Habs nochmal (für mich) zusammengefasst. Da ich nicht da war, wäre es cool, wenn einer der Beteiligten das Ganze überfliegen könnte:
1. Allgemeine Spieltheorie
Allgemein werden verschiedene Szenarien unterschieden, in denen sich ein Spieler befinden kann. Diese Szenarien haben aus sich selbst heraus Eigenschaften, die sie von anderen spieltheoretischen Szenarien unterscheiden und unterschiedliche Aktionen erwarten.
Allgemein gilt in jedem Szenario die beste Balance zwischen Maximierung der Gewinne und Minierung der Verluste zu erreiche. Hierzu muss jedes Szenario isoliert betrachtet und ausgewertet werden.
Szenarien sind abhängig von
- der Art des Zustandekommens der Situation (limped multiway pot, raised multiway pot, raised hu pot, 3bettet pots (, 4bettet pots), preflop all-in)
- der Setzreihenfolge (Hero ist absolut/relativ IP/OOP)
- der Spielweise der involvierten Spieler
- der stacksize der Spieler
- der eigenen Handstärke und der eigenen Handrange
- der möglichen Kartenkombinationen des/der Gegners/Gegner
- der boardtextur (trocken, drawy, draw heavy, paired, hi-carded)
edit: Anmerkung von Fliegus: boardstrukturen unterteilen in bruteforce (quasi wa/wb board wie K73o und paired boards wie Q55, J66, auf denen weder wir, noch V oft genug gehittet haben wird), equity boards (wet boards, die protected werden müssen oder günstig von uns gesehen werden wollen) und power boards (ich denke er meint sehr trefferlastige boards wie suited broadway flops) Meine Meinung: Wir kategorisieren hier zu viel. Ich würde meine ursprüngliche Form auf "drawy, draw-heavy, rarely hit (gemeint: trocken, hi carded und/oder paired) und often hit (gemeint: broadway boards, suited boards, connected boards) zusammenfassen, weil sie explizieter auf zu erwartende action abzuleiten sind.
- der history am Tisch
- dem table image der involvierten Spieler.
Edit 03. 02. 10: Liste durchstrukturiert in Determination -> Gewichtung der GTO-Faktoren -> Gewichtung der OTG-Faktoren.
Um den maximalen Erwartungswert (EV) aus einer Situation zu extrahieren muss Hero noch vor Entstehen des Flops auf folgende Aspekte zu achten:
- (relative) Position auf einen Schwachen oder potenziell dominierten Spieler
- das Isolieren von schwachen Spielern um mit drawy hands schon preflop Gewinne zu erziehlen oder durch eine cbet am flop das Geld für sich zu gewinnen
- die wahrscheinliche handrange (basierend auf stats und reads/notes) des Gegners verglichen mit unserer hand(-range) für effektives 3- und 4betten
dazu:
- das Planen der Hand bei bestimmten boardtexturen („kommt ein trockenes A hi board, so hat meine range häufig getroffen, jedoch könnte ein call auf meine 3bet auch ein A in der hand von villian inkludieren, wahrscheinlich sind in meiner Range jedoch besser Asse, sodass..“)
- das Reagieren auf besonders aktive/passive Spieler im Bezug auf 3betting und 3bet-/4betcalling
- Vermeidung von multiway pots mit starken aber trefferabhängigen Händen und starken overpairs
- das Generieren eines multiway pots mit schwachen drawy hands, die stark improven können (SCs, suited broadways) oder aber Punkt 2, sofern möglich und/oder nötig
- das Vermeiden von Automatismen und unbalanced play um die eigene hand zu verstecken
Im Szenario (hier zunächst der flop betrachtet) selbst sind wir durch unsere preflop action determiniert und das Repräsentieren (reppen) einer bestimmten handrange und somit Handstärke tritt in den Vordergrund. Generell sollten wir IP mit Initiative (wir haben geraised) und HU sein (es sei denn bspw. Punkt 7 war die profitabelste Möglichkeit preflop unsere hand zu spielen). Sodann haben wir häufig durch eine cbet die Möglichkeit eine stärkere hand zu reppen, als wir tatsächlich haben und der Gegner wird uns auf ebendiese handrange setzen müssen, sofern er nicht eine bessere hand hat oder fortgeschritten genug ist unsere cbet als Standard vorauszusetzen und entsprechend backmoved (c/r flop oder c/c flop, float turn als Beispiele).
Es gilt nun für die eigene und im Bezug auf die gegnerische handrange die optimale line (Spielweise) vom Flop zum River zu finden. Manchmal ist es besser den Flop direkt zu gewinnen, manchmal wollen wir einen großen pot aufbauen und manchmal ist genau das Gegenteil unser Anliegen, sodass wir einen günstigen showdown anstreben. Wann was zutrifft wird unter anderen Aspekten genauer erläutert.
2. GTO-Play vs. OTG-Play (Game-Theory-Optimal vs. Off-The-Game / Mathe vs. Opponentplay)
Allgemein ist zunächst zu entscheiden, ob wir mit bestimmten lines und Mustern dasselbe Ergebniss erziehlen können, jedoch objektiv betrachtet eine Spielweise anstreben, die relative gesehen einen höheren Erwartungswert hat.
Beispiel: c/r Turn vs. c/c Turn, r River
Effektiv gehen wir zunächst davon aus, dass villian folden wird, glauben jedoch, dass eine der beiden Möglichkeiten gegen diesen speziellen Gegner und aufgrund der boardtextur, der beiden ranges, stacksizes, etc. langfristig einen höheren EV bringt, wohingegen gegen einen anderen Gegner eben die andere line profitabler spielbar ist.
Wir exploiten also unseren Gegner in irgendeiner (zum Beispiel auch mathematisch begründeten Form (alias: korrekte odds für das improven des draws von villian geben, die possible improved hand am river jedoch trotzdem schlagend (FH>Straight-/Flushdraw)).
Hierbei ist darauf zu achten, dass wir selbst nicht exploitable sind. Aspekte in dieser Richtung sind balancing pre- und postflop, anti-automatismen und alternative betting lines gegen bestimmte Gegner und das Exploiten des Gegners allgemein als die erste Methode unexploitable zu sein.
Hierzu sind alle über einen Spieler bekannten Informationen heranzuziehen und die bestmögliche line für unser Ziel zu konstruieren und Vorraussagen über mögliche actions vom Gegner auf späteren Straßen zu machen.
Hinzu kommt jedoch, dass auch unser Gegner mit ebendiesen Aspekten arbeitet und wir nicht nur den Gegner spielen dürfen, sondern auch unsere eigenen stats, unsere Spielweise allgemein und unsere history betrachten müssen, um seine range und Spielweise genauer zu analysieren um sie schließlich auszunutzen.
Dies endet (oft) in einem guessing oder meta-game, in denen die eigene handstärke manchmal gewinnunabhängig wird.
Beispiel: Ist es profitabler Gegner X mit Queens zu 4betten und auf einen Push zu folden oder ist es profitabler die 3bet des Gegners zu callen um value von schwächeren Händen zu generieren.
Hier kollidieren oft sehr polarisierte handranges, was ein korrektes Spiel trotzdem Verluste hervorrufen lassen kann, jedoch objektiv und longterm +EV ist.
2.1. GTO-Game (Mathematik)
Zunächst sind die range des Gegners und die Verlässlichkeit dieser Range (konvergiert unsere Annahme an die tatsächliche hand(-range) des Gegners oder haben wir gewisse Faktoren (bewusst) missachtet oder vergessen?) zu bestimmen.
Danach wird die Equity (Gewinnwahrscheinlichkeit) gegen ebendiese range definiert.
Im nächsten Schritt prüfen wir gegen welchen Teil der Range wir vorne sind, gegen welchen hinten und wägen ein Verhältnis beider Teile ab. Liegen wir häufig vorne, sollten wir value extrahieren, liegen wir hinten sind pot control und free showdowns für uns im Vordergrund, bei etwa gleichen Teilen entsteht eine way ahead/way behind Situation, in der wir versuchen sollten Verluste zu minimieren. Hierzu sind ausführliche und richtige Artikel in der database von ps.com enthalten. Edit 03. 02. 2010: Ich glaube zu behaupten, dass eine rein passive line in wa/wb Situationen nicht immer richtig ist. Auch hier würde ich je nach Gegner aggressiv spielen. Bspw. gegen Regs deren folding frequencies auf bestimmten boards ich genauer kenne.
2.2 Information Play
Zunächst müssen wir Annahmen darüber treffen wie der Gegner die unterschiedlichen Handkategorien (starke made hands, made hands, verletzliche made hands, draws, air) spielt und auch hier prüfen, wie reliable diese Informationen sind und ob sie auch gegen uns zutreffen. Beispielhafte Annahme: Nur weil Gegner X gegen Spieler(-typ) Y seine draws passiv und pot controlled spielt, kann er sie gegen uns völlig anders (aufgrund anderer Annahmen seinerseits) spielen.
Danach ist zu evaluieren wie wir diese Informationen am besten für unser Spiel benutzen („Was hat den größten EV?“). Generell sind uns drei Optionen (check/raise/fold) gegeben, die es abzuwägen gilt. Abwandlungen wie check/raise sind natürlich inkludiert.
3. In der Praxis. Bring it on, ladies!
Phase 1: GTO orientiert spielen um zunächst unexploitable zu sein und das Verhalten der Gegner zu studieren.
Phase 2: Immernoch GTO orientiert spielen, jedoch Gegnertendenzen prüfend antesten (bsp. Donkeys und Regs als recht einfach zu erkennende Gegnertypen früh auf bestimmte Verhaltensweisen testen) um anschließend in...
Phase 3: ...viel mit Reads und Stats zu arbeiten, dass heißt gezielt auf den Gegner zu adapten und ihn zu exploiten. Sollte der Gegner von einer erwarteten Spielweise abweichen und dies offensichtlich tut, weil er gegen uns re-adapted, sollten wir zu Phase 2 zurückkehren oder re-re-adapten (overadapting), was zu starkem meta-game und leveling führen kann/wird.
Insofern ist es zunächst (wenn man neu an einem Tisch ist) wichtig die Gegner und das allgemeine Spiel an dem Tisch zu analysieren (TAG, LAG, Donkey, Callingstation, Maniac, Fisch) und Tendenzen der Spieler auf gewissen board Strukturen zu erfassen. Scanning the moneyz!
4. Spiel gegen die Gegnertypen
- Callingstation:
Spielt viele Hände und passiv.
-> Wenig stealen, Isolieren, kein Slowplay und keine Bluffs (induzieren).
- TAG
Unserer Spielweise ähnlich.
-> Öfter stealen und 3betten (generell mit Aggression gegenübertreten). OTG beachten.
- Maniac
Spielt viel und aggressive, bluff viel.
-> Mit Monstern und guten made hands (TPTK) valuetownen
- Rock/Nit
Spielt wenige Hände, diese dafür sehr aggro
-> Loose stealen, postflop aber sehr tight vorgehen. Zeigt er keine Aggression, sollten wir selbst auf den Plan treten. Implied-needed hands (setcalls bspw.) sind hier sehr gut spielbar!
- LAG
Spielt viele Hand und aggro
-> Genaue valuespots wählen, jedoch auch mal einen bluff einstreuen um unsere valuespots nicht zu detectable zu machen.
- Donkey
Trifft viele falsche Entscheidungen, unberechenbar und ohne klare Linie.
Manchmal sind bspw. check/raises, donkbets oder overbets als play für eine bestimmte Handart abzuleiten (ausnutzen!)
-> ABC valuetownen. OTG-Game gegen diesen Gegner unwichtiger.
Edit:
Was Rot ist bitte nochmal prüfen.
Gerne kann auch jemand meinen Text copy/pasten und weiter durchstrukturieren und ergänzen..
Edit:
Jetzt hab ich hier so viel editiert, dass meine Worddatei im Anus ist ♦
Ich speicher das mal in ner .txt Datei ab und bringe irgendwann eine readable Komplettversion hier im Forum raus.