Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Tischmanagement bei PKO-Turnieren

Die Frage, wie die Chipverteilung am Tisch aussieht, nachdem man eine Hand verloren oder gewonnen hat, spielt bei PKO-Turnieren strategisch eine zentrale Rolle.

Dara O Kearney
Dara O'Kearney 

Als ich vor mehr als einem Jahrzehnt angefangen habe, mehr über Poker zu lernen, habe ich wie viele die ersten Schritte bei SNGs gemacht. Dort gab es ein verbreitetes strategisches Konzept genannt Tischmanagement. Dabei ging es im Grunde darum, dass der entscheidende Faktor bei einer nahenden Entscheidung war, wie der Tisch nach Gewinn oder Verlust der infrage kommenden Hand aussehen würde.

So wollte man zum Beispiel einem Spieler mit einem Stack von 10 Big Blind, der hinter einem an der Reihe ist, kein Double-up ermöglichen, weil er sonst über einen Reshoving-Stack verfügen würde, mit dem er zukünftigen eigenen Raises Probleme machen könnte. Darüber hinaus war Taktik, dass man als Chipleader an der Bubble einen Shortstack am Leben lässt, weil man durch seine Präsenz die anderen Stacks enorm unter Druck setzen konnte. Mit dem Aufstieg von Solvern und dem entsprechend optimierten Spielen der eigenen Range trat das Konzept von Tischmanagement aber immer mehr in den Hintergrund.

Mit Blick auf PKO-Turniere, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen, wird Tischmanagement jedoch wieder deutlich relevanter. Das gilt vor allem für die frühen Turnierphasen, in denen die einzelnen Kopfgelder besonders hohe Relevanz haben.

Wer covert wen nach der Hand?

Dara O Kearney
Wer wen bei einem PKO covert, spielt strategisch eine zentrale Rolle

Das liegt daran, dass die eigene Profitabilität bei einem PKO entscheidend davon abhängt, welche Gegner man am Tisch in Chips gecovert hat. Erst wenn man in der Lage ist, den Chiplead gegenüber allen anderen am Tisch zu erreichen, spielt man auch um den höchstmöglichen Preispool. Entsprechend geht es bei einer Entscheidung nicht nur um die Frage, wie die Range gegen die gegnerische performt, sondern auch darum, dass man Situationen herbeiführt, in denen man eine Chance auf die größten Kopfgelder hat.

Hat man zum Beispiel den Chiplead inne und befindet sich in einem Spot, bei dem man eine marginale +EV-Chance auf ein kleines Kopfgeld hat, ein Verlust der Hand aber bedeuten würde, dass man den Lead gegenüber vier anderen Spielern am Tisch einbüßen würde, kann das bessere Play ein Fold sein. Würde man den Chiplead hingegen selbst bei einem Verlust der Hand behalten, wäre der Call natürlich das richtige Play.

Befindet man sich im Chipranking des Tischs auf Platz 6 von 9, während der Gewinn einer Hand einen auf Platz 1 katapultieren könnte, dann könnte aus einem marginalen -EV-Call aufgrund der zukünftigen Chance auf Kopfgelder sehr schnell ein Snapcall werden. Die Aussicht, den Chiplead zu behalten oder zu erreichen, sorgt in einem PKO also dafür, dass man die jeweiligen EV-Grenzen in verschiedenen Spots durchaus nach oben oder unten vernachlässigen kann.

Zusätzliche Equity durch den Chiplead

Nicht jeder Spot ist aber eine derartige EV-Vernachlässigung wert. Befindet man sich im Ranking auf Platz 2 und der Spieler mit dem größten Stack spielt sehr tight oder verfügt lediglich über ein Anfangskopfgeld, dann macht es weniger Sinn danach zu streben, auch ihn in Chips zu covern, da es unwahrscheinlich ist, dass man ausreichend belohnt wird, wenn man es schaffen sollte, ihn auszuschalten. Entweder lässt er sich auf solche Spots gar nicht erst ein oder das Kopfgeld ist schlichtweg zu gering, um das Risiko einzugehen. Spielt der Chipleader tight, kann man auch als Zweiter in Stacks davon ausgehen, dass man das Bestmögliche an Chancen am Tisch wahrnehmen können wird.

In diesem Zusammenhang ist es in einem PKO auch förderlich, wenn Spieler mit Stacks von etwa 20 Big Blinds, die man covert, vor einem an der Reihe sind, da man sie dann mit einer weiten Range 3-betten kann, während das mögliche Kopfgeld dafür sorgt, dass man auf einen Call sehr gute Odds bekommt, falls sie sich doch mal mit einem 4-Bet-Shove wehren sollten.

Dara O Kearney
Wie wird der Tisch aussehen, wenn man gewonnen oder verloren hat?

Auch Lines abseits vom Standard können beim Streben nach dem Chiplead gefragt sein. Hat man zum Beispiel eine sehr starke Hand, könnte eine 3-Bet das normale Play sein, mit dem man regelmäßig einen kleinen Pot gewinnt. Bei einem PKO könnte trotz des höheren Risikos hingegen ein Flatcall besser sein, wenn sich dadurch die Chance auf genug Chips bietet, um in die führende Position zu kommen.

Im Grunde lässt sich jede Hand in einem PKO auf drei wesentliche Fragen herunterbrechen, die man sich beantworten muss:

  1. Wie würde ich die Hand in einem normalen Turnier spielen?
  2. Was ändert das mögliche Kopfgeld an der Line?
  3. Wie sieht der Tisch aus, wenn ich gewinne oder verliere?

Bei der letzten Frage stoßen alle Solver aktuell an ihren Grenzen und es wartet jede Menge zusätzliche Equity, wenn man eine Vielzahl der Gegner in einem PKO in Chips gecovert hat. Bei der Entscheidungsfindung darf genau dieser Umstand in einem PKO auf keinen Fall ignoriert werden.

Ähnliche Strategietipps und -ratschläge gibt es jeden Monat aus der Feder von Dara O'Kearney in seinem Gratis-Newsletter sowie in den Büchern Poker Satellite Strategy und PKO Poker Strategy.

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