Grad Dear Esther durchgespielt und mich am Ende doch gefragt, was denn da jetzt eigentlich los war?
Es ist klar, durch das lyrische Gebrabbel von jemandem, der etwas von Sinnen ist kann man es nicht exakt verstehen, aber ich schreibe mal meine Interpretation dazu.
Es handelt sich um einen Ableger der Half-Life 2 Source Engine, welcher 2012 offiziell als Remake veröffentlicht wurde. Es ist ein narratives Spiel, eher wie ein Film. Denn mann kann weder, wie bei einem Point-and-Click-Adventure irgendwelche Gegenstände bewegen oder Rätsel lösen, noch in Egoshooter-Marnier irgendwelche Monster erschießen. Alles was man weiß, man ist auf einer Insel und die Stimmung ist eher düster, einsam, melancholisch, wechselt aber auch in stille, wunderschön grafisch dargestellte Szenarien. Beim voranschreiten auf der Insel entdeckt man verschiedene Orte und bekommt von einer Erzählstimme lyrische Geschichtsfetzen zugeworfen, die bei jedem Durchspielen unterschiedlich sein sollen und erfährt so allmählich, worum es denn hier überhaupt geht. Jedoch ist am Ende das eigentliche Rätsel wohl die Story und deshalb möchte ich mit einigen, die das Spiel schon durchgespielt haben diskutieren, was sie denn glauben, dass passiert ist?
Für alle, die das Spiel noch spielen wollen beginnt hier der SPOILER!
Spoiler
Was klar sein sollte, Esther ist durch einen Autounfall, verursacht von Paul, ums Leben gekommen und der Mann, den man spielt ist wohl ihr Ehemann. So damit hören aber schon die Klarheiten auf.
Meine Interpretation ist, dass die Insel nicht real ist, sondern der Übergang zum Tod. Diesen Weg haben auch schon viele andere vor dem Protagonisten genommen. Die ganzen Seuchentoten, der Schäfer aus dem 18. Jahrhundert und der Kartograph. Für jeden ist es eine andere Reise und jeder hat eine andere Art gewählt die Insel wieder zu verlassen. Der Schäfer z.B. ist in das tiefe Loch gesprungen und anscheinend wieder ins Leben zurückgekehrt? (Weil dieses "come back" von Esther?, wenn man sich umbringen will, wohl zeigt, dass der Tod auf der Insel die Verbindung zum Leben darstellt?)
Auf jedenfall konnte der Ehemann mit dem Verlust nicht fertig werden und hat immer versucht zu verstehen, wie der Unfall durch den Alkohol (die chemischen Formeln) und den Bremsendefekt (die Schaltpläne) zu Stande kommen konnte und hat sich gefragt, ob er Paul das jemals verzeihen kann. Konnte er anscheinend nicht (obwohl er irgendwann was davon gesagt hat "es war nicht der Alkohol" oder war das auf den Bremsdefekt bezogen?). Nach dem ewigen Briefeschreiben an Esther, um sich seine Trauer von der Seele zu schreiben, erkennt er jedoch, dass er nur wieder bei Esther glücklich sein kann, wenn er sich selbst umbringt (der Monolog mit der Kante und dem Papierfalten). Wahrscheinlich durch Schmerzmittel? (Oder hab ich da die Geschichte mit dem verletzten Kartograph überschnitten?) Und am Ende befreit er sich durch den Sprung vom Sendemast von all seinen Sorgen und ist vielleicht bald wieder bei ihr?
Auf jedenfall ein sehr melancholisches, sehr schön gestaltetes Spiel. Hat mich begeistert. Was meint ihr zu dem Spiel und der Story?