Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Woche 32 (BSS): Quiz - Wie spiele ich mit einem Draw?

Einleitung

von Thorsten77

Diese und nächste Woche möchte ich ein Thema behandeln, dass zum Alltag eines jeden Pokerspielers gehört: am Flop treffen wir einen guten Draw, wie z.B. einen OESD oder Flushdraw. Wir haben also in der Regel nicht die beste Hand, jedoch gute Chancen unsere Hand zur besten zu verbessern.
Sowohl in Beispielhänden als auch im Strategie-Forum kommt immer wieder die Frage auf, wie man hier spielen sollte: eher passiv oder eher aggressiv. Die Standardantwort: "es kommt darauf an". In dieser Woche beginnen wir mit einem Quiz. Bitte gebt für jede Hand an, wie ihr die Hand weiterspielen würdet und warum ihr so spielen würdet. Nächste Woche beschreibe ich dann, welche Faktoren ich betrachte, um die geeignete Spielweise auszuwählen.

Hand 1

Wie liest man eine Beispielhand?

0,02/0,04 No-Limit Hold'em (10 handed)

Preflop: Hero is SB with A, 4. CO posts a blind of $0,04.
UTG calls $0,04, UTG+1 folds, UTG+2 calls $0,04, 3 folds, CO checks, BU folds, Hero calls $0,02, BB checks.

Flop: ($0,20) 9, 8, A (5 players)
Hero bets $0,12, BB calls $0,12, UTG raises to $4,13, 2 folds, Hero ???

Hand 2

Wie liest man eine Beispielhand?

NL 25 Hold'em

Pre-flop: (8 players) Hero is UTG+1 with Q K
UTG folds, Hero raises to $1, 3 folds, Button calls, 2 folds.

Flop: A T 3 ($2.35, 2 players)
Hero ???

Angenommen die Hand geht so weiter:

Flop: A T 3 ($2.35, 2 players)
Hero bets $1.5, Button calls.

Turn: 7 ($5.35, 2 players)
Hero ???

Hand 3

Wie liest man eine Beispielhand?

NL 25

Pre-flop: (8 players) Hero is SB with 5 6
UTG folds, UTG+1 calls, MP1 folds, MP2 calls, CO folds, Button calls, Hero calls, BB checks.

Flop: T 4 3 ($1.25, 5 players)
Hero ???

Hand 4

Wie liest man eine Beispielhand?

Hero: $5,36
BU: $5,03

0,02/0,04 No-Limit Hold'em (9 handed)

Preflop: Hero is BU with 3, A
UTG calls, UTG+1 calls, 2 folds, MP2 calls, 2 folds, CO calls, Hero. SB folds, BB checks.

Flop: ($0,26) K, 6, J (6 players)
BB bets $0,30, UTG calls, UTG+1 calls, MP2 calls, 1 folds, Hero ???

Hand 5

Wie liest man eine Beispielhand?

BU: $4,26
Hero: $9,76
SB: $12,11

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (9 handed)

Preflop: Hero is BB with Q, J
6 folds, BU calls $0,10, SB calls $0,05, Hero checks.

Flop: ($0,30) T, 9, 5 (3 players)
SB bets $0,30, Hero ???

Auflösung

Hand 1

Hero hat hier den Nut Flushdraw und Top Paar. Das sieht schon mal gut aus. Trotzdem würde ich hier aussteigen. Der Zug vom Spieler in früher Position (UTG) ist zwar recht wirr, aber ich gehe nicht davon aus, dass wir mit Top Paar hier noch vorne liegen. Entsprechend haben wir unsere Möglichkeiten zum Flushdraw - die bei der massiven Overbet aber nicht ausreichen, so dass wir hier einfach aussteigen können. Hier stellt sich also die Frage aktiv/passiv gar nicht, da wir eine All-In Entscheidung streng nach Odds und Outs haben.

Hand 2

Wir sind hier Heads-up, haben Initiative, 12 Outs auf die Nuts. Unser Gegner ist vor dem Flop nur mitgegangen, so dass ich von keiner zu starken Hand ausgehe. In so einer Situation setzen wir immer. Wir haben massiv Fold Equity und selbst, wenn er mitgeht oder erhöht, haben wir so viele Outs, dass wir hier weiterspielen können.

Unser Gegner geht mit und am Turn kommt eine Blank. Jetzt wird es interessant. Wenn wir hier schieben, können wir fast sicher sein, mit einem Einsatz nahe Potsize konfrontiert zu werden. Ich würde hier auf jeden Fall nochmal setzen und zwar aus folgenden Gründen: Zum einen habe ich mit dem Second Barrel (dem 2. Bluffeinsatz) noch ein klein wenig Fold Equity - man sollte das nicht überbewerten, aber es ist durchaus möglich, dass uns hier z.B. ein kleines einfarbiges Ass oder eine Hand wie JJ mitgegangen ist und auf einen weiteren Einsatz hin aussteigt. Zum anderen können wir hier mit 2/3 PS die Betsize selbst festlegen. Letztlich wollen wir auch, dass der Pot größer wird, damit wir bei einem am River eine ordentliche Value Bet machen können. Der Kernaspekt ist hier, dass wir durch schieben die Hand eigentlich so gut wie immer aufgeben müssen. Selbst wenn der Gegner hier einen niedrigeren Flushdraw hat, wird er oft setzen und somit der Pot oft zu klein ist, um nocheinmal mitzugehen - was ein Desaster wäre, da wir die beste Hand weglegen, mit der wir ihn auch sicher stacken, wenn der Flush ankommt.

Hand 3

Wir sind hier als erster dran in einem Pot mit vielen Mitspieler, von denen vor dem Flop keiner erhöht hat. Wir haben keine Ahnung, was die Gegner halten. Ein Flushdraw kann gut möglich sein, ein kleines Pocket könnte zum Drilling geworden sein, und so weiter. Bei 4 Gegnern sinken unsere Chancen, den Pot direkt mitzunehmen auch auf nahe Null. Mit einem Einsatz bekommen wir selten alle zum aussteigen. Daher ist dies eine Situation, in der man lieber passiv spielen sollte.

Hand 4

Hier haben wir auch eine interessante Situation. Mitgehen kommt auf jeden Fall in Frage - der Pot ist groß genug. Die Frage ist aber, ob eine Erhöhung hier nicht mehr Sinn macht. Eine starke Erhöhung kommt hier für mich nicht infrage: nach Overbet und den Spielern, die schon in die Hand involviert sind, sehe ich nicht, dass wir oft genug alle zum aussteigen bewegen. Eine interessante Alternative, die vorgeschlagen wurde, ist die Minierhöhung. In Limit Hold'em würde man hier an Hero's Stelle oft nochmal erhöhen. Wenn alle mitgehen, ist eine Erhöhung +EV. Das Problem ist hier aber, dass wir uns dessen nicht sicher sein können. Es kann gut sein, dass BB z.B. Top Drilling oder einen Flush hat und hier auf unsere Erhöhung Pusht. Durch unsere Erhöhung geben wir ihm also die Möglichkeit, nochmal zu agieren und uns so aus dem Pot zu drängen.

Hand 5

Letztlich noch eine Hand, die kaum besser aussehen kann: wir haben Flushdraw, OESD und zwei Überkarten. Phil Gordon bezeichnet solche Hände als "Hands to bring to war" - und genau das sollte man machen. Erhöhen, erhöhen und falls der Gegner pusht, können wir einfach mitgehen. Hier ist es mir egal, ob ich gegen 1 oder 5 Gegner spiele, oder ob die Gegner calling stations sind. Wir haben hier soviele Outs, dass wir hier (am Flop) immer All-In gehen können.