Hallo zusammen,
ich lese in den Handbewertungsforen in letzter Zeit immer mehr von Leuten, dass sie in Position am Flop ihre starken FDs nur passiv defenden. Als Beispiel dient diese Hand hier: NL10 // Riverbetsize?
Original von nacl
Mein Gegner ist ein 22/4 auf 24 Hande spieler. Also bisher ehr unknown.Grund warum ich calle sind die Blinds. SB ist ein 49/0 Spieler der auf 200 Haende einfach sau wenig foldet und BB ist bisher ein 88/7 Spieler auf 24 Hande. Also der spielt alles. BU ist ein unauffaelliger spieler.
Ich bin also oft IP und danher calle ich ohne die Tendenzen vom PFRer zu kennen.
Leider callen diesmal die Blinds und zwar beide 0o
NL Holdem $0.10(BB) Replayer
MP ($10)
CO-Hero ($10)Dealt to Hero 4♠ A♠
UTG raises to $0.30, Hero calls $0.30, fold, fold, fold
FLOP ($0.75) T♠ T♦ J♠
UTG bets $0.48, Hero calls $0.48
Ich möchte einmal detailiert die Vor- und Nachteile der jeweiligen Plays durchrechnen. Eure Meinungen sind dazu hocherwünscht.
EV(raise) = FE * $2.71 + call% * (EV(river) * ($2.71 + $3,5) – (1-EV(river)) * $3,5)) – push% * $3.5
(Modell-Annahme: Villain checkt den Turn zu uns, wenn er nur gecallt hat am Flop und wir checken behind)
Ich gebe Villain hier eine tighte Opening Range wegen seiner riesigen Gap (trotz der kleinen Sample Size)
Opening Range: {66+, KQ, AJo+, ATs+} 106 Kombos; 8% OR (unser A:s als Blocker berücksichtigt)
Am Flop werden aus diesen 106 Kombinationen 90
Cbet-Range: {88+, KQ, AJo+, ATs+} 78 Kombos; 87% cbet
Dabei habe die 66-77 rausgelassen um Checks mit Underpairs zu berücksichtigen
Folding Range: {88-99, AQ+} 36 Kombos, 46% FE
Calling Range: {AJ, KQ, QQ} 28 Kombos, 36% call%
Pushing Range: {ATs, TT, JJ, KK, AA} 14 kombos, 18% push%
EV(raise) = 0,46 * 2.71 + 0,36 * (0,52 * (2,71 + 3,5) – 0,48 * $3,5) – 0,18 * 3,5 = $1,78
Was ist hier vorteilhaft am Raise?
1) wir liegen gegen seine Calling Range vorne! (ca. 52%)
2) er callt häufiger als er pusht
3) wir geben ihm die Chance zu tight zu folden
4) er hat Hände gefoldet, die noch zu TP (oder FH) improven können (Equityshare gefoldet)
5) wir bringen mit Floaten nichts zum folden, was wir durch Raisen am Flop nicht ohnehin folden würde
In welcher Hinsicht ist der Call ggü dem Raise EV-neutral?
1) der Teil seiner Folding Range, den wir mit „Raise Flop“ zum folden bringen, bekommen wir im Grunde auch mit „Float Turn“ zum folden
2) wir sehen den River zu sehr ähnlichem Preis
Wann könnte der Call dennoch besser sein?
Der Vorteil kann also nur beim Spielen gegen den Teil seiner Range entstehen, den er auf einen Raise am Flop continuen würde, also hier konkret {KQ, ATs, AJ,TT+}. Dieser Vorteil müsste dann auch größer sein, als der von ihm gefoldete Equityshare gegen Raises am Flop.
(Ausnahme: Wenn in seiner Folding Range Hände enthalten sind, die noch deutlich improven können, aber uns gleichzeitig noch mehr improven – sprich Flush over Straight oder Flush over Flush usw…)
• Wenn er sehr viel broke geht, auch wenn unser Draw ankommt (Implied Odds)
• Wenn wir ihn auf späteren Streets zu einem günstigeren Preis aus der Hand drücken können
• wenn er Hände am Flop pusht, die er aber gegen Floats aufgibt (starke Draws)
• Wenn er sehr wenig 2nd-barrelt (den Teil seiner Range, die uns schlägt, aber trotzdem am Turn nicht valuebetten gleichzeitig am Flop aber nicht folden will – sprich Float-Abusing Hände)
Da die EV Rechnung vom Call komplizierter ist, führe ich sie erst durch, nachdem die Vorteile des Calls ein wenig diskutiert wurden.
Fragen ans Publikum:
Seht ihr noch weitere Vorteile des Calls ggü. dem Raise?
Welche diese Vorteile seht ihr hier gegeben?
Denkt ihr, diese Art von Spieler pusht konsequent QQ nach unserer 3bet? Machmal, selten, nie?
Alle Anregungen, Kritik und Fragen sind willkommen.