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Viele Grüße
Khrano
************* (Originaltext) *************
Ich fühle mich vor Ereignissen, die für mich in irgendeiner Weise bedeutend sind, wie gelähmt. Ich kann nicht anständig für Prüfungen lernen, mich anständig auf Referate vorbereiten, obwohl ich ganz genau weiß was, wann die Prüfung, das Referat etc. ist, was ich dafür tun kann und ich die Zeit dafür habe. Ich versuche mich nicht einmal großartig abzulenken oder andere Dinge zu tun, sondern verfalle oft in so eine Art „Wartezustand“. Ich warte einfach, dass es zur Prüfung kommt und die dann danach ja auch vorbei ist. Die allermeisten Prüfungen schaffe ich, natürlich mehr schlecht als recht. Das Lernen in Gruppen fällt mir leichter, allerdings verliere ich dort auch sehr schnell die Konzentration und wittere, wenn andere auch nicht motiviert sind meine Chance, die Runde aufzulösen oder andere Dinge außerhalb des Lernstoffs anzusprechen. Warum ich das dann tue, weiß ich nicht, da diese Gruppe mir ja eigentlich hilft den Lernstoff abzuarbeiten.
Selbst wenn ich mich zum Lernen durchgerungen habe und endlich in der Bib oder vor meinem Schreibtisch sitze und anfange zu lernen/lesen, fällt es mir ungeheuer schwer mich zu konzentrieren. Ich brauche durch ständige Pausen, weil ich den Faden verliere, meine Gedanken irgendwohin verschwinden, ewig für Texte, die ich eigentlich in ihrem Sinn verstehe und auch interessant finde. Es fällt mir auch ungemein schwer, Gesprächen zu folgen und aufzunehmen, was mir gesagt wird. Das passiert im Alltag weniger, kann aber auch vorkommen, als in meinem Studium. Zu diesen Themen in zum Beispiel einer Diskussion im Seminar nach einem Vortrag habe ich eigentlich eine Meinung, diese Themen verstehe ich auch (also generell im Überlegen im Vor- oder Nachhinein), aber kann nicht adäquat reagieren, weil ich mich nicht auf das Gesagte konzentrieren kann.
Vielleicht muss man hier abgrenzen zwischen meinem „Wartezustand“ und meinen Schwierigkeiten, mich auf Sachen zu konzentrieren. Denn das ist ja auch da, wenn gerade kein „Ereignis“ ansteht, sondern ein generelles Problem.
Dieses „Warten“ oder gelähmt sein, passiert mir auch bei anderen Dingen. Zum Beispiel, wenn ich meine Freundin besuchen fahren möchte, worauf ich mich eigentlich tierisch freue, verfalle ich auch in eine Art „Wartezustand“. Ich kann meine Tasche nicht länger vorher packen, mir fällt es ungemein schwer Dinge auf diese Tage hinzuorganisieren, dass dort alles funktioniert. Das tue ich oft alles auf den letzten Drücker. Ich mache an diesen Tagen davor also fast nichts, obwohl ich die Zeit dafür habe. Meistens klappt doch irgendwie doch alles, ich vergesse dann mal was, hab was nicht dabei oder tue etwas nicht, was ich mir vorher so schön ausgedacht habe (bsp. Geschenk), aber bin dann da. Ich warte quasi darauf, dass es endlich passiert dieses Ereignis, dass ich es hinter mir habe, ohne dass ich mich darauf praktisch, mit Handlungen vorbereite. Im Kopf tue ich das schon länger. Dieses Warten oder die Gelähmtheit passiert also auch bei angenehmen Dingen.
Ich wurde schon 2, 3 Mal von Freunden gefragt, was ich eigentlich den ganzen Tag so mache, womit ich meine Zeit verbringe. Die Fragen waren nicht negativ gemeint, sondern wurden lediglich aus Interesse gefragt, nicht weil sie etwas Negatives vermuteten (außer vielleicht, dass ich keine Filme kenne und nie Serien schaue). Ich konnte die Frage nie richtig beantworten. Ich habe immer sehr viel Zeit gehabt und ich denke, dass ich schon immer ziemlich wenig damit angefangen hab, weil ich dasitze und warte bis das nächste Ereignis passiert. Ich hatte denke ich eine Counterstrike-Suchtphase und bin danach in eine krasse Pokerphase abgedriftet. Aber auch in diesen Suchtphasen, soweit ich mich erinnern kann, war dieser „Wartezustand“ da, also habe dagesessen und eben nicht gespielt, sondern gewartet - beispielsweise vor den Abiturprüfungen.
Morgen habe ich eine mündliche Prüfung – es ist wahrscheinlich relativ einfach dort eine gute Note zu bekommen, die für mein Studium auch viel zählen würde. Aber ich sitze eigentlich nur da und warte, dass es morgen passiert. Darüber hinaus fahre ich morgen nach meiner Prüfung auch nach Berlin zu meiner Freundin und habe noch nicht gepackt oder Sonstiges dafür erledigt, das wird morgen kurz vor und nach der Prüfung im Schnell-Schnell erledigt. Außerdem muss ich noch für ein Festival planen, was danach ansteht und für mein Auslandsaufenthalt, welcher in einem Monat beginnen wird, zwischendurch muss ich noch eine Hausarbeit schreiben. Dieses Zusammentreffen der Ereignisse treibt mich wohl dazu mal niederzuschreiben und zu beschreiben, was bei mir grade so los ist.
Wie gesagt, ich habe eigentlich immer alles irgendwie geschafft, manche Sachen ganz gut, weil ich Glück hatte oder gute Tage, wo meine Probleme nicht so stark waren, manche eher schlecht. Diese schlechten Sachen sind dann eher langwierige Sachen (Bsp. Abitur, Klausuren). Deswegen falle ich auch nicht großartig auf. Also mir wird natürlich schon gesagt „mach mal mehr, du bist zu faul“ oder so, aber da es nie sehr große Konsequenzen hatte, mein sozialer Background 1a intakt ist, ist es nicht auffällig - noch nicht. Ich habe auch viele soziale Kontakte und nie Probleme gehabt, mit Menschen in Kontakt zu kommen oder Ähnliches, hatte eine sehr schöne, behütete Kindheit.
Vielleicht mal ein paar Meinungen dazu - versuche dann auch zu antworten, leider anonym, weil es hier Leute gibt, die mich privat kennen und ich mich mit meinen Problemen nicht mit ihnen auseinandersetzen will.