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turnplay 3bettet pot ip

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Player06
Beigetreten: 15.02.2006
BlackMember

reicht meine hand für einen calldown?

ich nehme an er bettet am turn auf die blank seine ganze range noch einmal.
selbst mit KQ ist eine bet nicht so verkehrt da ich QJ, JT, QT draws nicht raisen würde.

vielleicht kann sich cjheigl das mal anschauen?


Board: 9♠8♦4♥ 2♠
       Equity     Win     Tie
MP2    26.06%  22.23%   3.83% { AhTc }
MP3    73.94%  70.12%   3.83% { 66+, A8s+, KJs+, QJs, ATo+, KQo }

Hand abspielen

$30/$60 Fixed-Limit Hold'em (5 handed)

Preflop: Hero is MP3 with A:h, T:c.
Hero raises, 2 folds, SB 3-Bets, BB calls, Hero calls.

Flop: (9 SB) 9:s, 4:h, 8:d (3 players)
SB bets, BB folds, Hero calls.

Turn: (5.5 BB) 2:s (2 players)
SB bets, Hero ???


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Zitat
10 Antworten

Oberflächlich betrachtet braucht man im 3-bettet pot am flop 29% und am turn 22% um profitabel zum SD gehen zu können, richtig?

Ich würde hier auch erstmal davon ausgehen, dass er nahezu 100% seiner range am turn nochmal barrelt. Insofern würde ich mit 26% schon runtercallen, solange halt kein K oder ne Q kommt am river.


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Zitat
Moderator
cjheigl
Beigetreten: 10.04.2006
Elite Grinder

Das wird jetzt etwas ausführlich, aber ich wurde darum gebeten. :)

Die Rechnung für den Calldown geht zunächst mal davon aus, dass der Gegner alle Hände bis zum Showdown durchbettet (Betting-Roboter). Dafür ist die Rechnung einfach:

Equity > Kosten des Calldowns / Pot am Showdown = 2 BB / (5,5 + 2*2) BB = 21%

Das können wir jedoch verfeinern, weil der Gegner kein Roboter ist. Der Gegner wird wahrscheinlich nicht mit allen Händen auf dem River betten. Je nachdem, ob seine Range am River valuelastiger oder blufflastiger wird, verändert sich die benötigte Equity für den Calldown. Ist sie z. B. komplett valuelastig, dann spielen wir call Turn, fold River und brauchen dafür viel weniger Equity, nämlich

Kosten = 1
Pot, den wir gewinnen können: 7,5 (bettet der Gegner den River, wird der Pot grösser, aber da wir folden, können wir ihn nicht gewinnen)

-> EQ > 1/7,5 = 13,3%

Stellen wir Mutmassungen an, was der Gegner am River bettet, und was nicht:

Wir nehmen an, dass der Gegner am Turn seine komplette Range bettet. Das ist plausibel, denn mit seinen schwächeren Händen bringt er vielleicht ein Ass oder einen besseren K bei dir zum folden, ausserdem hat er er eine recht starke Range gegen dich, wenn du preflop deine stärksten Hände cappst (ich weiss nicht, ob du das tust und ob der Gegner darauf schon einen Read haben könnte). Du hast mit einer 8 einen klaren Equityvorteil, der zum Raise ausreichen würde (A8s: 69% gegen seine Range). Da deine Valuerange aber recht schmal ist (Pockets, A9, suited 9/8 = 14% deiner Range) und Draws eher noch mehr ausmachen (Flush Draw, oesd, Gutshot + Overs = 18%) wird deine Callingrange vor allem aus marginalen Showdownhänden bestehen, die keine ausreichende Equity für einen Raise haben. Raist du einen Teil deiner Draws nicht, macht das seinen Showdownhänden in der Call-Linie nicht viel aus. Ausserdem könntest du deine Callingrange noch stärken, in dem du deine kleinen Pockets callst, damit du am River Showdownvalue gegen seine Asse hast. Die kleinen Pockets hätten ausserdem am Turn keine 60% gegen die gegnerischen Range. Du hättest mit den kleinen Pockets auf viele Karten keine Valuebet am River mehr, so dass Calldown statt raise Turn auch eine gute Alternative für diese Hände ist. Da der Gegner 6 Outs gegen sie vielleicht auch nicht so oft wegwirft, weil deine Raisingrange recht drawlastig sein könnte, bringt dir ein Raise mit Pockets nicht viel Gewinn.

Du callst potenziell also ziemlich viel, ca 45% deiner Range oder mehr. Deine Callingrange ist sehr A high lastig. Welche Hände kann der Gegner dann am River valuebetten? Alles ab AQ+. Das sind knapp 90 Kombos. Das gilt auch dann, wenn du die kleinen Pockets am Turn callst, da AJ-AT mehr Hände sind als 77-66. Dazu kann und sollte er Bluffs mischen. KQ, KJs, QJs sind mehr als 10 Kombos, er hat also genug Bluffs, die du auch schlägst. Fold River ist daher für dich unattraktiv. Sollte am River eine Karte von K-T fallen, wird er wahrscheinlich seine unimproved Asse nicht mehr betten, weil deren Equity dafür zu schlecht wird. Diese Karten treffen deine Range ganz gut und auf K und Q wirst du sowieso nichts schlechteres mehr callen.

Tendenziell wird die Range des Gegners am River valuelastiger, wenn er nahe der Quote der Pot Odds blufft. Am Turn liegst du gegen knapp 25% seiner Range noch vorne.

Equilator (ab und zu kann man ihn noch gebrauchen!):
wer hat am Turn momentan die beste Hand - Analyse

Equity Gewonnen UnentschiedenVerloren Hand
Spieler 1: 24.783 % 20.870 % 7.826 % 71.304 % AhTc
Spieler 2: 75.217 % 71.304 % 7.826 % 20.870 % 66+, A8s+, KJs+, QJs, ATo+, KQo

Die Pot Odds für einen Call am River werden bei 8,5:1 liegen, das heisst deine Equity wird gegen eine Bet am River wahrscheinlich unter 20% fallen, falls du nichts triffst. Du kannst auf manche Karten smart folden. K-Q sind sehr schlechte Karten für deine Equity.

Du kannst natürlich auch deine Outs treffen. Dann hast du einen Equityvorteil, die Frage ist aber, wie viel du dafür bekommst. Auf diesem Limit halte ich es für absolut möglich, dass der Gegner auf ein Ass am River mit seinen Assen und Monstern einen Checkraise versucht, weil er ja weiss, dass dein Call sehr viele Asse enthält. Kommt eine T, hat er zumindest eine unangenehme Situation.

Falls du triffst und der Gegner eine Bet in den River investiert, hast du wahrscheinlich nicht mehr als 50% Equity.

Wie kriegt man das alles in eine EV-Rechnung? Wir berechnen den EV Street für Street. Der Pot geht erst am River in den EV ein, denn erst da kommt es zum Showdown.

EV Turn:

Wir haben leider das Problem, dass wir nicht immer den Showdown sehen (z. B. nicht auf K, Q, falls der Gegner bettet). Wir können daher einen Teil unserer Equity nicht realisieren. Schlimmstenfalls entspricht das der Häufigkeit, dass K oder Q am River fallen. Wir machen also eine worst case Rechnung für den Turn. Genaugenommen steigert sich dadurch unsere Equity etwas für den Rest der Fälle. Leider kenne ich kein Tool, dass das ausrechnet. Wir folden jedenfalls nicht viel Equity.

EV(Turn) = 40/46 * Equity * 2 - 1 = 87% * 26% * 2 - 1 = -0,548

EV River:

Hier gibt es eine ganze Menge, was passieren kann. Wir machen eine Fallunterscheidung und zählen am Schluss alles zusammen. Wir unterscheiden nach Karten, die fallen können und nach Aktionen des Gegners. Die möglichen Flushes lasse ich immer unter den Tisch fallen, um es nicht total ausufern zu lassen.

1. Fall: Ass auf dem River

Wahrscheinlichkeit: 3/46 = 6,5%
Wahrscheinlichkeit, dass Gegner bettet: wir wissen nicht, ob der Gegner mit seinen guten Händen checkraist. Wir nehmen willkürlich an, er tut es in 50% der Fälle. Top Paar und besser machen 41% der gegnerischen Range aus. Dazu kommen noch ein paar Bluffs. Davon hat er jede Menge in seiner Range, aber er wird es vermutlich nicht übertreiben. Wenn er in 25% aller Fälle bettet, dann besteht seine Betting-Range zu 75% aus Assen und besser und zu 25% aus schlechteren Händen. Deine Equity dagegen wäre nur 30% (du splittest gegen AT).

EV(River, A, bet) = 3/46 * 25% * (30% * 9,5 - 1) = 0,060

Er checkt dann logischerweise den Rest. Hast du eine Valuebet? Du hast nur dann Bluffs in deiner Range, wenn du am Turn die kleinen Pockets oder Draws gecallt hast. Aus der Sicht des Gegners ist das möglich. Seine Bluffcatcher sind die Pockets. KK-TT = 21 Kombos, vielleicht auch 77, weitere 6 Kombos. Schlechtere Asse hat er nicht, da sich an kleineren Asse nur A) und A8 in seiner Range befinden, die 2-Pairs haben. Bessere Hände in seiner Checkraiserange sind AA, 99, 88, AJ+, A9s, A8s = 34 Kombos. Er checkt davon allerdings nur die Hälfte, die andere Hälfte bettet er. Also checkt er etwas mehr schlechtere Hände als er bessere Hände checkraist. Wenn du hier sicher bet/fold spielen könntest, hättest du eine dünne Valuebet. Kannst du das? Ich bin nicht sicher.

Im Zweifel hast du keine Valuebet. Entfernen wir die Bettingrange aus der Range, hast du gegen seine Checkrange eine Equity von 74%.

Board: 9♠4♥8♦ 2♠ A♦
       Equity     Win     Tie
MP3    73.97%  69.86%   4.11% { AhTc }
SB     26.03%  21.92%   4.11% { KK-QQ, TT, 77-66, AQs-ATs, KJs+, QJs, AQo-ATo, KQo }

EV(River, A, check) = 3/46* 75% * 74% * 7,5 = 0,271

EV(River, A) = EV(River, A, bet) + EV(River, A, check) = 0,060 + 0,271 = 0,331

Zu prüfen wäre, wie sich der EV am River ändert, wenn er nicht checkraist, sondern seine Valuehände alle bettet. Wenn du deine Valuehände nicht betten kannst auf seinen Check, dann hat er nichts vom Checkraise. Er schützt damit zwar seine schlechteren Hände vor einer Bet, bekommt aber zu wenig von seinen guten Händen. Ausserdem besteht immer die Möglichkeit, dass du bet/fold spielst. Das kann man abdecken, in dem man die Villain 100% valuebet Linie betrachtet.

Es ändern sich die Equity für den gegnerischen Check und die Verteilung der Ranges. Bettet er seine Valuehände zu 100%, bettet er 41% seiner Range für Value und ein paar Bluffs. Er bettet dann ca. 50% seiner Range (die gleiche Menge, die er sonst bettet und checkraist). Deine Equity gegen diese Range ist dann 25%. Deine Equity gegen den Rest ist 100%.

EV2(River, A) = 3/46 * (50% * (25% * 9,5 - 1) + 50% * 7,5) = 0,289

Diese Linie ist für den Gegner also doch ein gutes Stück besser.

2. Fall: T am River

Wahrscheinlichkeit: 3/46
Es ist schwer zu sagen, was der Gegner hier mit seinen unverbesserten Assen macht. Er hat ja noch einiges an Equity gegen deine Range, aber keinen Vorteil mehr. Ich könnte mir vorstellen, dass er AK gegen den negativen Freeroll bettet. Vielleicht aber auch nicht. Er hat mit 77 und 66 noch Hände ähnlicher Stärke. Wenn er zuviel gegen den negativen Freeroll bettet, wird er anfällig für Bluffraises. Es gibt andererseits sehr wenige Hände, die du für Value raisen könntest. AT z. B. nicht, weil dich fast nur bessere Hände callen. Wenn er nicht mehr Hände gegen den negativen Freeroll bettet, als er Valuehände bettet, die die T schlagen, dann sind Raises für dich mit der T nicht profitabel. Er schlägt die T mit 88+, QJs. Das sind 32 Kombos. AK sind 12 Kombos, A9s+A8s sind 4 Kombos, 77 und 66 sind 6 Kombos. Gegen deine T ist er also im grünen Bereich, was den Anteil seiner Valuehände betrifft. Deine Raisingrange würde dann vor allem aus Bluffs bestehen. Was für ihn bedeutet, er spielt 66+, A9s, A8s, AK für Value/Bluffinduce als bet/call bzw. seine Monster als bet/3-bet.

Er wird wahrscheinlich keine guten Hände für Value checkraisen. AJ ist wohl cf, mit AQ hat er die Auswahl zwischen mehreren schwierigen Lines. Im Zweifel cc, denn irgendetwas sollte er ja auch callen, wenn er checkt. Checkraise bietet sich für ihn mit keiner Hand an, daher kann er seine cf nicht mit cr balancen.

Dir bleibt nichts anderes übrig, als auf eine Bet nur zu callen. Sollte der Gegner checken, bettest du und bekommst manchmal noch Value.

66+, AT, A9s, A8s, 77, 66, AK, QJs sind 66/110 = 60% der gegnerischen Range. AQ sind 12/110 ~ 11% seiner Range und der Rest addiert sich auf 29%. Gegen die 29% bist du vorne, gewinnst aber nichts mehr auf dem River. Gegen AQ bist du auch vorne und gewinnst noch 1 Bet. Gegen die 51% hast du 47% Equity und es geht noch eine Bet in den Pot.

Also ist

EV(River, T) = 3/46* (60% * (47% * 9,5 -1) + 11% * 8,5 + 29% * 7,5) = 0,338

Hier sind wir an sich schon fertig für diese Hand. EV(Turn) + EV(River, A) + EV(River, T) > 0, also lohnt sich der Call am Turn. Was immer der EV für alle anderen Karten auf dem River ist, negativ wird er nicht sein, da wir immer folden könnten. Ein möglicher Flush am River beeinflusst die Rechnung noch etwas zu unseren Ungunsten, aber das wird nicht ausreichen, um die Rechnung zu kippen.

Viel schwieriger ist es jedoch auszurechnen, welche Equity man am Turn braucht, um zu callen, wenn man manchmal den River foldet. Das hängt vom unverbesserten Showdownvalue ab, von der Qualität der Outs und von der gegnerischen Linie. Der Positionsvorteil wirkt sich deutlich aus, wie wir hier gesehen haben. Er beeinflusst die gegnerische Linie so, dass er mit seinen besseren Händen nicht immer Value aus unserer Hand ziehen kann.

Du hast hier immerhin ein Sicherheitspolster von 5% Equity am Turn. Das wird in den meisten Fällen ausreichend sein, es sein denn, du musst auf viele Karten am River folden.

Ich habe übrigens vor, noch dieses Jahr ein Theoriecoaching zum selektiven Calldown zu machen. Das sind Calldowns, bei denen man auf schlechte Karten foldet. Meine Coachings sind zwar ab Silber, aber vielleicht wird's auch für fortgeschrittenere Spieler noch interessant. Ich muss allerdings sehen, dass nicht zuviel Mathematik reinkommt, denn das ist dann für ein Coaching zu schlecht verdaulich.


Antwort
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Player06 Themenstarter
Player06
Beigetreten: 15.02.2006
BlackMember

wow vielen dank für deinen ausführlichen beitrag.

ohne jemanden auf den fuß treten zu wollen, das war die beste handbewertung die ich auf ps.de je gesehen habe.

ich werde mir deinen post morgen noch einmal durchlesen, es ist so viel information, da bleibt nicht alles hängen.

gefühlsmäßig fand ich schon am tisch meinen fold für zu tight bzw. schlecht, tut gut den mathematischen beweis dafür zu sehen.

das theoriecoaching werde ich auf jedenfall besuchen, gerade da liegen meine schwächen. ich spiele meistens aus dem bauch heraus ohne den mathematischen hintergrund vollständig zu beherrschen.

womit ich in solchen spots große schwierigkeiten habe ist das richtige riverplay. ich komme mir oft verloren vor wenn der gegner auf eine blank bettet. für meine entscheidung orientiere ich mich am contibet river wert. ich denke das im großen pot die meisten regs ihre QJs, JTs betten um auf einen level fold zu hoffen.
um diesen schwiergen entscheidungen aus dem weg zu gehen war ich früher oft geneigt den turn zu folden. dass das ein fehler ist beweist die rechnung (5% equity polster am turn).

noch einmal danke! ♠_cool:


Antwort
Zitat
firsttsunami
Beigetreten: 23.01.2006
BlackMember

Dieser Jürgen der kann es einfach nicht! Er kann einfach keine schlechte Arbeit abliefern. ♦

Erste Sahne, wie immer. :)

Ich muss es mir auch mal in einer ruhigen Minute durchlesen. Ich bin da mit so medium Ax am River auch oft unsicher, ob call oder Fold.


Antwort
Zitat
Rapptiel
Beigetreten: 14.01.2008
Elite Grinder

Go for Article! Solche super Posts sammeln und in den Platin Strategiebereich reintun. Lohnt sich immens.
Tolle Arbeit =). Den Gedanken bitte weiterleiten ♠_biggrin:


Antwort
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Pulow
Beigetreten: 21.10.2006
Oldschool Grinder

ich finde es absolut großartig wieviel mühe du dir gegeben hast.
es war immer mein kritikpunkt, dass "handbewertungen" gerade in den niedrigeren forenbereichen "handanalysen" verdrängt haben, aber nach diesem post fehlt dieser aussage jeglicher wahrheitsgehalt :)

wie lange hast du dafür gebraucht wenn man fragen darf ?

inhaltlich: (ich hab dein post erst 2 mal gelesen von daher bin ich nicht sicher, ob ich bereits alles korrekt verstanden habe, werde ich später nochmal lesen, dennoch schonmal eine frage)

Original von cjheigl
Hier sind wir an sich schon fertig für diese Hand. EV(Turn) + EV(River, A) + EV(River, T) > 0, also lohnt sich der Call am Turn. Was immer der EV für alle anderen Karten auf dem River ist, negativ wird er nicht sein, da wir immer folden könnten.

ich vermute, dass dies nicht ganz korrekt formuliert ist. wir können den river natürlich nicht folden, da wir unsere equity ja realisieren müssen, welche du am turn für die reduzierung des turninvestments hinzugezogen hast. in anderen teilen deines posts bringst du das ja auch durchaus zum ausdruck.

genauer ist mmn daher, dass der river-ev nicht negativ sein kann, wenn wir unsere hand "perfekt" spielen. was in diesem fall nur bedeutet, abzuschätzen wie seine riverblufffrequenz ausschaut:

1.eine optimale blufffrequenz -> dann isses egal was wir tun, da er uns genug free-sd gibt um genug equity zu realisieren und pötte zu gewinnen um das turn investement zu rechtfertigen, aber auch ein call kein fehler ist.

2.überhöhte blufffrequenz hat: wir MÜSSEN callen. wenn wir folden machen wir nicht nur einen schwerwigenden fehler für den river-ev, sondern auch der Turn-EV wird noch stärker -ev, da wir unsere angenommene Equityrealisierung nicht erreichen.

3. zu niedrige/keine blufffrequenz hat: wir kriegen alle pot-equity auf dem silbertablett, da er immer wenn wir vorne sind zu uns checked. wenn wir nun keinen fehler machen, ist der turncall hochprofitabel, wenn wir allerdings trotzdem zu 100% den river callen, haben wir ein -ev am river welches den +EV(Turn) + EV(River, A) + EV(River, T) übersteigen kann.

worst case wäre, dass er den river nur mit besserem bettet, und wir trotzdem immer callen um keinen "großen" fehler zu machen.
dann können wir 7,5bb im gewinnfall kriegen und investieren 2bb -> 26,6% benötigte turnequity.

aber genau der bereich zwischen diesen 21%und 26% ist ja der der uns hier beschäftigt :)

wie ich es also verstanden habe sagt deine ev-rechnung aus, dass wenn wir am river keinen fehler machen, die equity für einen "calldown" ausreicht.

jetzt muss ich nur noch verstehen wo 5% sicherheitspolster herkommen :)


Antwort
Zitat
Moderator
cjheigl
Beigetreten: 10.04.2006
Elite Grinder

Ich habe für diese Analyse ca. 2 Stunden gebraucht. Daraus ergibt sich leider, dass ein Handbewerter das nur in Einzelfällen machen kann.

Das Sicherheitspuffer ist am schnellsten erklärt: das ist die Differenz zwischen der Equity, die Hero am Turn hat und der Equity, die er gegen einen Betting-Roboter zum Calldown braucht. Hero hat 26% Equity und benötigt 21%. Macht 5% Puffer an Equity, die wir nicht realisieren können müssen. Wenn man einen selektiven Calldown hat, dann heisst das, man kann nicht auf alle Riverkarten in den Showdown und muss folglich noch etwas Equity aufgeben.

Dein Einwand ist sehr gut. Da wir am Turn mit der Equity gerechnet haben, die wir auch auf die Karten haben, die keine Outs sind, kommt man nicht ganz um die Betrachtung dieser Karten herum. Ich habe es mir etwas zu einfach gemacht.

Grundsätzlich ist es so, dass wir auf keine Riverkarte Verluste machen können. Wenn wir am River einen Verlust machen, dann haben wir diesen Verlust nur auf die Riverbet bezogen. Die Equity, die wir auf den Pot haben, sorgt dafür, dass die Summe aus Potequity und Riverkartenequity immer positiv ist.

Bei einer Riverkarte, auf die wir callen, haben wir immer genug Equity für den Call. Sonst würden wir nicht callen. Im schlechtesten Fall haben wir 1/(Pot+1) Equity. In der Praxis wird sie in fast allen Fällen deutlich höher sein, da wir am Turn zu knapp 25% vorne sind. Die kritischen Karten am River sind A-T. A und T haben wir ausgerechnet, K und Q haben wir schon am Turn aus dem Deck genommen. An kritischen Karten bleibt nur der J. Die übrigen Karten sind weitgehend Blanks, auf die sich unsere Equity nicht sehr verändert. Man sieht das im Szenarioanalyser: auf keine Karte T und kleiner fällt unsere Equity unter 20%.

Angenommen, wir haben diese 20% am River (vor der gegnerischen Aktion). Nehmen wir weiter an, wir sind die Callingmaschine und der Gegner passt sich so an, dass er nicht blufft. Er bettet also nur bessere Hände, was für ihn maximal +EV ist und für uns maximal -EV. Dann gilt für diese Hände folgende Rechnung:

EV = 80% * (-1) + 20% * Pot = -0,8 + 0,2 * 7,5 = +0,7

Wir können mit keiner unkritischen Hand Geld verlieren. Wir machen mit diesen Händen sogar so viel Gewinn, dass wir uns es leisten könnten, auf einen J am River und eine Bet immer zu folden. Wir geben dann auch hier Equity auf, die wir am Turn noch gehabt haben, aber die Equity der übrigen Karten wiegt das mehr als auf. Mehr als die Turnbet kann uns der Verlust für den J nicht gekostet haben. Durch einen Fold am River auf einen J verlieren wir maximal 4/46 = 0,087 Bets an unserem Value am Turn. Wir gewinnen aber in 29 Fällen die 0,7, also 29/46 * 0,7 = 0,44.

Wir sehen, dass die unkritischen Karten einen erheblichen Teil unseres Values ausmachen.

Da wir uns darauf beschränken konnten, den worst case zu betrachten, müssen wir uns gar nicht mehr drum kümmern, wie gut der Gegner den River spielt. Insofern sind wir also doch schon fertig, ohne uns die anderen Karten im einzelnen ansehen zu müssen. :)

Danke nochmal für die Rückfrage, denn die macht doch noch einiges klar, was bei meiner ersten Analyse im Dunkel blieb. Das ist für die Herangehensweise an die Bewertungen von Calldowns sehr wertvoll. Ich glaube, das kann ich auch in meinem geplanten Coaching gut verwerten. Mal sehen, ob ich daraus auch einen Artikel machen kann.

Edit: Eine Sache bleibt noch: ich bin mir momentan nicht sicher, ob wir in diesen Rechnungen die Turnbet doppelt gerechnet haben. Wir haben unseren EV als Summe der EVs aus Turn und River gerechnet. Beim River-EV geht aber die Turnbet über die Potgrösse in die Rechnung ein. Es könnte also sein, dass wir die Potgrösse für die EV-Rechnungen am River um die Turnbets reduzieren müssen. In dieser Hand wird das am Ergebnis nichts ändern, es ist höchstens etwas knapper. In engeren Fällen kann das etwas ändern. Ich überlege mir das noch.


Antwort
Zitat
Pulow
Beigetreten: 21.10.2006
Oldschool Grinder

Original von cjheigl
Ich habe für diese Analyse ca. 2 Stunden gebraucht. Daraus ergibt sich leider, dass ein Handbewerter das nur in Einzelfällen machen kann.

das ist natürlich völlig klar .. ich bin auf jeden fall sehr dankbar für die detailierte betrachtungsweise.
ist aus meiner sicht unendlich viel wert.

danke auch für die erläuterung der 5% pufferdifferenz, irgendwie hatte ich statt der von player06 angegeben range, die sb-3b vs mp3 range aus dem equilab übernommen und gegen die haben wir nur 22% ..

nun nochmal zum river ev:

ich denke du hast die turnbets doppelt gezählt. die 2bb*equity können nicht am turn und am river für positiven ev sorgen. oder anders ausgedrückt, wir können sie nicht am turn und am river "zurückgewinnen"
also entweder rechnen wir mit:

ev turn= -1
und
ev river(non-outs, non-KQJ)= 28/46 * [80% * (-1) + 20% * Pot] = 28/46 * [-0,8 + 0,2 * 7,5] = 28/46 *0,7 = +0,43

oder

ev turn= -0,548
ev river(non-outs, non-KQJ)= 28/46 * [80% * (-1) + 20% * Pot] = 28/46 * [-0,8 + 0,2 * 5,5] = 28/46 * 0,3 = +0,18

(die differenz in der summe dürfte vor allem daran liegen, dass wir im 2. fall zu 26% die 2BB vom turn "wiederkriegen" (mit turnequity gewichtet eingerechnet in den turn-ev) während wir im ersten fall die 2bb erstmal nur zu 20% auf non-out-river wiederkriegen. das dürfte sich allerdings ausgleichen wenn die unterschiedliche zu betrachdende potgröße am river auch für die A,T-river-EVs angepasst werden und wir da noch ab und an die 2bb mehr "wiederkriegen")

deine vorigen river-EVs für A und T gelten daher mmn nur für die "turn-ev= -1" betrachtung da ansonsten auch dort die turnbet doppelt eingeht. (ansonsten müsste man entweder die potgröße für den river-ev auf diese riverkarten anpassen, oder den gewinn der turnbets aus dem turn-ev rausrechnen)

daraus ergibt sich im worst case des value-only-bettenden villains für den gesamt-ev:

ev turn= -1

+

ev river(non-outs, non-KQJ)= 28/46 * 80% * (-1) + 20% * Pot = -0,8 + 0,2 * 7,5 = (28/46) *0,7 = +0,43

+

EV2(River, A) = 3/46 * (50% * (25% * 9,5 - 1) + 50% * 7,5) = 0,289

+

EV(River, T) = 3/46* (60% * (47% * 9,5 -1) + 11% * 8,5 + 29% * 7,5) = 0,338

->

= -0,057 ~ break even

was auch genau das ergebnis ist, was ich erwarten würde, da ich im worst case (villain nur v-bet, hero called trotzdem immer) 2/7,5= 26,6% rechnen kann um auf die equity für nen break even calldown zu kommen. daher sollte der ev wenn man 26% hat auch 0 sein. (leichte verzerrungen haben wir denk ich weil wir bisschen weniger als 26,6% equity haben, rundungsfehler bei ergebnissen und equity, und implied-annahmen für unsere outs)


Antwort
Zitat
wuerstchenwilli
Beigetreten: 07.04.2008
BlackMember

Jetzt wisst ihr warum ich so gerne im Micro-HB unterwegs bin. cj macht nicht nur einen hervorragenden Job, sondern ist dazu auch noch sehr bescheiden! Eine sehr angenehme Mischung!! Wenn alle so begeistert sind werde ich mir das auch mal zu Gemüte führen!

= -0,057 ~ break even

Sind das nicht 5,7 BB/100 (oder bb)?


Antwort
Zitat
Pulow
Beigetreten: 21.10.2006
Oldschool Grinder

Original von wuerstchenwilli

Sind das nicht 5,7 BB/100 (oder bb)?

wenn wir 100 solcher hände spielen schon, da hast du nicht ganz unrecht :) .. aber bei den ganzen annahmen und vereinfachungen, die wir getroffen haben, ist die 2 stelle hinterm komma mmn mit sehr viel vorsicht zu betrachten.

nichtsdestotrotz ist das ja der worst case, und wenn der schon breakeven ist, kann ja eh nur gutes passieren und nichts anderes sollte gezeigt werden ;)


Antwort
Zitat
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