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[Geschlossen] Der Übermensch

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Krach-Bumm-Ente
Beigetreten: 01.05.2006
BlackMember

Ich finde das ist ein sehr schwieriges Thema, würd gern eure Ansichten dazu mal lesen. Nietzsche sagt "Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch, - ein Seil über einem Abgrunde"
Der Abgrund ist wohl das ganze potentielle Versagen der Menschen, während das Tier die Urform ist (?), das unmoralische Ideal des Unterbewussten.
Doch wie kann man den Übermenschen begreifen?

Im Tractat vom Steppenwolf wird der Bürger in die Mitte zweier Pole gestellt, das Heilige auf der einen Seite, das Chaos auf der anderen. Ich denke das Chaos kann mit Nietzsches Tier gleichgesetzt werden, das Heilige mit dem Übermenschen. Hesse selbst bezeichnet ja die meisten Menschen als überflüssige Masse und generalisiert sie als "der Bürger." Im hinteren Teil des Tractats wird Haller als "(...) Mensch, der fähig ist, Buddha zu begreifen (...)" charakterisiert. Ich denk da liegt wohl eine Unterscheidung zwischen zwei Klassen von Menschen vor, Bürgern (Definition Bürger: "Der Bürger schätzt nun nichts höher als das Ich (ein nur rudimentär entwickeltes Ich allerdings). Auf Kosten der Intensität also erreicht er Erhaltung und Sicherheit, statt Gottbesessenheit erntet er Gewissensruhe, statt Lust Behagen, statt Freiheit Bequemlichkeit, statt tödlicher Glut eine angenehme Temperatur. Der Bürger ist deshalb seinem Wesen nach ein Geschöpf von schwachem Lebensantrieb, ängstlich, jede Preisgabe seiner selbst fürchtend, leicht zu regieren. Er hat darum an Stelle der Macht die Majorität gesetzt, an Stelle der Gewalt das Gesetz, an Stelle der Verantwortung das Abstimmungsverfahren.“) und denen, die das Universum als Ganzes erkennen und über die kleinbürgerliche Welt hinausschreiten. Das sind dann laut Hesse einmal die Unsterblichen, welche es geschafft haben alles polarisierte Denken zu überwinden und "entpersönlicht" sind. Die anderen sind die, die diese Polkonstruktion zwar erkennen, aber dadurch nur in der Luft hängen und ihr Ich nicht ablegen können. Dies seien die ganzen genialen Künstler, welche alle dieser Art Mensch zuzuordnen sind, welche ihr ganzes Leben lang unzufrieden waren und nur gelegentlich diese Spuren des Übermenschen in sich tragen und in diesen Momenten ihre weltbekannten Werke malen/schreiben/dichten...

Vielleicht mag das eingebildet klingen, aber ich stimme Hesses Unterteilung in Menschen verschiedener Güteklassen zu. Ein großer Teil der Menschen ist wohl genau das, was Hesse unter dem Bürger versteht. Die erkennt man leicht - "Überwindung des Ichs? - Lass mich mit so nem Quatsch in Ruhe", "Meditation? OMMMM, haha, für so nen Mist hab ich keine Zeit" usw usf. Ein kleiner Teil macht sich über solche Dinge wie den Übermenschen Gedanken, befasst sich mit Dingen wie Meditation, Philosophie usw. und zeigt eine generelle Aufgeschlossenheit gegenüber Themen wie Existenzfragen u.ä. Heute sind das schon sehr viele Menschen und es werden immer mehr. Nietzsche war seiner Zeit voraus, damals gab es noch nicht so viele Menschen die solche Gedanken schafften.

Der Grund warum ich diesen Thread öffne ist der, dass ich mich momentan in einer Phase seh, in der ich die Konstellation zwischen Bürger/Mensch, dem Tier/Chaos und Übermensch/Heiligen erkannte habe und befürchte, dass ich etwas in diese Künstlerschiene abdriften könnte. Wenige, kurze Augenblicke in denen die Gesamtheit erkennbar wird, viele, lange nihilistische Phasen. Wer den Steppenwolf gelesen hat möge nur an Hallers Alltag in seiner Wohnung denken. Hohe Leidensfähigkeit, gemäßigtes Empfingen und Isolation.

Faust scheint ja auf der Suche nach dem Übermenschen eher zurück zum Animalistischen zu gehen, Mephisto hilft ihm dabei. Sowohl Faust ("Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust") als auch der Steppenwolf (der sich einerseits als Mensch, andererseits als Wolf sieht) machen laut Hesse den selben Fehler und beschränken ihr Ich auf zwei Aspekte. Die ganzen niederen Menschen versuchen das ich als eine Einheit zu begreifen, was Irrsinn ist und wohl eine Krankheit der Menschen. Faust und Haller sind einen Schritt weiter, sie sehen ihr Ich schon in zwei Gestalten. Laut Hesse besteht das Ich aber aus hunderten, tausenden Aspekten.
Die Aussage versteh ich schon und stimme ihr auch zu, allerdings weiß ich nicht, wie ich das deuten/nutzen soll. Zudem wird der Weg zum Übermenschen mit der Aufgabe des Ichs beschrieben, die eigene Identität bekämpfen.

Das liest sich jetzt vielleicht alles etwas eigenartig, so nach dem Motto "jaja, jetzt hat er ein paar Bücher gelesen und will zum Übermenschen werden :rolleyes: , so ist das aber nicht gedacht. Ich such nicht nach einem step-by-step guide zum Übermenschen.

Hier ist das Tractat zum Nachlesen, nur--für-- Ver--rückte!

Edit: Noch ein Zitat:
Prolog im Himmel, Mephisto:
"Er ist sich seiner Tollheit halb bewußt;
Vom Himmel fordert er die schönsten Sterne
und von der Erde jede höchste Lust,
Und alle Näh` und alle Ferne
Befriedigt nicht die tiefbewegte Brust."

und noch eins:
Mephisto:
"Das Heidenvolk geht mich nichts an,
Es haust in seiner eigenen Hölle;"

Damit sind wohl Hesses Bürger, die Untermenschen gemeint?


16 Antworten
Dodadodadodada
Beigetreten: 25.02.2006
BlackMember

Original von Krach-Bumm-Ente
Die Aussage versteh ich schon und stimme ihr auch zu, allerdings weiß ich nicht, wie ich das deuten/nutzen soll. Zudem wird der Weg zum Übermenschen mit der Aufgabe des Ichs beschrieben, die eigene Identität bekämpfen.

Irgendwann erkannte der Mensch, dass sich die Erde um die Sonne dreht, die Welt, auf/in der sie leben also nicht der Zentrum der Welt ist. (Kopernikus)
Irgendwann erkannte er, dass er das Resultat einer langen Historie ist. (Darwin)
Irgendwann erkannte er, dass das Unbewusste ein viel höher Anteil des Denkens und Handelns als das bewusste Erleben ausmacht. (Freud)

Symbolisiert also den stetigen Prozess der Erkennung der Unbedeutenheit der eigenen Identität. Schwer wahrzuhaben, daher wehrt man sich intensiv dagegen.


Numisma
Beigetreten: 11.09.2009
Oldschool Grinder

Hallo,

Also ich weiss nicht genau, was du mit Übermenschen meinst. Meines erachtens ist dieser Begriff schlecht gewählt. Natürlich bestreitet niemand das in der "Gesellschaft" (was immer das auch genau sein soll) Hierachien bezüglich

1. biologischer Ausstattung (Genom)

2. Finde Bourdieus http://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_Bourdieu Unterscheidungen gut und hilfreich

a) ökonomisches ,
b) soziales,
c) kulturelles und
d) symbolisches Kaptial

und deren Interpedenzen und Machtverteilung gibt.

Was ich noch am ehesten mit Übermenschen bezeichnene würde vielleicht zum sogenannte Posthumanismus passen . Also der Mensch als Upgrade (zb: bezogen auf Eugenik oder technischen Implantanten ), der nächste Schritt in der Evolution , durch künstliche Mithilfe.

lg


Numisma
Beigetreten: 11.09.2009
Oldschool Grinder

Original von Dodadodadodada

Original von Krach-Bumm-Ente
Die Aussage versteh ich schon und stimme ihr auch zu, allerdings weiß ich nicht, wie ich das deuten/nutzen soll. Zudem wird der Weg zum Übermenschen mit der Aufgabe des Ichs beschrieben, die eigene Identität bekämpfen.

Irgendwann erkannte der Mensch, dass sich die Erde um die Sonne dreht, die Welt, auf/in der sie leben also nicht der Zentrum der Welt ist. (Kopernikus)
Irgendwann erkannte er, dass er das Resultat einer langen Historie ist. (Darwin)
Irgendwann erkannte er, dass das Unbewusste ein viel höher Anteil des Denkens und Handelns als das bewusste Erleben ausmacht. (Freud)

Symbolisiert also den stetigen Prozess der Erkennung der Unbedeutenheit der eigenen Identität. Schwer wahrzuhaben, daher wehrt man sich intensiv dagegen.

und es geht noch weiter _biggrin: _biggrin: _biggrin: _biggrin:

http://www.gkpn.de/vollmer.htm


RapHffm
Beigetreten: 10.09.2008
PokerStrategist

Der Grund warum ich diesen Thread öffne ist der, dass ich mich momentan in einer Phase seh, in der ich die Konstellation zwischen Bürger/Mensch, dem Tier/Chaos und Übermensch/Heiligen erkannte habe und befürchte, dass ich etwas in diese Künstlerschiene abdriften könnte. Wenige, kurze Augenblicke in denen die Gesamtheit erkennbar wird, viele, lange nihilistische Phasen. Wer den Steppenwolf gelesen hat möge nur an Hallers Alltag in seiner Wohnung denken. Hohe Leidensfähigkeit, gemäßigtes Empfingen und Isolation.

Du sagst du hast die "Gesamtheit" erkannt, was besorgt dich dann noch? Übermenschen sind überbewertet. Sei was du willst, ob es nun Tier, Künstler oder Heiliger ist.


Kobecarter
Beigetreten: 22.04.2006
BlackMember

Bei sowas denk ich mir immer:

Man muss nicht immer alles Verstehen was irgendeiner mal geschrieben hat. Bei manchen Dingen ist das auch schlichtweg unmöglich, weil du nie die dem Niedergeschriebenen zugrunde liegenden Erfahrungen bzw Beobachtungen gemacht hast.

halt dich an RapHffm ;)


Krach-Bumm-Ente Themenstarter
Krach-Bumm-Ente
Beigetreten: 01.05.2006
BlackMember

Ja oft denk (paradoxon ) ich dann auch, dass das Denken einfach mal aufhören sollte. Wird so im übrigen auch dem Haller geraten.

Im Prinzip geht es hier ja um den Weg zum glücklich Sein. Ich finde RapHffm hat schon ein recht, man soll sein, was man sein will - aber der zweite Teil, "ob es nun Tier, Künstler oder Heiliger ist", gefällt mir noch nicht. Imo ist man alles gleichzeitig, wie ich ja schon geschrieben hab - es gibt nicht die eine, eingegrenzte Persönlichkeit, wir bestehen nicht aus einer oder zwei Seelen.
Ich denke man sollte einfach immer das sein, was man momentan verspürt zu sein, ohne sich darin zu bestätigen oder widerlegen weil man sich eigentlich anders definiert. Wer sich als Denker versteht und den Wunsch verspürt mal einen richtig drauf zu machen sollte das eben nicht unterdrücken und melancholisch werden.

Da fällt mir auch auf, wie ich so vielfältige Menschen oft bewundere. Wenn sie Seiten von sich zeigen, die man nie erwartet hätte.

Das Einzige was bleibt ist die Angst vorm Tod und der Vergänglichkeit, bei aller Aussicht auf Ende der Gegensätze, Zwiespältigkeit und Leiden, irgendwie kann ich mich trotzdem nicht damit anfreunden irgendwann zu sterben. Habt ihr Angst vorm Tod? Wenn nein, warum nicht?


Majes
Beigetreten: 14.08.2006
Poker Player

Original von Krach-Bumm-Ente
Ja oft denk (paradoxon ) ich dann auch, dass das Denken einfach mal aufhören sollte. Wird so im übrigen auch dem Haller geraten.

Im Prinzip geht es hier ja um den Weg zum glücklich Sein. Ich finde RapHffm hat schon ein recht, man soll sein, was man sein will - aber der zweite Teil, "ob es nun Tier, Künstler oder Heiliger ist", gefällt mir noch nicht. Imo ist man alles gleichzeitig, wie ich ja schon geschrieben hab - es gibt nicht die eine, eingegrenzte Persönlichkeit, wir bestehen nicht aus einer oder zwei Seelen.
Ich denke man sollte einfach immer das sein, was man momentan verspürt zu sein, ohne sich darin zu bestätigen oder widerlegen weil man sich eigentlich anders definiert. Wer sich als Denker versteht und den Wunsch verspürt mal einen richtig drauf zu machen sollte das eben nicht unterdrücken und melancholisch werden.

Da fällt mir auch auf, wie ich so vielfältige Menschen oft bewundere. Wenn sie Seiten von sich zeigen, die man nie erwartet hätte.

Das Einzige was bleibt ist die Angst vorm Tod und der Vergänglichkeit, bei aller Aussicht auf Ende der Gegensätze, Zwiespältigkeit und Leiden, irgendwie kann ich mich trotzdem nicht damit anfreunden irgendwann zu sterben. Habt ihr Angst vorm Tod? Wenn nein, warum nicht?

weil die metaphysik dann erst anfängt ihre party zu feiern... ;)


Numisma
Beigetreten: 11.09.2009
Oldschool Grinder

Da hilft nur wieder mal ein alt bekanntes Zitat von Epikur zu bemühen

: „Mit dem Tod habe ich nichts zu schaffen. Bin ich, ist er nicht. Ist er, bin ich nicht.“


Numisma
Beigetreten: 11.09.2009
Oldschool Grinder

Original von Numisma
Da hilft nur wieder mal ein alt bekanntes Zitat von Epikur zu bemühen

: „Mit dem Tod habe ich nichts zu schaffen. Bin ich, ist er nicht. Ist er, bin ich nicht.“

und was gebe es schlimmeres als ewig zu Leben, das wär dann wohl die sooft genannte und bemühte "Hölle".

_biggrin: _biggrin: _biggrin: _biggrin:


Majes
Beigetreten: 14.08.2006
Poker Player

Original von Numisma
Da hilft nur wieder mal ein alt bekanntes Zitat von Epikur zu bemühen

: „Mit dem Tod habe ich nichts zu schaffen. Bin ich, ist er nicht. Ist er, bin ich nicht.“

epikur war zwar ein schlaues kerlchen - aber bei diesem thema war seine
aussage zumindest anmaßend - momentan kennt niemand darauf die
eine antwort...


Kobecarter
Beigetreten: 22.04.2006
BlackMember

Original von Krach-Bumm-Ente
Habt ihr Angst vorm Tod?

Nein, ich nicht.

Original von Krach-Bumm-Ente
Wenn nein, warum nicht?

steht nicht zur Debatte atm bei mir.
Wenn er näher kommen würde warscheinlich schon, aber ich hab mir einfach noch keine Gedanken darüber gemacht.


elbandini
Beigetreten: 27.08.2010
PokerStrategist

Ich denke: Übermensch vs. Untermensch im gesellschaftlichem Sinne ist überholt. Problem trotzdessen: Das unsere Leistungsgesellschaft den Einzelnen zum Übermensch formt!

Bezüglich Tod: beruhigend zu wissen, das jedes Lebewesen da durch muss; so weiß ich: ich bin nicht allein ;) (u.a. Mutter und Oma haben es schon "geschafft" :()


Majes
Beigetreten: 14.08.2006
Poker Player

Original von elbandini
Ich denke: Übermensch vs. Untermensch im gesellschaftlichem Sinne ist überholt. Problem trotzdessen: Das unsere Leistungsgesellschaft den Einzelnen zum Übermensch formt!

Bezüglich Tod: beruhigend zu wissen, das jedes Lebewesen da durch muss; so weiß ich: ich bin nicht allein ;) (u.a. Mutter und Oma haben es schon "geschafft" :()

beruhigt mich kein bisserl


Dodadodadodada
Beigetreten: 25.02.2006
BlackMember

Original von Kobecarter

Original von Krach-Bumm-Ente
Habt ihr Angst vorm Tod?

Nein, ich nicht.

Original von Krach-Bumm-Ente
Wenn nein, warum nicht?

steht nicht zur Debatte atm bei mir.
Wenn er näher kommen würde warscheinlich schon, aber ich hab mir einfach noch keine Gedanken darüber gemacht.

Hmm. Ich habe im Prinzip auch 0 Angst vor dem Tod, eher vor den Schmerzen, die vor dem Tod existieren könnten.
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich mich selbst überhaupt nicht wichtig nehme, zumindest denke ich, bin ich nicht mehr wert als alles andere auf der Welt. (Ich mache extra irgendwelchen Vögeln oder anderen Tieren Platz und versuche nen Bogen zu machen, damit die nicht wegfliegen müssen.)
Damit verbunden denke ich auch, nehmen sich viel zu viele Menschen sehr viel raus und denken, sie seien etwas ganz Besonderes.

Ein Zitat aus "V wie Vendetta" fand ich unfassbar gut: "Das Wer ist nur die personifizierte Form des Was."


RapHffm
Beigetreten: 10.09.2008
PokerStrategist

Original von Krach-Bumm-Ente
Ja oft denk (paradoxon ) ich dann auch, dass das Denken einfach mal aufhören sollte. Wird so im übrigen auch dem Haller geraten.

Du bist ein Mensch, Menschen denken

Original von Krach-Bumm-Ente
Das Einzige was bleibt ist die Angst vorm Tod und der Vergänglichkeit, bei aller Aussicht auf Ende der Gegensätze, Zwiespältigkeit und Leiden, irgendwie kann ich mich trotzdem nicht damit anfreunden irgendwann zu sterben. Habt ihr Angst vorm Tod? Wenn nein, warum nicht?

Dann hast du halt Angst vorm Tod, wayne. Ich hab heute gekackt. Man kann das Leben nicht falsch oder richtig leben denn alles was passiert ist ansich perfekt. Trotzdem kannst du natürlich versuchen deine Situation zu verbessern, so "do it for the lulz" mäßig.


MojosAces
Beigetreten: 04.02.2009
PokerStrategist

"Doch wie kann man den Übermenschen begreifen?"

Das "Über-" macht den Begriff Übermensch schwer verständlich. Es entsteht gleich eine Wertung und man fragt sich unweigerlich: Über was steht der Übermensch?
Schon der Nationalsozialisten versuchten Nietzsche dahingehend zu instrumentalisieren, um dem Volke falsches Selbstbewusstsein einzuimpfen.
Aber genau genommen kann man Nietzsche in dieser Weise nicht instrumentalisieren, weil Nietzsche die Masse verachtete und nur für das einzelne Individuum schrieb. Er wollte dem Individuum helfen sich aus der Masse zu lösen, indem er zeigte, wie sehr wir in unserem Denken durch die Masse geprägt sind.

Einen bibeltreuen Christen könnte man daher vom Bewusstseinszustand eher dem Tier zuordnen, da dieser nicht sein Potenzial ausschöpft und in geistiger Abhängigkeit lebt.

Der Übermensch bedeutet eigentlich nur, ein freier Mensch zu sein, der sein Handeln nur sich selbst gegenüber rechtfertigen muss!
Man könnte einen Mord begehen, wie in Hitchcock's "Cocktail für eine Leiche"; sich über alle moralischen Gesetze hinwegsetzen und sich seiner Überlegenheit erfreuen. Doch das eigene Gewissen kann härter bestrafen als jedes Gericht. Der Mensch ist nun mal ein gesellschaftliches Wesen und kann ohne sie nicht existieren (Bsp.: Kaspar Hauser).

Doch das sind extreme Beispiele. Der eigentliche Übermensch ist vermutlich von selbstloser Natur - nicht vom Ego getrieben sich über (!) andere zu stellen. Denn wie könnte er sonst frei sein?
Der Übermensch hat eine bestimmte Vorstellung vom Leben und verfolgt sein Ziel ohne sich von seiner Umwelt beeinflussen zu lassen.

Um es mit einem Satz zu sagen:

Der wahre Übermensch ist ein im Spiel versunkenes Kind!


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