Original von 00Visor
Warum halte ich von Gigabet nix:
- Das erste Beispiel mit Q4o ist ziemlicher Mist. Der Overpush ist einfach nur total -EV. Außerdem können wir 8handed auch keinen so großen Druck auf shortere Stacks aufbauen.
Mist ich komm jetzt nicht mehr an den Artikel ran, die Hand finde ich auch fragwürdig vor allem weil der UTG Limper ein sehr guter Regular war und Gigabet auch nie was dazu gesagt hat, welche Range er ihm gibt.
Im Endeffekt hatte UTG KK und Gigabet hat 2Pair gemacht...
Vom Prinzip her halte ich Gigabets Idee aber für richtig. Man muss nur von der Redeweise absehen, "es ist manchmal gut -EV Calls oder pushes zu machen". Wenn Gigabets Analyse stimmt, ist der Call schließlich +EV, nur nach ICM halt -EV.
Es gibt auch viel einleuchtendere Beispiele im Bereich knapper -ICMEV Entscheidungen.
Es erscheint viel plausibler, wenn man einen Spielzug macht, der nach ICM -0,1 hat und aufgrund signifikanter strategischer Vorteile im Gewinnfall overall +EV ist (Wenn ich beispielsweise 5 handed bei hohen Blinds mich zum Chipleader in der Bubble aufschwingen kann indem ich ein Gamble gegen den LAG gewinne und dadurch 3 weaktighte Gegner exploiten kann, o.ä.).
- Die Einteilung in Gruppen ist ziemlich waghalsig. Bei höheren Blinds verändern sich diese Gruppen durch das ganze Gepushe eigentlich in jeder Hand.
Diese Einteiligung is definitiv waghalsig, aber sie ist ja auch revolutionär
Ich halte das ganze für einen genialen Schachzug, da er es einem ermöglicht Heros strategische Situation sehr greifbar zu machen.
Die Dynamik der Stackgruppen ist ein Faktor der die Ergebnisse ein wenig verwäscht, aber selbst bei den Ongame Turbos bleiben die Gruppen imo starr genug, um eine sinnvolle und fruchtbare Einteilung zu gewährleisten.
- Die 35% Regel ist imho sogar eine totale Fehlanalyse. Wir sagen, wir sind committed, wenn wir 35% unseres Stacks riskieren, weil wir auf ein All-in 2:1 Pot-Odds erhalten. Wenn wir aber nur 35% des gegnerischen Stacks investieren, erhalten wir auch 2:1 Odds. Wieso sollten wir dann nicht committed sein?
Gigabet behauptet nicht, wir seien nicht potcomitted wen wir 35% von Villains stack raisen. Er behauptet es gibt Situationen in denen ein Stealraise und ein Fold auf Reraise trotz 2:1 Odds korrekt sei. Ob das wiederum korrekt ist lässt sich bestreiten, ich persönlich stimme Gigabet zu, man müsste das ganze mal anhand eines Beispiels diskutieren.
- Das ganze Gepushe bei SnGs basiert doch darauf, dass es sich wegen ICM einfach nicht lohnt, zu gambeln. Mit einem Push übe ich also direkten Druck auf meine Gegner aus, die mich nur tight callen (dürfen). Wieso soll ich auf diesen Vorteil verzichten und einen 35% Raise machen?
Wenn ich Gigabet richtig verstanden habe, dann nimmt er an, dass ein 35% Raise gegen bestimmte Gegener genauso "druckvoll" ist, wie ein Push, weil der Gegner z.B erkennt, dass man ein potcomittendes Raise macht
Manchmal signalisiert ein einfaches Raise ja auch besondere Stärke. Die eigentliche Frage ist imo, ob diese Strategie nicht leicht exploitable ist...
- Die Konsequenz, die viele Spieler aus dem Gigabet-Dilemma ziehen, ist dass sie -EV Plays machen sollen, bloß um in höhere Gruppen zu kommen und mehr Druck auszuüben. Dies steht im krassen Widerspruch zum "1. Gebot" der SnGs: "Jeder Chip, den du verlierst, ist mehr Wert als ein Chip, den du gewinnst". Klar sind Bigstacks, v.a. an der Bubble, nach ICM unterbewertet, aber Gigabet ist da keiner guter Ansatz, dieses Problem zu lösen.
Prinzipiell stimmt dieser Grundsatz. Aber es scheint möglich zu sein, dass bestimmte Stackkonstellationen, bei bestimmten Gegnern diesen Grundsatz übertrumpfen, einfach weil die Rechnungen, die diesen Grundsatz stützen die Equity Steigerung, die man durch einen Gruppenaufstieg erfährt nicht miteinberrechnen.
Übrigens ganz wichtig ist ja auch Gigabets Annahme, dass man beim Verlust von Chips bei gewissen Gambles keinerlei strategische Nachteile im Vergleich zu der vorherigen Chipverteilung mit sich bringt.
Ein Gewinn des Gambles dagegen bringt erhebliche strategische Vorteile mit sich.
Und diese Faktoren berücksichtigt die normale Equityberechnung nicht!
Entscheidend sind also die Fragen
(1)"schmerzt der Verlust von soundsoviel Chips wirklich nicht?"
(2) "Sind bestimmte Konstellationen in die ich mich durch Gamblings hineinmanövriere wirklich so stark +EV aufgrund meiner strategischen Vorteile, dass sie den ICM Equityverlust aufwiegen?"