Das Board auf dem Flop sieht in der Tat etwas furchterregend aus. Weil die gegnerische Range sich genau um diese Karten konzentriert, hängt tatsächlich viel davon ab, welche Karten genau seine Range hat. Beispielsweise foldet der Solver KTs preflop für BU, aber ein Haufen menschliche Spieler würden es callen. Auf dem Flop ist das aber die Nut-Straight. Da der Gegner insgesamt nicht sehr viele Hände hat, macht das einen ziemlich grossen Unterschied aus.
Der Blick in die Charts hilft leider nicht viel weiter. Im Einsteigerchart wird gegen eine 4-bet überhaupt nicht gecallt. GTO-Wizard hat die Callingrange QQ-88, AQs-AJs, KJs+ und das war's. Das ist so eng, dass geringe Abweichungen grosse Konsequenzen haben können.
Gegen die Solverrange hat AA mit deinen Farben einen leichten Vorteil, wenn man jedoch noch ATs-QTs hinzufügt, dann wird daraus ein Nachteil.
Auf jeden Fall kann man sagen, dass BU über den Nutvorteil verfügt, denn er hat die Sets und die Straight. Hero hat weniger Sets, weil ihm wenigstens 99 fehlt und keine Straight, weil ihm KTs fehlt.
Die Grundregel im fortgeschrittenen Programm ist, hat der Gegner den Nutvorteil, dann spielt man keine grossen Bets. Hat der Gegner ausserdem den Rangevorteil, dann wird gecheckt. Es ist etwas zweifelhaft, ob Hero den Rangevorteil hat. Wenn, dann ist er hauchdünn.
Das heisst, prinzipiell kann man eine Contibet spielen, aber sie sollte auf jeden Fall klein sein.
Die andere Möglichkeit ist, polarisiert weiterzuspielen. Polarisiert heisst, mittelstarke Hände werden gecheckt (ein Pair ist hier nur eine mittelstarke Hand), nur Monster und Bluffs werden gebettet. Die können dann auch gross gebettet werden. Dazu sollte man dann manche Monster auch nur checken, damit der Gegner die Checks nicht mit grossen Bets überrollen kann. Wobei der Hinweis auf Stack to Pot von MrRobot schon richtig ist. In 4-bet Pots werden made Hände in der Regel nicht mehr gefoldet, wenn es nicht wirklich deep ist.
Nach dem Raise wird die gegnerische Range sehr nutlastig. Seine Range hat ja viele Nuthände. Der Solver kommt für den Gegner auf die Idee, AJs, KJs, KQs, AQs zu raisen. Einfach deshalb, weil er keine anderen Bluffs mehr hat. Das sind aber Bluffraises mit Pairs. Menschliche Gegner in den Microstakes kommen nicht auf solche Ideen. Vielleicht raisen sie als Buff TT und vielleicht raisen sie auch JTs, falls sie es in der Range haben, aber keine top Pairs.
Gegen einen menschlichen Raise sieht es also gar nicht mal so toll aus, aber die Aces haben trotzdem noch relativ viel Equity, falls der Gegner auf die Idee eines Raises mit Tx kommt. So an die 30% hat man dann.
Jetzt muss man rechnen: Reicht das, um um den Stack zu spielen?
Im Pot befinden sich 2,12+1,33+3,65 = 7,10.
Dein Reststack ist 5,28 -0,90 -1,33 = 3,05.
Der Raise des Gegners ist 2,32, nach einem Call wären von deinem Stack noch 0,73 übrig. Es ist klar, dass man damit nicht stirbt (aufgibt), sondern es geht jetzt um ein all-in oder nicht.
Der Gesamtpot nach einem all-in wäre 7,10 + 2,32 + 2*0,73 = 10,88 und du müsstest dafür 3,05 investieren. Schwer zu sehen, wie man da mit 30% Equity noch raus kommt, weil 3,05 von 10,88 weniger als 30% sind.
Das wäre nach einer kleinen Contibet anders gewesen. Eine 1/3 Bet auf dem Flop hätte 0,70 investiert und dein Reststack wäre dann 3,68 gewesen. 3,68 von 10,88 sind 34%. Da wird's dann also schon knapp.
Nach der 2/3 Bet wird's aber sehr schwierig, das noch zu folden.
Das wäre auch nach der Einsteigerstrategie nicht anders. Da heisst es bei 4-bet Pot, raist ein Gegner am Flop, gehst du mit einer made Hand all-in.
Für den grundsätzlichen Aufbau der fortgeschrittenen Strategie siehe hier:
https://www.pokerstrategy.com/de/forum/thread.php?postid=20946239#post20946239