Ehrlich gesagt, ich bin schon ein bi�?chen verwundert über einige Posts in letzter Zeit. Diese Vorgängerposts möchte ich mal zum Anlass nehmen, auf die Bankroll-Thematik im Speziellen und die Unzufriedensheitsproblematik im Allgemeinen einzugehen. Meiner Meinung nach werden immer wieder Probleme beschrieben, wo eigentlich gar keine sind.
Zunächst einmal stimmt es nicht, Sholvar, dass das Bankroll Managament unsolide ist. Die Auf-und Abstiegstregeln sind ziemlich vernünftig. Einziger Knackpunkt: Bei 0,5/1 Dollar könnte die Bankroll etwas dünn aussehen. Dies hat aber nichts mit dem Bankroll Managemant System zu tun. Vielmehr sind es Sachzwänge, die so sind wie sind. Man muss sie einfach hinnehmen. Aber das ist doch eigentlich kein wirkliches Problem:
1. Die o,5/1 Tische sind sehr loose. Ich denke, die durchschnittliche Spielstärke ist da nicht höher als bei 0.10/20 Dollar, wo die Leute sehr tight spielen. Sie ist wahrscheinlich um einiges niedriger. Warum? Weil 0,5/1 doch das Sammelbecken für alle schlechten Spieler ist!
Szenario 1: Jemand meldet sich bei PartyPoker an. Er spielt ein bi�?chen an den Beginnerstischen, kommt nach drei Wochen wieder und das nächste mal nach weiteren vier Wochen Schwuppdiwupp sitz dieser Herr an den 0,5/1 Dollar-Tischen. Ein starker Gegner. Nein!
Szenario 2: Jemand meldet sich an und spielt recht aktiv an den Beginners-Tischen. Als Vertreter der Mehrheit gehört er jedoch zu den reinen Genu�?spielern und schaut womöglich in kein einziges Buch. Ich sage euch eines: nach 45 tagen sitzt er an den 0,5/1 Dollartischen und ist nur unwesentlich besser als am ersten Tag. Ein gefährlicher Gegner? Nein!
Szenario 3: Jemand meldet sich bei Party an und wei�? gar nichts von den Beginnerstischen. In der Tat kann man sie leicht übersehen. Er fängt bei 0,5/1 an und ist eure Beute.
Szanario 4: Jemand sagt zu sich "Um Centbeträge pokern? Ich doch nicht!" Er fängt also gleich an den Dollartischen, sprich 0,5/1 an. Dead money für euch.
2. Sagen wir, ihr landet an mit 150 Dollar an den 0,5/1 Dollar-Tischen. Das sind 100 Dollar weniger, als die wünschenswerten 250 BB. Aber sind es wirklich zu wenig? In den aller meisten Fällen sollten auch 150 BB reichen. Zum einen seid ihr euren Gegnern haushoch überlegen, zum anderen mü�?tet ihr sechs ganze Buy-ins verlieren, um eure Bankroll zu verlieren. Dies ist unwahrscheinlich. Aber nicht unmöglich. Nun, leider ist eure Pokerkarriere nun zu Ende. Ihr habt euch Mühe gegeben aber Pech gehabt. Vielen Dank für euer Engagement, man sieht sich bestimmt mal wieder. Es muss ja nicht am Pokertisch sein.
3. Jetzt mal im Ernst. Wer nicht auf die Idee kommt, ausnahmsweise mal in die eigene Tasche zu greifen und 100 Dollar vorzustrecken, der sollte wirklich mit Pokern aufhöheren. Im fehlt die Identifikation mit dem Spiel. Wer sich aber sagt "Nun, ich bekomme ja bald weitere 100 Dollar, diese Summe ist also gedeckt", für den sollte das kein Problem sein. Wer seine �?berlegung nun weiter spinnt nach dem Muster " Ich habe jetzt sehr viel Zeit mit dem Studium der Pokertheorie verbracht, mein Spiel hat gro�?e Fortschritte gemacht, ich sehe welch grausame Fehler meine Gegner machen .... Gut, hier kam mir ein fürchterlicher Downswing in die Quere, aber das ändert nichts am grundsätlichen Sachverhalt. Ich bin ein winning player und werde bald wieder in den grünen Bereich zurückkehren. Mittel- bis langfristig ist mein spiel + EV. Und au�?erdem, was sind schon 100 Dollar, wenn diese den Grundstein für eine finanziell vorteilhafte Pokerlaufbahn bilden könnten. Ach ja, letztes Wochenende habe ich 100 Dollar für einen Opernbesuch ausgegebe und vor vier Wochen waren es ebenfalls 100 bei einer Kneipentour. Ich habe schon viel blödsinnger 100 Dollar eingesetzt, als hier wo ich es bald durch den Bonus zurück erhalte und eine vielleicht erfolgreiche Pokerlaufbahn vorfinanzieren helfe." Wer so denkt, der verdient meine Hochachtung.
4. "Ja, aber ihr habt doch gesagt, man soll kein eigenes Geld einzahlen."
Da stimmt und fast immer ist es verkehrt eigenes Geld einzuzahlen. Vor allem ist es katastrophal, wenn Anfänger dies tun, denn dann ist es reine Geldverbrennung. Hier ist der Fall aber gänzlich anders. Bei den hier betroffenen Personen handelt es sich um ausgebildete Spieler. Sie haben bereits ein solides Grundwissen und sind ihren Gegnern deutlich überlegen. Zudem haben sie sich in den Limits hochgearbetet und gro�?e Disziplin bewiesen. Sehen so Geldverbrenner aus? Natürlich nicht. Am allerwenigsten diejenigen, die sich Sorgem um die Unterfinnanzierung ihrer Bankroll machen. Das sind die gewissenhaftesten Spieler überhaupt.
5. Ich wiederhole es: der Fall, dass ihr pleite geht ist auf dem Level ziemlich gering. Ihr könnt dieses Ergeignis noch unwahrscheinlicher machen, indem ihr a) erst mit dem Spielen anfangt, wenn ihr viel Zeit zum Spielen habt (z.B. Ferien), um die 45 Tage auszunutzen und b) auf 0,5/1 nur an einem Tisch spielt. Ihr steigert dadurch eure earn rate pro Tisch und könnt hoch konzentriert agieren.
6. Bei einigen Kommentaren vermisse ich betriebswirtschaftliches Einsicht. Fast unser gesamtes Angebot ist durch das Geld von PartyPoker finanziert worden. Ist es da nicht zu begreifen, dass PartyPoker auch exklusiv daran verdienen will? PokerStars hat keinen Rake gezahlt, aber reichlich von uns profitiert. Ob das wohl gerecht ist?
7. Einige Spieler würden lieber bei Pokerstars in Ruhe und ohne Druck ihre Bankroll aufbauen. Das ist gut. So weit ich wei�?, gibt es bei Pokerstars keine besonderen Beschränkungen. Jeder darf dort ein Konto eröffnen und seine Bankroll aufbauen.
Das alte wie neue Bonusmodell wird übrigens gemeinschaftlich von PartyPoker und uns finanziert. Wir persönlich sind dertzeit an unsere finanziellen Grenzen gestossen. Warum ich das sage? Nun, wir vergeben Boni, eine breit gefächerte Ausbildung und versuchen uns stetig zu verbessern. Ständig kommen neue features hinzu. Ist es da nicht verständlich, dass wir den Tag herbeisehnen, an dem unsere Mitglieder zufrieden das entgegen nehmen, was sie gratis bekommen und sich mit ihren Forderungen zurückhalten?