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Postflop-Gameplanerstellung, eure Meinungen

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CaBo07
Beigetreten: 27.11.2015
PokerStrategist

Moinsen!

Ich bin mal wieder dabei, meinen Gameplan weiter aufzubauen und zu verfeinern. Ich bin gerade bei folgendem Spot und würde mich freuen, wenn hier eine Diskussion starten würde. Ich könnte mir nämlich vorstellen, dass es dazu mehrere Meinungen gibt.

Annahme:
- Ich bin UTG, Openraising-Range: 66+,A2s+,KTs+,QTs+,JTs,T9s,98s,ATo+,KQo
- BTN callt, Range-Annahme: 66-JJ,ATs-AQs,KTs+,QTs+,JTs,T9s,98s,AJo-AQo,KQo
- der VPIP/PFR der Villains ist im Schnitt bei ca. 24/16 auf NL16. Das könnte also hinkommen.
- Board: AhJs9h

Wie soll der Grundplan aussehen? Eher CBet-basiert oder eher check-call-lastig?
Ich habe mal beides durchgerechnet.

Pro cbet-lastig:
- CBet: AA,JJ,99,AJs+,A9s,KQs,QTs,AJo+,KQo,As8s,As7s,As6s,As5s,As4s,As3s,As2s,KdKh,KhKs,KhKc,KhJh,KhTh,QdQh,QhQs,QhQc,QhJh,JhTh,AsTs
- check-call: T9s,98s,ATo,AcTc,Ad8d,Ac8c,Ad7d,Ac7c,Ad6d,Ac6c,Ad5d,Ac5c,Ad4d,Ac4c,Ad3d,Ac3c,Ac2c,Ad2d,KdKs,KdKc,KsKc,KdJd,KsJs, KcJc,QdQs,QdQc,QsQc,QdJd,QsJs,QcJc,JdTd,JsTs,JcTc,AdTd
- check-fold: TT,66-88,KsTs,KcTc,KdTd
- Vorteile:
- wir lassen Draws zahlen, besonders wenn er sie mal nicht raist
- wir lassen 2nd Pair und schlechteres zahlen mit besseren Händen (allerdings zahlen wir ihn auch mit unseren Draws aus)
- Nachteile:
- Wir müssen sehr viel (!!) auf die Raising-Range folden
- unsere check-call-Range hat wenig Equity (ca. 22%) gegen Villains Betting-Range

Pro check-call-lastig:
- CBet: AA,JJ,99,AJs,QTs,AJo,KsQs,KhJh,KhTh,KsTs,QhJh,JhTh,KhQh
- check-call: QQ-KK,AQs+,A2s-ATs,T9s,98s,AQo+,ATo,KcJc,QdJd,QcJc,JdTd,JsTs,JcTc,KdJd
- check-fold: TT,66-88,KQo,KcQc,KdTd,KcTc,KdQd
- sehr value-lastige CBet-Range
- stärkere check-call-Range
- Vorteile:
- Gegen Villains vermeintliche Raising Range (Sets, Top Two Pair, starke FD) haben wir ca. 51% Equity
- ich muss viel weniger auf seine Raises folden
- durch den Check KANN Villain auch Hände betten, die er nicht betten sollte (rumspewen), wodurch unsere check-call-Range stärker wird
- ich potcontrolle auf einem Board, das Villain mit vielen Draws, Gutshots und Made Hands getroffen hat
- Nachteile:
- unsere check-call-Range hat gegen Villains Betting Range vmtl nur ca. 29%
- größere check-fold-Range

Ich bin für mich bisher zu dem Schluss gekommen, dass die check-call-lastige Line besser ist. Wie seht ihr das?


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8 Antworten
Renne01
Beigetreten: 15.05.2007
Elite Grinder

Du musst dich zuerst fragen, ob dein Plan exploitative oder (semi-)unexploitative sein soll. Im ersteren Fall lautet die Antwort, dass du eher öfter c-betten solltest (>= 1/2), während die Antwort im letzteren Fall lautet, dass du eher seltener c-betten solltest (<= 1/3), je nachdem, wie groß du deine lines betten willst. Das musst du vorher (mehr oder weniger) wissen, soweit wie möglich. Denn davon hängt ab, wie bluff- oder valuelastig du bettest (sog. value-bluff-frequencies). Wenn du deinen Plan für mehr als eine Situation bauen willst, dann brauchst du eine Unterteilung in Boardtypen oder in %-Anteilen, zu den Villain was passables und mehr trifft.

Wenn dir das nicht sonderlich viel sagt, dann schmeiß deine Chips erstmal loose rein, wenn die Gegner weak sind, was sie oft sind, wenn das Board trocken ist und sie raisen oder flop und turn callen. Ballern funktioniert auf NL16 normalerweise noch recht gut. Nichtsdestotrotz macht es Sinn, wenn du dich mit den Details mehr auseinandersetzt.

Zu deiner range-Aufteilung von oben:
Im ersten Beispiel ist deine x/c range ultraweak. Wenn dein Gegner das mitkriegt, siehst du niewieder einen Showdown. Dass du quasi zu viel valuebettest, ist also kein Problem für die c-bet range sondern für die x/c range, weil die x/c range quasi gleich der x/f range ist über mehrere streets.

Das zweite Beispiel schaut schon besser aus.

Merk dir einfach, dass du deine x/?-range im Bereich von 50% defenden können solltest, ohne Bauchweh zu bekommen. Das geht nicht auf jedem Board, dafür gibts auch Boards, wo du easy 60% defenden kannst. Das gleicht sich overall aus. Also nicht auf Krampf 50% defenden. Abhängig von den sizes kann sich das ändern, aber als Richtwert taugen die Zahlen. Wenn du Probleme hast auf 40% zu kommen, hilft es dir, wenn du die c-bet range verkleinerst, was auf drawlastigen Boards oft nicht so prickelnd ist. Allerdings hast du auf solchen Boards auch oft schöne Valuehände, wo du trotzdem keinen raise sehen willst. Die richtige Mixtur zu finden ist genau das, worauf es im Poker ankommt. Da kannst du tonnenweise Zeit reinstecken und rumtüfteln.


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CaBo07 Themenstarter
CaBo07
Beigetreten: 27.11.2015
PokerStrategist

Ah eine Antwort :) Danke :)

Ich strebe immer mehr an, irgendwann mal einen Gameplan zu haben, der sehr schwer zu exploiten sein wird. Ich glaube 100% unexploitative ist schon sehr optimistisch ^^ Auf jeden Fall für mich mit meinem theoretischen Wissen...
Du kennst doch bestimmt dieses Bild mit den 12 verschiedenen Board-Konstellationen? Das Board ist eins davon. Daran wollte ich mich mal so lang hangeln. Zumindest für den Anfang.
Und zu der Betsize...ja. Also ich weiß, dass man anhand der Betsize auch das Value-to-Bluff-Verhältnis ablesen können sollte.
Ich habe z.B. 50 Value Combos und bette 6 bb in 10 bb: 6/(10+6) = 37,5%. 50*0,375 = ca. 19 Bluff Combos.
Mit sowas habe ich auch in letzter Zeit rumprobiert. Aber ich glaube auf den unteren Limits kannste das vergessen, weil kleine Bets anscheinend super oft als Schwäche angesehen werden.
Ich frage mich aber auch, wo zb auf so einem Board die Grenze der Value-Hände liegt? Ist zb AT noch eine wirkliche Value-CBet?

Ich habe auch mal die einzelnen Ranges gegeneinander bei PokerRange ev-mäßig durchgerechnet. Im zweiten Beispiel bin ich mit beiden Lines auf jeden Fall +EV dabei. Immerhin schonmal das ^^ Allgemein warf das zweite Beispiel auch höhere EV's raus.

Das mit dem 50% defenden ist gut, daran hatte ich noch gar nicht gedacht.
Wie bestimme ich denn allgemein, wie viel ich allgemein auf Raises folden "darf"? Anhand der Equity-Formel?
Bsp: Ich cbette 6 in 10 und werde mit 18 geraist. ich muss also 12 nachzahlen: 12/(34+12) = 26,1%
Dürfte ich dann also ca 75% meiner CBet-Range folden?


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Renne01
Beigetreten: 15.05.2007
Elite Grinder

Du brauchst mehr bluff-Hände als value-Hände am Flop. Da musst du dich vom River zum Flop hanteln. Darum musst du wissen, wie deine betline ausschauen wird. Du brauchst mehr bluffs für die Hände, die du 3x ballern willst und weniger bluffs für die Hände, die du weniger als 3x ballern willst. Du solltest deine value-Hände also unterteilen in die Anzahl an bets, die du einplanst und für jede dieser Kategorien eigens bluffs zuweisen.

Bzgl. defenden vs. raises kommts drauf an, ob du nur via 3bets defendest oder auch callst. Ist nicht so einfach. Wenn du nur 3bettest, kannst du das im Prinzip gleich durchrechnen wie bei den preflop ranges. Da du in der Praxis aber auch einen Teil deiner range callen wirst, musst du das auch noch berücksichtigen. Dabei musst du dann auch überlegen, welche Hände du callen kannst und wie gut du deren equity durchbringst.

DuckDuckgo mal nach "optimal postflop play in nlhe". Die Artikelserie ist nicht der heilige Gral, aber sie sollte dein Denken auf die richtige Schiene bringen. Ansonsten kann ich dir noch das Buch "Applications of NL Hold'em" bedingt empfehlen. Damit solltest du die meisten deiner Fragen beantworten können.


Antwort
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0815pokerpr0
Beigetreten: 03.06.2012
PokerStrategist

Interessanter content :)


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CaBo07 Themenstarter
CaBo07
Beigetreten: 27.11.2015
PokerStrategist

Danke schön erstmal!
Ganz schön komplexes Ding...
Aber mal ehrlich...es gibt Spieler, die sowas ausgetüdelt im Kopf haben für verschiedene Boardtypen in verschiedenen Positionen vs verschiedene Positionen??? Dafür muss man doch n Superbrain sein :f_cry:


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Renne01
Beigetreten: 15.05.2007
Elite Grinder

Du musst dir halt mal deinen Plan erarbeiten und dann ins Hirn reinprügeln, bis du es eben irgendwann mal auswendig kannst. Damit das ingame auch funktioniert, musst du für alles praktikable Annäherungen finden, also Faustregeln, die möglichst immer halbwegs nah an dem dran sind, was du dir wünschst. Weil Kombis stur abzählen geht ja ingame nicht, wenn du mehr als einen Tisch spielst. Am Ende, wenn du das hinbekommst, bist du dann kein "Superbrain" sondern ein "Roboter", der sein Programm tagtäglich abspult, möglichst ohne zu tilten. Denn wenn du tiltest, hilft dir der beste Plan nicht. Und wenn du dann noch Glück hast und besonders ausdauernde Nerven hast, kannst du dieses Programm über viele Jahre abspulen, sofern noch so lange genügend gepokert wird. Traffic nimmt ja stetig ab.


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herbsch
Beigetreten: 27.06.2007
BlackMember

sondern ein "Roboter", --- ist halt auch die frage, ob das jeder will, oder solls ev auch ein bisschen spass machen?


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Renne01
Beigetreten: 15.05.2007
Elite Grinder

Ja, wär schon gut, wenns auch Spaß macht. War bei mir halt nicht der Fall.


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