Vladimir 05.01.15, 12:54
#6
Hey, eroticjesus!
Hiermit möchte ich ein paar Userfragen aus der russischen Community zum Vid übermitteln:
1.
" Das Vid hat mir sehr gut gefallen, aber es gibt ein Paar Fragen dazu:
a) Warum soll die 3bet-Range 1:1 gebalanced werden? Wenn z.B. der BB auf 10bb gegen ein 3bb-Open 3bettet, dann riskiert er ja 9bbb bei einer Posize von 4,5bb. Demzufolge geben wir dem Villain die Odds von fast 2:1 zum Callen. D.h. um das mathematisch zu balancen können wir 2 bluffkombos für eine Value-combo haben. Zumal du auch selber sagst , dass die Gegner "nicht optimal" und viel zu viel auf die 3bets folden.
b) Warum in dem Part wo du sagst, dass wir dem BU kein Autoprofit erlauben sollen, erwähnst du nicht den SB, der ja auch mit gewisser Frequency sein Small Blind defenden wird, was dem BB im Prinzip erlaubt tighter zu defenden undn sein Spiel einfacher zu gestalten?"
2.
"Das Video ist interessant, aber woher nimmst fu diese Werte von 60% und 75% für den Realisierungsfaktor? Ich habe grosse Zweifel, dass ich 60% meiner EQ realisieren kann, wenn ich preflop 60% oder 80% OOP defende. Wiederum wenn du sagst, dass wir dann postflop viel check/folden können, sind wir dann nicht super exploitable gegen die Cbets von Gegner der ja dann einfach 100% Cebetten kann und unsere Folds expoloiten?"
- See more at: http://de.pokerstrategy.com/video/35122/#sthash.ktmlszBN.dpuf
Hey Vladimir, viele Antworten gibt es hier schon im Thread.
zu 1.
a) Mal bitte genau mathematisch vorrechnen. Wenn wir mehr bluffen, bekommen wir Probleme mit unserer defense-range vs. 4bets imo, ich kann mich aber auch irren. Egal. Ich denke schon, dass wir hier nicht nur spieltheoretisch, sondern auch auch exploitive aufs Feld unsere 3bet-Range deutlich erweitern können. In dem Vid ging es nur um eine Default-Strategie, die nicht wirklich zu exploiten ist. Wenn man nun aber seine 3bet-Range erweitern will, dann sollte man nicht einfach random bluffs adden, sondern überlegt an die Sache herangehen. Ersteinmal kann man durchaus weiter for Value/Semivalue 3betten, bspw. KQs, 99 usw. Desweiteren performen kleine Pockets schlecht im Singleraised Pot, man foldet mit 22 auf jeden Board was man nicht hittet massive Equity gegen Villains Range, von daher kann man durchaus mit sowas wie 22 3betten. Villain foldet immer Equity und Blocker sind nicht wirklich wichtig bei so weiten Ranges. Aber man kann auch hier drüber streiten. Über Suited Aces hab ich weiter vorn was im Thread geschrieben, auch die kann man reinnehmen. Wenn wir diese Hände in der Range haben, dann hat man auch gute "randomizer" für 5betbluff-shoves (in der ersten Strategie wurde nie wirklich bluff5bettet), oder aber man hat mit suited Ax auch gute Hände, die man gegen lächerlich kleine (aber oft effektive) 4bets callen kann (das geht mit 53s nicht wirklich, man bekommt zwar die odds, aber Equity lässt sich wirklich schwer realisieren). Ich denke weiterhin, so hab ich in dem Vid noch nicht gedacht, dass es durchaus Sinn macht oop mehr zu 3betten als IP, auch im BBvsBU. Man ist schwerer zu spielen und Villains Strategie sollte aufgrund der Posi eher zu calls neigen, deshalb können wir ihn mit unserer polarisierten Range vor schweren Entscheidungen stellen mit seiner mittelstarken Range.
b) Das ist ein guter Punkt, über den ich mir vorher auch den Kopf zerbrochen habe. Man muss die Sache eben so sehen, dass wir unsere Blinds als Einheit betrachten sollten und als Einheit defenden sollten. Den SB müssen wir eben sehr oft folden und unsere Strategie im BB muss das überkompensieren und mit eben dieser vorgestellten Strategie macht man das eben. Sagen wir der Einfachheit halber, Villain hat mit einem ATC-Steal einen Autoprofit, wenn beide Blinds zu 50% folden (mathematisch unkorrekt, aber er reasiert ja Equity bei call). Ich folde meinen SB default zu ca. 85%. Ich muss also den BB weit defenden, damit das erstmal kompensiert wird. Natürlich ist das mathematisch nicht so weit, wie im Vid vorgestellt, aber wir bekommen weiterhin gute Odds und closen die Action und laufen gegen eine weite Range, ich hoffe es ist im Vid klar geworden, dass wir dadurch enorm weit defenden können. Natürlich verschiebt sich der EV nicht wirklich stark, wenn wir tighter spielen, nur wenn wir zu tight spielen. Als Vorbereitung auf höhere Limits ist es aber wichtig Übung darin zu bekommen auch mit grenzwertigen Händen zu defenden, denn dort kämpfen gute BTNs um diese kleinen Edges und es wird unumgänglich viel zu defenden, vor allem passiv. Wenn man sein Spiel einfacher gestalten will, dann ist das schön und gut, hier gebe ich den Tipp, dass man einfach seine eigene Grenze finden sollte und den Teil aus der Range streichen sollte, bei dem einen ziemlich schlecht wird, bei dem Gedanken zu callen, denn bei Grenzhänden ist es so, dass sie irgendwo zwischen -90bb/100 und -100bb/100 kreisen, was natürlich wieder mit hoher Varianz verbunden ist und man muss diese kleine Edge dann auch nicht mitnehmen, vor allem, wenn man Postflop nicht so gut ist. Wer sich postflop unsicher fühlt, der sollte ohnehin schonmal seinen R um 5%-Punkte senken, also anstatt 0,6 eben 0,55 nehmen. Da wären wir glaub ich auch gleich bei der nächsten Frage.
2) Durchforste mal bitte den Thread hier, dort habe ich viel zum Thema R geschrieben, ich möchte keine Fragen zwei mal beantworten. Kurz: Erfahrungwerte. R ist ein Schätzwert und diese Werte kommen an die Grenzhände gut ran.
Ich drücke es aber nochmal wie im Vid aus: Wenn ich eine Grenzhand habe, die sonst 100bb/100 verliert, weil ich immer folde und ich durch einen call -90bb/100 mache (weil ich mal lucky bin, boards kommen, die ich gut Checkraisen kann, etc.), dann verliere ich mit dieser Hand in diesem Spot 10bb/100 weniger als sonst. Das wirkt sich longterm stark auf die "Loserate" im BB aus.
Man sieht also, man muss nicht viel Equity realsieren, die meisten Call-Hände sind perse nicht profitabel, wir verlieren damit ja immer noch, sie werfen aber einen höheren EV ab, aufgrund der Odds, die wir Preflop bekommen, also ganz alte Pokerschule, Basics sozusagen. Daher auch die "hohen" Realisierungwerte. Wir haben ersteinmal eine gewisse Equity gegen Villain seine Range, dann haben wir die entsprechenden odds und 60% zu realisieren ist nicht wirklich viel, denn wir hitten eben auch mal und wir bekommen ja auch mal boards, bei denen unsere perceived-Range besser hittet und wir Villain daran hindern können, seine Equity zu realsieren, ich hoffe das wird im Postflop-Vid klarer.
@super exploitable gegen cbets: Nochmal: Odds + Equity vs. Range + Actionsclose. In einem meiner ersten Pokerbücher habe ich gelesen, wenn ich genau weiß, dass Villain AA hat und wir 100bb deep sind und ich gute Odds bekomme, dann sollte ich alles callen. Hier weiß ich obv nur, dass Villain Range X. Villain macht also ein Investment, wenn er zu weit raised und wir gar keinen Autoprofit zulassen, dann macht er das größere Investment (er 2bb wir nur 1bb) in einem Spot, den er aber nicht sofort gewinnt. Er ist also dazu gezwungen mehr zu attackieren postflop als wir, weil er Preflop das Investment gestartet hat, meist mit der Intention "Steal", der ja keiner mehr ist gegen unsere Strategie. Man kann das auch wieder damit begründen, dass wir ja nicht das Ziel haben mit einer Hand mehr als 0bb/100 zu machen, sondern, weniger als -100bb/100. Nehmen wir an, wir spielen gegen jemanden der 80% den BU raised, wir folden 10x mit T6o, also verlieren wir damit 10bb. Nun callen wir 10x und folden 8x auf eine cbet, raisen einmal die cbet als bluff und einmal for Value und Villain foldet beide male. jetzt haben wir gegen die cbets (sagen wir 3 in 4,5bb) 8x 2bb verloren, also 16bb und 2x4,5bb + 3bb gewonnen. Nehmen wir noch an, dass der Bluff nur 50% funktioniert und wir zu 80% mit unserer Valuehand vorne sind, damit es etwas realsistischer wird: (0,5 x (4,5bb + 3bb)) + 0,8 x (4,5bb + 3bb) = 3,75 + 6 = 9,75, also 16bb - 9,75 = 6,25, wir haben also 6,25bb anstatt 10bb verloren und dabei 80% auf cbets gefoldet. Ich hoffe ich hab hier keinen Rechen oder Denkfehler, weil ich eigentlich schon lange an den Tischen sitzen wollte^^
Es ist natürlich für eine Hand wie T6o eher unrealsisch so viel weniger zu verlieren, aber ich denke an 9bb statt 10bb kommt es gut ran. Was ich damit sagen will, wir sind schlussendlich aufgrund der guten Odds nicht durch cbets exploitbar, weil unser Investment preflop so gering ist, dass es eine Strategie locker rechtfertigt, viel schwache Hände zu callen und dabei nicht auf Balancing zu achten. Klar hat Villain mit der Cbet Autoprofit, aber nicht so viel, dass es seine ganzen Investments wirklich rechtfertigt. Schlimmer wäre es, wenn er 3bb am CO raisen würde, wir den BU callen und Villain mit cbets Autoprofit hätte.
Ich hoffe das kommt verständlich rüber, wenn ich Fehler gemacht habe, bitte einfach schreiben^^