@IBeatGTO: Ich glaube, vom Ton her muss das nicht so scharf vorgetragen werden. Es geht ja darum, gegenseitig etwas voneinander zu lernen, nicht, den anderen in die Pfanne zu hauen.
@AvoidMyRage:
Ich hab das hungry horse Poker Video direkt am Anschluss meines Posts gesehen. Es ist super!
Es gibt schon ein paar Unterschiede zwischen der gezeigten Hand im Video UTG JJ vs BB auf 653ds und der Hand hier. Im Video geht es gegen BB, der eine relative weite Range hat, die nicht viele kleine Karten hat. Es ist nur ein Gegner. Das Gegnerprofil ist: blufft selten (zu wenig), trapped nicht und spielt seine starken Hände schnell. Wenn BB checkraist, dann hat er sehr häufig ein Set, vielleicht auch 2-Pairs (vor allem 65s, nur 3 Kombos) und nicht sehr viele Draws (weil er nicht aggressiv ist, raist er seine Draws selten). Umm genug zu bluffen muss man auch auf nicht naheliegnde Bluffs kommen. Aber er ist loose und würde viele schwächere Hände callen, insbesondere die guten Draws, jede 4 (44, A4s vor allem), die Pairs, die er hat (häufig ebenfalls Ax), aber auch ein paar schwache Draws (7x, vielleicht Overcards mit backdoor Flush Draw). Er callt also sehr häufig schwächere Hände, bluffraist sehr selten schwächere Hände, aber fast played seine Monster.
In dieser Hand hat man zwei Gegner und der Flop ist T95. Es war ein 3-bet Pot, bei dem ein Isoraise ge-3-bettet wurde und dann vom Limper cold gecallt wurde. Die Ranges der Gegner sind ganz anders als die eines BB im einfach geraisten Pot. Sie sind deutlich weniger weit. Es können also 2 Leute die Sets haben, was sie deutlich wahrscheinlicher macht, deren Ranges sind kondensiert mit vielen Pockets, was sie noch wahrscheinlicher macht und falls jemand T9s callt, was mich so deep nicht wundern würde, dann wird auch das 2-Pair häufiger getroffen. Wie sich im Showdown zeigt, wäre sogar T9o gespielt worden. Man liegt also viel seltener vorne.
Gegen T9 hat man jedoch gar nicht so wenige Outs. Dazu noch gibt es eine grosse Menge an Draws und wir wissen nicht, wie aggressiv die Gegner sind. Jetzt weiss ich nicht so viel über das live Spiel, aber ich glaube, dass Draws deep Stack sehr gerne geraist werden.
Die Bluffraises liegen nicht so fern wie in der UTG gegen Blind Situation, weil sehr viele Draws in der Range der Gegner liegen. Sie haben in dieser Hand viel mehr gute Draws als im Video. Um genug zu bluffen muss man nicht auf fernliegende Bluffs kommen. Daher sind selbst bei sonst eher passiven Gegnern Checkraises von schwächeren Händen wahrscheinlicher.
Vom Read her handelt es sich bei Villain um loose und splashy. Man hat also keinen leichten Fold nach einem Checkraise. Der Gegner entspricht nicht dem passenden Gegnerprofil im Video.
Ich glaube, unter diesen Umständen ist ein grosse Flopbet nicht gut. Zum einen liegt man deutlich seltener vorne, zum anderen spielt man mit einer grossen Bet immer um den Stack, der hier eben wirklich gross ist (ich messe es an den Blinds, da sind's $2 Blinds und $688 effektiv, also fast 350bb (nicht 450 bb, wie ich geschrieben hatte, weil ich nur Hero's Stack angesehen hatte)).
Wenn man ein Stack to Pot Verhältnis von 3:1 am Flop hätte, dann hätte ich damit keine Probleme. Aber bei fast 7:1 sollte man doch Rücksichten auf die absolute Handstärke nehmen und die Wahrscheinlichkeit, auf eine bessere Hand zu stossen. Wenn man hier top Set hätte, dann wäre eine grosse Bet nicht verkehrt, denn man liegt ja nie hinten. Auch 99 wäre eine gute grosse Bet (hat man vielleicht nicht als 3-bet, vielleicht aber gegen diesen Spieler doch), weil das immer gut genug ist, um um den grossen Stack zu spielen, auch bei nicht ganz kleinem Stack to Pot Verhältnis.
Genauso Kombo Draws und Nut Draws. Die muss man alle nicht klein spielen, weil man mit denen den ganzen Stack gewinnen will und sich Calls bei den entstehenden Odds und implied Odds leisten kann. Aber das Overpair ist eben keine Nut Hand und bei nicht wirklich flachem Stack to Pot Verhältnis spielt man lieber nicht gleich am Flop um den ganzen Stack.
Das Video passt sehr gut zur Anfängerstrategie, wie sie hier gelehrt wird. Dort macht man in Position als Aggressor immer seine Contibet, auch dann, wenn das Board die eigene Range komplett verfehlt hat. In GTO-Wizard ist das ein Fehler, weil man dann sehr viele Hände bettet, die nur high Card sind und durch Checkraises extrem angreifbar wären. Weil aber die Spieler in den kleinen Limits nicht häufig genug angreifen, kann man sich die Contibets nicht nur leisten, sie sind auch gut. Einerseits liegt man gegen die gegnerischen high Cards häufig vorne, andererseits verbessert man seine Equityrealisierung stark, wenn der Gegner 6 Outs foldet und man wird zu selten daran gehindert, Outs zu treffen, wenn der Gegner vorne liegt.
In der besprochenen Hand ist die Situation aber etwas anders.