Weil anschliessend eine Menge Kritik kommt, will ich erstmal sagen, dass ich die Grundidee deines Videos spitzenklasse finde. Two thumbs up!
Zur Kritik:
Ich fürchte, dieses Video schiesst für die Zielgruppe (Leute, die von Poker keine Ahnung haben) weit übers Ziel hinaus. Die meisten werden nur Bahnhof verstehen. Im positiven Fall nehmen sie den Eindruck mit, dass da ein Wunderknabe 3 Tische + Hilfssoftware gleichzeitig bedienen kann, im schlechtesten Fall halten sie dich für einen Maniac. Erst ab Pokerstrategy Bronze werden Zuschauer mit dem Video etwas anfangen können.
Verbesserungsvorschläge:
Du solltest es etwas langsamer angehen. Wenn man darstellen will, warum man Poker als Strategiespiel spielen kann, muss man den Leuten erst mal beibringen, worum es bei Poker überhaupt geht. Nämlich nicht nur mit den bestmöglichen Kartenkombinationen am Ende zu gewinnen, sondern an Hand der Wahrscheinlichkeiten und der offenliegenden Karten abzuschätzen, ob sich eine Investition im Verhältnis zur Potgrösse und der Wahrscheinlichkeit, dass die benötigten Karten eintreffen, überhaupt lohnt. Diese Art von Mathematik ist die Basis des gesamten Spiels. Das kann man wahrscheinlich mit einem Replayer und ausgewählten oder konstruierten Beispielhänden besser darstellen als bei der Aufzeichnung eines Live-Spiels. Poker kann deshalb mit Gewinn gespielt werden, weil manche Spieler diese Mathematik besser beherrschen als andere.
Die vorgestellte Software (GLH, Pokerstove) erweckt dabei den Eindruck, dass es ohne gar nicht geht. Ich denke, man kann sie einfach weglassen. Sie ist ja auch erst für fortgeschrittene Spieler nötig.
Nichtspieler können mit den von dir verwendeten Begriffen nichts anfangen. Die wissen noch nicht einmal, was eine Hand ist (nämlich ein Blatt). Egde, Stats, Nuts usw. wirken auf sie wie eine Geheimsprache.
Langsamer reden. In dem Video werden derart viele Informationen in so kurzer Zeit gebracht, dass Nichtspieler davon einfach erschlagen werden. So wie ein Anfänger von drei SH-Tischen gleichzeitig schlichtweg überrollt würde.
Die Sehen und Verstehen-Videoreihe ist da vorbildlich (nicht nur da).
Du solltest die Menge der Informationen auf das wesentliche beschränken. Du bringst wahnsinnig viel, das meiste davon ist für das gesteckte Ziel unnötig.
Man kann niemanden davon überzeugen, dass man ein Spiel mit Zufallselementen langfristig mit Gewinn spielt, in dem man einen kurzen Ausschnitt einer Spielesitzung zeigt. Das geht nur mit ebenso langfristigen Statistiken, am besten mit einer Grafik. Beispielsweise der Kurve, die Poker Patterns darstellt, wenn man dazu erklärt, dass diese Kurve über 100.000e von Spielen entstanden ist. Wenn das über Monate oder Jahre stramm nach oben geht, sollte jedem klar sein, dass das keine blosse Glückssträhne mehr sein kann.
Wenn man eine Spielesitzung zeigt und kommentieren will, dann sollte man den Kommentar so einfach und verständlich wie möglich machen. Im wesentlichen wird er sich bei der Zielgruppe darauf beschränken zu erklären, dass man auf gute Blätter Einsätze macht und schlechte wegwirft und dass man die Gegner beobachten kann, um Rückschlüsse auf ihre Karten zu bekommen. Z. B., dass Gegner, die viele Blätter spielen, im Durchschnitt schlechtere Blätter haben als Spieler, die selten spielen. Weil sie nämlich nicht auf die guten Blätter warten, sondern auch die schlechten spielen. Dazu reicht 1 Tisch in den Mikrolimits, Full Ring. Alles andere ist zu hektisch.
Optik: das von dir gewählte Tablelayout ist zwar hervorragend, um es mit PokerAce zu verwenden, wirkt aber auf Unbedarfte hässlich und abschreckend. Da bist du viel besser mit dem bunten freundlichen Standardlayout von PP bedient. Dein Layout enthält auch eine Menge Informationen, die nicht erklärt werden (z. B. ORC). Da es viel zu weit geht, das zu erklären, wählt man besser ein Layout, wo so was gar nicht erst drauf ist.