Was sind denn so deep die preflop Ranges? Ich würde denken, dass Hände wie T9s, 97s, 75s, 86s und J8s wegen der implieds preflop nicht aufgegeben werden. Dann ist die raising Range am Flop potentiell JJ, 88, 66, J8s, 86s, T9s, 97s, 75s (13 Valuehände, 12 Bluffhände) und das wäre noch zu valuelastig, da noch zwei Streets kommen und die Stacks so gross sind, dass noch zwei Streets gespielt werden können. Man kann ja ausrechnen, wie viel Bluffhände Villain am River braucht, um am River all-in zu kommen und Hero indifferent zu machen. Daraus ergibt sich dann die Anzahl der Bluffhände in jeder Street, um Hero in jeder Street indifferent zu machen.
Villain braucht an Turn und River ein Sizing von ca. 60% Pot, um am River all-in zu sein. Man kann dabei bemerken, dass Villains Size am Flop sehr gut gewählt ist, da sein Raise am Flop auch 60% Pot ist und er damit über alle Streets bis zum River das gleiche Sizing hat. Mit diesem Sizing wird Hero indifferent bei einem Bluffanteil am River von knapp 30%. Geht man davon aus, dass Villain am River nur noch Sets valuebettet (wobei auch Straights und Flushes dazukommen können), dann hat Villain am River 9 Valuekombos. Er braucht dann 5 Bluffkombos am River, um auf 30% Bluffanteil zu kommen. Am Turn hat er 14 Kombos, die er am River bettet, das heisst, er braucht am Turn weitere 6 Kombos, die er blufft. Also hat er am Flop 20 Kombos, die er am Turn bettet. Da er am Flop 60% raist, braucht er auch am Flop ein weiteres Drittel Bluffkombos (weitere 9). Insgesamt braucht er dann am Flop 5+6+9 = 20 Bluffkombos, damit Hero am Flop indifferent wird. Das ist das Bluff-Stacking-Modell für theoretisch optimales Spiel. Villain sollte am Flop also nicht nur T9s, 97s und 75s bluffen, sondern ausserdem noch ein paar andere Hände, z. B. QTs, Q9s, T7s mit backdoor Flush Draws (= weitere 9 Kombos). Auf diese Weise hat er immer auch Bluffkombos in seiner Range, wenn er die Straight trifft. So könnte er zumindest spielen.
Hero sollte dann jede Street 30% seiner Bluffcatchrange folden, damit er nicht overfoldet. Bluffcatchrange ist dabei alles, was schlechter als ein Set ist. AA gehört am Flop noch nicht in die Foldingrange, weil es nicht in den bottom 30% von Hero ist und keine Bluffes blockt. Am Turn muss man sich überlegen, wie es mit den Blockern aussieht. AA hat keine Blocker für die Bluffrange von Villain und wird auch dort noch nicht in den bottom 30% sein. Also sollte AA auch am Turn nicht gefoldet werden. Am River wird es dann knapp, da 66 und 86s auch nur noch Bluffcatcher sind. Die wird man callen müssen wegen des Blockervalues. Am River könnte AA zur Foldingrange gehören, vor allem, wenn kein A:d dabei ist. Mit A:d blockt Hero weniger potenzielle Bluffes, die vielleicht auch mal ATs, A9s, A7s mit backdoor Flush Draw sein könnten, was bei Hero AA blockt. Aber vor dem River sehe ich AA eigentlich nicht folden, zumindest nicht, wenn man optimal spielen will.
Natürlich ist es die Frage, ob auf NL50 so gespielt wird. Das weiss ich nicht, da ich selber nur NL5 spiele. Immerhin, ich kenne das Bluff-Stacking-Modell. Da könnte ein NL50 Spieler das vielleicht auch kennen?