Die Veröffentlichung des Strategieartikels von Dara ist schon etwas her, trotzdem beschäftigt er mich immer mal wieder noch. Zusammenfassend beschreibt Dara darin, dass Bluffs und Bluffcatcher 0 EV Hände sind und daher überbewertet werden. Im Grunde macht man nur mit Valuebets Geld, bzw. die zugehörigen Hände sind die klaren +EV Bringer. Das ist das was uns zumindest die Theorie, bzw. ein GTO-Solver lehrt.
Ich frage mich in diesem Zusammenhang, in wie weit sich diese Überlegungen auf die Praxis übertragen lassen? Da ich auf den Micros spiele und die Gegner sich größtenteils nicht wirklich um meine Strategie scherren, bräuchte ich, Dara's Logik folgend, nie bluffen oder bluffcatchen. Das passt aber irgendwie nicht zu meiner subjektiven Erfahrung, dass wenn ich mal eine längere Zeit zu passiv gespielt habe, meine Winrate darunter gelitten hat. Sind Bluffs und Bluffcatcher also doch wichtig und notwendig? So wie ich den Artikel nämlich verstanden habe, ist es nur notwendig zu bluffen, wenn der Gegner denkt, dass wir es nicht könnten -- um dafür zu sorgen, dass er unsere Valuebets wieder anfängt auszuzahlen.
Dazu eine Beispielhand: Hero sitzt im HJ und opened mit 44, BTN 3bettet und Hero fragt sich, ob er passiv defenden soll.
Angenommen Hero möchte die 3Bet callen -- Muss Hero dann bereit sein die Hand Postflop auf bestimmten Boards, bzw. in bestimmten Spots zu bluffen -- oder reicht es aus die Hand ganz einfach auf Setvalue zu callen und bei der geringsten Aggression von Villain die Hand direkt (ohne Hit) aufzugeben?