Über so kurze Distanzen kannst du nur Swings beobachten, keine langfristigen Gewinnraten. Über wenige 100 Hände sind die Stats nicht viel wert. Deine Aggression war niedrig und du warst sehr oft am Showdown. Was das wohl für Hände waren? Keine guten, nehme ich an.
100k Hände break even oder mit Verlust sind jetzt natürlich keine kurze Strecke mehr. Trotzdem ist deine Gewinnrate auf diese Strecke mit Sicherheit ganz anders als diese scharfen Einbrüche. Mach dir das klar und sieh ein, dass die Ergebnisse auf ein paar Händen nicht so viel mit deiner Gewinnrate insgesamt zu tun haben. Sie sind nur ein kleiner Teil davon.
Ich glaube, eines deiner Hauptprobleme ist, dass dich Swings emotional zu sehr mitnehmen. Liegt das an deiner Erwartungshaltung? In deinem Post sieht es so aus, als erwartest du, 0,1/0,2 so schlagen zu müssen, dass keine nennenswerten Swings mehr auftreten können. Du hast früher ganz andere Limits geschlagen, also darf das kleine Limit doch kein Problem sein? Damit würdest du dich gewaltig unter Druck setzen, wenn doch schnelle Verluste auftreten. Es ist gut möglich, dass dieser Druck dann dein Spiel beeinflusst. Das ist dann eine Form von Tilt. Das ist verwandt mit dem scared money Tilt, wo man Limits spielt, in denen man Verluste nicht ertragen kann oder will. In so einem Fall bin ich nicht mal sicher, ob dir der Umstieg auf ein noch kleineres Limit hilft, weil schon auf 0,1/0,2 objektiv die Verluste kaum ein Loch in die Haushaltskasse reissen können. Der Druck besteht dann nicht darin, Geld zu verlieren, dessen Verlust man sich nicht leisten kann, sondern darin, überhaupt Verluste zu haben und damit nicht klar zu kommen.
Was hilft? Erstmal, es ist sehr gut, wenn du solche Sessions schnell quittest. Das machst du anscheinend, und das ist schon mal gut. Je schneller du solche Sessions hinter dir lässt, desto weniger hängen sie dir in der nächsten Session nach. Das nächste ist dann sehr viel schwieriger: du musst dir ein andere Einstellung zum Spiel suchen. Eine Einstellung, in der du beim Spiel entspannt bleiben kannst, selbst wenn Verluste auftreten. Wenn du mit Gelassenheit spielen kannst, dann werden deine Entscheidungen weniger von Emotionen beeinflusst und du hinterfragst auch nicht die ganze Zeit, was du eigentlich kannst.
Irgendwie musst du einen Weg finden, den psychischen Druck aus deinem Spiel zu nehmen. Es gibt keinen Zwang, in irgendeinem Limit auf kurze Sicht irgendwelche Ergebnisse erzielen zu müssen, damit man als Pokerspieler etwas wert ist. Wenn du dort einen Zwang siehst, dann musst du dich von dieser Vorstellung lösen. Vielleicht hilft es, wenn du Poker nicht als Wettbewerb betrachtest, sondern als Zeitvertreib.
Eventuell stehst du auch vor einer grundsätzlichen Entscheidung. Ist Poker überhaupt etwas, was dein Leben bereichert? Trägt es dazu bei, dass du glücklich bist? Oder ist es eine Belastung? Vielleicht bist du besser dran, wenn du damit aufhörst? Das haben schon andere Spieler gemacht. Nani zum Beispiel und dem konnte man gewiss nicht vorwerfen, keine Ahnung gehabt zu haben.