Введение
Shorthanded (im Gegensatz zu Fullring) nennt man im Allgemeinen das Spiel an Tischen mit 2 - 6 Spielern, also an den 6-MAX-Tischen. Da sich Heads-Up-Tische, die Tische mit nur 2 Spielern, grundsätzlich anders spielen, beschäftigt sich dieser Umstiegsguide vor allem mit Tischen, an denen 3 - 6 Spieler sitzen.
Will man auf SH umsteigen, stellt sich zunächst die Frage, ob sich denn SH-Tische grundsätzlich anders als FR-Tische spielen. Dem ersten Anschein nach sehen doch 6er-Tische so aus wie 10er-Tische, an denen die ersten 4 Spieler gefoldet haben. Dies ist im Wesentlichen auch richtig, und wir empfehlen nachdrücklich, weiterhin vernünftiges Poker zu spielen. Aber es gibt ein Problem: die zu setzenden Blinds. An 10er-Tischen hat man 10 Spiele zur Verfügung, sich seinen Einsatz zurückzuholen (gemeint ist natürlich auf lange Sicht, nicht innerhalb einer jeden Runde), an 6er-Tischen aber nur 6 Spiele. Das bedeutet, dass man an 6er-Tischen nicht so lange auf richtig gute Hände warten kann, mit denen man dann spielt, wie an 10er-Tischen. Man muss also Preflop etwas looser und aggressiver werden, damit einen die Blinds nicht 'auffressen'. Viele schlechte Spieler ziehen hieraus den Schluss, dass man deshalb aus allen Knopflöchern feuern sollte. Das ist natürlich Unsinn, Otto Rehhagels 'kontrollierte Offensive' ist angesagt. Was das im Einzelnen heißt, wird im Folgenden in seinen Grundzügen näher ausgeführt.
Aber auch die guten Gegner werden aggressiver. Um bestehen zu können, darf man vor allem seinen Big Blind nicht so leicht kampflos hergeben, sondern muss ihn gegen eventuell schwächere, aber aggressiv gespielte Hände verteidigen. BB-Defense wird also zunehmend wichtiger.
Zusammenfassend lässt sich sagen: der Kampf wird deutlich härter. Das führt dazu, dass die Swings erheblich größer werden. 100 BBs zu verspielen ist völlig normal, selbst 200 BB Verlust ist nichts besonderes. Deshalb sollte die Bankroll beim Limitaufstieg größer sein als beim Fullringspiel, 500 BB ist wohl ein guter Richtwert. Außerdem sollte man sich psychologisch auf mögliche Downswings einstellen, denn sie werden mit Sicherheit irgendwann kommen.
Vor- und Nachteile
SH-Spiel hat aber auch wesentliche Vorteile. Es gibt viele zu loose Spieler, die nicht wissen, wie man die notwendige Aggression richtig einsetzt. Korns ORC und die dahinterstehenden Ideen (siehe unten) sind bares Geld wert. Da eine Austeilung am 6er-Tisch im Durchschnitt natürlich weniger Zeit beansprucht als an einem 10er-Tisch, spielt man pro Zeiteinheit mehr Hände. Das ist schon per se interessanter und - ist man Winning Player (was wir natürlich alle sind oder werden wollen) - führt zu einem höheren Stundenlohn. Außerdem schlägt auch hier wie so oft im Leben die normative Kraft des Faktischen zu: auf höheren Limits gibt es schlichtweg nur sehr wenig Fullringtische.
Preflopumstellung
[Download Link zu Charts einfügen] Im folgenden wird zunächst das Open Raise Chart (ORC) vorgestellt. Es bildet die Grundlage für das Shorthanded Spiel und ersetzt das SHC. (Es gibt das Chart übrigens auch in einer erweiterten Version für 10er-Tische. Die Teile beider Versionen für die Positionen MP2 bis BB sind identisch. Wenn ihr dieses Kapitel durchgearbeitet habt, solltet ihr erwägen, auch an 10er-Tischen auf das ORC umzusteigen.) Das ORC beruht auf dem sogenannten Equity-Prinzip. Was das bedeutet, wird unten erklärt. Dieses Equity-Prinzip ist grundlegend für euer weiteres Pokerspiel. Deshalb solltet ihr sicherstellen, es wirklich in seinen Grundzügen verstanden zu haben, nicht nur oberflächlich. Anschließend werden die verschiedenen Preflop-Situationen analysiert und mit entsprechenden Tabellen beschrieben. Da sich sehr häufig am Flop Heads-Up-Situationen ergeben (um Missverständnissen vorzubeugen: gemeint ist, dass 2 Spieler übrig bleiben, nicht das Spiel an 2er-Tischen), muss man sich auch mit dieser Problematik auseinandersetzen. Hierfür gibt es einen eigenen Artikel, der aber sehr komplex und schwer zu verstehen ist. Um einen ersten Einstieg zu finden, wird im Zuge der Big Blind-Verteidigung der Spezialfall 'Gegner hat Initiative, wir sind Out of Position' analysiert. Die hier beschriebenen Gedankengänge zeigen typische Denkweisen von Pokerspielern und sind grundlegend für viele andere Spielsituationen. Durch die Herauslösung dieses Spezialfalles erhoffen wir uns nicht nur, dass ihr die BB-Verteidigung meistert, sondern auch, dass dadurch die Lektüre des Heads-Up-Artikels erleichtert wird.Viele Gedankengänge sind scheinbar sofort einleuchtend, die Materie ist aber äußerst schwierig. Deshalb empfehlen wir euch ein mehrmaliges Durcharbeiten dieses Artikels.
Das ORC
Das ORC (open-raising-chart) ist wie das SHC eine Tabelle. Hier ist verzeichnet, wie man sich preflop verhalten soll, wenn man First-In ist. Man kann die Tabelle natürlich einfach rein formal anwenden, aber für ein tieferes Verständnis der weiterführenden Überlegungen ist es unerlässlich, sich auch die dahinter liegenden Gedanken zu vergegenwärtigen.
Für die Beantwortung der Frage, ob eine Hand spielbar ist, muss ihre sogenannte Equity bestimmt werden, d. h. die prozentuale Gewinnwahrscheinlichkeit dieser Hand (einschließlich Showdown) in Abhängigkeit von den möglichen Gegnerhänden. Wie diese Bestimmung in allen Einzelheiten geschieht, sei hier nicht thematisiert. Hierfür gibt es Simulationsprogramme, z. B. PokerStove oder Equilator, und Korns Tabellen, denen man halt vertrauen muss (und kann!!!). Dann wird diese Equity mit der Durchschnittsequity verglichen. Die Durchschnittsequity erhält man folgendermaßen: Ist außer einem selbst nur ein weiterer Spieler in der Hand, liegt die Durchschnittsequity bei 50% (1/2 = 50/100), sind außer einem selbst zwei weitere Spieler in der Hand, liegt sie bei 33% (1/3 =~ 33/100). Allgemein gilt für die Prozentangabe der Durchschnittsequity bei n Spielern: 100/n %. Hat die Hand nun eine überdurchschnittliche Equity, ist sie spielbar. Denn dann ist gewährleistet, dass man durchschnittlich mehr gewinnt als verliert (wenn man vernünftig spielt).
Dies klingt kompliziert und das ist es auch. Ein einfaches Beispiel mag zunächst illustrieren, was eigentlich gemeint ist. Spielt man mit AJo gegen die beiden Blinds, die zufällige Austeilungen haben sollen, hat man eine Pot-Equity von ca. 45%. (Diesen Wert erhält man, wenn man im Equilator oder in PokerStove für die erste Hand AJo eingibt und für die zweite und dritte auf 'RND' (Random) klickt. Nun werden für beide Blind-Hände zufällige Verteilungen angenommen. Ein Click auf 'Auswerten' bringt das gesuchte Ergebnis.)
Was bedeutet nun dieses Ergebnis? In dem Beispiel liegt die Durchschnittsequity bei 33%, weil 3 Spielern beteiligt sind. AJo hat eine Equity von 45%, also ist die Hand spielbar und alles ist im grünen Bereich. Denn: 3 SBs sind im Pot, davon 'gehören' der Hand AJo 45%, also 1,35 SB. Sie hat aber nur 1 SB gezahlt. Sie kann also einen durchschnittlichen Gewinn von 0,35 SB pro Spiel erwarten. Man beachte, dass die Equity unter 50% liegt, d. h., dass man nur in weniger als der Hälfte der Fälle gewinnt. Auch hier gilt wieder das Prinzip: Durch die Höhe des Gewinns im Verhältnis zum Einsatz lohnt es sich.
Eine unmittelbare Schlussfolgerung ist natürlich, dass man die Hand raisen muss, um seinen Gewinn zu vergrößern, aber das ist hier nicht der Punkt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass man, um zu entscheiden, ob die Hand spielbar ist oder nicht, fragt, ob sie eine überdurchschnittliche Equity besitzt oder nicht.
Alle Preflop-Entscheidungen orientieren sich nun an diesem Equity-Prinzip. Hier fließt ein, was die Gegner vor einem gemacht haben und wie viele Gegner noch sprechen werden. Was diese tun werden, kann man natürlich nicht vorhersagen, man kann aber in seine Entscheidung mit einfließen lassen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass es noch eine starke Hand gibt. Die Entscheidungen sind in der Regel knapp und es gibt auch nicht so viele Möglichkeiten. Deshalb werden im folgenden alle Bietsituationen, die Preflop entstehen können, einzeln analysiert.
First-In
Der einfachste Fall liegt vor, wenn man First-In ist, wenn also alle Gegner vor einem gefoldet haben. Für diese Situation gibt es das Open Raising Chart (ORC).
Nach dem Equity-Prinzip kommen für das Spielen nur Hände in Frage, die eine überdurchschnittliche Equity besitzen. Also versucht man diesen Vorteil gleich durch einen 'Raise' zu vergrößern. First-In gibt es kein Limpen mehr, also First-In: raise oder fold!!! Daher rührt der Name 'Open Raising Chart'.
Die Tabelle ist ähnlich wie das SHC aufgebaut. Es sind jeweils die minimalen Hände gelistet, die man auf der entsprechenden Position spielen (also raisen!) kann. Nur die Fallunterscheidungen des SHC gibt es natürlich nicht, man ist schließlich First-In!
Bei der Konzeption des ORCs ist auch berücksichtigt worden, dass es hinter einem noch starke Hände geben kann. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass die minimalen spielbaren Hände der vorderen Positionen stärker sind als die der hinteren.
Im SHC gab es einige Hände, die man First-In nur callte. Diese Spielweise basiert auf der Annahme, dass es noch genug Gegner nach einem geben werde, die ebenfalls callen, so dass genügend große Implied Odds entstehen werden. An 6er-Tischen ist aber die Gefahr viel zu groß, durch einen Raise isoliert zu werden, wonach die Implied Odds ruiniert sind. Also nochmals: raise oder fold!
1 Call vor euch
Auch gegen einen Caller vor euch gilt natürlich das Equity-Prinzip. Es gibt also, abgesehen vom BB, ebenfalls nur raise oder fold! Genaugenommen ist die Equity der Hand von dem Bereich abhängig, mit dem der Gegner limpt. Hier kann man mit Hilfe von PokerTracker-Daten und Simulationsprogrammen wie PokerStove und Equilator eine Feinabstimmung vornehmen. Dies ist anfangs aber nicht so wichtig. Eine brauchbare Vorgehensweise, mit der ihr auf der sicheren Seite seid, ist, dass ihr so tut, als säßet ihr in einer Position vor eurer wirklichen, z.B. ihr sitzt im CO habt einen Limper, also schaut ihr in die Spalte MP3. Wenn die Hand dort spielbar ist, raist ihr und versucht, den Caller zu isolieren. Ansonsten müsst ihr folden.
1 Raise vor euch
Wiederum gibt es nach dem Equity-Prinzip nur raise oder fold. Die adäquate Spielweise findet man in der Tabelle '3-betting vs ORC'. Aber Achtung!!! Die Gegner werden, je später sie agieren, desto leichter raisen. Wichtig ist hier folglich nicht eure eigenen Position, sondern die des Gegners, der raist!! Solltet ihr euch für einen Reraise entscheiden, wird der Rest des Feldes wahrscheinlich sowieso folden, eure Position ist somit fast irrelevant. Deshalb ist eure Reaktion in derjenigen Spalte verzeichnet, die die Position des Gegners, der geraist hat, angibt, egal wo ihr sitzt. Genauer gesagt: fast egal. Sitzt ihr im BB, gibt es eine eigene Tabelle (siehe unten), sitzt ihr im SB, gilt der Eintrag rechts vom '/', ansonsten der Eintrag links vom '/'. Gibt es nur einen Eintrag, wird nicht unterschieden, ob man im SB sitzt oder nicht.
1 Raise und 1 Reraise vor euch
Gegen solche Stärkedemonstration vor euch kommt nur Cappen oder Folden in Betracht. Gecappt werden können aber nicht nur die bekannten Hände aus dem SHC (AA, KK, QQ, Ako/s) sondern auch BB, TT und AQs, denn die Gegner (wir übrigens auch) raisen und reraisen mit schwächeren Händen, als es im SHC angenommen wurde. Deshalb steigt der Wert von BB, TT und AQs.
1 Call und 1 Raise bzw. 1 Raise und 1 Coldcall vor euch
Man unterscheidet nicht, ob ein Caller geraist oder ob ein Raiser coldgecallt wurde und behandelt die Situation genauso wie gegen einen einzelnen Raiser: reraisen nach der Tabelle '3-betting vs ORC', aber denkt daran, der relevante Eintrag steht in der Spalte, die die Position des Raisers (also nicht die eigene) angibt. Wiederum gilt: sitzt ihr im SB, gilt der Eintrag rechts vom '/', ansonsten der links vom '/'.
Eine erste Ausnahme bilden die Pocket Pairs. Reraisen gegen 2 Gegner sollte man nur ab 99, egal von welcher Position aus geraist wurde.
Eine zweite Ausnahme bilden die Hände, die gute Implied Odds oder eine gute Playability haben, also die Pairs 88 - 22 (ab 99 reraisen) und KJs, QTs, JTs. Sie stehen in der Tabelle 'Raise (und 1 Call)' im unteren Teil. (Merkhilfe: 2 Broadwaykarten mit höchstens einem Loch, die nicht gereraist werden können). Diese Hände haben eine zu geringe Equity, um sie zu reraisen. Aber zum Folden sind sie zu schade, da sie, wenn sie den Flop treffen, große Pötte gewinnen können. Deshalb wird in dieser Situation (gegen Raiser und Caller) erstmals das Prinzip durchbrochen, entweder zu raisen oder zu folden. Diese Hände werden gecallt.
2 oder 3 Calls vor euch
Auch hier gilt das raise-oder-fold-Prinzip nicht mehr. Die starken Hände werden natürlich immer noch geraist, und mit nicht so starken, aber trotzdem spielbaren Händen sollte man limpen und sich den Flop ansehen. Was 'stark' und was 'spielbar' heißt, findet man in der Tabelle '2 oder 3 Limper'. Zunächst müsst ihr nach der Limperzahl die entsprechende Spalte auswählen. Der Eintrag links vom '/' zeigt die minimale Hand zum Raisen, der Eintrag rechts vom '/' die minimale Hand zum Callen.
Blind Defense
Im SH-Spiel kommt es oft zu der Situation, dass man im SB oder BB sitzt und sich einem einzelnen Raiser gegenübersieht, weil alle anderen gefoldet haben. Wie man sich im SB zu verhalten hat, geht aus den genannten Tabellen hervor und wurde oben bereits analysiert.
Im BB hat man den großen Vorteil, gegen den Raise nur 1 SB zahlen zu müssen, man hat also meistens (wenn der Raise nicht aus der SB kam) 3,5:1 Pot Odds. Ein großer Nachteil allerdings ist, dass man für den Rest des Spiels Out of Position ist. Berücksichtigt man, dass der Raiser im SH-Spiel deutlich schwächer sein kann, als es für das SHC angenommen wurde, ist offensichtlich, dass die dort vorgeschlagene Blind Defense zu tight ist. Man würde zu viel Geld kampflos opfern. Übrigens ist dies auch ein Teufelskreis. Denn Gegner, die beobachten, dass man seinen BB zu oft foldet, werden immer schwächere Hände raisen, um die Blinds zu stehlen, weil es für sie profitabel ist. Das heißt, die Blindverteidigung hat auch eine Bedeutung über die konkrete Hand hinaus. Sie signalisiert dem Gegner für die Zukunft: Überleg es dir, meinen Blind mit unzureichenden Händen zu stehlen, ich leiste Widerstand!
Welche Hände sich im Durchschnitt profitabel verteidigen lassen, findet man in der BB-Defense-Tabelle. Auch hier gilt natürlich, dass man in der Spalte nachsehen muss, die die Position des Raisers angibt. Ein einzelner Eintrag bedeutet callen. Zwei durch '/' getrennte Einträge meinen, dass ab der besseren Hand (linker Eintrag) geraist und ab der schlechteren (rechter Eintag) gecallt wird.
Vielleicht verwundert es auf den ersten Blick, wie schlecht die Hände zum Teil sind, die verteidigt werden sollen. Dazu noch zwei Anmerkungen: Erstens muss man bedenken, dass man bereits 3,5:1 Pot Odds hat. Man muss also gar nicht 'so oft' gewinnen, damit die Verteidigung profitabel ist. Zweitens sollte man sich unbedingt mit der korrekten Spielweise 'Heads-UP, Gegner hat Initiative, wir sind Out of Position' vertraut machen. Dazu dient der nachfolgende Abschnitt.
Blinddefense - Postflop
Hat man im BB einen Raise gecallt, ist man in der Regel OoP (Ausnahme: Raise kam vom SB). Dies scheint zunächst ein Nachteil zu sein, aber man kann der Situation auch etwas Positives abgewinnen. Der Gegner, also der Preflop-Aggressor, wird aller Wahrscheinlichkeit nach erneut betten, wenn man checkt (die Continuation Bet). So spielen wir ja auch. Dies eröffnet uns aber die Möglichkeit des Check-Raises. Damit ist unsere schlechte Position zumindest teilweise kompensiert.
Sehen wir uns die einzelnen Optionen des Weiterspielens genauer an. Wir müssen zunächst abschätzen, wie wir den Flop getroffen haben. Dazu teilen wir die sich ergebenden Situationen in drei Kategorien ein:
- wir haben den Flop verfehlt
- wir haben den Flop getroffen (Made Hand)
- wir haben ein starken Draw
zu a) Die Lösung ist denkbar einfach: Check - Fold. Heads-Up gegen einen Preflop-Raiser zu bluffen, kann sehr teuer werden und will gut überlegt sein. Anfängern sei davon abgeraten.
zu b) Zunächst ist zu überlegen, was heißt 'getroffen'. Heads-Up ist Top Pair eine starke Hand. Aber auch Middle oder Buttom Pair können brauchbar sein. Man muss immer überlegen, ob auch der Gegner getroffen haben kann. Je früher die Position war, aus der der Raise kam, desto eher kann man den Raiser auf hohe Karten setzen. Die konkreten Entscheidungen, ob man eine Made Hand hat oder doch nur ein Draw hält, sind schwer zu treffen und erfordern viel Erfahrung. Vieles hängt auch von den weiteren Reaktionen des Gegners ab. Wir gehen zunächst davon aus, vorne zu liegen. Nun haben wir 3 Möglichkeiten: Bet, Check - Call und Check-Raise. Bet bringt uns nicht weiter. Zum einen geben wir dem Gegner die Möglichkeit, sich ohne weitere Investition aus der Hand zu verabschieden. Zum anderen haben wir keine nennenswerte Information gewonnen, wenn er callt. Hat er nur einen Draw oder will er den Turn raisen? Selbst ein Raise gegen unsere Bet kann vielerlei bedeuten, da die meisten Gegner eine Donkbet nicht ernst nehmen. Check - Call ist zu passiv. Wir haben überhaupt keine zusätzliche Information erhalten, da der Gegner sowieso bettet, egal, was er hält. Bleibt der Check-Raise. Gibt er Gegner nun auf, haben wir immerhin noch eine SB aus ihm herausgequetscht. Callt er, müssen wir den Turn betten, um weiter Druck zu machen. Nun stellt sich heraus, wie stark der Gegner wirklich ist. Callt er nur, haben wir wohl die beste Hand, raist er, müssen wir uns mit dem Gedanken vertraut machen, hinten zu liegen. Wie es weitergeht, ist gegner-, flop- und handabhängig und nicht Gegenstand dieses Artikels. Raisen, folden, nach Outs callen oder downcallen (Way Ahead - Way Behind) sind mögliche Optionen.
zu c) 'Starker Draw' heißt mindestens 8 Outs, also etwa OESD, Flushdraw oder Gutshot mit Overcards. Als erste Option bietet sich Check - Call an, da nach der Flopbet des Gegners 5,5 SB im Pot sind und man somit genügend große Pot Odds hat. Aber man kann durch einen Semibluff, d. h. in diesem Fall durch Check-Raise, ungeheuren Druck auf den Gegner ausüben. Auf die Frage, warum der Druck so groß ist, wird weiter unten eingegangen. Hier zunächst zur Wiederholung oder zur Vertiefung einige Gedanken zum Semibluff.
Semibluff
Semibluff nennt man ein Gebot oder - wie in unserem Zusammenhang - einen Raise mit einer Hand, die aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die beste ist, die aber im Gegensatz zum reinen Bluff einige Outs hat, um zur besten zu werden. Man hat zwei Möglichkeiten zu gewinnen. Am liebsten möchte man, dass der Gegner foldet, so dass man sofort gewinnt. Callt er aber, hat man immer noch zahlreiche Outs, die man treffen kann. Eine wichtige Frage ist, ob sich die zusätzliche Bet lohnt oder ob es nicht lukrativer ist, einfach zu callen. Die exakte Beantwortung dieser Frage ist gegnerabhängig und mit äußerst komplexen mathematischen Berechnungen verbunden (siehe Forumsdiskussion in der Platin-Sektion), für die Praxis reicht aber eine ungefähre Abschätzung. Die dahinter steckenden Gedankengänge sind äußerst lehrreich. Sie seien deshalb an einem Beispiel vorgeführt. Wenn ihr euch nicht durch die Berechnungen quälen wollt, reicht es auch, das Ergebnis zur Kenntnis zu nehmen.
Nehmen wir an, wir halten einen Flush-Draw, haben also 9 Outs. Wir machen unseren Flush in ca. 1/3 der Fälle bis zum River (9/47 + 38/47*9/46 =~ 0,34), haben also eine Equity von 34% (der Einfachheit halber sei abgeschätzt 34% = 1/3). Bezogen auf unser konkretes Beispiel 'gehören' uns von den 5,5 SB im Pot bereits ca. 1,9 SB (34 % von 5,5). Mit der zusätzlichen Bet, die wir zahlen, wenn wir raisen, anstatt zu callen, starten wir also einen Angriff auf die restlichen 3,6 SB (5,5 SB - 1,9 SB = 3,6 SB). Die zusätzliche Bet müssen wir allerdings gar nicht ganz zahlen, denn aufgrund unserer Equity von 34% gehört uns bereits 1/3 dieser Bet und von der gegnerischen Bet, die dieser zahlen muss, um im Pot zu bleiben, gehört uns ebenfalls 1/3, so dass unsere eigentliche Investition beim Raisen nur 1/3 SB beträgt. Das Verhältnis von dem zusätzlich angegriffenen Potanteil (3,6 SB) zu der Investition (1/3 SB) beträgt 10,8 : 1. Wir machen also bereits Gewinn, wenn der Gegner nur in ca. 8,5% (100 / 11,8 =~ 8,5, der Ansatz ergibt sich aus der nachfolgenden Erklärung) der Fälle foldet. (In 100 Fällen investieren wir 100 Male 1 SB (100 SB Verlust) und gewinnen 8,5 Male 11,8 SB (= 10,8 SB im imaginären Pot + unsere investierte SB) = 100,3 SB, also ein durchschnittlicher Gewinn von 0,3 SB/100 Hände.) Dass man nur eine vergleichsweise geringe Foldequity benötigt, zeigt die ungeheure Stärke des Semibluffs. Durch die vielen Outs sind die zusätzlichen Kosten im Verhältnis zum Gewinn eben verhältnismäßig gering.
Diese Rechnung ist zugegebenermaßen nur eine grobe Abschätzung. Es wurde beispielsweise nicht berücksichtigt, dass der Gegner auch reraisen kann. Festzuhalten bleibt aber zweierlei. Zum einen muss der Gegner gar nicht oft folden, damit der Semibluff +EV hat. Zum anderen hat ein Semibluff allerdings nur dann Sinn, wenn der Gegner auch folden kann. Denn darauf beruht ja ein Teil der Gewinnerwartung. Callt der Gegner alles, hat ein Semibluff natürlich eine -EV. Aber dann kassiert man ihn mit den Made Hands umso mehr ab.
Draws, Das Fazit
Zurück zur Ausgangsfrage, wie man seine Draws spielt: Wir haben gesehen, dass nach der gegnerischen Continuation Bet ein Check-Raise als Semibluff nicht viel mehr kostet als ein Call. Check-raist man seine starken Draws und setzt im Falle eines Calls des Gegners mit einer Turnbet nach, behandelt man seine Draws genauso wie seine Made Hands. Der Gegner kann also an der Spielweise nicht mehr unterscheiden, ob man eine Made Hand oder ein Draw hat. Gerade aus dieser Kombination von Made Hand und Semibluff resultiert der ungeheure Druck, der auf den Gegner ausgeübt wird. Er kann oft nicht entscheiden, ob er vorne oder hinten liegt. Hält er z. B. 2 Overcards, ist es schwer für ihn zu callen, obwohl er vielleicht noch vorne liegt. Er weiß auch nicht, wie viele Outs er hat, weil er eventuell revers dominiert ist oder einige seiner Outs gegnerische Draws vervollständigen. Made Hands und Draws auf die gleiche Weise zu spielen, ist also äußerst effektiv. Hieraus folgt aber, dass man Monsterhände wie z. B. Sets nicht slowplayen sollte. Denn wenn der Gegner dies beobachtet, weiß er, dass die Spielweise Check-Raise nicht übermäßig stark sein kann, denn ansonsten hätte man die Hand ja slowgeplayt. Durch das Slowplayen der Monsterhände nivelliert man den Druck, den man durch Semibluffs ausüben kann.