Ich hatte in den letzten Wochen immer wieder mal verschiedene Feedbackthreads hier verfolgt, zuletzt auch die Comments zum Wc3-Sponsoring. Dabei habe ich ab und an auch mal meinen Senf dazugegeben. Rückblickend merke ich, dass meine Kritik zum Teil in konstruktiverer Form hätte erfolgen können. Darum hier der Versuch, mein eigentliches Anliegen etwas strukturierter und mit Blick nach vorn zu formulieren.
Ich finde PS.de eine Supersache: die Idee, die Entstehungsgeschichte (soviel ich sie mitbekommen habe), der Enthusiasmus, auf dem alles aufgebaut wurde. Auch die Entscheidung, eine Community-Erfolgsgeschichte zu professionalisieren und zu kommerzialisieren, finde ich nachvollziehbar und sinnvoll. Weil dem so ist, finde ich es logisch, dass ich versuche, dort zu helfen, wo PS.de meiner Meinung nach noch deutlich zulegen kann, und wo ich gleichzeitig über ein paar Jahre Erfahrung und darum a bisserl Kompetenz verfüge. Alles mit dem Ziel, PS.de noch besser zu machen, und ja, auf diesem Weg natürlich auch selber mehr davon zu haben (Stichwort incentive).
Beim Schritt "von der Community zur Firma", wie jemand so schön gepostet hat, wurden meiner Meinung nach ein paar wichtige Dinge enorm unterschätzt und entsprechend (bislang) klar suboptimale Resultate erzielt. Es kann sein, dass das Resultat für Korn und Co. immer noch so zufriedenstellend aussieht, dass sie damit zufrieden sind. Für mich steht aber eindeutig fest, dass deutlich mehr möglich gewesen wäre, respektive: dass noch deutlich mehr geht (denn es ist ja nicht zu spät, noch was dazuzulernen).
Weil ich keinen Einblick in die Geschäftsführung und schon gar nicht in die strategische Führung von PS.de habe (oder haben will :), beziehe ich mich ausschliesslich auf den Themenkomplex CRM/Kundenbindung und die damit verbundene professionelle Kommunikation; davon bekomme ich als Kunde ja ne Menge mit, und weil ich seit zehn Jahren in diesem Bereich arbeite, habe ich einiges an guten und schlechten Beispielen miterlebt und so n bisschen ne Ahnung, was sich bewährt und was weniger.
Kundenkommunikation ist etwas Schwieriges, weil Komplexes, und ist mittlerweile auch als Wissenschaft so weit entwickelt, dass sich professionelle Ansätze ganz erheblich von "intuitiven", weniger bewussten und expliziten Ansätzen unterscheiden. Entsprechend sind die Unterschiede zwischen professioneller Kundenkommunikation und gutgemeinter, aber weitgehend amateurhafter Kommunikation mit Kunden enorm (amatuer = liebhaber übrigens, also nix negatives!). So würde kein guter Kommunikationsprofi auf die Idee kommen, einem kritischen Kunden als Antwort "Du hättest es selber auch nicht besser gemacht!" zu geben (selbst falls es stimmen sollte :), weil das in jedem Fall einfach kontraproduktiv ist. Oder auf enttäuschte Erwartungen damit zu reagieren, vermeintliche Lorbeeren auszubreiten mit dem Argument "dafür haben wir doch das alles erreicht!". Genauso würde sich der Profi hüten, Ankündigungen zu machen, die grosse Erwartungen wecken (sollen!), wenn nicht annähernd sicher ist, dass man die auch umsetzen kann. Und so weiter.
Im Bereich Reklamationen/Kritik/blödes Gemecker kann der Profi ausserhalb des emotionalen Bereichs argumentieren (weil es sonst nichts bringt, auch wenn man Recht hat) und wird im Zweifelsfall eher zu kulant (= zugunsten des Kunden) reagieren als umgekehrt - häufig sogar dann, wenn der Kunde ganz klar im Unrecht ist. Warum? Weil es sich schlicht auszahlt, und etwas anderes interessiert den Kommunikationsprofi nicht.
Grundsätzlich ist die heutige, erfolgreiche Kundenkommunikation zudem stark auf Transparenz ausgelegt; man definiert den Kunden als intelligent, mündig und unabhängig und traut ihm zu, seine eigene Meinung zu bilden. Das schliesst z.B. aus, dass man bevormundende Statements ablässt (wie "auch wenn Du das jetzt noch nicht einsiehst, glaub mir, es ist so besser für Dich!"). Grundsätzlich kann der Profi "von innen heraus, aber mit der Aussenperspektive des Kunden" kommunizieren und so viel an negativen Emotionen und Missverständnissen vermeiden.
Ohne jetzt auf die aktuellen Beispiele bei PS.de einzugehen, bin ich der Meinung, dass in Sachen professionelle Kommunikation bei PS.de noch enorme Steigerungen drin sind; es geht aus meiner Sicht ganz klar nicht mehr um ein paar Einzelereignisse, die halt irgendwie dumm gelaufen sind, sondern es zeigen sich Muster, die mir durchaus bekannt sind aus Situationen, in denen nicht professionell ausgebildete Kommunikatoren mit viel Enthusiasmus instinktiv reagieren und sich so ungewollt von einem Fettnäpchen zum nächsten kommunizieren.
Weil niemand als Kommunikationsprofi geboren wird, braucht sich auch niemand zu schämen, wenn es nicht auf Anhieb klappt (wohl analog zu z.B. Poker :).
Ich finde einfach, dass PS.de von seiner Geschichte, seinem Wachstum und seinen Ansprüchen her gut daran täte, in diesen Bereich kräftig zu investieren und so seine Position im Markt weiter zu stärken. Dann wird es auch viel unwahrscheinlicher, dass jemand anders das Geschäftsmodell auf Anhieb erfolgreicher kopiert, als es PS.de erfunden hat...
Guter Rat ist teuer, meiner diesmal gratis - aber deswegen vielleicht trotzdem was wert? Jedenfalls ist er nur gut gemeint!
Cheers!
cyberbull.