Einleitung
Um diese Frage möglichst elegant zu beantworten, möchte ich folgende Vereinfachung vornehmen. Wir unterscheiden zwei Fälle:
1) Wir haben eine unschlagbare Hand. Wir möchten möglichst viel Value erhalten.
2) Wir haben eine sichere losing Hand. Wir möchten uns für möglichst wenig Geld möglichst viel Folding Value erspielen. D.h. mir möchten das Verhältnis Fold Value/Kosten optimieren. Es ist uns nicht erlaubt, vor dem River zu folden.
Fall 1) ist unserer Vereinfachung für eine made hand, Fall 2) simuliert eine Drawing Hand mit der wir semi-bluffen möchten. Natürlich gehen wir bei Fall 2) davon aus, dass wir nicht gegen einen totalen Maniac oder eine extreme Calling Station spielen - denn in dem Fall sollte wir es mit dem semi-bluff komplett sein lassen.
Fall 1: Spielen einer made hand
Wir nehmen wie gesagt an, dass unsere Hand unschlagbar ist und versuchen, das Maximum an Value herauszuholen.
Generell sollte man mit made hands call Flop, raise Turn spielen. In den allermeisten Fällen erhält man so vom Gegner mindestens 3 SB extra, und falls er Calldown macht sogar 7 SB.
Im Vergleich dazu erhalten wir bei Raise Flop, bet Turn nur mindestens 1 SB und wenn der Gegner Calldown macht 5 SB.
Wenn der Gegner sehr aggressiv ist oder aber das Board wahrscheinlich viel Action bringt, sollte man bereits den Flop raisen. Ein sehr aggressiver Gegner spielt nun häufig eine 3-bet am Flop. Diese 3-bet callen wir und raisen dann den Turn. So erhalten wir falls der Gegner einen Calldown macht 2 SB mehr als bei call Flop, raise Turn.
Selbst wenn der aggressive Gegner unseren Flop Raise nur callt, so wird er uns am Turn oft check-raisen und wir haben dann die Möglichkeit zur 3-bet. So erhalten wir falls der Gegner einen Calldown macht 3 SB mehr als bei call Flop, raise Turn.
Fall 2: Spielen einer drawing hand
Grundlage: Attacking the weak Spots Artikel aus der Profi-Sektion
Wir gehen davon aus, dass wir immer hinten liegen und versuchen, den Gegner zum möglichst kosteneffizient zum folden zu bringen.
Wir haben zunächst einmal die Wahl zwischen Raise Flop, bet Turn und call Flop, Raise Turn.
Wir haben in Fall 1 gesehen, dass gegen einen loose-aggressive Gegner die Chance gro�? ist, dass er selten gegen einen Flop Raise foldet sondern sogar häufig eine 3-bet gefolgt von einer Turn bet spielt. Selbst wenn er nicht 3-bettet, wird am am Turn oft check-raisen.
Spielen wir allerdings call Flop, Raise Turn, so wird selbst ein loose-aggressive Gegner häufig folden und nur sehr selten den Turn 3-betten. D.h. mit call Flop, raise Turn ist gegen einen LAG die bessere semi-bluff Variante.
Gegen einen tighten Gegner ist es wichtig darauf zu achten, wie draw heavy das Board ist.
Wenn das Board draw heavy ist, so passieren zwei Dinge: 1. hat der Gegner häufig einige Outs und 2. setzt euch der Gegner häufig auf einen Draw. Diese beiden Faktoren machen es unwahrscheinlich, dass ein Flop Raise effektiv ist. In diesem Fall solltet ihr also auch call Flop, raise Turn spielen.
Wenn das Board aber nur wenige oder gar keine Draws zulässt (z.b. K 5 2 rainbow), so hat ein direkter Flop Raise gegen einen tighten Gegner eine sehr hohe Erfolgchance. Ihr habt also eine sehr Chance, durch eine Investition von nur 2 SB den Pot zu gewinnen. In diesem Fall solltet ihr also direkt den Flop raisen.
Es geht sogar noch einen Schritt weiter: gegen einen sehr tighten Gegner reicht es bei so einem Board oft sogar aus, den Flop nur zu callen. Er wird am Turn dann sehr häufig check/fold spielen. Wenn dieser Gegner zudem am Turn in so einer Situation so gut wie nie check-raist oder check-callt, dann habt ihr quasi einen effektiven "Bluff" für eine Investition von nur 1 SB. Denn sein check am Turn deutet dann mit gro�?er Sicherheit darauf hin, dass er am Turn gegen eine Bet folden wird. Somit handelt es sich bei dieser Bet nicht wirklich um eine Risikoinvestition.