Anna K. ohne Eier?
Kann man AK preflop tatsächlich folden? In einer Situation gegen nur einen Spieler? Alltag oder undenkbar...im folgenden Spot wollen wir schauen, ob da mit der Anna nicht mehr herauszuholen gewesen wäre.
Vielen Dank an kenyada, der diese Hand im No-Limit-Handdiskussionen-Forum veröffentlicht hat (die Hand findet ihr hier)!
Die Hand:
Spoiler
PokerStars - $0.05 NL (6 max) - Holdem - 5 players
Hand converted by PokerTracker 4
BB: 224 BB (VPIP: 20.00, PFR: 17.50, 3Bet Preflop: 4.35, Hands: 81)
UTG: 100 BB (VPIP: 29.63, PFR: 22.22, 3Bet Preflop: 28.57, Hands: 57)
CO: 100 BB (VPIP: 13.33, PFR: 13.33, 3Bet Preflop: 0.00, Hands: 15)
Hero (BTN): 448.4 BB
SB: 102.4 BB (VPIP: 20.63, PFR: 17.50, 3Bet Preflop: 8.26, Hands: 326)
SB posts SB 0.4 BB, BB posts BB 1 BB
Pre Flop: (pot: 1.4 BB) Hero has K♦ A♥
fold, CO raises to 3 BB, Hero raises to 9.6 BB, fold, fold, CO raises to 41 BB, fold
Hat Anna K. keine Eier?

Scheinbar nicht!
Dies mag einerseits beruhigend sein, andererseits begegnen wir auf "sportlicher" Ebene einem Grundproblem: Können wir AK in diesem Spot preflop einfach in den Muck wandern lassen?
Dabei müssen wir drei Punkte hinterfragen:
Der mathematische Aspekt
AK lebt von der Foldequity - ein altbekannter Satz. Selbst gegen ein kleines Pocket Pair ist die Anna preflop Underdog. Haben wir in diesem Fall noch Foldequity zu erwarten? Villain investiert 41BB von seinem 100BB Stack - wird er jemals 4-bet/folden? Höchstwahrscheinlich nicht, somit ist die Foldequity kaum noch ein wesentlicher Bestandteil unserer Gesamtequity. Wir müssen also davon ausgehen, weitere 90BB in einen 200BB Pot mit AKo investieren zu müssen - was haben wir da zu erwarten? Mehr als einen Flip wohl nie, durch das zusätzlich anfallende Ranke wird es demnach schnell zu einem -EV-Spot.
Der exploitive Aspekt
Kann unser Gegner hier nicht locker AQ so spielen? Nunja - warum sollte er? Wir wissen nichts von Villain, die Stats von 13/13 nach 15 Händen lassen nur darauf schließen, dass er nicht fix an den Tisch gekommen ist, um sein Geld großzügig an hungerleidende Pokerspieler zu verteilen. Die hohe 4-bet erzielt zwar einiges an Foldequity - das wird unserem Gegner bewußt sein. Obs ihn jedoch stört, ist eine völlig andere Frage. Sofern ein "normaler" Spieler solch einen Move auspackt, kann man AK "exploitive" folden...
Der spieltheoretische Aspekt
Wieso eigentlich "exploitive" folden? Was exploiten wir, wovon weichen wir ab? Bringen wir die Spieltheorie ins Spiel: Wir müssen unsere Ranges verteidigen und dürfen unserem Gegner keine Autoprofit-Spots servieren. Soll bedeuten: Wir dürfen auf eine CO-4-bet in diesem Spot nicht so viel folden, dass Villain mit jeder seiner 4-bets automatisch einen Gewinn erzielt.
Jetzt hängt es vor allem von unserer 3-b-Range gegen Cutoff ab. Nehmen wir an, wir 3-betten in diesem Spot um die 10%. Was spielen wir nach dieser 4-bet weiter?
Wir wollen gar nicht zu mathematisch werden - aber die Range KK+ beispielsweise besteht aus 0,9%. Wollen wir hier 91% unserer 3-bet-Range aufgeben? Wird AK hier nicht doch zu einem Pflichtdefend und somit einem Shove?
Wie reagiert ihr? Welcher Aspekt ist euch am wichtigsten?
Ich freue mich auf eine interessante Diskussion!
Euer MiiWiin
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