Zum Forum springen
Dara O'Kearney's - ...
 
Benachrichtigungen
Alles löschen

Dara O'Kearney's - Bluffen wird überbewertet

2 Beiträge
2 Benutzer
2 Reactions
837 Ansichten
MrRobot
Beigetreten: 19.06.2022

Bluffen wird überbewertet!

Die Veröffentlichung des Strategieartikels von Dara ist schon etwas her, trotzdem beschäftigt er mich immer mal wieder noch. Zusammenfassend beschreibt Dara darin, dass Bluffs und Bluffcatcher 0 EV Hände sind und daher überbewertet werden. Im Grunde macht man nur mit Valuebets Geld, bzw. die zugehörigen Hände sind die klaren +EV Bringer. Das ist das was uns zumindest die Theorie, bzw. ein GTO-Solver lehrt.

Ich frage mich in diesem Zusammenhang, in wie weit sich diese Überlegungen auf die Praxis übertragen lassen? Da ich auf den Micros spiele und die Gegner sich größtenteils nicht wirklich um meine Strategie scherren, bräuchte ich, Dara's Logik folgend, nie bluffen oder bluffcatchen. Das passt aber irgendwie nicht zu meiner subjektiven Erfahrung, dass wenn ich mal eine längere Zeit zu passiv gespielt habe, meine Winrate darunter gelitten hat. Sind Bluffs und Bluffcatcher also doch wichtig und notwendig? So wie ich den Artikel nämlich verstanden habe, ist es nur notwendig zu bluffen, wenn der Gegner denkt, dass wir es nicht könnten -- um dafür zu sorgen, dass er unsere Valuebets wieder anfängt auszuzahlen.

Dazu eine Beispielhand: Hero sitzt im HJ und opened mit 44, BTN 3bettet und Hero fragt sich, ob er passiv defenden soll.

Angenommen Hero möchte die 3Bet callen -- Muss Hero dann bereit sein die Hand Postflop auf bestimmten Boards, bzw. in bestimmten Spots zu bluffen -- oder reicht es aus die Hand ganz einfach auf Setvalue zu callen und bei der geringsten Aggression von Villain die Hand direkt (ohne Hit) aufzugeben?


Antwort
Zitat
1 Antwort
Moderator
cjheigl
Beigetreten: 10.04.2006

Ich glaube, man muss zwei Dinge unterscheiden: Solver und Menschen. Für Solver haben Bluffs einen geringen bis keinen EV, weil für Solver der Gegner auch ein Solver ist, der immer die richtige Menge an Calls findet. Bei Menschen sieht es anders aus. Da gibt es Situationen, die krass überfoldet sind, weil zu den Solvercalls auch ausgesprochen schwache Hände gehören, die Menschen nicht finden und andererseits auch Situationen, wo kaum etwas gefoldet wird, weil deren Range keine schwachen Hände mehr hat.

Menschen kann man exploiten, wenn man diese Situationen erkennt. Als Exploit können Bluffs durchaus eine Menge Value haben, nämlich wenn die Foldequity besonders hoch ist. Aber auch nur da.

Bluffcatcher haben selten einen hohen EV. Das haben die nur in überblufften Spots, in denen viel zu viel geblufft wird. Solche gibt es, aber sie sind nicht häufig. Meistens ist das sehr gegnerabhängig.

Im angesprochenen Beispiel hast du eine ungünstige Position und eine Hand, die auf dem Flop selten ein Set und praktisch nie ein top Pair machen wird. Sie ist ausserdem schlechter als alle Pockets des Gegners. Das ist eine höchst unprofitable Situation für einen menschlichen Spieler. Wenn du das einfach wegwirfst, dann machst du bestimmt keinen grossen Fehler.

Für den Solver ist das eine 0 EV Hand, für den Menschen ist das ausser bei wirklich guten Spielern eine -EV Hand, wenn man sie weiterspielt. Der Solver spielt sie wegen der Boardabdeckung. Der Mensch wird nach dem Flop viele Fehler machen.


Antwort
Zitat
Teilen: