Original von ronnie7277
@Scooop
was ich irgenwie nicht verstehe ist, du wechselst von NL zu FL weil FL viel mathematischer ist und beim ersten Bsp wo du einen mathematisch richtigen richtigen Call machen musst, ziehst du einen mathematisch falschen Fold vor
ich hatte es mehrfach versucht zu sagen.
Mein Problem liegt in erster Linie darin, dass ich nicht glaube, dass man die Equity einer Hand wie sie das Equilab ausspuckt 1:1 ins Verhältnis zu den pot odds setzen darf.
Man muss miteinbeziehen:
- wie die playability einer Hand ist (je besser desto eher ist sie spielbar und umgekehrt)
- die eigene Position (je schlechter diese, desto besser müssen die Karten sein und umgekehrt
- reverse implied odds (gehört mit zur playability, ist dennoch wichtig zu nennen - erneut: je höher diese desto eher sollte man so eine Hand nicht spielen)
- (die Tendenzen der Gegner soweit bekannt)
- (wie diese calls die Stärke und Schwäche der eigenen Range beeinflussen [eher erst auf sehr hohen Limits gegen sehr gute Gegner wichtig])
Ein simples Beispiel zur Veranschaulichung, dass die mathematische Equity nicht einfach so übernommen werden darf:
Villain hat AKo und openraist vom BU, SB foldet.
Wir haben A7o im BB.
call?
pot odds: 1:3,5 - wir brauchen also 22,22% für nen call.
Die Equity sagt A7o hat 26,4% - supereasy call
Ich sage:
Moment mal.
1. ist die Equity immer bis zum showdown gerechnet, so können wir in so einem spot nicht denken.
- Am Flop haben wir nämlich nur 15,7% im Schnitt, sind also sehr weit hinten und müssen hier oft folden und einen wesentlichen Teil unser (theoretischen) Equity aufgeben.
2. Kommt ein A im FLop, was ja im Grunde das ist was wir wollen, so haben wir sogar nur 11,7% am Flop. (!)
Im Grunde ist das A im Flop die Katastrophe für uns, weil wir jetzt sehr viel Geld als massiver Underdog reinbringen werden. - klarer -EV spot für uns.
3. Nur wenn ne 7 im Flop kommt haben wir im Schnitt am Flop 88% Equity. Sensationelle Sache, die Frage aber ist wieviel Geld der Gegner dann noch bezahlen wird. Wenn er nur runtercallt mit A high machen wir so wenig Profit, dass wir die ganzen folds nie ausgleichen können - wenn er foldet wird's ganz arg.
4. Wir sind OOP und müssen daher entweder auf checkraises bauen von dene man nie weiß ob sie auch klappen (Villain könnte gut mit AK high am Turn behind checken) oder aber wir donken und dann wird er fast auf sicher nur mit sehr starken Händen raisen.
Insgesamt sprechen diese Überlegungen dafür, dass A7o in dem spot überhaupt nicht 26% hat [also jedes 4te Mal gewinnt!], sondern eher sowas wie 10% und damit wird die Hand eben völlig unspielbar in dem spot.
[mir ist klar, dass das ein zu einfacher Fall ist, da Villain ja immer ne Range spielt und nicht die für uns schlechteste Hand, aber es geht nur darum zu zeigen, dass dieser Equity Wert nicht einfach so übernommen werden kann.]
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Bezogen jetzt auf die Frage nach den SB calls würde ich eben sagen, dass sehr viele der besonders schlechten Hände (offsuited 1gapper oder schlechter, suited trash oder sehr niedrige suited connectors oder 1gapper) zwar eine Equity haben die möglicherweise ausreicht für einen call (genau wie A7o im Beispiel), aber die anderen Faktoren so gewichtig sind, dass die Hand eher so behandelt werden sollte als wenn sie nicht z.B. 21% gegen random hätte, sondern eher so als wenn sie z.B. 9% hätte (weil eben schlechte playability, oft dominiert, schwer einzuschätzen wo man mit 1 pair steht, wir sind OOP) und damit unspielbar wird.
Ich will also nicht das Prinzip:
wenn die Equity > pot odds -> call
außer Kraft setzen, ich will mich dafür stark machen einen erweiterten Begriff von Equity zu nehmen, der wie gesagt die Faktoren miteinbezieht und daher die Equity im Zweifel nach unten oder oben korrigiert.
In vielen spots macht man das doch ohnehin intuitiv. Gegen ne UTG openraiserange ist ne Hand wie AJo total toast und unspielbar. Ne Hand wie 98s hingegen kann durchaus IP spielbar sein, weil wir nur sehr selten dominiert sind und unsere Handstärke gegen Villains Range auf fast allen boards enorm genau einschätzen können.
Daher ist 98s >>> AJo in dem spot obwohl AJo 32% Equity hat und 98s nur 30,65%. Bei meiner erweiterten Equitybetrachtung würde man also AJo massiv discounten und eher sowas wie 15% geben gegen die UTG Range und 98s eher aufwerten, weil eben exzellente playability, deceptiveness und nicht dominiert und der Hand eher 36% geben. (die Zahlen sind geraten/geschätzt, ich wüßte kein System was das exakt angeben kann)