
Bleibt letztlich noch der LAG. Auch hier treffen alle der oben genannten Punkte zu. Er wird dich recht light 3-betten, dagegen solltest du dich des öfteren zur Wehr setzen.
Ebenso musst du dir aber vor Augen führen, dass LAGs die recht loose 3- bzw- 4-betten, auch looser broke gehen. Versuche den Gegner einzuschätzen und schau auf seine Werte, möglicherweise sind auch hier die Alternativen 3-Bets light zu callen, oder light 4-bet/call for Value zu spielen die bessere Wahl.
Mögliche Hände
Kommen wir nun zu möglichen Händen. Grobe Kategorien hast du schon in der Equityanalyse gesehen.
Der entscheidende Punkt ist folgender: In die Situation, mit einer 3-Bet konfrontiert zu werden, musst du ja erstmal kommen. Dies wird mit J3o nahezu nie der Fall sein, da du solche Hände nicht unbedingt openraist.
Somit musst du dir schon bei einem Openraise Gedanken machen, welche Möglichkeiten du besitzt, die Hand mit XX zu gewinnen. Schau dir einmal alle Möglichkeiten an:
- Alle Gegner folden
- Gegner callen, du bluffst am Flop unimproved
- Gegner callen, du hittest am Flop
- Gegner 3-bettet, du callst und bluffst am Flop unimproved
- Gegner 3-bettet, du callst und hittest am Flop
- Gegner 3-bettet, du 4-bettest und callst einen Push
- Gegner 3-bettet, du 4-bettest und foldest auf einen Push
Wie du siehst, ist die Bluff-4-Bet nur eine von sieben (in den meisten Fällen) auftretenden Möglichkeiten.
Deine Hauptüberlegung sollte also sein: „Wann lohnt es sich überhaupt eine 4-Bet in Betracht zu ziehen?“
Am ehesten wohl dann, wenn viele der anderen Optionen ausscheiden. Dies ist besonders dann der Fall, wenn du eine Hand…
- …out of Position nur schwer spielen kannst.
- …verhältnismäßig selten triffst.
- … von Villains Range dominiert sein kannst.
- … postflop nicht mit viel Foldequity spielen kannst.
Was dir zuerst bei dieser Analyse in den Kopf schießt:
- Suited Connectors aus früher/später Position
- Axs-Hände aus früher Position
- Ax/Kx-Hände aus später Position
- Broadways aus später Position
Wie in der Equityanalyse bewiesen, gibt es zwei bevorzugte Handgruppen mit denen Bluff-4-Bets profitabel sein können:
- Suited Connectors, da du sie equitymäßig leicht folden kannst und nahezu pure bluffst (du kannst kaum einen Call der 4-Bet erwarten und die Hand somit spielen)
- Craphands, die eine noch schlechtere Playability haben (offsuited Connectors, Broadways wie QTo oder K9s)
- Ax-Hände, da sie einen Card-Removal-Effekt aufweisen
Mit diesen Händen kannst du somit grundsätzlich eine Bluff-4-Bet als möglich erachten, da sie…
- … nach dem Call einer 3-Bet nur schwer zu spielen sind.
- … out of Positon kaum zu spielen sind.
- … du „fehlerfrei“ 4-bet/fold spielen kannst.
Villains 3-Bet-Range und der Card-Removal-Effekt
Der Card-Removal-Effekt wird von vielen Spielern unterschätzt, ein wichtiger Aspekt hierbei ist jedoch folgender:
Deine Gegner raisen und 3-betten zwar häufig, aber das meiste was du anhand der Stats herauslesen kannst, ist die %-Range. Diese entspricht aber nicht der Top-%-Range. Ein Fehler, den viele Spieler machen.
Dein Gegner 3-bettet zu 9%. Wichtig ist für dich zu wissen, welche Hände er hier 3-bettet.
Nun könnte man der Versuchung erliegen, einfach von seinen Top-9% auszugehen. Das wären 66+, A9s+, KQs, AJo+.
Es ist aber mit Gewissheit nicht so, dass genau diese Range ge-3-bettet wird.
In dieser Range sind sehr viele marginale Hände dabei, die weder als Bluff noch for Value geraist werden. Du musst aber davon ausgehen, dass sich dein Gegenspieler bei seiner 3-Bet etwas denkt.
Hände wie AJ/AQ könnte er nur callen, weil er der Gefahr der Domination aus dem Weg gehen und somit schlechtere Hände in deiner Range halten möchte. Gleiches gilt für KQ.
Hände wie JJ-66 kann er durchaus nur callen, da er weder 3-bet/fold spielen möchte, noch aber bereit ist, damit broke zu gehen. Ab und an kann dein Gegner auch Hände wie 77- direkt mucken, wenn er eine 3-Bet als wenig erfolgsversprechend ansieht, gibt sich aber andererseits neben mangelnder Playability nicht die nötigen Implied Odds.
Ebenso sind suited Aces eher mal einen Call oder gar einen Fold wert. Was kann dein Gegner also for Value 3-betten? Nimm folgendes an: ATs+/AKo/QQ+/KQs/o. Dies sind aber gerade mal 4,68%. Wo kommen die restlichen 4,5% her?
Diese Hände sind Bluffhände, im weiteren Sinne Semibluffhände. Dazu gehören sehr kleine Pocketpairs (22-55), kleine suited Aces (A2s-A5s), suited Connectors (45s-JTs) und natürlich pure Bluffs mit Händen, die eine mögliche Playability erlangen könnten (78o, 23s).
Gehen wir von zusätzlichen 3-Bet-Händen aus: 22-55, 45s-JTs, A5s, A4s. Das ergibt dann 4,52%.
Somit könnte Villains 3-Bet-Range folgendermaßen aussehen: QQ+, 22-55, AJs+, A5s-A4s, KQs, JTs, T9s, 98s, 87s, 76s, 65s, 54s, AKo, KQo. Das entspricht 9,20%.
Nun muss dein Einwand kommen, dass dies sehr konstruiert erscheint und du solche genauen Rangeanalysen selten einem Gegner zuordnen kannst. Dennoch gilt: Diese 3-Bet-Range ist wesentlich realistischer als die Range der Top-9%.
Wie verhält es sich nun mit dem Card-Removal-Effekt?
Eines ist klar: Für dich ist es schon ein großer Erfolg, wenn Villain eine seiner Semibluffhände foldet. Du kannst grob davon ausgehen, dass deine Bluffhand gegen seine Bluffhand maximal einen Flip zu erwarten hat, sprich die Equity ist aufgeteilt. Foldet er also diese Hand, ist das +EV für dich (Das sollte logisch sein, da du niemals das Ziel haben kannst, dass dich eine schwächere drawing Hand auf eine 4-Bet hin callt).
Nun möchtest du quasi gewährleisten, dass dein Gegner verhältnismäßig öfter solche drawing Hands hält, als Hände, die er for Value 3-bettet.
Bleibe bei der 4,68%-Range von ATs+/QQ+/KQo.
Diese 4,68-Range wird Villain wohl immer 3-betten (Achtung: Es ist hier nicht gesagt dass er viele Hände nicht dennoch auf eine 4-Bet foldet), jedoch wäre es schön, wenn die Wahrscheinlichkeit größer wäre, dass er eine Bluffhand hält.
Stell dir nun vor, du raist mit K

Villain kann nun folgende Handkombinationen nicht mehr halten:
A






K




K






Von den möglichen (16+16+6=) 38 Kombinationen dieser Hände fallen 11 heraus. Die Wahrscheinlichkeit fällt also recht deutlich.
Hältst du beispielsweise Ax, so würden aus der Range von möglichen (16+16+16+16+6) 70 Kombinationen sogar 18 herausfallen (4+4+4+3).
Blufffrequenzen allgemein
Bei jedem Bluff, dass heißt bei einem Play mit der reinen Absicht eine bessere Hand (oder eine Hand mit Outs) zu einem Fold zu bewegen, solltest du es nicht übertreiben.
Selbstredend kommt es immer auf den Spot an, dennoch solltest du nun nicht daran denken, jeden suited Connector bzw. jede Kx- oder Ax-Hand zu bluff-4-betten. Irgendwann bekommst du gar keinen Credit mehr und der Vorteil, dass du nun auch für deine starken Hände maximales Payout bekommst, ist dahin.
Wie sollte die Blufffrequenz aussehen? Ein Verhältnis von 70/30 (for Value) ist ein erster Ansatzpunkt.
Welche 70% 4-bettest du for Value? Sprich, womit bist du in den meisten Fällen gegen besagte Gegner bereit preflop broke zu gehen?
Nimm eine Range von JJ+/AK an. Dies sind ca. 3%. Du solltest also versuchen, 1-1,5% zusätzlich zu 4-betten.
Hier gibt es nun mehrere Ansatzpunkte: Du kannst spieltheoretisch agieren und bestimmte Hände immer 4-betten (ATo, KJo, 45s/67s etc.).
Allerdings musst du immer abwägen, ob sich hier nicht ein alternatives Spiel lohnt (in Form eines Calls, gegner- und positionsbedingt). Es wäre Schade wenn du eine gut spielbare Hand wie 45s immer in einen Bluff verwandeln würdest, obwohl sich ein Call in Position durchaus anbieten würde.
Daher solltest du dir jedes Mal aufs neues Gedanken zu machen und in richtigen Spots gegen die besagten Gegner zu agieren. Kontrolliere dabei selbst, ob sich deine 4-Bet-Range bei ca. 5% einpendelt.
Solltest du grundsätzlich tighter broke gehen (eigener Spielstil, niedriges Limit) so solltest du natürlich auch deine 4-Bet-Bluffs etwas reduzieren.
Blufffrequenzen situationsbedingt (Table Image, Gameflow, History)
Dieser Hinweis gehört naturgemäß immer erwähnt. Denke an Tableimage, Gameflow und History:
- Bist du gerade als Manaic unterwegs, Bluffe wenig.
- Bist du carddead und tight gewesen, bluffe mehr.
- Ist das Spiel insgesamt sehr aggressiv, halte dich mit Bluffs zurück.
- Ist gerade die Nitty-Phase angesagt, bluffe mehr.
- Hast du gerade zweimal mit strong Hands ge-4-bettet, ohne den Showdown gesehen zu haben, erspare dir den 4-Bet-Bluff in den kommenden Händen.
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Achte auf deine Karten, achte auf deine Gegner. Das Grundprinzip des Pokerns ist gerade bei solchen Plays von größter Bedeutung. Überlege dir warum du bluffen willst und ob es sich wirklich lohnt. Ist dein Gegner dafür geeignet und ist es überhaupt sinnvoll an diesem Tisch durch 4-Bet-Bluffs dein eigenes Image aufzupolieren? Wenn du dich für 4-Bet-Bluffs entscheidest, schaue nach ob du idealerweise noch den Card-Removal-Effekt ins Spiel bringen kannst. Letztlich sind 4-Bet-Bluffs eine gute Option, jedoch ist das Hinterfragen für dein persönliches Spiel wichtig. Letztlich sind in diesem Teil viele Annahmen getroffen wurden, die nicht zwangsweise allgemeingültig sind. |
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