Woche 33 (BSS): Wie spiele ich mit einem Draw?
Einleitung |
von Thorsten77 |
Heute möchte ich etwas auf die Theorie beim Spielen von Draws eingehen. Hierzu stelle ich zuerst vor, wie ich bei einem Draw den Spielzug auswähle, d.h. welche Faktoren ich in die Entscheidungsfindung mit einbeziehe. Dann wenden wir das praktisch anhand der Beispielhände aus dem Quiz von letzter Woche an. Vorab eine kleine Warnung: Der Post ist ein bisschen lang geworden - mit ein paar Chips und einem Äppler kann man ihn aber ertragen.
Die zwei Spielweisen starker Draws
Als "starker Draw" verstehen wir eine drawing Hand, die mindestens 8 Outs hat. Insbesondere fallen Flush Draws, sowie Open-ended Straight Draws und Double Belly Busters, darunter. Oft haben wir neben dem Draw noch zusätzliche Gewinnchancen (z.B. eine Überkarte) oder gleichzeitig eine gemachte Hand (Top Paar); entsprechend sollten nicht alle Hände der Kategorie "starker Draw" gleich gespielt werden.
Generell kann man zwei Spielweisen mit Draws unterscheiden. Bei der passiven Spielweise schieben wir und gehen einen Einsatz mit oder steigen aus. Bei der aktiven Spielweise setzen oder erhöhen wir.
Wenn man nach der richtigen Spielweise fragt (wie letztens im Strategie-Forum geschehen), so erhält man selbst von erfahrenen Spielern oft undifferenzierte Antworten wie "Starke Draws spielt man aggressiv". Auf der einen Seite sind solche Regeln natürlich für Anfänger geeignet, da man ein einfaches Spiel hat. Auf der anderen Seite lernt man so nie, warum man eine Hand auf eine bestimmte Art und Weise spielt. Ebenso wenig erkennt man, dass es auch Situationen gibt, in denen eine andere Spielweise besser ist.
Die Vorteile der aktiven Spielweise
Fragt man Profi-Spieler nach der wichtigsten Eigenschaft eines guten Pokerspielers, so kommt oft die Antwort "Aggressivität". Die typischen Winning Player, TAGs und LAGs, haben eins gemeinsam: das AG, das für "aggressive" steht. Der große Vorteil von Aggressivität ist, dass man oft Hände gewinnt, ohne dass man die beste Hand hält. Durch den Druck, den wir durch Bets und Raises auf unsere Gegner ausüben, gelingt es uns oft, sie mit der besseren Hand zum aussteigen zu bringen.
Entsprechend macht es Sinn, auch Draws aggressiv zu spielen. Betrachten wir ein einfaches Beispiel. Wir halten J





Ein weiterer Vorteil ist das Bilden des Pots. Nehmen wir obiges Beispiel an und wir schieben am Flop und am Turn. Der Gegner schiebt auch. Am River kommt ein 
Ein dritter Grund, der vor allem auf höheren Limits wichtig wird, ist Deception, also das Verschleiern der eigenen Hand. Wenn wir nur auf unsere gemachten Hände setzen und erhöhen, wird es relativ einfach für unsere Gegner, optimal gegen uns zu spielen. Sie können jedes mittlere Paar weglegen und wenn wir schieben, dann setzen sie einfach Potsize mit zwei beliebigen Karten in der Gewissheit, dass wir meist aussteigen werden. Wenn wir nun aber auch Draws aggressiv spielen, kann eine Bet oder eine Erhöhung von uns nicht mehr einfach gelesen werden. Wir könnten eine gemachte Hand haben oder genausogut einen Draw - somit bereitet ihr dem Gegner mit mittlerem Paar eine schwierige Entscheidung.
Bei manchen Gegnern ermöglicht uns das setzen auch, die Betsize festzulegen. Angenommen unser Gegner im obigen Beispiel hat ein Top Paar. Wenn wir hier am Flop 2/3 Potsize setzen, wird er oft nur mitgehen, aber nicht nochmal erhöhen (was ein Fehler ist, würde er unsere Hand kennen). Wenn wir schieben, bekommen wir teilweise eine etwas höhere Bet (3/4 PS bis PS) - wir sehen so die Turn-Karte also etwas billiger, als bei der passiven Spielweise.
Letztlich haben wir bei der aggressiven Spielweise noch den Vorteil, dass - sofern wir in Position spielen und das sollten wir ja in der Mehrzahl der Fälle - am Turn oft zu uns geschoben wird. Hier können wir dann entscheiden, ob wir eine weitere Bet abfeuern wollen, oder ob wir uns eine Freecard nehmen.
Warum sollte man Draws nicht aktiv spielen
Bei so vielen Vorteilen fragt man sich natürlich, wann man überhaupt passiv spielen soll. Daher folgen hier ein paar Faktoren und eine Diskussion, wie sich diese auf die oben beschriebenen Vorteile auswirken.
Stärke der eigenen Hand: Bei sehr starken Draws, z.B. einem kombinierten Flushdraw und OESD, hat man so große Chancen am Showdown die beste Hand zu haben, dass man mit den Händen All-In gehen kann. Halten wir z.B. K




Stärke der gegnerischen Hand: Generell solltet ihr immer versuchen, den Gegner auf eine Anzahl möglicher Hände zu setzen. Nehmen wir an UTG ist tight und macht vor dem Flop eine Standard-Erhöhung. Wir gehen mit 5





Anzahl der Gegner: Der wichtigste Vorteil ist, dass wir durch die Aggression verschiedene Gewinnmöglichkeiten haben. Wir erhoffen uns, dass die Gegner aussteigen und so unser Draw gar nicht ankommen muss, sondern wir den Pot direkt für uns entscheiden. Je mehr Gegner aber in der Hand sind, desto unwahrscheinlicher wird es. Während wir Heads Up noch sehr häufig durch einen Einsatz den Pot direkt gewinnen, sinkt die Wahrscheinlichkeit bei 4 Gegnern enorm. Daher ist die Erfolgswahrscheinlichkeit der "Bluff-Komponente" bei wenigen Gegnern höher.
Art der Gegner: Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Spielweise unserer Gegner. Die ist für viele der Vorteile relevant. Haben wir es z.B. mit einer Calling Station zu tun, die mit Bottom Paar wirklich alles zahlt, auch wenn man große Einsätze macht, so ist Fold Equity (also die Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner eine bessere Hand weglegt) einfach nicht gegeben. Ebensowenig besteht hier die Notwendigkeit einen Pot aufzubauen. Wenn wir unseren Draw treffen, overbetten wir gegen diesen Gegner - er geht ja sowieso mit. Gegen Spieler, diezuviel weglegen, macht die agressive Spielweise viel mehr Sinn. Diese Gegner legen oft ein Top Paar weg, wenn man am Flop und Turn ordentlich setzt. Ebenso sollten wir darauf achten, ob unser Gegner passiv oder aggressiv spielt. Bei passiven Gegnern können wir teilweise schieben und der Gegner schiebt auch - wir bekommen die nächste Karte also umsonst zu sehen. Bei sehr aggressiven Gegnern, die fast jeden Einsatz erhöhen, ist ein Semi-Bluff aber auch nicht anzuraten - hier müssten wir auf weitere Gegenwehr aussteigen.
Fazit
Insgesamt würde ich die aggressive Spielweise als eine Art Standard-Spielweise für starke Draws ansehen. Trotzdem müssen wir uns darüber im klaren sein, dass es Situationen gibt, in denen passives Spiel bevorzugt werden sollte. Die oben aufgelisteten Kriterien sollen Euch dabei helfen, eure Entscheidungsfindung zu rationalisieren.