Du versuchst, die Spielweise zu finden, mit der deine Range den grössten Gewinn erzielt. Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine grundsätzliche ist, die eigene Range in mehrere Teilranges aufzuteilen und jede Range mit einer eigenen Linie zu spielen. Klingt kompliziert, machst du aber aus Prinzip.
Beispiel:
Du hast eine Valuerange, die kannst zu betten oder raisen in der Hoffnung, von schwächeren Händen gecallt zu werden, eine Call-Range oder Bluff-Catch-Range, die du nicht für Value betten/raisen kannst, aber gut genug zum Call ist, eine Bluffrange und eine Trashrange, die du wegwirfst. Logischerweise spielst du die Callrange anders als die Valuerange und für Bluff- und Trashrange gilt das auch.
Du versuchst, für jede Range so eine Linie zu finden, dass sich der EV für die gesamte Range maximiert. Dabei überlegst du dir, mit welcher Linie die jeweilige Teilrange den grössten Gewinn erzielt (das meine ich mit profitieren). Dann überlegst du, ob andere Teilranges von der gleichen Linie profitieren können (einen grösseren EV bekommen), wenn du sie genau so spielst wie die Teilrange, die du gerade betrachtest.
Beispiel:
Du bist ausser Position und die aktuelle Karte war keine Blank. Das bedeutet, ein Teil deiner Range hat sich verbessert. Jetzt stellt sich die Frage: wie spielst du deine Valuerange? Checkraise oder bet? Für die anderen Ranges gilt das auch. Deine Bluffrange willst du genau so spielen wie deine Valuerange, damit deine Bluffs von deinen Valuehänden geschützt sind (so bekommst du Foldequity). Die Callrange willst du offensichtlich mit check weiterspielen. Die Trashrange auch. Draws, die du nicht bluffen willst, auch.
Mit den Valuehänden möchtest du mehr Geld in den Pot bekommen. Der einfachste Weg ist eine Bet, denn die garantiert, dass mehr Geld in den Pot kommt. Also profitiert dieser Teil der Range von einer Bet, weil sie den Gewinn vergrössert. Es gibt aber auch die Möglichkeit des Checkraises. Wenn das klappt, dann kommt noch mehr Geld in den Pot, was gut ist. Wenn der Gegner nicht bettet, dann gehst du leer aus, was schlecht ist. Insgesamt kann der Gewinn aber grösser sein als mit der (Donk-)bet-Linie, nämlich wenn zu erwarten ist, dass der Gegner häufig mit schlechterer Hand bettet, wenn du zu ihm checkst und der Gegner andererseits eine Bet selten raisen wird.
Also profitiert deine Valuerange sowohl von der bet-Linie, weil garantiert Geld in den Pot kommt, als auch von der Checkraise-Linie, weil dann das Potenzial besteht, dass noch mehr Geld in den Pot kommt. Was besser ist, ist Sache der Einschätzung. Im Zweifel liegen beide Linien von der Erwartung nahe beieinander. Oft bist du neutral, welche Linie du spielen willst. Beide sind erfolgversprechend.
Jetzt kannst du dir ansehen, ob deine anderen Ranges davon profitieren, die gleiche Linie wie die Valuerange zu spielen. In Frage dafür kommt nur die check-Linie, denn betten willst du die anderen Ranges nicht. Für die anderen Ranges gilt, sie profitieren um so mehr, je mehr der Gegner hinterher checkt. Das allerdings vermindert den EV der Range der Checkraise-Linie, auch wenn es deinen Bluffes ganz recht ist, wenn sie eine free Card bekommen.
Jedoch: wenn du die Valuerange bettest und die anderen Ranges nicht, dann wird die Check-Range offensichtlich schwach. Der Gegner erhält dann sehr viel Information, falls du einen Check spielst. Dann kann er "leicht" valuebetten, also mit relativ schwachen Händen. Wenn du die Valuerange checkraist, dann hat der Check keine Information. Das macht dem Gegner das Gegenspiel schwerer.
In der Folge: wenn die neue Karte einem grossen Teil deiner Range weitergeholfen hat, dann wiegt der Nachteil einer Informationsvergabe gering, weil nur ein geringer Teil deiner Range einen Nachteil davon hat (du checkst nur noch einen kleinen Teil deiner Range). Andererseits wird der Gegner sich über die Verbesserung deiner Range bewusst sein und sich selbst sehr mit seinen Bets auf Check zurücknehmen, weil er nicht in einen Checkraise laufen will. -> du solltest den grössten Teil deiner Valuerange einfach betten, damit du deinen Value bekommst. Der Nachteil für die übrigen Ranges fällt nicht so sehr ins Gewicht.
Anders ist es, wenn sich nur ein kleiner Teil deiner Range verbessert hat (so wie hier). Dann hast du einen grossen Nachteil für deine anderen Ranges, wenn du mit deiner Valuerange einfach losbettest. Der Gegner weiss dann, wenn er über deine Spielweise Bescheid weiss, dass deine Range schwach ist, wenn du checkst und er bettet leicht. Da das einen grossen Teil deiner Gesamtrange betrifft, ist das ein grosser Nachteil für dich. In so einem Fall ist es besser, die Information der Verbesserung so weit wie möglich zu verschleiern und erst mal alles zu checken. Der Gegner erhält keine Information, wird häufig betten, weil er keine Gefahr wittert (zu Recht, häufig hast du dich ja nicht verbessert) und du räumst mit den Valuehänden ab.
Das heisst, du solltest dir immer bewusst sein, was die jeweilige neue Karte mit deiner Range anstellt. Welcher Teil hat sich davon verbessert und welcher nicht, wie gross ist der jeweilige Anteil? Danach wird sich der Gegner ausrichten, wenn er das auch einschätzen kann und danach richtest du dich auch aus, um dem zu begegnen.
Wenn er es nicht einschätzen kann, dann machst du dir keine Sorgen, dass der Gegner zu viel Information erhält, wenn du mit verschiedenen Teilranges verschiedene Linien spielst. Er kann mit dieser Information nicht viel anfangen. Dann spielst du so, wie es für jede Teilrange das beste ist ohne Rücksicht auf Nebenwirkungen für andere Teilranges.