Original von w3cRaY
Original von Aehrledikt
@W3cRaY
Natürlich gibt es auch Jobs die körperlich härter sind. Allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass die Anforderungen an einen Bauarbeiter oder eine Krankenschwester andere sind als an einen Croupier. Die Spielbanken rekrutieren ihre Angestellter der Spieltechnik zum größten Teil aus ihrem Studenten-Pool und das nicht ohne Grund.
Das Problem an dem Job ist nicht das Sidepotrechnen. Die Gäste und die Verantwortung den Gästen gegenüber machen das Dealen erst anstrengend. Am Poker darf der Dealer keine Sekunde unaufmerksam sein, er muss jede Handlung jedes Gastes beobachten, damit er in Streitsituationen die richtige Entscheidung treffen kann. Der Pokerdealer ist der Schiedsrichter, der nebenbei Karten austeilt und Pötte rechnet. Und, glaub mir, ich hab schon so einiges neben dem Studium an Arbeit gemacht aber Poker dealen ist zwar für studentische Aushilfen relativ gut bezahlt aber geistig auch das Ermüdenste. BJ dealen sieht für Aussenstehende wohl dem Poker sehr ähnlich ist aber mit den Belastungen nicht ansatzweise zu vergleichen.
Das Casino am Potsdamer Platz scheint mir tatsächlich etwas realitätsfremd zu sein, denn aus meiner Erfahrung halten sowohl die Spieler als auch die Angestellten 1-3% vom Pot für angemessen und bei uns wurde bspw bei 2/4 NL bei unter 70€ nicht als default getippt und bei jedem NL oder PL Spiel auch nur einmal ein sb bei 10bb getaxt. Das scheint mir doch erheblich günstiger als in vielen anderen Casinos.
Und, oh wunder, natürlich bin ich auch der Meinung, dass der Dealer seinen Job gut zu machen hat, damit er getippt wird. Dazu gehört freundliches Verhalten allen Gästen gegenüber und auch schnelles fehlerarmes Dealen. Als Gast hätte ich auch keine Lust Menschen zu tippen, die nicht bei der Sache sind. Allerdings kommt hier leider das Problem zum tragen, dass man nicht den speziellen Dealer tippt sondern die Dealerschaft. Daher sollte in solchen Fällen eine Beschwerde beim Saalmeister mehr Wirkung haben.
Das es körperlich anspruchsvollere Jobs gibt war nicht mein Statement, sondern dass es haufenweise gleichschlecht bezahlte Jobs mit hohem Ermüdungsfaktor gibt (aufgrund monotoner oder hoher körperlicher Betätigung), in denen sich der Arbeitnehmer gegenüber dem Kunden trotzdem professionell und freundlich verhält. Ich habe noch nie ein Zimmermädchen kennengelernt, welches mit meinen 10€ (oder 20€, je nach Klasse des Hotels) am letzten Tag auf mich zugerannt kam und zu mir meinte, das wäre jetzt aber viel zu wenig für 4 Tage sauegn + Bett Machen + Handtücher rauslegen. Nein, man bekommt ein freundliches Lächeln und ein Dankeschön, und damit ist gut. Ich fühl mich da nicht als Gutmensch, weil ich jetzt Trinkgeld gegeben habe, denn sie hat es sich ja redlich verdient. Aber solch ein Verhalten nenne ich kundenorientiert und professionell, im gegensatz zu einem Dealer, der einen ständig schief anschaut, weil man "nur" 2€ Tip für eine poplige Hand gibt. Soweit zu den Anforderungen. Wir sprechen hier über Gelegenheitsjobs, die keine spezielle Ausbildung erfordern (nein, 2 Monate Ausbildung lasse ich da nicht gelten).
Nun zur Konzentraion, zum "Schiedsrichter der Karten": darf sich ein LKW Fahrer erlauben, einzuschlafen? Ein Taxifahrer, einen Gast bei der falschen Adresse am anderen Ende der Stadt abzuliefern? Oder ein Hilfsarbeiter beim Bau, die Ziegel runterfallen zu lassen? Nein, natürlich nicht. Diese Leute machen ihren Job ebenfalls konzentriert. Nun zur eigentlichen Arbeit des Dealers: wieviele Hände werden pro Stunde gedealt, 30? Maximal 40. Der Dealer macht nach ner Stunde oder so immer schön Päuschen. DD.h. er muss sich bei 30 Händen konzentrieren pro 1.20 min, und das auch nicht dauerhaft, denn die Leute überlegen ja auch mal, das frisst Zeit...
Bezüglich der Beschwerde beim Saalchef: ist denke ich eine Alternative, die ich das nächste Mal wahrnehmen werde.
Grüße
Du kannst hier nicht nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Ich schieb deine Einstellung der Arbeit eines Dealers gegenüber mal auf fehlende Erfahrung. Deshalb versuche ich deine Sichtweise mal etwas zu erweitern.
Zum Vergleich mit dem Brummifahrer:
Natürlich hat auch dieser eine Verantwortung seinem Chef und vor Allem den anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber. Nur ist diese natürlich nötige Konzentration nicht ansatzweise mit der an einem prallgefüllten und von den Gästen her anstrengenden Pokertisch zu vergleichen. Ich bin im Zivildienst regelmäßig von morgens bis abends Autogefahren (Behindertenfahrdienst). Nach einer solchen Schicht merkt man, dass man etwas getan hat, mehr aber auch nicht. Gelegentlich bin aber auch mit Tatü (Blaulicht) unterwegs gewesen. Nach meiner längsten dieser Touren (ca. 1,5h mit 10 min Wartezeit in einem Krankenhaus) ging es mir ähnlich wie an einigen Tagen im Casino am Pokertisch. Es ist dann einfach Ende und es geht nichts mehr. Das soll jetzt kein Rumgejammer sein und es liegt auch nicht an meiner schlechten geistigen Leistungsfähigkeit, da es anderen motivierten Dealern öfters ähnlich ging (übrigens alles Studenten).
-> BJ = normales Autofahren
Poker = Sonderrechtstour
Zum Vergleich mit dem Zimmermädchen:
In dem Zusammenhang hast du darufhingewiesen, dass der Dealer nicht pampig werden soll, wenn ein Gast seine Antes ständig nicht legt, weil ein Zimmermädchen auch immer freundlich ist. Das Zimmermädchen wird, wenn es jeden Tag wieder deine Bremsstreifen und Urin neben der Toilette entfernen muss, auch irgendwann die Geduld verlieren und sich über dich ärgern. Nur würde man das im Regelfall nicht mitbekommen, da die Zimmermädchen gewöhnlicherweise nicht kommen, wenn sich der Gast im Zimmer befindet.
Die Vergleiche hinken auch noch an einem anderen Punkt: Denn die festangestellten Croupiers LEBEN vom Trinkgeld, Brummifahrer und Zimmermädchen nicht.
Und um die Wogen etwas zu glätten...
Ich hatte an mich und meine Arbeit im Casino immer den Anspruch ein sehr guter Dealer zu sein und den Gästen den mit meinen Mitteln bestmöglichen Service zu bieten, sowie viele meiner Kollegen auch.
Das bedeutet nicht: An den Tisch setzen, Karten geben und nach 45 min wieder aufstehen.
Das bedeutet: Dem kompletten Tisch offen gegenüberstehen, den Tisch unterhalten, wenn möglich, alle Vorgänge schnellstmöglich ausführen, stets regelfest und soverän auftreten, immer laut und deutlich annoncieren und auch in der Pause, wenn gewünscht, für die Gäste da sein.
So hat ein Dealer seine Arbeit zu machen!!!
Es gibt nichts Frustrierenderes als sich Tag für Tag den Arsch aufzureißen und dann ständig von den gleichen Leuten angemault zu werden.
Als Dealer ist man übrigens nicht der Feind/Gegner des Spielers, sondern der Dienstleister, der dem Spieler das Spielen ermöglicht und so sollte er auch behandelt werden.