1. FC KÖLN
Der durchschnittliche FC-Köln-Fan hat eigentlich garkein Interesse am Fussballspielen an sich. Was auf dem Rasen passiert, wenn sein Verein spielt, das hat ohnehin nichts mit der hohen und schönen Kunst des Spiels zutun sondern ist eher eine sehr gut bezahlte Beschäftigungstherapie für alternde Stars und solche, die ein Sprungbrett für die eigene Karriere suchen. Er hat auch eigentlich keinen Bock mehr auf den Laden und hat der BILD und der Express abgeschworen, weil er sich nicht mehr für den Verein interessieren will, aber leider ist es nicht möglich, sich in Köln mehr als 45 Meter in eine Richtung zu bewegen, ohne auf die unerträgliche Last hingewiesen zu werden, die sich aus der eigenen Wohnhaft in der Stadt Köln zwingend ergeben muss: Du bes in Kölle, du hes hier nur een Vereen zu han.
Zwischen dem Veedelsbüdchen, in dem er jeden Tag sein Pausenbrötchen von Schmitzens Annemariechen kauft und ein Käffchen trinkt, bevor er zu seinem Job bei einem durchschnittlichen Handwerksbetrieb, der vor 294 Jahren schon an der selben Stelle stand und natürlich im Krieg zerbombt worden ist und der S-Bahn Haltestelle, erfährt der Fan alles, was der Klatsch und Tratsch um die rotweiße Elf in den letzten 24 Stunden so herzugeben hatte - und wenn die Wegstrecke nur 15 Meter beträgt, meist reicht auch das schon, denn JEDER in dieser Stadt ist informiert.
Samstags ist es dann wie immer. Das Stadion ist rappelvoll mit Menschen, die eigentlich garnicht mehr kommen wollte, den Kindern von denen, die schon vor 30 Jahren garnicht mehr kommen wollten und wahrscheinlich auch noch mit deren Kindern. Auf jeden Fall ist es beinahe ausverkauft, obwohl es gegen irgendeinen Club geht, der bestenfalls von ADAC-Verkehrswacht-Mitarbeitern ohne Internet und Landkartenhilfe auf einer Deutschlandkarte ausgemacht werden kann.
Dann ist Anpfiff und der FC zeigt, dass er seine große Heimstärke im Gewinnenlassen des Gastteams noch immer nicht verloren hat! Der Fan indes beschäftigt sich mit der Frage, ob er in der Halbzeit Reibekuchen oder Bratwurst essen soll - wo er schonmal hier ist.