Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

GTO-Pokertheorie: Die Kunst der Selbstbindung

Die meisten Menschen wollen sich regelmäßig positiv betätigen, den wenigsten gelingt genau das jedoch problemlos. Wer den inneren Schweinehund besiegen will, braucht ein "Commitment Device".

homer simpson
Wer es nicht mit reiner Willenskraft schafft, sollte die schlechte Angewohnheit unmöglich machen

Wer sich für Poker interessiert, bekommt zwangsläufig auch Einblicke in andere Wissens- und Themenfelder wie Wirtschaft, KI, Psychologie und Spieltheorie. Daher gibt es eine neue Artikelreihe, bei der wir einige der wichtigsten Themen abdecken, die auch Anwendung beim Spiel finden, das wir alle kennen und lieben.

Ich habe gerade das Buch Atomic Habits von James Clear zu Ende gelesen und bin sehr davon begeistert. Wer sich für Literatur im Bereich Gewohnheitsbildung interessiert, sollte einen Blick hineinwerfen, insbesondere wenn man sich zuvor schon The Power of Habit von Charles Duhigg zu Gemüte geführt hat. Professionelle Pokerspieler sind in den meisten Fällen sehr intelligent, haben jedoch häufig Probleme mit schlechten Angewohnheiten, wenn es um Motivation, Zeitmanagement oder Lernwillen geht. Diesen Herausforderungen etwas zu entrinnen, ist mitunter genau der Grund, warum sie Pokerspieler geworden sind und nicht im normalen Berufsleben arbeiten.

Ein Hilfsmittel, für das im angesprochenen Buch in diesem Zusammenhang plädiert wird, ist der sogenannte Commitment Device, frei übersetzt eine Art der verbindlichen Selbstverpflichtung oder Selbstbindung. Damit wird in der Spieltheorie und Wirtschaft eine Technik beschrieben, die einen davon abhalten soll, wider besseren Wissens entgegen seiner langfristigen Interessen zu handeln, indem die kurzfristige Handlungsfreiheit eingeschränkt oder schwieriger gestaltet wird.

Ich habe zum Beispiel auf meinem Computer die App Freedom installiert, die am Morgen automatisch alles im Bereich sozialer Medien und am Nachmittag sämtliche Pokeranwendungen blockiert, damit ich nicht in Versuchung gerate, meine Arbeit aufzuschieben. In der Vergangenheit habe ich mich auch gezwungen, mehr auf meine Ernährung zu achten, indem ich meiner Frau erlaubt habe, mir jeweils ein Bußgeld von £20 abzuknöpfen, wenn ich mich mal wieder über eine Tüte Popcorn hergemacht habe (eine meiner großen Schwächen). Kurzfristig macht das Naschen oder Stöbern bei Twitter natürlich Spaß, die negativen Konsequenzen sieht man jedoch erst langfristig. Die Anmeldung im Fitnessstudio, das Kochen und Einfrieren gesunder Mahlzeiten, das "Verlegen" der Kreditkarte und selbst das Stellen des Weckers sind alles Beispiele für Mittel zur Selbstbindung, um kurzfristige Bedürfnisse zu zügeln, damit langfristige negative Konsequenzen vermieden werden.

Motivationswetten und Staking

Bei Pokerspielern gibt es eine lebhafte Geschichte rund um die ausgefallensten Commitment Devices, die die Welt je gesehen hat: die berüchtigten Propbets. Jaime Staples hat die bekannteste von Hunderten von Abnehmwetten bewältigt, bei der die Gefahr eines finanziellen Verlusts und der Druck der Öffentlichkeit dabei geholfen haben, dass er fast 50 Kilogramm verloren hat. Oliver Busquet ist einer von vielen Profis, die sich im Zuge einer Propbet in Bestform gebracht haben, um einen MMA-Kampf zu bestreiten. Dabei sorgte nicht nur das Finanzielle, sondern auch die Gefahr vermöbelt zu werden für die notwendige Motivation.

Es gibt beim Poker noch eine weitere Form von Commitment Device, die bei Weitem nicht so radikal wie die meisten Propbets ausfällt: ein Stakingdeal, bei dem auch eine strategische Ausbildung Teil des Pakets ist, wie zum Beispiel bei SpinLegends. Pokerspieler haben häufiger Probleme, die richtigen und effektivsten Lerninhalte zu finden, die Motivation langfristig aufrecht zu erhalten, ein sicheres Bankroll-Management zu befolgen oder die Ausdauer für ein aussagekräftiges Spielvolumen aufzubringen.

Ein guter, professionell gestalteter Stakingdeal hat das Potenzial, all diese möglichen Probleme auszubügeln. Wenn ein Coaching mit einhergeht, dann gibt es automatisch auch einen extrinsischen Druck sich blicken zu lassen und zu lernen. Wenn nicht, würde man nicht nur andere Spieler, die Teil des Stakingteams sind, im Stich lassen, sondern auch den Backer hängen lassen, der ein Interesse daran hat, dass man sein Spiel stetig verbessert. Lernt man für sich selbst, wird niemand schief gucken, wenn man stattdessen einmal mehr lieber die Playstation anwirft.

Für gewöhnlich ist bei Stakingdeals auch immer ein gewisses Spielvolumen vereinbart – ein Aspekt, bei dem sich nur die wenigsten Spieler selbst strikte Ziele setzen und diese dann auch einhalten. Gleichermaßen gibt es auch extrinsischen Druck, was das Spielen außerhalb des eigentlichen Bankroll-Limits betrifft, wenn man gestaket wird. So wird bei SpinLegends zum Beispiel auch darauf geachtet, dass die Option zur Beschränkung von Buy-ins in der jeweiligen Pokersoftware aktiviert ist, damit man nicht versehentlich oder im Affekt eine Partie abseits des eigentlichen Limits einstreut.

Während die meisten Leute Poker als Ausgleich zu Studium oder Beruf spielen, gibt es wenig Zweifel daran, dass Routine und Struktur auch in solch einem Fall zahlreiche Vorteile bieten können, die man sonst nur aus dem Berufs- oder Studienalltag kennt. Es nervt natürlich, wenn man einen Chef hat, aber manchmal braucht man ihn eben auch, um das Beste aus sich herauszuholen. Manchmal braucht man die Aussicht, dass Nichteinhaltung des eigenen Plans negative Konsequenzen haben kann, damit man motiviert am Ball bleibt. Das ist natürlich nicht bei jedem der Fall, aber wer bei sich den Schlendrian erkennen kann, sollte schauen, ob er dem Ganzen nicht mit einem Mittel zur Selbstbindung Einhalt gebieten kann.

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Welche Theorien außerhalb der Welt von Poker haben euch am meisten beim Verbessern eures Spiels oder in anderer Weise geholfen?

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