Wirklich interessante Diskussion! Vom Gefühl her hätte ich von den Flush Draws am liebsten AKs, AJs, A9s und A5s gebettet, aber die allein sind wohl zu wenig. Hero hat den Nutvorteil, weil die anderen keine QQ haben. Hero würde die Sets auf dem stark connected Board wohl wirklich gross betten (ca. Pot) und mit dieser Grösse würde ich auch die Draws betten wollen. Die anderen Nut Draws manchmal (ca. 50%), so wie von CaBo07 beschrieben. Die Bet mit K:c 9:c kann ich nicht nachvollziehen, da diese Hand nicht gerade viel Equity hat. Wenn schon Gutshots, dann K:s 9:s mit dem backdoor Flush Draw, weil man dann am Turn häufiger fortsetzen kann. Der Solver wird seinen Grund haben, nur verstehe ich ihn noch nicht.
Die Bet bewirkt, dass MP ins Sandwich genommen wird, der von den Callern wohl die stärkere Range hat. Das ist sehr unangenehm für ihn, weil er wegen des Risikos, von CO einen Raise zu kassieren, nicht viel callen kann. Man wird also auf dem Turn oft nur noch gegen einen Spieler stehen (wenn nicht schon beide am Flop folden), was am Turn weitere Bluffmöglichkeiten eröffnet. Mit potsize am Flop wird es für ihn schwierig, ein mittleres Pair zu callen.
Nach dem Raise würde ich auch pushen. Wenn man callt, dann sind am Turn 75 bb im Pot, das heisst, man lädt CO zum Push am Turn ein, weil er sich mit jeder Size committet und dann hat man keine guten Odds, wenn man sich nicht verbessert hat. Dann muss man unter Umständen sehr viel Equity am Turn aufgeben. Viel besser bringt man es am Flop schon rein und da hat man mit Nut Flush Draw und Nut backdoor Straight Draw und Overcard keine so schlechten Aussichten. Selbst gegen Monster werden das so ca. 35-37% Equity sein und mehr braucht man angesichts des grossen Pots auch nicht. Mit dem Push realisiert man seine Equity zu 100%, das ist sehr viel wert. Mit einem Call 1/3 des Stacks zu investieren und dann am Turn folden zu müssen ist viel schlimmer. Tatsächlich wird die Equity höher sein, denn auch CO kann Bluffs haben. K:h J:h, J:h 9:h, vielleicht sogar in Pik oder auch K:h 9:h. Gegen diese Hände ist man Favorit wegen des Redraws. Da er nur 6 Kombos für Sets haben sollte, summieren sich die Kombodraws in seiner Range schnell auf ein beträchtilches Gewicht. Ich gehe davon aus, dass Hero auch nach dem Raise noch wenigstens 40% Equity hat.
Also alles in allem finde ich es gar nicht so schlecht gespielt, nur am Flop könnte man etwas grösser betten oder alternativ diese Hand auch checken.
Zur preflop Size: in früher Position gross und in später klein ist die klassische Ansicht, da die frühe Range eng und die späte weit ist. So was ich über das Sizing von Solvern lese, scheinen die aber eine kleine Bet in früher Position und eine grosse in später Position vorzuziehen. Die Idee ist möglicherweise, mit vielen Spielern hinter sich möglichst wenig dead money in den Pot zu packen, weil das Risiko gross ist, dass hinter einem jemand ein Monster hat. In später Position ist die Monstergefahr reduziert, weil nur noch wenige Spieler übrig sind, daher kann da grösser gebettet werden.
Das Risiko durch die Monster existiert auch in kleinen Limits. Während viele sonst in den kleinsten Micros nicht viel auf die Solver Lösungen geben, weil eh keiner GTO-nah spielt, könnte dieses Argument aber ziemlich angebracht sein. Was denkt ihr, steht ein Paradigmenwechsel für die preflop Sizings bevor?