Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Urteil im Steuerprozess um Eddy Scharf

Eddy Scharf übte beim Pokern eine gewerbliche Tätigkeit aus und muss daher die vom Finanzamt geforderten Steuern nachzahlen. Zu diesem Urteil kam heute das Finanzgericht Köln. Das Urteil stellt eine Einzelfallentscheidung dar, eine Revision ist möglich.

Eddy Scharf

Das mit Spannung erwartete Urteil zum Steuerprozess um Eddy Scharf wurde heute in Köln gefällt. Der ehemalige Full Tilt Profi hatte gegen die Steuernachforderung des Finanzamts geklagt.

Eddy eddyscharf Scharf argumentierte, dass Poker ein Glücksspiel sei. Da Gewinne aus Glücksspiel in Deutschland grundsätzlich steuerfrei sind, müsse er auch keine Steuern auf seine sechstelligen Gewinne zahlen.

Diesem Argument widersprach das Kölner Finanzgericht nun. Wenn der Spieler über einen längeren Zeitraum regelmäßig und erfolgreich an Pokerturnieren teilnehme, seien die Gewinne als gewerbliche Einkünfte zu betrachten, so die Richterin Maria-Elisabeth Wetzels-Böhm. Eddy Scharf habe das Pokern berufsmäßig ausgeübt.

Das Finanzamt verwies außerdem darauf, dass der Typ des berufsmäßigen Pokerspielers schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt sei. Dem entgegnete Scharfs Anwalt Robert Kazemi: "Mag sein, nur waren das dann aller Wahrscheinlichkeit nach professionelle Falschspieler." Poker enthalte zwar Geschicklichkeitselemente, in erster Linie komme es aber auf Glück an.

Das Gericht sprach explizit von einer Einzelfallentscheidung, das Urteil habe keine grundlegende Bedeutung. Eddy Scharf kann nun Revision vor dem Bundesfinanzhof einlegen.

Eddy Scharf unterhält "Gewerbebetrieb"

Nach einem Bericht des Kölner Stadtanzeigers argumentierte das Finanzamt vor Gericht, dass Eddy Scharf mit seiner Tätigkeit einen Gewerbebetrieb unterhalte. Steuerfrei sei Pokerspielen lediglich bei Hobbyspielern. Allein im Jahr 2008 habe Scharf 81 Casinobesuche hingelegt. Zwischen 2003 und 2007 war er bei 19 internationalen Pokerturnieren dabei. Sein Erfolg brachte ihm auch ein Kommentatorenjob und Werbeverträge ein.

Dafür nehme er hohe Anmeldegebühren und Übernachtungskosten in Kauf, argumentierte das Finanzamt. Wenn genügend Profispieler mit analytischen Fähigkeiten aufeinandertreffen würden, wäre der Glücksfaktor nur noch gering.

Obwohl Eddy Scharf in seiner Karriere bei offiziellen Live-Events mehr als $1,3 Millionen gewinnen konnte, unter anderem auch mit einem WSOP-Bracelet in einem $1.500 Omaha-Event, steht er nach eigenen Worten nun vor dem Ruin. Seine Verluste beim Poker seien höher als seine Gewinne.

PokerStrategy.com-Forum: Eddy Scharf - Strategen im Strampelanzug

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von Volker Rueß